Was kann man sich unter Lehramt Grundschule mit dem Fach Mathematik vorstellen. Was für eine Mathematik lernt man da und wie ist der Schwierigkeitsgrad?

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4 Antworten

Also meiner Erfahrung nach ist das Lehramtsstudium in Mathe sehr weit vom späteren Unterricht entfernt. Wirklich viel hat das nicht mit Schulmathematik zu tun. Es geh vor allem um das beweisen und herleiten von Formeln. 

Damit möchte man hinterher sichergehen, dass jeder Matherlehrer auch eine Autorität in seinem Fach ist. 

Das sind ja Aussichten. :D

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@DerSkripniker

Wie frustrierend das sein muß: Im Studium beschäftigst Du Dich mit Beweisen und Zahlentheorie und Pipapo, um später den Kurzen das Rechnen im Hunderterraum und das kleine Einmaleins beizubringen - das ganze Berufsleben hindurch.

Es gibt bestimmt viele, die an so etwas wirklich Spaß hätten und das auch anschaulich unterrichten könnten, die aber im Studium auf der Strecke bleiben, weil sie sich mit einer Mathematik herumschlagen müssen, die rein gar nichts mit dem zu tun hat, was sie später unterrichten und weit über Oberstufenniveau hinausgeht.

Am Ende hast Du nur Verlierer: Hervorragende Pädagogen, die herausgekegelt werden und kleine Kinder, denen die Mathematik durch Lehrer vermiest wird, die tolle Mathematiker sind, aber die Grundlagen nicht kindgerecht erklären können, weil sie sich auf dieses Niveau gar nicht mehr herunterdenken können.

Der beste Mathelehrer, den ich damals hatte, war fachfremd und ist wegen Lehrermangels eingesprungen. Er hat nie Mathe studiert, aber er hatte so viel Freude an der Materie und so viel Liebe zu den Schülern, daß auch nach Jahrzehnten noch eine Menge hängengeblieben ist.

Solche Leute müßten Mathe unterrichten, dann wäre es nicht das Haßfach Nummer 1 für so viele.

Willy

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Nicht so schwierig wie ein "normales" Mathe-Studium oder wie Gymnasial-Lehramt Mathe, aber trotzdem so schwierig, anspruchsvoll und theoretisch, dass ein Großteil der Studenten völlig überfordert ist und abbrechen muss - leider :-(

Mit dem, was man aus dem Mathe-Unterricht in der Schule kennt - also "Rechnen" - hat Hochschul-Mathe nicht viel gemeinsam.

Ich gebe gerade einer Grundschullehramtsstudentin (schönes Wort) Nachhilfe in Mathe. Sie müssen Zahlenstrukturen verstehen, Beweise führen, Kombinatorik und Zähltechniken... alles in allem sehr Logiklastig. Wenn man von Anfang an am Ball bleibt, gewöhnt man sich daran und es ist nicht schwer. Für jemanden, der 2 Wochen vor der Prüfung mit der Hau-Ruck-Methode lernen möchte, ist das zu schwer. 

An der Uni Köln gab es vor ein paar Jahren einen ... nennen wir es mal Skandal ... als in einem Jahrgang 94% der Grundschullehramtsstudenten durch die Matheklausur gerasselt sind. In dem folgenden Artikel sind die Probe- , die richtige und die Nachschreibeklausur verlinkt.

http://www.dkriesel.com/blog/2012/0419_koelner_mathefiasko_studenten_kannten_aufgabentypen_der_klausur_vorher

Ganz ohne ist es nicht, weit über Grundschulniveau ist es ebenfalls, mit einem Semester Vorbereitung und ein wenig Gefühl für Mathe aber machbar. Meiner Meinung nach.

Die Probeklausur liegt auf jeden Fall weit unter dem Niveau des normalen Mathestudiums. 

Dennoch muß auch jemand mit Mathe-LK noch ordentlich büffeln und sich durchbeißen, um hier bestehen zu können.

Und all das, um für den Rest seines Berufslebens Grundschüler zu unterrichten?

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@Willy1729

Ich kann mir vorstellen, dass es auch passieren kann, dass ein Grundschüler einen etwas abgedrehten Rechenweg hervorzaubert (spontan fällt mir da die chinesische Multiplikation ein http://blog.zeit.de/mathe/allgemein/multiplizieren-schnellrechnen-teil-4/ ). Vielleicht hat da ein Elternteil noch seine Finger mit ihm Spiel, das seinem Kind einen mathematischen Sachverhalt anders erklärt. 

Und nun liegt es am Mathelehrer, diesen Weg zu bestätigen oder zu widerlegen. Von daher sollte der Mathelehrer schon deutlich besser als seine Schüler Mathe können, mit einem Niveau in der Nähe des Mathe-LK ist man da denke ich mal gut aufgestellt. Und in den verlinkten Klausuren kann man mit Wissen aus der Oberstufe und ein paar auswendig gelernten Definitionen schon die Hälfte der Punkte erreichen.

Ich verstehe aber absolut, was du meinst. Ein guter Mathelehrer ist Gold wert, das weiß ich auch aus meiner Oberstufe. Meine Mathelehrerin damals hatte allerdings Mathe gelebt, für sie war das kein Beruf, sondern eine Berufung. Sie hatte aber auch als leidenschaftliche Mathematikerin ein Händchen dafür, das Fach zu erklären (das kam noch dazu). Der Unterricht war recht hart, aber daraus habe ich einiges mitgenommen. Viele Mathelehrer hingegen erklären die Mathematik als großes, unverständliches und kompliziertes Monstrum, und dadurch wird es zum Hassfach. Das ist aber eher eine Baustelle in den pädagogischen Fächern im Lehramtsstudium, deswegen würde ich das Niveau der Mathevorlesungen nicht senken.

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