Unterschiede Westerntrense zu englisch Trense?

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3 Antworten

Ich reite Englisch, benutze aber ein Westernkopfstück. Zusammen mit einer Schenkeltrense.

Warum ich das tue? Weil ich die Westerntrensen wesentlich schicker finde. Bei den englischen Kopfstücken ist es doch so: "haste eins gesehen, haste alle gesehen." Gähn. Da ändert auch Swarowski-Bling-Bling nichts dran. Die Dinger sind einfach totlangweilig und unoriginell.

Außerdem mag ich den schönen Araberkopf meiner Stute nicht als Postpaket verschnüren. Ich hasse viel Leder am Pferdekopf. Ein englisches  Reithalfter geht ja noch, aber dann in Kombination mit dem Zuschnürriemen. Gruselig hässlich.

Und bei den meisten Kopfstücken muss man die Postpaketverschnallung mitkaufen. Das sehe ich nicht ein. Ich bezahle nicht für etwas, was ich dann doch entferne und wegschmeiße.

Es gibt zwar Kopfstücke, die man sich zusammenstellen kann, aber auf die trifft dann wieder der Spruch zu: haste eins gesehen, haste alle gesehen.  Sterbenslangweilig.

Reiten kann man mit Westerntrensen genauso gut Englisch wie mit den englischen Trensen. Da ist kein Unterschied. Nur das Auge freut es halt.

Die Trense hat erst mal gar keinen Riemen. Das ist beim Englisch- wie Westernreiten so. Es gibt unzählige Formen und grade wegen dieser Vielfalt und der Überlegung, wo man dann die Grenze zieht zwischen dem, was eine normale reiterliche Einwirkung ausmacht und was benutzt werden kann, um ein Pferd vordergründig gefügiger zu machen, hat die LPO, die Leistungsprüfungsordnung des englischen Reitsports irgendwann mal die Auswahl eingeschränkt. Entsprechend werden normalerweise beim Englischreiten nur Trensen mit diesem und jenem Ring, einer Dicke von ... bis ... und bestimmten Bauformen der Stange inkl. betimmten Bruch-Ausführungen geritten. Man möchte ja jederzeit öffentlich auftauchen können, ohne was neues besorgen und sich und sein Pferd dran gewöhnen zu müssen.

Wer nicht öffentlich auftritt, sieht sich gerne auch mal unter den Trensen der anderen "Fraktionen" um, denn er muss sich ja nicht an Vorgaben halten. Da wird dann gekauft, was dem Paar liegt und oft auch, was dem Paar nicht liegt, was dem Reiter aber nicht bewusst ist. Oft auch mal wahre "Folterinstrumente", weil man denkt, damit würde das Pferd die Hilfe besser annehmen.

Damit die Trense im Maul bleibt, braucht man einen Trensenzaum. Der besteht erst mal nur aus einem Riemen um's Genick. Das alleine würde reichen.

Da das Pferd aber einen einzelnen Riemen um's Genick auch mal unglücklich los werden könnte, was den Reiter oben drauf nicht besonders freut, wird wenigstens mit Stirnriemen oder einer Ohrschlaufe gearbeitet. Auch der Kehlriemen soll das ein bisschen sichern. Jetzt haben wir schonmal einen Riemen, der mit höherer Wahrscheinlichkeit die Trense im Maul hält.

Und dann bedient man sich - nach LPO wieder zwingend - oftmals noch einem Reithalfter. Das hat den Sinn und Zweck, einen Teil der Handeinwirkung der Zügelhilfen auf den Pferdekopf zu übertragen, also die Hilfengebung nicht auf das eine Teil im Maul zu konzentrieren, sondern mehr oder weniger Wirkung auf das Genick und / oder die Nase auszuüben. Je nach Wirkungsweise gibt es verschiedene Bauformen von Reithalftern.

Nun hatte man im Krieg und auf schweren Jagden immer noch ein Problem: Wenn der Reiter sich vom Pferd unglücklich verabschiedet und den Zügel noch immer in der Hand hat, gibt es einen kräftigen Ruck auf die Trense, entsprechend des beschleunigten Reitergewichts. Das führte oftmals zu Kieferbrüchen der Pferde, weshalb man diese an Ort und Stelle erschießen musste. Also hat man einen Riemen gefunden, mit dem man die Trense hoch gehängt hat oder hat das Hannoversche Reithalfter um die Trense herum geschlossen. Somit kam der große Ruck zumindest zu einem Teil auf das Nasenbein des Pferdes und da er verteilt wurde, hielten das beide Knochen sehr viel öfter aus als wenn der Ruck nur auf den Unterkiefer kam. So gehört der Sperrriemen korrekt verschnallt: https://www.gutefrage.net/frage/sperriemen-richtig-verschnallen

