Was ist der Unterschied zwischen der Lehre des Zen-Gotts Thich Nhat Hanh und gewöhnlichen Zen-Richtungen, wie Soto und Rinzai?

2 Antworten

... Zen-Gotts ...

Wenn das als Wertschätzung gemeint ist, - okay. Ansonsten reicht Zen-Meister. ;-)

Am besten erfährt man die Unterschiede durch eine probeweise Teilnahme an jeweils einer dieser Gruppen. So viel kann ich aus eigener Erfahrung, (ich habe alle 3 kennengelernt), schon mitteilen: Die Unterschiede sind, - umgangssprachlich ausgedrückt -, echt krass, - um mal 'n Modewort zu gebrauchen. Auf der Seite der DBU gibt's ein Suchtool, mit dem man Veranstaltungen und Gruppen in Wohnnähe findet. Ich meine, das lohnt sich echt mal. Die lebendige Erfahrung ist die Intensivste und mit nichts Anderem vergleichbar.

Soto- und Rinzai-Zen sind japanische Traditionen. Thich Nhat Hanh stammt aus Vietnam. Um das Zustandekommen der Unterschiede besser zu verstehen, ist es vorteilhaft, Näheres über die sozialen Verhältnisse dieser Länder zu wissen. Ich habe kürzlich einen Reisebericht von Jemandem gehört, der Japan besucht hatte. Japaner wirken äußerlich recht freundlich mit den vielen Verbeugungen, die dort auch heute noch üblich sind. Bei genauerer Betrachtung ist bei Ihnen aber eine geringe Angst davor zu spüren, diese Verbeugungen nicht zu machen. Es scheint, dass es nicht aus freiem Herzen, sondern auf Grund von Fügsamkeit gemacht wird. Für Schulkinder ist es normal, dass sie nach einem 8-stündigem Unterrichtstag abends noch zum Förderunterricht gehen. Und als Berufstätiger spart man sich seinen kurzen Jahresurlaub für evt. Krankheitsfälle auf. Und wenn man nicht krank wird, verfällt der Urlaub am Jahresende. Der Reisende hatte Japaner getroffen, die seit 8 Jahren keinen Urlaub hatten.

Bei einer Rinzai-Gruppe habe ich erfahren, dass die (etwas scherzhaft) davon sprechen, das sei "der schnellste Weg zur Erleuchtung". "Schnell" ist nicht im zeitlichen Sinne, sondern in Bezug auf Geschwindigkeit gemeint, - dort wird viel schneller gesprochen beim Rezitieren der japanischen Verse und sie gehen auch schneller bei der Gehmeditation. Anders als bei den beiden anderen Traditionen gehört hier das Lösen von Koans zur gewöhnlichen Praxis, um eine geistige Entwicklung zu erreichen. Die Metta-Meditation, (zur Entwicklung von Herzensgüte), gibt es hier, wie auch bei den Soto-Zen-Leuten, nicht.

Vor allem bei Soto-Zen-Gruppen habe ich den Geist von Befehl und Gehorsam deutlich gespürt. Dort ist sogar genauestens vorgeschrieben, welchen Weg man zu seinem Sitzplatz zu gehen hat, wo und wann man sich zu verbeugen hat und Anderes mehr. Mein Geist war weitgehend sich sorgend damit beschäftigt, alles richtig zu machen, anstatt offene Weite entstehen zu lassen. Aber das ist nur meine Erfahrung, mache bitte deine Eigene.

Thich Nhat Hanh's Lebensweg wurde sehr durch den Vietnam-Krieg geprägt. Zur Kriegszeit war er schon Mönch und hatte die Einstellung, dass es den Menschen wenig hilft wenn sich die Mönche in ihre Klöster zurückziehen und nur dort praktizieren. Er setzte sich vielfältig dafür ein, die auf Friedfertigkeit basierende Geisteshaltung durch einen sozial engagierten Buddhismus in die Welt zu tragen, womit er schon während des Krieges in Vietnam begann. Z.B. veröffentlichte er Literatur, gründete Gruppen mit der Zivilbevölkerung und war Vorsitzender der buddhistischen Friedensdelegation bei den Pariser Friedensgesprächen. (Von Martin Luther King jun. wurde er für den Friedensnobelpreis nominiert, - der aber leider wegen der Ermordung J. F. Kennedy's in dem Jahr nicht vergeben wurde.) Das vietnamesische Regime verbot ihm die Rückkehr in sein Heimatland, weshalb er seitdem im französischen Exil lebte. Dort gründete er bald ein Kloster und wurde im Laufe der Zeit sehr vertraut mit unseren westlichen Verhältnissen, insbesondere unseren geistig-emotionalen Gegebenheiten, die sich um Einiges unterscheiden von der asiatischen Mentalität aus seiner Heimat. Das muss man wissen, um die Besonderheiten seiner Tradition, die er gründete, richtig zu verstehen. Wie kein anderer fernöstlicher Lehrer hat Thay die uralte indische Weisheitslehre sehr an unsere neuzeitlichen westlichen Gegebenheiten und Bedürfnisse angepasst und erweitert. Das macht den besonderen Wert seiner Traditon aus. Wer einmal an einer Veranstaltung in dieser Tradition teilgenommen hat, wird merken, dass hier Manches ziemlich anders ist als woanders. Es wird viel mehr Wert auf die Förderung und Entwicklung eines friedlichen glücklichen sozialen Miteinanders gelegt. Ich meine, Thay hat es sehr gut erkannt, dass uns in diesem Punkt der Buddhismus am Meisten geben kann, - weil wir es nötig haben.
Mir wurde gesagt, es ist anzunehmen, dass der historische Buddha bei seinen weiten Reisen durch Indien den Leuten nicht überall dasselbe erzählt hatte, sondern er seine Reden immer an die Gegebenheiten und Bedürfnisse vor Ort angepasst hatte. Er hatte den Menschen das gegeben, was ihnen individuell half. Das war auch immer das Anliegen Thich Nhat Hanh's in unserer heutigen Zeit.

