was ist der unterschied zwichen rechtsradikal und linksradikal?

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Man spricht heute von links- bzw rechtsextremistisch. Der Zusatz -radikal entstammt der frühen Aufklärung. Es leitet sich ab aus dem lateinischen radix, die Wurzel, und mit "Radikale" bezeichnen sich diejenigen selbst, die meinen, man müsste das Übel mit der Wurzel herausreißen. Wenn Du Dich also selbst nicht als Links- oder Rechtsextremisten verstehst solltest Du vielleicht von dieser Vokabel Abstand nehmen. Die Zuteilung von links und rechts sind politikwissenschaftlich keine Kategorien, doch haben sie natürlich einen historischen Ursprung. Dieser ist zu finden in der der Assemblée Nationale, der Französischen Nationalversammlung. Dort saßen vom Parlamentspräsidenten aus betrachtet die Adeligen und die Monarchisten, also die Konservativen auf der rechten Seite in der Mitte fanden sich die Bürgerlichen und auf der linken Seite die Revolutionäre, die einen völligen Umsturz zugunsten des verarmten Dritten Standes wollten (der dritte Stand waren aber nicht die ganz Armen, diese gehörten nicht einmal einem Stand an).


Gemeinhin dient auch heute noch diese grobe Zuschreibung einer Kategorisierung. Als links -oder rechtsextremistisch werden Parteien, Bewegungen oder Personen eingestuft, wenn sich ihr Reden und Handeln gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung, also das Grundgesetz richtet. (Ich beschränke mich mit den Ausführungen mal auf Deutschland.) Jeder, der also die Verfassung über den Haufen werfen will, wird als extremistisch eingestuft.


Zu den typischen Charakteristika der Rechten gehört ein "Wir-Die-Dogma". Dabei ist egal, wer "wir" und "die" sind, aber "wir" sind die Guten, und "die" sind die Bösen und nehmen "uns" alles weg und sind gemein und böse. Und deswegen müssen "wir uns" endlich gegen "die" wehren. (Verzeih', ich kann nicht anders als das zu persiflieren...) Des Weiteren gehört ein Führerkult dazu, die strenge, hierarchische Ordnung, das Gehorsamkeits-Prinzip, Ablehnung der Meinungsfreiheit und -vielfalt, der Demokratie, eigentlich aller Grundrechte. Getarnt wird das ganze mit einem Anstrich des angeblich Sozialen, bisweilen Sozialistischen. Das ist eine reine Lüge. So wie es auch im Nationalsozialismus z.B. niemals Vollbeschäftigung gab und die Wohltaten des "Sozialstaates" mit dem Preis des Weltkrieges bezahlt wurden. Also, wer die schönen sozialen Errungenschaften dieser Zeit wiederhaben möchte, kann sich schonmal an die Front begeben. Sonst wäre das alles nicht bezahlbar gewesen. Der Nazi-Staat ist nämlich immer nur knapp an der Staatspleite vorbeigeschlittert.


Auf der "linken" Seite des Spektrums finden sich vor allem Kommunisten, Sozialisten und Anarchisten wieder. Also auch solche, deren politische Überzeugung nicht in Einklang mit dem Grundgesetz steht. Die Partei "Die Linke" hat erst kürzlich dem Staatsstreich abgeschworen. Auch die SPD musste das tun, so hat sie 1890 verkündet, sie sei eine revolutionäre, aber keine Revolutionen machenden Partei. Die Ziele der Anarchisten, also eine Abschaffung jeglicher Herrschaft wurden bisher noch nirgendwo in die Tat umgesetzt, sie sind aber von ihrer Struktur her natürlich gegen jede staatliche Ordnung und fallen somit unter den Extremismusvorwurf. Die Kommunisten haben einige Chancen erhalten ihre hehren Zielen umzusetzen. Sie möchten die kapitalistische Ordnung aus den Angeln heben um den Staat und die Produktionsmittel in die Hände der arbeitenden Bevölkerung zu geben, damit diese, und nicht die Kapitalisten, von ihrer Hände Arbeit profitieren kann. Nur jetzt ergibt sich ein Problem: irgendjemand muss für diese Bevölkerung als Verwalter auftreten. Und dieser Verwalter, meist eine sozialistische oder kommunistische Partei hat sich in allen Fällen als schlechter Treuhänder erwiesen. Die angestrebten Ziele von Menschenrechten, Recht auf Arbeit und Freiheit von Ausbeutung sind in keinem einzigen kommunistischen oder sozialistischen Experiment jemals auch nur annähernd verwirklicht worden.

Wunderbar sachliche Antwort! Danke dafür und einen dicken Daumen - möge er zum Stern werden!!

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Die historische erklärung ist so nicht richtig. Im parlament der Französischen Revolution gab es die einteilung rechts/links noch nicht. Die radikalen saßen dort oben, auf den rängen (deshalb montagnards = bergpartei genannt), die gemäßigten und konservativen saßen unten (deshalb plaine = ebene genannt). Die sitzordnung mit rechts und links kam erst 1830 auf.

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@tonikal

Soweit ich mich erinnere saß oben der so genannte "vierte Stand", also die wirklich radikalen. Der Dritte Stand saß links, natürlich waren die im Vergleich zu den Montagnards gemäßigt. Aber es ist durchaus möglich, dass diese Bezeichnung erst später geläufig wurde, als Parlamente geläufiger wurden. Aber ich bin mir nicht zu 100% sicher. Es ist auch denkbar, dass das erst in 1830 aufkam, es bezieht sich aber ohne Zweifel auf die Französische Nationalversammlung und die dort herrschende Sitzordnung.

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Rechte glauben ihre persönliche Situation zu verbessern wenn sie mit niemanden Teilen müssen außer mit dem deutschen Volk, in dem sie sich aufgehoben und auch abhängig fühlen.

Linke glauben ihre persönliche Situation zu verbessern, wenn alle abgeben, vorzugsweise an sie selber. Dabei ist es ihnen egal wer abgeben muss, ob Deutsche oder Ausländer. Es geht immer gegen denjenigen der mehr hat und kann. Sie sind zufrieden wenn alle gleich sind.

Mein Versuch das auf individuelle Ebene zurückzuführen.

Extreme sind eigentlich nie etwas Gutes. Wie schon gesagt die politischen Ziele mit Gewalt durchzuboxen ist sicherlich keine annehmbare Lösung in einem demokratischen Rechtsstaat wie der BRD.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Masterstudium

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