Unterschied Nuklearmedizin Strahlentherapie?

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Die Strahlentherapie und die Nuklearmedizin sind zwei verschiedene Teildiszipinen der Medizin.

In der Nuklearmedizin wird mit offenen radioaktiven Stoffen gearbeitet, die als Radiopharmaka, dem Patienten injiziert oder oral verabreicht werden und anschließend vom Körper abgebaut und ausgeschieden werden. Die radioaktiven Stoffe senden durch Kernzerfall Alpha-, Beta- und/oder Gammastrahlung aus. Dabei können diese sowohl zur Diagnostik (Gammastrahler, Betastrahler) als auch zur Therapie (Alpha-/Betastrahler) angewendet werden. Bei der Diagnostik ist das
wohl bekannteste Verfahren das PET(Positronenemissionstomograph). Hierbei kann beispielsweise mit FDG, radioaktiv markierter Glukose, die Hirnfunktion untersucht oder Tumore sichtbar gemacht werden. Der radioaktive Stoff verteilt sich im Körper und kann von außen detektiert werden. Aufgrund der Orte an denen sich der Stoff anlagert als auch der Geschwindigkeit der Verteilung des Stoffes im Körper können Stoffwechselvorgänge und Organfunktionen analysiert werden. Ein ähnliches diagnostisches Verfahren ist die Szintigraphie zur Untersuchung der Schilddrüsenfunktion oder der Nierenfunktion mit Technetium.

Die Nuklermedizin kann aber auch zur Therapie sowoh von gutartigen als auch bösartigen Erkrankungen angewandt werden. Die wohl häufigste Anwendung findet dabei die Radio-Iod-Therapie bei Schilddrüsenüberfunktionen. Aber auch bei Krebserkrankungen kommt sie zum Einsatz. Dabei werden z.B. radioaktives Yttrium oder Luthetium verwendet. Diese Stoffe werden so an Proteine gebunden, dass sie sich direkt am Tumor anlagern und lokal die Tumorzellen schädigen, während das umliegende Gewebe weitestegehend geschont werden kann.

Die Strahlentherapie ist wie der Name schon sagt eine rein therapeutische Disziplin, die in der Regel der Behandlung von Krebsgeschwüren dient. Die häufigste Anwendung findet hier die Teletherapie, wobei mittels eines Linearbeschleunigers der Patient von außen mit hochenergetischer Röntgenstrahlung oder Elektronen bestrahlt wird. Röntgenstrahlung dringt weit in den Körper ein und kann so tiefliegende Tumoren erreichen.

Eine weniger bekannte Teildiszipin der Strahlentherapie ist die Brachytherapie, wobei geschlossene radioaktive Quellen wie beispielsweise Iridium kurzzeitig oder dauerhaft in den Körper gebracht werden. Häufig wird dies bei Prostatakarzinomen oder gynäkologischen Tumoren angewendet. Im Unterschied zur Nuklearmedizin verteilt sich der Stoff nicht im gesamten Körper sondern verbleibt als Implantat an der eingebrachten Stelle. Verbleibt der Stoff im Körper, kann er nicht durch Stoffwechselvorgänge abgebaut werden. Jedoch verliert er durch den radioaktiven Zerfall mit der Zeit an Aktivität.

Welche der genannten Verfahren zur Therapie angewendet wird, hängt von vielen Faktoren ab; aber vor allem von der Art der Erkrankung und dem Allgemeinzustand des Patienten.

Nuklearmedizin ist eine Untergruppe der Strahlenmedizin und ein eigener Teilbereich neben der Strahlentherapie.

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