Woher ich das weiß: eigene Erfahrung

Wie wird man eigentlich intersein-Mönch oder Nonne? Hab mir den Film "Walk with me" angeschaut und mich das gefragt. Kann man das in Deutschland oder Österreich werden oder muss man dazu nach Frankreich? Nur aus Neugierde ...

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@Rim82

Aus "meiner" Sangha hatte sich eine junge Frau entschlossen, Nonne zu werden und zusammen mit einem Mönch ein neues Kloster und Veranstaltungszentrum in Ostdeutschland zu gründen. Man kann das also in Deutschland. Wie das genaue Procedere ist, weiß ich aber nicht. Wenn du es wissen möchtest, rate ich, hier https://www.eiab.eu/kontakt

nachzufragen.

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Ich bin Soto-Zen-Buddhist und möchte mich zu dieser Frage äußern.

Zunächst einmal ist TNH kein "Zen-Gott", sondern ein durchaus umstrittene Lehrer.

Er vermischt vietnamesisches Zen ("Thien") mit Formen aus dem Theravada-Buddhismus, insbesondere Aspekten der Achtsamkeitsmeditation.

Es gibt offenbar kein Dokument, dass seine Lehrbefugnis als Thien-Lehrer bestätigt. Dadurch wären seine Ordinationen von Schülern de facto unwirksam.

Außerdem wird ihm vorgeworfen, eine Art "Wohlfühl-Buddhismus" zu lehren, der relativ oberflächlich ist und vor allem westliche Zuhörer ansprechen soll.

Zumindest vom Standpunkt des Zen sind diese Vorwürfe durchaus verständlich - manche seiner Aussagen sind wirklich haarsträubend.

Auch die Vermögensverhältnisse, mögliche Verbindungen zum Vietcong und seine massive Vermarktung stehen in der Kritik.

Wenn du mehr lesen willst: https://der-asso-blog.blogspot.com/search/label/Thich%20Nhat%20Hanh

Er unterscheidet sich also von Soto und Rinzai im Wesentlichen dadurch, mit seinem "engagierten Buddhismus" eine eigene Traditionslinie erfunden zu haben.

Seine Vorstellungen von Mitgefühl und Wiedergeburt sind teilweise sowohl ausgesprochen naiv als auch dualistisch - Stolperfallen für einen Zen-Lehrer.

Ob man ihn wirklich als Zen-Lehrer ansehen kann, halte ich für fraglich.

""Warum ist es falsch zu töten, wenn es gar keinen Tod gibt?" An der Antwort TNHs lässt sich verdeutlichen, warum er allein von der Einsicht her kein Zen-Meister sein kann. 

  Die erste Antwort von TNH lautet: "Wenn du töten willst, hast du die falsche Perspektive." Sofort danach verfällt er auf ein völlig untaugliches Bild ("Stell dir vor, du wolltest eine Wolke töten?" - heh, wer will das?), um die Sinnlosigkeit des Unterfangens zu unterstreichen - die Wolke würde zu Schnee oder Regen. Dann behauptet er, die "Energie zum Töten" enstpränge der Unwissenheit, und führt die üblichen anderen Schlagworte an: Ärger als Motivation und die Tatsache, dass bereits die Absicht zu töten falsch sei."

Offen gesagt, wird auf diesem Blog eine Polemik benutzt, durch die sich der Autor doch selbst disqualifiziert.

Wenn TNH sagt, "Wenn du töten willst, hast du die falsche Perspektive", ist das doch völlig richtig. Wenn es keinen Tod gibt, kann es auch kein Töten geben, aber das bei dem Vorgang Leid entsteht, ist ja wohl klar und darum ist er zu vermeiden."

