Warum betreibt man Soto-Zen?

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4 Antworten

Ich bin Zen-Buddhist der Soto-Tradition und werde versuchen, die Frage einigermaßen zufriedenstellend zu beantworten.

Selbstverständnis

Die Soto-Tradition sieht sich als authentische buddhistische Praxis, die
von Shakyamuni Buddha über die Dharma-Vorfahren weitergegeben wurde.

Das mag man beispielsweise als Theravadin anders sehen und auch historisch bezweifeln - es sieht sich jedenfalls als buddhistische Mahayana-Tradition.

Religion

Es ist daher wie in anderen Formen des Mahayana-Buddhismus auch möglich, formell durch einen Lehrer Zuflucht zu nehmen, die Bodhisattva-Gelübde abzulegen und dabei ein Rakusu und Dharma-Namen zu erhalten.

In Japan sind die Zen-Traditionen fester Teil einer kirchlichen
Organisation, die auch Klöster betreibt, Mönche/Nonnen ausbildet usw. Es
gibt authorisierte Lehrer in der westlichen Welt.

Motivation der Zen-Übenden

Die Motivation weshalb jemand zum Soto-Zen kommt, sind daher vermutlich ähnlich wie bei anderen buddhistischen Traditionen auch:

Desillusionierung über das bislang erreichte, Sinnkrisen, Unzufriedenheit mit sich selbt,Konfessionssuche, und vieles andere individuelle  mehr.

Dazu kommen dann natürlich auch die Motive der "Mode-Buddhisten" - der Wunschnach Entspannung, Gelassenheit und asiatischer Exotik.

Es gibt Zen-Übende, die das lediglich als Ausgleich zum hektischen Alltag machen, so wie andere zum Yoga gehen, ohne religiöse Motivation.

Es gibt aber auch Übende, die sich als Mahayana-Buddhisten sehen und, die vier Wahrheiten, den achtfachen Pfad und die fünf Sittlichkeitsgelübde respektieren.

Es gibt also sowohl weltliche Zen-Übende, als auch Zen-Buddhisten.

Praxis

Im Soto-Zen ist die grundlegende Praxis das Zazen in Form des Shikantaza - das meditative Sitzen ohne Zielstreben nach Erleuchtung o.ä.

Meist wird als Teil der Gemeinschaft in einem Dojo geübt. Andere buddhistische Gruppen würden zB stattdessen Rituale abhalten.

Der regelmäßige Besuch eines Dojo hat den Vorteil der Disziplin.

Wer jeden Freitag zum Zazen eine Stunde lang durch die Stadt zum Dojo fahren muss, will das nicht umsonst gemacht haben. ;-)

Außerdem schafft die gemeinsame Übung eine Atmosphäre der Ruhe und Konzentration, die von vielen Teilnehmern als unterstützend empfunden wird.

Kleidung

Eine dunkle Laienrobe zu tragen ist keine Pflicht, hat aber mehrere Vorteile. Zum einen ist die Beinfreiheit hoch und die Atmung wird nicht behindert.

Zum anderen sorgt die schwarze Robe dafür, dass beispielsweise bei der Gehmeditation zwischen dem Sitzen, die Aufmerksamkeit nicht durch bunte Muster gestört wird.

Eine solche Laienrobe ist aber wie gesagt eigentlich nicht notwendig, man kann auch in einer schwarzen Jogginghose und einem dunklen Pullover teilnehmen.

Manche Zen-Gruppen sollen allerdings auf der Robe bestehen und geben sie dann auch leihweise an die Anfänger aus.

Falls du mehr wissen willst, kannst du ruhig weiter fragen.

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Kommentar von NewKemroy
14.08.2016, 14:47

Also wenn ich annehme der Grund, warum jemand Soto-Zen übt sei, dass er mehr Gelassenheit und geistige Gesundheit erreichen möchte, dann würde mir doch jeder Zen-Übende achtsam übers Maul fahren und sagen: "Nein, nein! Im Zen gibt es nichts zu erreichen."

Wie löst Du diesen Widerspruch auf? Oder handelt es sich hierbei um ein unlösbares Paradox?

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Kommentar von NewKemroy
14.08.2016, 15:43

Wäre das eine gute Umschreibung:

Eine Veränderung (nicht der Welt, also z.B. die Ausrottung der eigenen Befleckungen, sondern) der Position des Betrachters.

... ist der Grund dafür, dass man Zen macht?

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Also es muss ja einen Grund geben, warum jemand andere Kleidung anlegt, 

Als bevor ich anfange: Man zieht nicht zwingend andere Kleidung an.

Aber ich bin Zen Buddhist und versuche dir die Frage zu beantworten.

Was ist der Grund dafür, das ich Zazen übe ? Tja, es gibt keinen ;-)

Man muss erstmal klären was Zen überhaupt ist:

In Anbetracht dessen können wir uns an eine Beschreibung des Zen in Worten etwa folgendermaßen annähern:

Zen ist eher eine Einstellung als ein Glaube.


Zen ist der Friede, der durch die Einheit seiner selbst mit einer Ganzheit entsteht, einem Wesen, das von anderer Natur ist als man selbst.Zen bedeutet, sich der Einheit seiner selbst mit der Welt und allem was in ihr ist, bewusst zu sein.
Zen bedeutet, in der Gegenwart zu leben und diese durch und durch zu erfahren.
Zen bedeutet, frei von den Ablenkungen und trügerischen Konflikten der materiellen Welt zu sein.
Zen bedeutet, sich im Einklang mit dem universellen Lauf der Dinge zu befinden.
Zen bedeutet, die Gegenwart vollständig zu erfahren, und sich am grundlegenden Wunder des Lebens selbst zu erfreuen.

