War Karl Marx antisemitisch?

4 Antworten

Marx war weder rassistisch noch antisemitisch.

Es ist eine alte Masche, die gerade Rechtsextreme immer wieder aufgreifen, seine Äußerungen in Briefen, vor allem die Ergebnisse seiner spitzen Feder aus dem Kontext zu reißen und in der gewünschten diffamierenden Weise zu interpretieren.

Marx’ Text "Zur Judenfrage" enthält bereits eine Kritik des modernen Antisemitismus und seiner Bedingungen. Die immer wieder herausgegriffenen Schlagworte sind nicht die Vorwürfe von Marx an die Juden, sondern die von ihm angeführten schon damals vorhandenen Klischees über die Juden.

Zu den weiter unten angeführten Vorwürfen muss man schon ein wenig tiefer einsteigen.

Bei den historischen und nicht historischen bzw. geschichtslosen Völkern handelt es sich um eine frühe marxsche These, die ihre Wurzeln in der Hegelschen Rechts- und Geschichtsphilosophie hat. Nach Hegel gibt es Kulturen, die sich staatlich organisiert haben und eben welche, die das (noch) nicht getan haben. Weil aber die Geschichte erst mit dem Staat und seinen Gesetzen beginnt, gibt es geschichtliche Völker und geschichtslose Völker. Dabei gibt es dann Völker, die Träger der Entwicklung des „Weltgeistes“ sind und ein absolutes Recht gegenüber den Völkern haben, die nicht Träger dieser Entwicklung sind.

Bei Marx und Engels ist nicht nur die staatliche Organisation das Kriterium, sondern die Rolle der Völker im Prozess der bürgerlichen und proletarischen Revolution. Hier taucht dann die Unterscheidung in Nationen und Nationalitäten auf.

Kleine Völker, die aufgrund ihrer Entwicklung keine Rolle im Prozess der bürgerlichen und proletarischen Revolutionen spielen, gehen als Nationalitäten in großen zentralisierten Nationen auf, die in diesem revolutionären Prozess eine positive Rolle inne haben. Vor dem Hintergrund der gescheiterten Revolution 1848 war diese These zunächst eine Polemik gegen die südslawischen Völker in der k. u. k. Monarchie, die als Feinde der deutschen Revolution und als Werkzeug des russischen Panslawismus gesehen wurden. Diese Nationalitäten, die durch jahrhundertelange Unterdrückung ihre historische Lebenskraft verloren haben und im revolutionären Weltprozess als Nationalität untergehen werden, sind allenfalls geeignet, die Träger der Konterrevolution zu sein. Sie dürften sich allenfalls als ethnografische Denkmäler ohne politische Bedeutung erhalten.

Wenn man sich die Entwicklungen seit dem Ende des sozialistischen Lagers ansieht, dann kann man diese marx'sche Einschätzung nicht so einfach von sich weisen. Die Gesellschaften in diesen Ländern zählen heute zum reaktionärsten, was der Kontinent zu bieten hat.

Otto Bauer, österreichischer Marxist – Vertreter des „Austromarxismus“, setzte dem 1907 die These vom Erwachen der geschichtslosen Nationen entgegen. (https://www.marxists.org/deutsch/archiv/bauer/1907/nationalitaet/17-erwachen.htm) Demnach könne die Entwicklungsdynamik des Kapitalismus auch rückständige kleine Völker historisch erneut aktivieren und zu Trägern revolutionärer Umwälzungen machen. Das bleibt aber noch abzuwarten.

Nicht "nur" antisemitisch, sondern generell rassistisch. Guckst du auch HIER (14:10 - 16:38):

Ich glaube nicht, dass viele Menschen wissen, dass es ausschließlich Sozialisten gewesen sind, die im 19. und 20. Jahrhundert öffentlich den Völkermord befürwortet haben. Das ist eine wenig bekannte Tatsache. Es erscheint schockierend. Ich habe hier und an anderen Universitäten Vorlesungen darüber gehalten und es wird immer mit einem Gefühl des Schockiertseins aufgenommen.
Zum ersten Mal tauchte es 1849 in Marx Neuer Rheinischen Zeitung auf. Engels beschrieb, dass der Klassenkampf nach marxistischen Begriffen bedeutet, dass wenn die sozialistische Revolution stattfindet, also Klassenkampf stattfindet, es zurückgebliebene Gesellschaften in Europa geben wird, die zwei Schritte zurückliegen, weil sie noch nicht einmal kapitalistisch sind. Er dachte dabei an die Basken, die Bretonen und die schottischen Hochländer und die Serben. Er nannte sie "Völkerabfall" und sie werden ausgerottet werden müssen, weil sie in der geschichtlichen Auseinandersetzung zwei Schritte hinterherhinken, würde es unmöglich sein, sie bis zu dem Punkt voranzubringen, an dem sie revolutionär werden würden. 
George Watson, Literaturhistoriker, Univ. Cambridge 
Er sprach über die Vulgarität und Schmutzigkeit der Slawen. Er war zum Beispiel der Ansicht, dass Polen kein Recht hat zu existieren. 
Pierre Rigoulot, Historiker, Institut d'histoire Sociale, Paris 
Unterliegen müsse jene Klassen und Rassen, die zu schwach sind die neuen Lebensbedingungen zu meistern. (...) Sie müssen in einem revolutionären Holocaust untergehen.
Karl Marx
Marx hat damit angefangen. Er war der Stammvater des modernen politischen Völkermordes. Ich wüsste nicht, dass vor Marx und Engels jemals ein neuzeitlicher Denker öffentlich zur Rassenvernichtung aufgerufen hat. Ich kann nichts früheres finden. Ich gehe daher davon aus, dass es bei Ihnen seinen Ursprung hat.
George Watson, Literaturhistoriker, Univ. Cambridge
Unterliegen müsse jene Klassen und Rassen, die zu schwach sind die neuen Lebensbedingungen zu meistern. (...) Sie müssen in einem revolutionären Holocaust untergehen

