Was hat es mit der Büchse der Pandora auf sich?

 - (Computer, Mythologie, Pandora)

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Bei einer sorgfältigen und genauen Untersuchung des Geschehens aus der griechischen Mythologie ist es nötig, sich auf originale Quellen zu beziehen.

Was gängigerweise, aber auf das griechische Original bezogen ungenau als „Büchse der Pandora” bezeichnet wird, ist ein großes Vorratsgefäß aus Ton (daher kommen auch die Ausdrücke „Krug” oder „Faß” in Wiedergaben vor), ein Pithos (griechisch: πίθος [pithos]). In einem Pithos wurden z. B. Wein, Olivenöl oder Getreide aufbewahrt.

Pandora (griechisch: Πανδώρα) ist im Auftrag des Gottes Zeus vom Gott Hephaistos geschaffen worden, wobei andere Gottheiten (namentlich genannt werden Athene, Aphrodite, die Chariten, die Horen, Peitho und Hermes) beteiligt waren, sie mit Fertigkeiten und einem schönen Aussehen auszustatten. Pandora ist äußerlich schön und verführerisch, aber in sie sind Lügen/Täuschungen, schmeichelnde Worte und ein auf schlaue Art betrügerischer Charakter hineingesteckt.

Zeus will durch Pandora den Menschen schaden und sich an einem Gott, dem Titanen Prometheus, rächen. Zeus ist verärgert, weil Prometheus zugunsten der Menschen einen Diebstahl des Feuers begangen hat und bei einer Aufteilung eines Opfertieres in einen Anteil für Zeus/die Götter und einen Anteil für die Menschen zum Verzehr einen Trug unternommen hat (Fleisch und Innereien, in den Magen gesteckt und mit Haut bedeckt als kleinerer Haufen, Knochen reichlich mit Fett bedeckt als größerer Haufen zur Auswahl auch in Zukunft für Zeus, der die trügerische Absicht bemerkt, aber den Haufen mit den Knochen wählt, um einen Grund für eine Beschwerde und Bestrafung zu haben).

Bei Hesiod, Theogonia (Θεογονία; Theogonie; lateinischer Titel: Theogonia) 570 – 591 wird kein Vorratsgefäß erwähnt. Pandora, die erste Frau, gilt selbst als ein Übel. In der Erzählung bei Hesiod ist eine frauenfeindliche Einstellung enthalten.

Hesiod, Erga kai hemerai (Ἔργα καὶ ἡμέραι; Werke und Tage; lateinischer Titel: Opera et dies) 57 – 105 schickt Zeus aus Rache Pandora und Hermes bringt sie zu Epimetheus (der Name bedeutet „der danach/hinterher Denkende“ und zeigt seine mangelnde Intelligenz, da er erst mit dem Nachdenken beginnt, wenn aufgrund fehlender Voraussicht ein Unglück geschehen ist). Dieser ist von seinem Bruder Prometheus (sein Name bedeutet „der Vorausdenkende“) gewarnt worden, kein Geschenk von Zeus anzunehmen, nimmt aber Pandora auf. Pandora öffnet ein Vorratsgefäß, aus dem Übel auf die Menschen loskommen, nur die Hoffnung (griechisch: ἐλπίς [elpis]) bleibt drinnen.

Etwas anderes erzählt Babrios (griechisch: Βάβριος; lateinisch: Babrius) in einer Fabel: Zeus hat ein Vorratsgefäß mit guten Dingen bei einem Menschen abgestellt. Der Mensch öffnet es aus Neugier und die Güter entweichen aus der menschlichen Welt, nur die Hoffnung bleibt zurück.

1) Inhalt des Vorratsgefäßes

a) Übel und außerdem Hoffnung (Hesiod): Die Übel werden als unheilvolle Leiden bezeichnet, Plagen für die Mensche. Mühselige Arbeit, Krankheiten und Tod gehören dazu.

b) Güter/gute Dinge (griechisch: τὰ χρηστὰ πάντα = alles Gute/Brauchbare/Nützliche/Angenehme) und außerdem Hoffnung (Babrios 58)

2) Übergeber des Vorratsgefäßes

a) Bei Hesiod wird nicht ausdrücklich angegeben, von wem das Vorratsgefäß stammt. Eine mögliche Erklärung ist, Zeus habe es ihr mitgegeben. Dies würde zu seiner Racheabsicht passen. Homer, Ilias Ω - 24. Gesang, 527 – 528 werden zwei Vorratsgefäße erwähnt, die an der Türschwelle des Hauses des Zeus hingestellt sind, eines mit Übeln und eines mit Gütern.

b) Zeus (Babrios 58)

3) Grund des Öffnens

a) Planung durch Zeus (Hesiod): Zeus hat die Öffnung in seinem Plan beschlossen und es ist nicht möglich, dem zu entgehen. Pandora führt aus, was Zeus gewollt hat, und Zeus hat für einen bestimmten Chrakter von Pandora gesorgt.