Paradoxes ist ein Teil des Zen und die Lehre des Zen. 

Ein Paradoxon lenkt Ihre Aufmerksamkeit in eine Richtung, die von der Routine abweicht. Es hilft Ihnen, die Ratio beiseite zu schieben und den Weg für die Intuition zu ebnen. Weiters führt es zu einer Wahrheit, die nicht mit Hilfe der Ratio und der Logik erkannt werden kann. Daher:


Zen ist nichts, und doch alles. Zen ist leer, und doch voll. Zen umgibt alles und ist von allem umgeben. Zen ist der Anfang und das Ende.

Für manche ist es einfach, Zen als ein Bündel an Unsinn abzutun, jeglicher wirklichen Bedeutung entbehrend. Das sind jene Menschen, die noch nicht bereit sind, sich zu dieser eigenen Stufe spiritueller Entwicklung hinzubewegen. Das ist ganz in Ordnung. Solche Dinge sollen und können auch gar nicht beschleunigt werden. . Michael Valentine Smith, der Hauptdarsteller in Fremder in einem fremden Land würde sagen, dass man "auf die Ganzheit warten muss", und dass "warten ist".

Zen kennt eigentlich, oberflächlich betrachtet nur wenige zentrale Punkte.

Der erste ist das bewusste Erleben des "Hier und Jetzt".

In einer Gesellschaft wie unserer, leben wir nicht mehr bewusst. Es muss alles so schnell und unbewusst wie möglich erledigt werden.

Während du isst, denkst du ans Arbeiten, während du Arbeitest, denkst du daran die Kinder abzuholen, und während du das tust, willst du eigentlich nur ins Bett.

Es geht darum, das man verlernt hat, den Moment wirklich zu leben. 

Den eine der Grundaussagen des Gautama Buddha´s war, das alles was zählt, dieser Moment ist. Jetzt. Jetzt. Jetzt...

Jeder Gedanke an deine Vergangenheit sowie Zukunft sind während du etwas tust, Zeitverschwendung und nützen nichts. Sie verhindern nur das Bewusste Erleben.

Der zweite Punkt ist die Illusion des Ichs:

Beim Zen Buddhismus verlernt man den Gedanken daran, das eigene Ich wäre beständig. 

Man wird ständig aus verschiedenen Eindrücken geformt, ändert seine Meinung, ist wütend, dann wieder fröhlich. Man ist Naiv und wird klüger.

Nichts bleibt. Alles vergeht. Und so ist es auch mit deinem Ich. Es ist nicht beständig, deshalb muss man es loslassen um die Ganzheit in sich und um sich herum erkennen zu können. Eins werden mit seiner Umwelt.

Wir klammern uns zu sehr als materielle Besitze, obwohl die auch vergänglich sind. 

Wir brauchen immer irgendetwas and dem wir uns festhalten können, aber Zen gibt dir das, was du wirklich brauchst. Nichts.

Warum übt man jetzt aber Zazen:

Zazen bedeutet nichts anderes als "Nur Sitzen". Man sitzt einfach.

Während man Zazen übt, verabschiedet man sich vom Alltag und lässt alles von sich fallen. Man konzentriert sich nur auf eine einzige Sache. Das Sitzen.

Dennoch muss man sagen das Zazen im gewöhnlichen Sinn nichts bringt, nichts im Sinn von Erreichen oder mehr Haben.

"Mann muss wirklich klar und deutlich sagen, das Zazen uns 'nichts bringt' und unserer Existenz nichts hinzufügt, dass es sogar alles wegnimmt, was uns wichtig scheint, und uns in ein Nichts führt, das noch mehr "Nichts" ist. als wir denken können. Es ist jedoch so, das dieses Nichts, das wir nicht denken können, uns leicht und transparent macht für die Welt des stillen Erwachens. " (Meister Tenryu,  Leiter Zen Vereinigung Deutschland)

Letztlich bedeutet die ganze "Werf alles weg" Formulierung des Zen, sich von Voreingenommenheiten und angelernten Mustern zu lösen.

Nehmen wir an es gibt Gott.

Wenn wir uns Gott immer als gütigen weisen Vater vorstellen, dann würden wir ihn nicht erkennen, wenn er als Bikini-Schönheit vor uns stehen würde - wir sind geistig nicht offen, sondern haften daran, Gott müsse eine bestimmte Gestalt haben.

Deshalb sollte man nicht vorbehaltlos irgendwelche Dinge übernehmen und sich stattdessen einen offenen Geist bewahren - dann erkennt man irgendwann auch die Leerheit der Dinge.

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Kommentar von NewKemroy
14.08.2016, 14:22

Könnte man vielleicht sagen, der Grund ist, dass Du trainierst keinen
Grund zu haben. Und weil dass wiederum ein Grund wäre, übst Du Dich fortan keinen Grund darin zu haben, sowohl einen Grund zu haben als auch keinen Grund zu haben.

Also Du zielst quasi auf die Beseitigung einer Notwendigkeit, die Notwendigkeit einer Veränderung beseitigen zu müssen.

Ach da kriegt man immer so einen Knoten im Kopf.

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Soto-Zen? Ein Zen-Meister würde sagen: "So viel Unsinn habe ich noch nie gesehen"

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Der Grund:

Im Sit-Zen wie

im Tan-Zen

verschmelzen wir zum

Gan-Zen.

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