Was passierte, wenn ein Gladiator einen tötet obwohl er leben sollte?

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich habe keinen Hinweis auf einen solchen tatsächlichen Fall gefunden. Anscheinend kommt in der Überlieferung kein derartiger Vorgang vor. Insofern bleibt nur eine mehr oder wenige spekulative Beantwortung übrig.

Ein Zuwiderhandeln eines professionellen Gladiators gegen eine eindeutig festgelegte Bestimmung, das auch noch von allen Zuschauenden ganz klar bemerkt worden wäre, war sehr unwahrscheinlich.

Nach der Aufgabe eines Gladiators, der damit eine Niederlage eingestand, lag die eigentliche Entscheidungsgewalt, ob der besiegte Gladiator getötet wurde oder weiterleben und die Arena verlassen durfte (die Entlassung/Begnadigung hieß missio), beim Ausrichter der Gladiatorenkämpfe/SpielveranstalterSpielgeber (editor). Das Publikum konnte die Entscheidung beeinflussen. Der Spielveranstalter richtete sich oft nach der Stimmung im Zuschauerraum.

Mit welcher Geste das Publikum ausdrückte, ob es Tod oder Entlassung des Besiegten wünschte, insbesondere, mit welchem Daumenzeichen dies signalisiert wurde, ist etwas unsicher und in der genauen Deutung umstritten.

Das eindrucksvolle Ölgemälde „Pollice verso" des französischen Maler Jean-Léon Gérôme aus dem 1872 hat die Vorstellung eines „Daumen nach unten“ gefördert.

auf die Frage geht knapp ein:

Thomas Wiedemann, Kaiser und Gladiatoren : die Macht der Spiele im antiken Rom.Aus dem Englischen von Nicole Albrecht. Darmstadt: Primus-Verlag 2001, S. 104 – 105

Die Rolle des Daumens stütze sich auf einige wenige literarische Quellen: Iuvenal Satire 3, 16, Prudentius, Contra Symmachum 2, 1099, Anthologia Latina 415, 28 R. („Selbst ein Gladiator, der in der grausamen Arena besiegt worden ist, hat weiterhin Hoffnung, obwohl die Menschenmenge ihm mit feindseligem Daumen droht.“)

Ein Relief in der Glyptothek München zeige dagegen ein anderes Symbol der Begnadigung, eine Hand mit zwei ausgestreckten Fingern als Zeichen des Segens.

eine Erörterung enthält:

Marcus Junkelmann, Gladiatoren : das Spiel mit dem Tod. Mainz am Rhein : von Zabern, 2008, S. 136 – 142 und S. 192

S. 138: „In diesem Falle forderte das Volk unter Beifallsbekundungen, Schwenken von Tüchern, mit geballter Faust, eventuell mit ausgestrecktem Zeige- und Mittelfinger und dem Ruf «mitte!» oder «missum» die missio die Entlassung des Geschlagenen. Mit einer charakteristischen Geste appellierte dieser an das Publikum, ihm diesen Abgang zu gewähren, indem er eine Hand mit ausgestecktem Zeigefinger in die Höhe hob. «Ad digitum pugnare» - «Bis zum Finger kämpfen» war daher auch eine sprichwörtliche Redensart, mit der ein Kampf bis zur Entscheidung bezeichnet wurde. Weitere Gesten, mit denen der Verlierer seine Aufgabe signalisierte, bestanden darin, daß er seine Waffe niederlegte und vor allem seinen Schild auf den Boden setzte. Auf frühen Darstellungen steht oder kniet der besiegte meist mit auf dem Rücken verschränkten Händen […].“

„Wurde dem Besiegten dagegen die missio verweigert, da sein Kampf das Publikum nicht befriedigt hatte, dann ertönte der furchtbare Schrei «iugula» («Stich ihn ab!») und die Hand wurde mit «gewendetem Daumen» (pollice verso) vorgestreckt.“

Die traditionelle Annahme ist, „Daumen nach unten“ habe Forderung nach Tod bedeutet. Manche Forscher denken aber, der Daumen sei dabei nach oben oder gegen die eigene Brust gekehrt worden. Dem Daumen sei von den Römern als besonders «potentem» Körperteil hoher Symbolwert zu gemessen worden. «Pollicem vertere» - «den Daumen drücken», d. h. auf der Faust legen, habe heilsame, glückbringende Bedeutung gehabt und so sei die geballte Faust mit anliegendem Daumen das Zeichen zur Begnadigung gewesen. Als Beleg wird vor allem die Geste des zweiten Schiedsrichters auf einem Medaillon aus Nîmes und die eines Tubabläsers (weist zugleich mit ausgestrecktem Zeige- und Mittelfinger auf den besiegten Gladiator) auf dem Relief in der Münchner Glyptothek angeführt. Der «pollex versus», «der gedrehte Daumen», wird mit «pollex infestus», «der feinselige Daumen» gleichgesetzt. Der von verschiedenen Autoren – nicht ganz eindeutig – als nach oben abgespreizt beschreiben zu sein scheint- Das «vertere», das «Drehen», «Kehren» wird auf die abspreizende Bewegung des Daumens selbst bezogen, während ein nach unten Drehen weniger mit dem Daumen als mit der Hand ausgeführt werde.

Eine Meinung ist, «pollice verso» müsse einen gerichteten Bewegungsablauf und nicht einfach nur ein statisches Daumenzeichen anzeigen, etwa ein Daumenstoß gegen die Kehle. Bei der missio sei der Daumen an die Faust gedrückt worden. Eine Ansicht dazu ist, die Faust umschließe den rechten Daumen, während «pollice verso» als von der ausgebreiteten Hand abgespreizter Daumen aufzufassen sei, wie auf einem Mosaik aus Verona, Via Diaz (um 200 n. Chr.) abgebildet zu sehen.