b) Neugierde eines Menschen, der den Deckel vom Voratsgefäß abnimmt (Babrios 58)

Hesiod, Erga kai hemerai (Ἔργα καὶ ἡμέραι; Werke und Tage; lateinischer Titel: Opera et dies) 94 - 105

Hesiod, Sämtliche Gedichte. Theogonie, Erga, Frauenkataloge. Übersetzt und erläutert von Walter Marg. Zürich ; Stuttgart : Artemisverlag, 1970 (Die Bibliothek der Alten Welt : Griechische Reihe), S. 311:  

„Doch als das Weib von dem Tonfass den mächtigen Deckel emporhob,  

Ließ es sie los; es brachte ihr Sinn viel Unheil den Menschen.  

Einzig die Hoffnung blieb da in unzerstörbarer Wohnstatt,  

Innen unter dem Rande des Krugs, und flog nicht ins Freie  

Auf und davon; denn vorher ergriff sie der Deckel des Kruges,  

Wie es der Träger des Aigis gewollt, Zeus, der Herr der Gewitter.  

Aber die andern durchschweifen, unzählbare Plagen, die Menschheit;  

Nämlich voll ist die Erde von Übeln, voll auch die Salzflut; Krankheiten  

kommen bei Tag zu den Menschen, andre zur Nachtzeit,  

Wie sie wollen, von selbst, und bringen den Sterblichen  

Schaden, Schweigend, denn ihre Stimme nahm fort Zeus' planender Wille.  

So ist's gänzlich unmöglich, dem Sinn des Zeus zu entkommen.“

Hesiod, Werke und Tage : griechisch/deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Otto Schönberger. Stuttgart : Reclam, 1996 (Reclams Universalbibliothek ; Nr. 9445), S. 11:  

„Das Weib aber hob mit den Händen den mächtigen Deckel vom Faß, ließ alles heraus und schuf der Menschheit leidvolle Schmerzen. Einzig die Hoffnung blieb dort drinnen im unzerstörbaren Haus unter dem Rand des Fasses und flog nicht heraus. Vorher fing sie nämlich der Faßdeckel ab nach dem Willen des aigisführenden Zeus, des Wolken ballenden. Alles andere aber, verderbliche Übel in Unzahl, schweift bei den Menschen umher; voll ist ja die Erde von Plagen, voll das Meer und Krankheiten befallen die Menschen bei Tag und andre nachts, von selbst und bringen den Sterblichen Leiden, lautlos; denn Zeus, der Planende, nahm ihnen die Stimme. So ist es ganz unmöglich, dem Ratschluß des Zeus zu entrinnen.“

Hesiod, Theogonie : Werke und Tage ; griechisch-deutsch. Herausgegeben und übersetzt von Albert von Schirnding. Mit einer Einführung und einem Register von Ernst Günther Schmidt. 5., überarbeitete Auflage. Berlin : Akademie-Verlag, 2012 (Sammlung Tusculum), S. 89 und S. 91:  

„Aber die Frau entfernte den großen Deckel des Kruges,  

leerte ihn aus und sann den Menschen schmerzliche Leiden.  

Einzig die Hoffnung verblieb im unzerbrechlichen Hause,  

drinnen unter den Lippen des Kruges, und nicht aus der Öffnung  

flog sie heraus; sie [d. h. Pandora] hatte zuvor den Deckel des Kruges zugeworfen nach Willen des Zeus des Wolkenversammlers.  

Sonst aber zahllose Leiden entschwirren unter die Menschen.  

Voll ist nämlich von Übeln die Erde und voll das Wasser.  

Krankheiten gehen bei Tag und Krankheiten gehen bei Nacht um  

unter den Menschen selbst und bringen den Sterblichen Unheil,  

lautlos, da ihnen Zeus der Berater die Stimme herausnahm.  

Also ist es unmöglich, dem Sinn des Zeus zu entgehen.“

Babrios 58

Fabeln der Antike : griechisch - lateinisch – deutsch. Herausgegeben und übersetzt von Harry C. Schnur. Überarbeitet von Erich Keller. 3., verbesserte Auflage. Düsseldorf ; Zürich : Artemis & Winkler, 1997 (Sammlung Tusculum), S. 283:  

„BESTRAFTE NEUGIER  

Zeus packt' einst alle guten Dinge in ein Faß,  

tat einen Deckel drauf und stellt's bei jemand ab.  

Die Neugier, was das Faß enthalte, konnte nicht  

der Mensch bezwingen und nahm drum den Deckel ab.  

