Warum wird die Redewendung "auf gut Deutsch" fast immer falsch angewandt?

5 Antworten

Ungeachtet der hier schon erarbeiteten respektablen kommunikationspsychlogischen Deutungen wäre die Bezeichnung "Schlechtdeutsch" in phonetischer Hinsicht ja ein Zungenknüppler. Deshalb empfehle ich, "schlechtes Deutsch" künftig einfach "GF-Deutsch" zu nennen. Das kennt inzwischen jeder von uns und gleitet locker über die Zunge.

Antwortversuch: diese Erscheinung nennt sich "Euphemismus", d.h. etwas Negatives verbrämen, so dass es besser klingt, schönreden. Beispiele dafür sind: "abberufen werden", "dahinscheiden" usw. für "sterben", "freisetzen" für "entlassen", "peanuts" für Schulden bei Kleingläubigern..... Dann hieße also hier "auf gut Deutsch" eigentlich: "jetzt nehm ich mir mal kein Blatt mehr vor den Mund" oder "jetzt wirds grob, aber ehrlich".

Man "entschuldigt" sich zwar formal für die folgenden Worte, will sie aber dennoch so sagen (die meisten sind tatsächlich so dumm, dass sie keine besseren Worte kenne) und suggeriert gleichzeitig, dass es die anderen Deutschen (als Bestätigung) ja auch so sagen; man solidarisiert sich also zur Rückendeckung.

Hier ein sehr schöner Artikel, der sich deiner Frage ausführlich widmet:

http://shajkovci.net/node/8

"Auf gut Deutsch" von Shajkovci am 22. Mai 2011

Anrisstext: "Die gebräuchliche, allzu gebräuchliche Parenthese „auf gut Deutsch“ oder auch „auf gut Deutsch gesagt“ leitet, obwohl sie – isoliert betrachtet – auf einen Euphemismus schließen lässt, eben keinen solchen ein, sondern einen Dysphemismus. „Parenthese? Euphemismus? Dysphemismus? Und was haben eigentlich diese Striche im Satz zu suchen?“ würde sich nun ein „Auf-gut-Deutsch“-Verwender fragen und lautstark zu dem Resultat „Das versteht – auf gut Deutsch gesagt – kein Schwein!“ kommen."

"Auf gut Deutsch" bedeutet wohl gerade nicht, dass hier besonders gutes Deutsch gesprochen würde, sondern heisst eher "in aller Deutlichkeit".

So ist es! Die Wendung passt also haargenau auf die Situation.

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