Warum wurde das Zebra von afrikanischen Ureinwohnern nie als Reittier domestiziert?

6 Antworten

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Zebras sind im Verhalten tatsächlich anders als Pferde und sind wesentlich(!) aggressiver. Es werden tatsächlich heutzutage mehr Tierpfleger in Zoos durch Zebras verletzt als z.B. durch Tiger. Zudem sind sie wesentlich beweglicher in der Flucht und es ist praktisch unmöglich, sie mit einer Schlinge einzufangen oder zu satteln.

Es hat auch unter europäischer "Aufsicht" im 19. Jahrhundert Versuche gegeben, Zebras und andere afrikanische Wildtierarten zu domestizieren und die sind alle ohne Erfolg geblieben.

Um sich zur Domestizierung zu eignen, muss eine Tierart eine Kombination von ganz bestimmten Eigenschaften aufweisen, sonst ist es entweder nicht möglich oder lohnt sich nicht. Und diese Kombination findet sich fast nur bei europäischen und asiatischen Wildtieren und nur ganz selten bei afrikanischen und amerikanischen Tierarten. Das ist übrigens einer der Gründe, warum sich eurasische Kulturen so viel schneller und weiter entwickelt haben als afrikanische und amerikanische Kulturen.

Interessanter Aspekt! Fallen dir neben 'Muss einfangbar sein' und 'Darf nicht zu aggressiv sein' weitere Eigenschaften ein?

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@Tybald89

Erstmal muss das Tier recht groß sein. Hunde, Bienen und Meerschweinchen sind zwar auch Nutztiere, aber um einen echten kulturellen Vorteil zu bringen, muss ein Nutztier mehr als 45 Kilo wiegen. Erst dann ist es als Arbeitstier oder Fleischlieferant wirklich nützlich. Zur Domestizierung benötigt es dann sechs Eigenschaften.

  1. Ernährung. Es muss ein Pflanzen- oder Allesfresser sein. 
  2. Fortpflanzung in Gefangenschaft. Das ist nicht selbstverständlich. Es gibt Tiere, die sich in Gefangenschaft gar nicht oder nur extrem schwer vermehren.
  3. Berechenbares naturell. Kein Nordamerikanischer Indianer wäre jemals auf die Idee gekommen, Grizzly-Baren zu züchten, obwohl die eine Menge Fleisch liefern. Ähnliches gilt für viele afrikanische Büffelarten oder z.B. Nilpferde.
  4. Fluchtinstinkt. Keine Gazellenart wurde jemals domestiziert, weil die bei kleinsten Störungen kilometerweit flüchten, bis zu 10 Meter hoch springen und sich bis zum Selbstmord panikartig gegen Mauern werfen.
  5. Soziale Rangordnung. Fast alle Vorfahren großer domestizierter Wildtiere leben in Herden mit stark entwickelter Dominanzordnung. Diese kann durch den Menschen genutzt werden
  6. Wachstumstempo. Damit Haltung sich lohnt, dürfen Tiere nicht zu langsam wachsen. Gorillas und Elefanten wären hervorragende Nutztiere, benötigen aber Jahrzehnte zum wachsen.

Bei all diesen Aspekten gilt dann, dass sie alle gleichzeitig vorhanden sein müssen. In Eurasien ist das bei mehr als einem dutzend Tierarten der Fall, in Subsahara-Afrika und Australien bei keiner einzigen und in Amerika nur bei einer Art der Fall.

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Der Hausesel ist aus dem afrikanischen Wildesel entstanden. Die asiatischen Wildesel wurden nicht domestiziert. Die Zebras - außer den Bergzebras - sind näher mit den "unzähmbaren" asiatischen Eseln verwandt. Womöglich spielt das eine Rolle.

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Hi, bei Wikipedia steht was dazu:

"Anders als Hauspferde und Hausesel wurden Zebras mit wenigen Ausnahmen nie dauerhaft domestiziert, obwohl sie mit diesen nah verwandt und sogar fortpflanzungsfähig sind (Zebroide). Dabei gab es sowohl von den afrikanischen Hirtenvölkern wie auch später von europäischen Siedlern zahlreiche Versuche, die Tiere zu zähmen, die jedoch fehlschlugen. Begründet wird dies vor allem durch das Verhalten der Zebras: Sie bleiben auch scheu und bissig und beißen die Personen, die sie führen wollen, im Extremfall so lang, bis sie tot sind. Auch in modernen Zoos kommt es daher bei den Wärtern häufiger zu Verletzungen durch Zebrabisse als durch Bisse von Tigern. Hinzu kommt, dass die Zebras besser sehen als andere Pferde und damit auch für professionelle Cowboys mit dem Lasso nicht einzufangen sind und sich vor dem heranfliegenden Seil wegducken.[12] Auch eine molekularbiologische Basis zur Erklärung der einfacheren Domestizierung von Pferden und Eseln im Vergleich zu Zebras (ebenso wie bei wildlebenden Rindern im Vergleich zu Hausrindern) wurde untersucht, wobei man zu der Hypothese kam, dass einzelne Bereiche des Genoms (als „Subgenom“) durch den Prozess der Domestizierung beeinflusst sind.[13]"

https://de.wikipedia.org/wiki/Zebra

Zebras sind viel schwieriger als Pferde. Aggressiver und eseliger als das von Natur aus doch fügsamere Pferd. Zudem, das habe ich mal gelesen, sollen sie sehr wenig Ausdauer haben. Im Gegensatz zum Pferd. In einem Buch las ich, dass man Zebras mit einem guten Jeep sehr schnell  zu Tode hetzen könne. Zudem waren die Urpferde, wenn man sie z.B. mit den Przewalskipferd vergleicht, viel kräftiger.

Ich denke schon, dass die ersten Wldpferde sich auch nicht bedankt haben, wenn man versucht hat, sie zu reiten. Ich weiß es nicht, aber ich stelle mir sie als Fohlen vor, Jährlinge oder so, und die ersten Einreiter waren vermutlich Jugendliche, die sich eine Spaß draus machten und sicherlich entsprechend oft runtergefallen sind.

Ich habe mal einen sehr schönen mexikanischen Kurzfilm gesehen. Er kam komplett ohne Sprache aus. Es handelte davon, dass ein weggelaufenes spanisches Pferd auf einen schlafenden jungen Ureinwohner trifft. Er wacht auf, als er beschnuppert wird und bekommt den Schreck seines Lebens. Er rennt weg, aber das Pferd folgt ihm. Als er merkt, dass das Tier ihn nicht fressen will, wird er immer neugieriger und berührt es, fängt an, es zu streicheln, etc... Irgendwann denkt er sich, dass er vielleicht mal draufsteigen könnte. Als sehr sportlicher junger Mann versucht er es von hinten wie einem Bocksprung. Das Pferd rennt aber weg und er fliegt durch die Luft. Immer wieder. Aber er hat Blut geleckt und will es wissen. Und am Schluss reitet er das Pferd und galoppiert jubelnd durch die Wüste.

Ein sehr schöner Film war das, ca 30 Minuten hat er gedauert, aber so stelle ich mir die Zähmung des Pferdes vor. Ich denke, das war ursprünglich ein Freizeitspaß und Mutprobe junger Männer.

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