Er trägt auch den Namen Pullerriemen, da es auch damals schon Reiter gab, die nicht die beste Hand der Welt hatten und sich nicht die Mühe gegeben hatten oder auch nicht konnten, das zu korrigieren und da es auch seinerzeit schon Pferde gab, die mal zu viel des guten wollten und gegen die Hand des Reiters gedonnert sind, weil die dann ziehende Hand des Reiters den Pferden unangenehm wurde, hat sich das ganze gern hochgeschaukelt, wenn ein Pferd "gepullt", also dagegen gezogen hat, es war ein ewiges hin und her von Pferd zieht, Reiter zieht, Pferd zieht, ... wer letztendlich angefangen hat, beurteilen wir hier nicht, können wir auch gar nicht. Aber dass das dem Pferd im Maul so unangenehm ist, dass es eher noch mehr Gas gibt als sich zu entspannen, ist auch irgendwo klar. Auch hier kann es helfen, einen Teil des Drucks auf das Nasenbein zu übertragen. In der Dressurarbeit, wo es drum geht, dass die ganze Reiterei immer feiner wird, hat der nichts zu suchen, aber im Eifer einer Jagd oder im Kriegsgeschehen kann er dem Paar durchaus helfen.

Bis heute hat der erfinderische Mensch leider einen neuen Gebrauch daraus abgeleitet: In der Dressur, wo solches Risiko eigentlich nicht gegeben ist, motzen die Pferde auch weniger über die harte Hand, wenn ein Teil von der Last auf die Nase kommt. Es geht in der Dressur darum, zu zeigen, wie weit Pferd und Reiter ausgebildet sind, entsprechend mag man nicht direkt dem Richter auf's Auge drücken, dass man an seiner Hand und der Durchlässigkeit der Hilfen noch deutlich arbeiten müsste, also ... kommt das Riemchen um's Maul herum und macht das mal zu. Punkt. Leider wurde in die LPO mal aufgenommen, dass wer eine Schlaufe für einen Sperrriemen hat, da auch einen drin haben sollte und die Verschnallung rund um's Maul wurde geläufig. Ich weiß gar nicht, wie es nach LPO beurteilt würde, wenn jemand den korrekt verschnallen würde, man sieht es ja nicht mehr und ich habe das Regelwerk nicht, um nachzulesen. Bei mir hat kein Reithalfter eine Schlaufe, selbst wenn ich nicht vorhabe, in die Öffentlichkeit zu gehen. Man kann das einfach mit einem scharfen Messer lösen oder, wenn man keine Schnittkante am Nasenriemen haben möchte, den Sattler bitten, die Naht auf- und wieder zu zu machen. Es gibt auch (wenn auch nur vereinzelt) heute noch Zäume, die man direkt ohne Schlaufe kaufen kann, also englische Reithalfter, nicht englisch kombinierte ("kombiniert" sagt aus, dass ein Sperrriemen dabei ist). Das Reithalfter liegt bei mir zu 98% im Spind. Das nutze ich eigentlich gar nicht.

Im Western-Ausbildungs-Bereich sehe ich auch kreative Konstrukte um die Pferdenasen gebunden. Es ist nicht so, dass die sich keiner Hilfsmittel bedienen. Doch ich weiß nicht, ob die eine Turnierordnung haben, die vorsieht, dass man die Zügelhilfe komplett ohne alle sehen möchte - am Turnier habe ich jedenfalls noch niemanden mit sowas auftreten sehen.

Super Antwort, nur weiß ich nicht, ob dein Hinweis ganz am Anfang klar genug ausgedrückt ist..

Die Trense hat erst mal gar keinen Riemen.
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Westernkopfstücke gibt es noch in unterschiedlichen Ausführungen: mit Stirnriemen, als ein Einohr oder Zweiohrkopfstück. Mit/ohne Kehlriemen. 

Ob es für das Pferd einen Unterschied macht ? Hängt wohl von der Vorliebe seiner eigenen Reitweise ab, dass man sich die Unterschiede "schön" argumentiert. Ich bin Westernreiter, insofern bin ich da wahrscheinlich auch Voreingenommen, was Westernkopfstücke angeht (Pferd ist nicht so "verschnürt", habe ein Zweiohr-Kopfstück, was Ruckzuck am Pferd ist). Als Westernreiter mag ich das natürlich auch lieber und finde es auch besser :-) 

Frag jemanden, der eine andere Reitweise ausübt und er wird dir wahrscheinlich sagen, dass er seine hierfür benötigte Ausrüstung mag und sie natürlich besser findet :-) 

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