Was genau unterscheidet das Unterbewusstsein vom Unbewusstsein?

8 Antworten

Hach Leute - gemessen an dem was im Netz sonst in Kommentaren passiert ist die Diskussion hier ziemlich sachlich - dennoch: Es geht um Begriffe und die kann ich entweder nutzen wie ich möchte, oder es geht mir darum, welche Begriffe sinnvollerweise und passend für was gebraucht werden - und dazu brauche ich eben Referenzen (Freud, Jung, die Psychoanalyse, aktueller Gebrauch in Psychologie, Medizin, etc.) und Argumente.

In den meisten Fällen in denen der Begriff des "Unterbewusstseins" gebraucht wird, wird es an Stelle des passenderen - und wissenschaftlich etablierten - Begriffs des Unbewussten benutzt, ohne dass sich die Menschen, die ihn benutzen darüber klar währen. (und das liegt ursprünglich an einer falschen Rückübersetzung aus dem Englischen).

Leider findet sich der Begriff inzwischen auch in unzähligen Veröffentlichungen - allerdings zeigt eine genaue Recherche, dass dies in Veröffentlichungen der einschlägigen Wissenschaften sehr viel seltener ist.

Warum ich den Begriff "Unterbewusstsein" als falsch und daneben verstehe liegt daran, dass das "unter" eine Hierarchisierung einführt in ein Modell der Psyche die Bewusstes von nicht Bewusstem abgrenzt ohne eines dem anderen über- oder unter zu ordnen. Ein schöner Beleg für das Problem ist, dass auch hier in der Diskussion jemand das sogenannte "Unterbewusste" mit dem Freudschen "Es" zusammenmischt. Vorsicht: Das psychische Modell von Bewusstsein, Unbewusstem (und Vorbewusstem) hat nichts mit dem späteren Modell von Es, Ich und Über-Ich zu tun - Das Es und das Über-Ich sind beides Instanzen mit hohen unbewussten Anteilen, die aber zum Teil dem Bewusstsein zugänglich gemacht werden können.

Zudem ist mir keinerlei wissenschaftliches Modell der Psyche bekannt, bei dem das "Unterbewusstsein" im Unterschied zum "Unbewussten" wirklich als Begriff herausgearbeitet bzw. als sinnvolles Modell ausgeführt würde.

Man könnte viel darüber schreiben, ich empfehle aber den Begriff des "Unterbewusstseins" nicht zu nutzen, wenn man das "Unbewusste" meint. Will man mit "Unterbewusstsein" jedoch etwas anderes besonderes beschreiben, das von diesem Begriff besser getroffen wird, dann bitte, (nur fällt mir da nicht viel ein, sollte es bei Jung ein alternativer Begriff für das "Vorbewusste" sein, dann bitte, aber ich brauche ihn auch hier nicht und finde ihn auch nicht passend). Gut finde ich wie das zurzeit bei Wikipedia.de zu finden ist: gebe ich "Unterbewusstsein" ein, werde ich direkt auf "das Unbewusste" weitergeleitet und der zweite Satz lautet dann einfach: "Alltagssprachlich wird es oft als Unterbewusstsein bezeichnet."

Ich wäre allerdings dafür, auch in der Alltagssprache, einfach die passenden Begriffe zu wählen.

In der PsA spricht man vom Unbewußten (nicht vom Unbewußtsein). In der Sprache der Philosophie könnte man umschreiben, unbewußte Bedeutungen sind nicht-bewußte Mitbedeutungen. Der Unterschied zwischen den Begriffen eines "Unbewußten" und eines "Unterbewußtseins" ist für die PsA indes eklatant; er veranschaulicht die Entdeckung Freuds schlechthin, nämlich die, daß das Bewußte keine allgemeine Kategorie des Psychischen ist, sondern vielmehr das Unbewußte. Freud formuliert das an zahlreichen Stellen seiner Schriften in unterschiedlichen Formen, so etwa in dem bekannten Ausspruch vom Ich, das nicht Herr im eigenen Haus ist. Freud erkannte, daß es im Gegensatz zur allgemeinen Sichtweise kein dem Bewußtsein UNTERgeordnetes psychisches Erleben gibt, sondern daß vielmehr das Nicht-Bewußte der Regelfall ist. Freuds Aufklärung ergänzt damit Decartes Cogito-Formel um die Kategorie des Unbewußten, wie es sich im Traum, in den Fehlhandlungen des Alltags und natürlich in den Neurosen und Psychosen allerorts und fortwährend offenbart. Die Vorstellung indes, daß das Bewußte ein Ausnahmetatbestand darstellen soll, wird naturgemäß nicht hoch geschätzt; der Begriff "unterbewußt" oder "Unterbewußtsein" mag dabei helfen, Freuds Invention zu marginalisieren, um sich nicht mit ihr auseinandersetzen zu müssen.

Über das Unbewusste kann man logischerweise nichts aussagen, denn im Augenblick, in dem man darüber redet oder denkt, ist es nicht mehr unbewusst, sondern im Bewusstsein. Das Unterbewusste liegt unter der Bewusstseinsschwelle und ist potentiell bewusstbar zu machen. Das Vorbewusste ist das Unterbewusste, bevor es bewusst wird, also genau genommen ist es identisch mit dem UNterbewusstsein, nur mit einem anderen Zeitstempel. Das Unbewusste kann niemals Unter- oder Vorbewusstes sein, siehe oben.

Eigentlich müsste es dann noch das Überbewusstsein geben.

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