Was darf der Notfallsanitäter?

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2 Antworten

"Was darf der Notfallsanitäter" fragt sich wahrscheinlich so mancher, der diesen Titel bereits trägt ... Eigentlich war ja einer der Gründe, warum man überhaut einen Beruf namens Notfallsanitäter schuf, um damit den Rettungsassistenten abzulösen, eben der, dass man dem Problemfall "Notkometenz" ein Ende setzen wollte.

Die Notkompetenz war ja ein rechtliches Konstrukt, dass es in einem engen Rahmen dem RA erlaubte, bestimmte Maßnahmen mit Arztvorbehalt bereits vor dem Eintreffen eines alarmierten (!) Notarztes durchzuführen. Der RA musste die Maßnahme beherrschen, der ärztliche Leiter Rettungsdienst musste die Maßnahme freigegeben haben es durfte keine andere Maßnahme geben, die ebenfalls zum gleichen Ziel führen konnte und wie gesagt musste ein Notarzt bereits auf der Anfahrt sein, wobei es gleichzeitig dem PAtienten nicht zuzumuten wäre, noch auf dessen Eintreffen zu warten.

In der Idee sollte diese Notkompetenz des RA durch eine Art Regelkompetenz für den NotSan ersetzt werden. Das heißt, man erarbeitete eine Reihe Algorithmen, die der NotSan in den entsprechenden Situationen abarbeiten können sollte.In diesen Algorithmen waren einige Maßnahmen mehr enthalten, als für die frühere Notkompetenz vorgeschlagen, was aber der wesentliche Unterschied sein sollte: Die Durchführung der Algorithmen sollte eigentlich unabhängig davon möglich sein, ob ein Arzt alarmiert war. Klar muss der NotSan einen Patienten einem Arzt zuführen, aber in der Theorie sollte ein NotSan einen Patienten mit bestimmten Krankheitsbildern selbst behandeln udn dann in ein Krankenhaus bringen können, ohne dass er erst lang und breit auf einen Notarzt warten müsste. Eine beispielhafte Liste dieser Algorithmen kannst du unter dem Begriff "NUN-Algorithmen" abfragen.

Leider sieht das Notfallsanitätergesetz die Umsetzung dieser Regelkompetenz aber nicht vor, da es sich nur um ein Gesetz handelt, wie sich die Ausbildung gestaltet und zu was sie den NotSan befähigen soll. Da Rettungsdienst Sache der Landkreise ist, kann lokal immer noch anders gehandhabt werden, ob all das, was der NotSan gelernt hat, auch wirklich angewendet werden darf. In der Regel wird es so gehandhabt, dass der ärztliche Leiter Rettungsdienst vor Ort bestimmte Algorithmen von der Liste für seine Leute freigibt, oder eben nicht.

Dies führt zu interessanten Konstellationen: So kann es in einem Landkreis sehr liberal zugehen und der NotSan wirklich alles von der Liste dürfen, während im Nachbarkreis 5 km weiter nicht mal ein venöser Zugang gelegt werden darf.

Man muss also sagen, dass deine Frage, was ein NotSan darf, problematisch zu beantworten ist. Was er dürfen sollte, steht in den NUN-Algorithmen. Was er letztlich wirklich darf, entscheidet der ÄLRD vor Ort, bis es irgendwann hoffentlich eine anderslautende Auslegung gibt. So weit mir bekannt ist, geht es verscheidenorts aber in die richtige Richtung und es wird sich immer mehr an den Algorithmen orientiert als an der Meinung verkalkter ÄLRD, für die Notfallsanitäter immer noch Krankenwagenfahrer sind.

(Anmerkung: Bevor hier einer diskutiert und mir wieder sagen will, dass man nach §34 (rechtfertigender Notstand) ALLES straffrei machen kann, wenn es lebensnotwendig ist - ja, aber z.B. spritzen eines Antihypertensivums oder NIV-Beatmung bei COPD sind NICHT IMMER! akut lebensrettend und fallen damit ebenfalls NICHT IMMER unter §34. Wer sein Berufsleben damit bisher bestritten hat, der möge lieber aufpassen. Regel-/ oder sogar Notkompetenz sind schon noch was anderes)

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Er darf Das was der ärztliche Leiter Rettungsdienst freigibt. Z.B. bestimmmte Medikamente verabreichen, das kann regional sehr unterschiedliche sein und ist eigentlich heute auch schon so. Mit dem NotSan sollte das eigentlich bereinigt sein aber hier hat sich eine gewisse Lobby wohl durchgesetzt.

Es ist weiter richtig das ein NotSan nicht alles darf was er in der Ausbildung lernt. Es gibt bestimmte Eingriffe die er erst selbstständig machen darf wenn er sie schon einen bestimmte Anzahl unter Anleitung bzw. in der Simulation gemacht hat. Dafür ist aber in der Ausbildung nicht ausreichend Gelegenheit bzw. Zeit.

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