Waren Frauen in der französischen Revolution wichtig?

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4 Antworten

Frauen haben in der Franzöischen Revolution (1789 - 1799) nicht das Recht bekommen, zu wählen und abzustimmen. Frauen waren nicht gleichberechtigt und hatten in der Bedeutung nicht gleiche Gewichtigkeit wie Männer. Trotzdem waren Frauen in einigem Ausmaß wichtig, sowohl als Handelnde und Beeinflussende als auch von Handlungen Betroffene und als Zielgruppe von Gesetzgebung und politisch-moralischen Appellen (mit dem Modell einer tugendhaften Patriotin und auch einer speziellen weiblichen Rolle als Ehefrau, Mutter und Hausfrau).

Es hat einzelne Taten von Frauen gegeben, die eine wichtige Rolle spielten.

Frauen waren besonders für die Ernährung der Familien verantwortlich und von den damaligen Versorgungsengpässen stark betroffen. Frauen litten unter Versorgungsschwierigkeiten und waren oft Hauptträgerinnen von Beschwerden über schlechte Zustände in diesem Bereich.

Frauen nahmen an den Ereignissen der französischen Revolution oft starken Anteil. Sie stellten Forderungen auf, waren Zuhörinnen und Zuschauerinnen in der Nationalversammlung/dem Nationalkonvent/Debatten in politischen Klubs und bei Revolutionstribunalen.

Wohlhabende und gebildete Frauen (z. B. Anne Louise Germaine de Staël-Holstein, Jeanne-Marie [„Manon“] Roland de La Platière, Sophie de Condorce) führten Salons und beeinflußten Männer.

Frauen beteiligten sich an revolutionären Aktionen von Volksmengen. Sie unternahmen zu mehreren Tausend (vor allem aus den Markthallen – hervorgehoben werden die Fischweiber [Poissardes]- am 5./6. Oktober 1789 einen Zug nach Versailles, der von der Nationalversammlung und vom König die Sicherung der Brotversorgung in Paris verlangte. Der König und seine Familie verlegten in der Folge ihren Wohnsitz Paris um.

Frauen beteiligten sich am Sturm auf die Tuilerien am 10. August 1792, darunter Anne-Josèphe Théroigne, unter dem Namen Théroigne de Méricourt als „Amazone der Revolution“ bekannt, weil sie die Bewaffnung von Frauen forderte (Amazonenbataillone).

Frauen spielten auch eine wichtige Rolle bei Volksaufständen in Paris im Frühjahr 1795, die niedergeschlagen worden.

Frauen betätigten sich auch gegen die Revolution, z. B. traditionell-konservative Katholikinnen. Ein großer Zug einer aufständischen Armee aus der Vendée im Jahr 1793, der schließlich mit ihrer Zerschlagung endete, war auch von Frauen begleitet.

Frauen waren gefährdetet, Opfer von Krieg und Bürgerkrieg zu werden. Es gab viele weibliche Opfer. Frauen wurde Waffentragen verboten.

Frauen erreichten keine vollständige rechtliche, politische und soziale Gleichstellung. Sie hatten kein Wahlrecht, keinen Zugang zu öffentlichen Ämtern und keine Berufsfreiheit. Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vom 26. August 1789 im Zuge der Französischen Revolution enthielt Rechte und Pflichten für „mündige Bürger“, wozu aber Frauen nicht gezählt wurden. Die Schriftstellerin Olympe de Gouges (am 3. November 1793 hingerichtet) legte im September 1791 ohne Erfolg der Nationalversammlung eine „Erklärung der Menschenrechte für die Frau und Bürgerin“ („Déclaration des droits de la femme et de la citoyenne“) vor.

Frauen wurden mit der Guillotine hingerichtet, z. B. Marie-Antoinette am 16.Oktober 1793, Charlotte Corday (die am 13. Juli 1793 Jean Paul Marat erstochen hatte), am 31. Oktober 1793, Jeanne-Marie („Manon“) Roland de La Platière (die auf die Politik der Girondisten beträchtlichen Einfluß hatte) am 8. November 1793.

Am 30. Oktober 1793 wurden alle Klubs und Vereine von Frauen verboten. 1795 wurden Frauen das Recht genommen, Petitionen vorzubringen und als Zuhörerinnen die Sitzungen des Nationalkonvents teilzunehmen.

Jean Lambert Tallien wurde unter anderem durch Thérésia Cabarrus zu einer Mäßigung bewogen und war auch aus Angst um ihrer beider Leben (Thérésia Cabarrus war verhaftet worden und im Gefängnis) am Sturz Robespierres am 27. Juli 1794 beteiligt.

Während der Vorherrschaft der Jakobiner waren ein eher schlichter Stil und einwandfreie Lebensweise erwünscht, in der Zeit des Direktoriums kehrte ein Leben mit Vergnügungen und offen gezeigten Luxus zurück. Die Mode wandelte sich über leichte, zarte Kleidung und hochgesteckte Haare (Directoire) zu prunkhafteren Farben und Stoffen (Empire).

Frauen erhielten einige Verbesserungen im Zivilrecht (zivilrechtliche Ehe, Heiratsalter 21 Jahre, Scheidungsmöglichkeit unter bestimmten Voraussetzungen; Verfügungsgewalt Familieneinkommen).