Da flog denn alles Gute zu den Göttern auf, 

weil er es losgelassen: fort war's  

aus der Welt. Als wieder er den Deckel aufgesetzt, da blieb allein  

zurück die Hoffnung. Darum blieb auch diese nur  

noch bei den Menschen – Hoffnung, welche uns  

verspricht die Segnungen, die uns entflohen sind.“

Ich kenne eine etwas andere Version des Mythos:

Nachdem Prometheus ("der Vorausschauende, der Vorher-Kluge"; nach einigen Varianten Titan (Riese), nach anderen Mensch) den Olympiern das Feuer geklaut und den Menschen gebracht hatte, wollte sich Zeus an den Menschen rächen.

Er beauftragte Hephästos (den Schmied und Kunsthandwerker unter den Olympiern), eine betörend schöne mechanische Frau zu bauen. Dieser Frau gab er eine Schatulle mit, in die er alle Übel wie Krankheiten, Tod, Missgunst, ... hineingepackt hatte, wobei er ihr nach einigen Versionen noch dazusagte, sie solle den Menschen sagen, diese Schatulle keinesfalls zu öffnen.

Pandora ging damit zu Epimetheus ("Der Nachher-Kluge"), Bruder des Prometheus und König der Menschen, und überreichte ihm die Schatulle. Trotz der Warnungen Prometheus', dass von Zeus niemals etwas Gutes kommen könne, bevor sich sein Zorn verflüchtigt habe, öffnete Epimetheus, betört vom Lächeln der Pandora und des vielversprechenden Äußeren ihrer Gabe, die Schatulle, worauf alle Übel hinausflogen und uns seither belästigen.

Nach einer späteren Version hatte Zeus, um sich nicht vorwerfen lassen zu müssen, den Menschen ausschließlich Unheil zu geben, zuunterst die Hoffnung gepackt und Pandora den Auftrag gegeben, die Schatulle zuzuschlagen, bevor auch die Hoffnung herauskam. Leider / glücklicherweise verpasste sie den richtigen Moment um eine Zehntelsekunde, sodass wir heute auch die Hoffnung haben.

Nietzsche wies darauf hin, dass die Hoffnung als etwas Gutes eine spätere Umdeutung des Mythos gewesen sein muss - schließlich war es ein Behältnis allen Übels. Die Hoffnung hatte Zeus demnach deshalb dazugepackt, damit die Menschen sich nicht vor der Zeit selbst töteten und das Unglück bis zur Neige auskosteten.

Prometheus ist ein Gott; die Titanen sind ein Göttergeschlecht.

Welche antiken Quellen gibt es für die angebliche Fassung „wobei er ihr nach einigen Versionen noch dazusagte, sie solle den Menschen sagen, diese Schatulle keinesfalls zu öffnen.“?

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@Albrecht

Zu 2.: Vermutlich hat mir meine Erinnerung einen Streich gespielt.

Zu 1.: Die Titanen sind eine Art Götter, sie stehen zwischen den alten Chaosgewalten und den Olympiern (bzw. werden noch zu den Chaosgewalten gezählt). Von ihrer Statur her sind sie wesentlich größer als Olympier und Menschen. Es gibt aber mehrere Überlieferungsstränge, die untereinander widersprüchlich sind.

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Man sollte sie besser nicht öffnen, diese Büchse, aber die Menschen waren bereits zu allen Zeiten neugierig....

Nach dieser ist Pandora die erste Frau, die es auf der Welt gab. Zeus, der höchste Gott in der griechischen Mythologie, gab ihr eines Tages eine Büchse. Die sollte Pandora an alle Menschen weitergeben, aber ihnen verbieten, sie zu öffnen.

Nach kurzer Zeit öffnete jedoch Pandora selbst die Büchse. Was in ihr war? Alles Schlechte! So breiteten sich Krankheiten, Tod und Übel über die Menschheit aus. Aus diesem Mythos ist die Redewendung "Die Büchse der Pandora öffnen" entstanden. Damit will man ausdrücken, dass jemand Unheil oder Schaden anrichtet........

https://www.geo.de/geolino/redewendungen/1623-rtkl-redewendung-die-buechse-der-pandora-oeffnen

Das erinnert mich an die Geschichte mit der verbotenen Frucht im Garten Eden. Da haben die Menschen sich auch über ein göttliches Verbot hinweggesetzt.

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@MamboKings

Und... da gab es doch auch die Sache mit Lots Weib, die zur Salzsäule erstarrt war...

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Welche antiken Quellen gibt es für die angebliche Fassung aus der Internetseite „Die sollte Pandora an alle Menschen weitergeben, aber ihnen verbieten, sie zu öffnen.“ ?

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@Albrecht

Mein Anspruch aufgrund der Frage bestand nicht darin, tiefe antike Quellen anzuzapfen, da ich davon ausgehe, dass der Fragesteller eher an der Redewendung interessiert ist. Mein Anspruch bestand auch nicht im Verfassen eines Romans an dieser Stelle.

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