Dieses Zitat ist so einfach falsch. Das Zitat wurde vom deutschen ins englische übersetzt und dann wieder zurück, ursprünglich heißt es:

"Alle andern großen und kleinen Stämme und Völker haben zunächst die Mission, im revolutionären Weltsturm unterzugehen."

Alles andere sind keine zitate sondern irgendwelche Aussagen über ihn ohne Quelle etc...

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@Tomarte

Also 1. werden Quellen angeführt (man sieht sogar das Wort "Völkerabfälle" im Video bei 15:25) und 2. hast du selbst keine Quellen angegeben.

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@BelfastChild

Du hast die Quellen deiner zweitliteratur angegeben, nicht etwa das angebliche originalzitat

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@BelfastChild

Na super, ich werfe dir vor schlechte Zweitliteratur als Quelle für dein falsches Zitat benutzt zu haben, aber in Wirklichkeit waren es ein Artikel eines schäbigen Internetblatts und ein Youtubevideo von "ein info Krieger Deutschlands" Respekt 🤣

Die Quelle meines originalzitates ist übrigens hier, wenn du mir unglaubwürdigkeit vorwirfst 🙈

http://www.mlwerke.de/me/me06/me06_165.htm

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@Tomarte

Das "Youtubevideo" ist ein überwiegend positiv aufgenommener Film und das mit den "Völkerabfällen" hat er gesagt. HIER (4:30) siehst du die anderen Zitate im Englischen.

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@BelfastChild
HIER (4:30) siehst du die anderen Zitate im Englischen.

Genau im englischen. Es wurde "Weltsturm" mit "holocaust" übersetzt und "völker" mit "races", denn der originaltext ist deutsch. Noch dazu völlig aus dem Kontext gerissen, das ist einfach Sensationsjournalismus auf billigstem Niveau.

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@BelfastChild
ein überwiegend positiv aufgenommener Film

von wem wurde der den "überwiegend positiv" aufgenommen? Von den 793 Menschen die einen Daumen hoch gegeben haben und wahrscheinlich genau wie der "Infokrieger" an Chemtrails, Krebsverschwörung, Impflügen, den Weltkrieg 2020 (wir haben jetzt übrigens 2021...), FEMA KZs und so ziemlich jede andere dämliche Verschwörungstheorie glauben :facepalm:

Und nein, ich werde mir dieses Video nicht ansehen. Ich habe genug solcher Machwerke gesehen um zu wissen dass solche Leute ausser (und das auch noch schlechtem)

https://www.logicallyfallacious.com/logicalfallacies/Shoehorning

nichts, aber auch gar nichts beherrschen.

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@DerRoll

Es geht hier nicht um den YouTube-Kanal, sondern um den Film. Und wie er rezipiert wurde, kannst du in der englischsprachigen Wikipedia nachlesen. Von einem Mathematiker erwarte ich mehr Sachlichkeit.

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@BelfastChild

Zu einem solchen Unsinn und einem solchen Kanal verbietet sich jede Sachlichkeit. Ansonsten hat @FresherKnilch alles gesagt was dazu zu sagen ist.

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Sie müssen in einem revolutionären Holocaust untergehen.

Das hat Marx geschrieben? Gab es das Wort Holocaust damals schon? War Marx nicht auf Seite der Unterdrückten? Bitte Link zum Text geben.

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@BelfastChild

Ich kann nicht Englisch. Ich möchte den Link zum Text, den Marx geschrieben hat. Ich kann den Georg Watson nicht finden.

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https://en.wikipedia.org/wiki/George_Watson_(scholar)

Watson contributed to Encounter, a Cold-War intellectual journal, and published material arguing that Adolf Hitler was a Marxist and that socialism promoted genocide.[10] He was featured in the conservative documentary The Soviet Story in 2008, where he argued that Karl Marx was responsible for coming up with the idea of genocide.[11] For this, he was criticised by Ivars Ījabs[12] and Robert Grant,[13] who argue that Watson's views are based on mistranslation and distortion reflecting his ideological bias. The translation of Völkerabfälle as "racial trash" lay at the centre of this, with defenders of Marx and Friedrich Engels saying that a proper translation would be "residual fragments of peoples".
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Darüber herrscht keinerlei Konsens.

In einem Brief an seinen ....Vater (?) betitelte er einen jüdischen Prominenten als "vom selben Stamme" (wie er selbst).

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