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@Rim82

Ich gebe zu, dass Guido Keller eine ziemlich provokative Art hat und in der Tat teile ich auch nicht alle seine Ansichten. Allerdings halte ich seine Kritik an TNH für durchaus berechtigt, auch wenn sicher nicht jedes Argument brilliant ist.

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... manche seiner Aussagen sind wirklich haarsträubend.

Dazu hätte gern mal 3 Beispiele gewusst.

Ich finde es schade, dass Sie sich auf das Niveau dieses Bloggers herabbegeben, um die Produkte seines Geistes als Grundlage für eine "Experten"-Antwort zu nutzen. Ich finde es schade, dass Sie so mit sich umgehen. Vielleicht haben Sie Interesse, mal die Praxis bei einer Thich Nhat Hanh-Gruppe kennenzulernen? Dort ist die Förderung eines herzlichen Umgangs mit sich selbst (und Anderen) ein wesentlicher Teil der Praxis.

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@Reigel

Ich erinnere mich an eine Passage aus "Ich pflanze ein Lächeln" in dem TNH sinngemäß erklärt, auch wenn man Reichtum habe, rette einen dies nicht vor dem Tod. Anschließend spricht er über die Vorzüge des liebevollen zwischenmenschlichen Kontakts.

Ich habe mich damals schon gefragt, was denn das eine mit dem anderen zu tun haben soll - auch zwischenmenschliche Nähe ist nicht in der Lage, den Menschen vor dem Tod zu retten.

Dieses Muster fiel mir einige Male auf - eine Behauptung oder Aussage, gefolgt von emotionalem Pathos - und letztlich ist dann nicht mehr dahinter, weil es keinen Zusammenhang gibt. Das ist einfach rührselig und inhaltsleer.

Natürlich sagt er nicht, "gute Freunde retten dich vor dem Tod" - so dumm ist er nicht - aber er zieht es dann auf eine emotionale Ebene und die eigentliche Frage (Was rettet mich vor dem Tod?) bleibt unbeantwortet.

Das ist für mich einfach der Gebrauch sachter Floskeln um emotionales Wohlgefühl beim Zuhörer/Leser hervorzurufen - viel Substanz sehe ich dahinter nicht.

Auch das von Herrn Keller auf seinem Blog genannte Beispiel - TNH empfinde so viel Ehrfurcht vor dem Baum, dass er ihn nicht anpinkeln könne - klingt für mich nach weichgespülter Bambi-Romantik.

Das ist einfach fern von der Lebensrealität für mich und hat nach meiner Anschauung mit Zen nichts zu tun - das geht eher in Richtung "positives Denken".

Ich habe nichts dagegen, wenn Menschen sich aus freiem Willen entscheiden, in solch eine Rosa-Wolken-Welt abzutauchen - aber dann sollte man diese Weltflucht in emotionales Wohlbefinden nicht als "Buddhismus" oder "Zen" verkaufen.

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@Enzylexikon

"Ich habe nichts dagegen, wenn Menschen sich aus freiem Willen entscheiden, in solch eine Rosa-Wolken-Welt abzutauchen - aber dann sollte man diese Weltflucht in emotionales Wohlbefinden nicht als "Buddhismus" oder "Zen" verkaufen."

Als Buddhismus kannst du es schon mal ganz sicher verkaufen. Zu behaupten es wäre nicht buddhistisch, da übernimmst du dich jetzt echt mal ein ganz schönes Stück, wenn du dir die vielen Richtungen anschaust - Reines Land Buddhismus z. B..

Und offen gesagt, finde ich es auch überheblich, dass du darüber urteilst, ob sich die Richtung als Zen-Buddhismus bezeichnen kann.

Aber letztens war ich bei einem Abend der Säkularen Buddhisten und die haben so ungut über andere Richtungen geredet, dass ich dort kein zweites Mal hingegangen bin. Das ist nach meinem Empfinden sicher nicht buddhistisch, auch wenn es vielleicht die Härte ist, die dir gefällt oder gefallen würde.

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@Enzylexikon

Aha, ich verstehe. Liebevoller zwischenmenschlicher Kontakt ist nichts Wert, weil dies den Tod nicht verhindern kann.
Überhaupt ist jede Form von Herzlichkeit "fern von der Lebensrealität" und nur eine unbedeutende "Weltflucht in emotionales Wohlbefinden".
Und dann gibt es da noch ein ICH, das festlegt was "Buddhismus" ist und was nicht.
Ich wünsche Ihnen alles Liebe! Oh, pardon, nein, Entschuldigung! Ich meine ... vielleicht - alles Gute!? Geht das?

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@Enzylexikon

Übrigens kann auch die Angst vorm Sterben nur durch Entwicklung bedingungsloser Liebe überwunden werden. Es ist ein Ich-Bewusstsein, das Angst vorm Tod hat, und Liebe ist das Gegenmittel für Angst. Wer Angst hat, liebt nicht. Wer liebt, hat keine Angst. Buddha Shakyamuni hatte keine Angst vorm Tod, und vollkommene Liebe entwickelt.

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