Zwingend ist keinen der Stellungnahmen, doch gültig die Forderung nach einer eindeutig erkennbaren Bewegung aus sachlichen Gründen gültig.

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S. 138 – 139: „Meines Erachtens muß aber in irgendeiner Weise eine Hand-, wenn nicht gar Armbewegung involviert gewesen sein. Ein bloßes Abspreizen des Daumens bei sonst unveränderter Haltung der Faust ist kein «Drehen» und hätte keine über mehr als einige wenige Meter wahrnehmbare Signalwirkung gehabt. Man sollte hier auch einkalkulieren, daß der Daumen in diesem Zusammenhang gewiß als ein Symbol für das Schwert angesehen wurde und die Bewegung, die man mit ihm machte, den Todesstoß andeuten sollte. Dieser erfolgte wie wir gleich sehen werden, schräg von unten oder senkrecht von vorn. Ich denke, daß mit dem abgespreizten Daumen eine eindeutige Bewegung gemacht wurde, wobei die Richtung vielleicht noch nicht einmal entscheidend war. Eine klare Entscheidung ist in dieser Angelegenheit mangels Abbildungen nicht möglich […].“

Der siegreiche Gladiator hat sich nicht direkt nach den Gesten im Publikum gerichtet, auch nicht nach der für ihn schwer erkennbaren Handbewegung des Spielveranstalters, sondern das Urteil des Spielveranstalters ist ihm über den Schiedsrichter und über Musiksignale übermittelt worden.

Gladiatorenkämpfe waren ein genauen Regeln unterworfener Kampfsport. Wenn ein Gladiator eine besiegten Gegner trotz Begnadigung getötet hätte, wäre wohl ein Eingreifen eines Schiedsrichters (rudis; benannt nach der sowohl „Holzschwert“ als auch „Stock“ bedeutenden rudis; der Stock wurde zweifellos auch praktisch eingesetzt, um säumige Gladiatoren anzufeuern und Regelverstöße zu ahnden) ) erfolgt, der die Disziplinarhoheit in der Arena zukam. In der Arena waren zwei Schiedsrichter (summa rudis und secunda rudis) anwesend (auf Abbildungen wird aus Platzgründen meistens nur einer von ihnen abgebildet, auch hat es vielleicht nicht in allen Kämpfen zwei Schiedsrichter gegeben). Eine unter den Aufgaben des Schiedsrichters war es, in den Kampf zu intervenieren, um den sich ergebenden Gladiator vor weiteren Attacken des Siegers zu schützen.

Tote Gladiatoren wurden abtransportiert, anscheinend auf einer mit Tüchern verhangenen Bahre (torus Libitinae, «Ehebett» der Todes- und Grabgöttin Libitina).

Der Sieger stieg zum Spielveranstalter und nahm seine Preise (Palmzweig und ein Geld- oder Sachgeschenk, bei besonders ausgezeichneten Leistungen auch ein Lorbeerkranz) entgegen. Mit dem Palmzweig in der Hand lief der Sieger unter dem Jubel des Volkes eine Ehrenrunde.udn verließ dann die Arena durch die Porta sanavivaria («Tor der Gesundheit und des Lebens»).

Diese Auszeichnungen des Siegers hätten im Fall einer starken Mißachtung der Entscheidung und eines krassen Regelverstoßes mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht stattgefunden.

Der Schiedsrichter und eventuell Helfer wären vorher eingeschritten und der Spielveranstalter wäre vermutlich auch nicht einfach zur üblichen Siegerauszeichnung bereit gewesen.

Denkbar wäre außerdem ein Eingreifen von Soldaten oder des Leiters der Gladiatorentruppe samt Helfern und anderen Gladiatoren, um den sich regelwidrig verhaltenden Gladiator gegebenenfalls zu überwältigen.

Eine Bestrafung ist naheliegend. Vom Urteil der Entscheidenden wäre abhängig gewesen, wie sie ausgefallen wäre. Dabei könnten verschiedene Umstände mit hineinspielen, wie Kampftüchtigkeit des Gladiators (ein kampfstarker und berühmter Gladiator ist nicht so leicht ersetzbar) oder ein im Allgemein eher angenehmer oder unangenehmer Charakter der betreffenden Person. Der rechtliche Spielraum war sehr groß, auch drastische Strafen eingeschlossen. Ein Gladiator leistete einen Gladiatoreneid, in dem Leiter der Gladiatorenschule (lanista), einem privaten Unternehmer, äußerst weitgehende Maßnahmen (wie brennen, fesseln, schlagen/peitschen, mit Eisen töten) erlaubt wurden (Petronius Satyricon 117, 5; Quintus Horatius Flacchus [Horaz]), Sermones 2, 7, Vers 58 – 61 und ein Acro zugeschriebener antiker Kommentar zu der Stelle; Lucius Annaeus Seneca, Epistulae morales ad Lucilium 37, 1 – 2). Eine Tötung wäre nicht so sehr wahrscheinlich gewesen. Dies wäre ein wirtschaftlicher Verlust gewesen.

Eine Zahlung von Schadensersatz wäre sehr wahrscheinlich gewesen. Eventuell mußte der Gladiator zukünftige Preisgelder dafür abgeben. Denn der Regelverstoß hätte dazu geführt, den Gegner (da getötet) nicht mehr zu Gladiatorenkämpfen einsetzen zu können, mit denen der Gadiatorenunternehmer (lanista) Geld verdiente.

Eine zusätzliche Disziplinarbestrafung ist sehr wahrscheinlich.

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Man hätte danach ihn getötet wahrscheinlich

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