Literatur:

Elisabeth Botsch, Frauen und Familie in der Revolution. In: Ploetz, die Französische Revolution. Herausgegeben von Rolf Reichardt. Freiburg im Breisgau ; Würzburg : Ploetz, 1988, S. 160 – 171

Kerstin Michalik, Der Marsch der Pariser Frauen nach Versailles am 5. und 6. Oktober 1789 : eine Studie zu weiblichen Partizipationsformen in der Frühphase der Französischen Revolution. Pfaffenweiler : Centaurus-Verlags-Gesellschaft, 1990 (Forum Frauengeschichte ; Band 3). ISBN 3-89085-363-3

Claudia Opitz, Von der "querelle des femmes" in den Salons zur Frauen-Volksbewegung : Überlegungen zur Politisierung von Frauen während der französischen Revolution: In: Frauen und Revolution : Strategien weiblicher Emanzipation 1789 bis 1848. Herausgegeben von Frauen & Geschichte Baden –Württemberg e. v. Tübingen : Silberburg-Verlag, 1998, S. 14 – 33 = Claudia Opitz, Von der "querelle des femmes" in den Salons zur Frauen-Volksbewegung : Überlegungen zur Politisierung von Frauen während der französischen Revolution. In: Claudia Opitz, Aufklärung der Geschlechter, Revolution der Geschlechterordnung : Studien zur Politik- und Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts. Münster ; New York ; München ; Berlin : Waxmann, 2002, S. 133 – 146

Claudia Opitz, Die erste Menschen- und Bürgerrechtserklärung von 1789 oder: Die Konstituierung der Bürgerrechte als Männerrechte. In: 50 Jahre Grundgesetz : Menschen- und Bürgerrechte als Frauenrechte. Herausgegeben von Frauen & Geschichte Baden –Württemberg e. v. Königstein im Taunus : Helmer, 2000, S. 73 – 86 = Claudia Opitz, Die erste Menschen- und Bürgerrechtserklärung von 1789 oder: Die Konstituierung der Bürgerrechte als Männerrechte. In: Claudia Opitz, Aufklärung der Geschlechter, Revolution der Geschlechterordnung : Studien zur Politik- und Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts. Münster ; New York ; München ; Berlin : Waxmann, 2002, S. 147 - 157

Claudia Opitz, Frauen und Revolutionärinnen in den 'Revolutions de Paris': In: Frauen - Literatur – Revolution. Herausgegeben von Helga Grubitzsch, Maria Kublitz, Dorothea Mey, Ingeborg Singendonk-Heublein. Pfaffenweiler : Centaurus-Verlags-Gesellschaft, 1992, S. 45 – 64 = Claudia Opitz, Frauen und Revolutionärinnen in der radikalen Presse. In: Claudia Opitz, Aufklärung der Geschlechter, Revolution der Geschlechterordnung : Studien zur Politik- und Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts. Münster ; New York ; München ; Berlin : Waxmann, 2002,S. 158 – 172

Claudia Opitz, Der Bürger wird Soldat - und die Bürgerin? : die Revolution, der Krieg und die Stellung der Frauen nach 1789. In: Sklavin oder Bürgerin? : Französische Revolution und neue Weiblichkeit 1780 – 1830. Herausgegeben von Viktoria Schmidt-Linsenhoff. Marburg : Jonas-Verlag, 1989 (Historisches Museum Frankfurt: Kleine Schriften des Historischen Museums Frankfurt ; Band 44), S. 38 - 54 = Claudia Opitz, Der Bürger wird Soldat - und die Bürgerin? : die Revolution, der Krieg und die Stellung der Frauen nach 1789. In: Claudia Opitz, Aufklärung der Geschlechter, Revolution der Geschlechterordnung : Studien zur Politik- und Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts. Münster ; New York ; München ; Berlin : Waxmann, 2002, S. 173 - 191

Claudia Opitz, "Die vergessenen Töchter der Revolution" : Frauen und Frauenrechte im revolutionären Frankreich 1789-1795. In: Grenzgängerinnen : revolutionäre Frauen im 18. und 19. Jahrhundert ; weibliche Wirklichkeit und männliche Phantasien. Herausgegeben von Helga Grubitzsch, Hannelore Cyrus und Elke Haarbusch. 1. Aufloage. Düsseldorf: Schwann-Bagel, 1985 (Geschichtsdidaktik : Studien, Materialien, Band 33), S. 287 - 312

Susanne Petersen, Marktweiber und Amazonen : Frauen in der Französischen Revolution; Dokumente, Kommentare, Bilder. 3. Auflage. Köln : PapyRossa Verlag, 1991 (Neue kleine Bibliothek ; Band 16). ISBN 3-89438-019-5

Susanne Petersen, Frauen in der Französischen Revolution. In: Helmut Reinalter (Hrsg.), Die Französische Revolution : Forschung - Geschichte – Wirkung. Frankfurt am Main ; Bern ; New York ; Paris : Lang, 1991 (Schriftenreihe der Internationalen Forschungsstelle Demokratische Bewegungen in Mitteleuropa 1770 - 1850 ; Band 2), S. 73 - 92

Lieselotte Steinbrügge, Von Strickweibern und anderen Revolutionärinnen : Frauen in der Französischen Revolution. In: Neyer, Hans-Joachim (Hg.): Vive la Révolution : Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Berlin : Elefanten Press (Elefanten-Press ; 284 : Bilder-Lese-Buch), 1989, S. 75 - 84

https://www.historicum.net/themen/franzoesische-revolution/einfuehrung/wirkungsbereiche/art/III_Frauen_und/html/artikel/492/ca/18e3313077/

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Sie hatten nicht die Möglichkeit sich groß zu beteiligen, daher eher nicht.

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Sie waren wichtig, auch wenn sie noch nicht gleichberechtigt waren. Sie initiierten den Sturm auf die Tuilerien.

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