Kennt ihr Beispiele für Richtziel, Grobziel und Feinziel?

4 Antworten

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Feinziele sind Ziele, die du am Ende deines Angebots konkret überprüfen können sollst. Entsprechend kleinschrittig müssen sie formuliert sein.

Ein guter Hinweis ist immer, dass ein Ziel, bei dem man noch hinterfragen kann, woran genau man das erkennen kann, kein Feinziel, sondern eher ein Grobziel ist.

Bei deinem Beispiel

Die Kinder haben einen besseren Umgang miteinander

könnte man das tun: Wie sieht dieser "bessere Umgang" aus? Sollen die Kinder sich ausreden lassen? Sollen sie einander zuhören? Sollen sie warten, bis sie an der Reihe sind?…

Wenn du dein Angebot reflektierst, macht es Sinn, möglichst konkrete Feinziele benannt zu haben. Du kannst z.B. danach ganz klar sagen, ob die Kinder sich tatsächlich haben ausreden lassen. Die Frage nach dem "besseren Umgang" wäre viel schwammiger und deshalb viel schwieriger zu beurteilen. Sie wäre also eher ein Grob- als ein Feinziel.

Das Ziel

Die Kinder erkennen Gefühle der anderen

kann man hingegen durchaus konkret beobachten. Das würde ich als Feinziel gelten lassen. Lediglich in der Krippe würde ich noch feiner untergliedern, etwa: "Die Kinder erkennen, wenn ein anderes Kind traurig ist" oder "Die Kinder erkennen, wenn ein anderes Kind fröhlich ist".

Ein wenig klarer? :)

Mit dem Richtziel beschreibst du ganz allgemein, in welche Richtung dein Ziel zu einem bestimmten Themenkomplex geht. Dieses Richtziel ist das Ende, auf das du hinarbeitest. Es ist aufgeteilt in deine Grobziele, in denen du auf die Inhalte und Methoden eingehst. Sie sind aber, wie der Name schon sagt, noch grob formuliert und lassen Fragen und Interpretationen zu. Kann man noch Fragen dazu stellen oder es in kleinere Komplexe aufteilen, ist es wahrscheinlich ein Grobziel. Feinziele dagegen sind eindeutig und so genau wie möglich formuliert und sollten genau messbar sein.

Um das auf dein Beispiel anzuwenden: „Besserer Umgang miteinander“ ist offen für Interpretation und daher ein Grobziel. Denn wie genau dieser bessere Umgang aussieht, lässt sich noch genauer in feinere Unterziele definieren, zum Beispiel immer „Danke“ sagen, wenn jemand ihnen hilft, mit dem Reden warten, bis der andere fertig ist, „Bitte“ sagen, wenn man etwas möchte, und so weiter.

„Die Gefühle der anderen erkennen“ kann man in beide Richtungen deuten. Einerseits ist es ein Grobziel, weil du es noch in kleinere Ziele aufteilen könntest (wie sich dieses Erkennen äußert und die Handlungen der Kinder beeinflusst). Andererseits könnte es auch als Feinziel gelten, da es bereits messbar ist. 

Ich hoffe, das hilft dir für den Start weiter. Die TU Dresden hat dazu ein sehr gutes, neunseitiges Lehrblatt herausgegeben: https://tu-dresden.de/mz/ressourcen/dateien/services/e_learning/didaktische-handreichung-formulierung-von-lernzielen-aus-dem-projekt-seco?lang=de. Einfacher und gröber erklärt wird es auf der Webseite Erzieherspickzettel.de (https://erzieherspickzettel.de/erziehungsziele/). Das ist immer eine gute erste Anlaufstelle.

Eine tolle Übersicht wie Erziehungsziele formuliert werden müssen mit Tipps und Beispielen findest du hier:

erzieherspickzettel.de -> Erziehungsziele

Dort findet man auch Beispiel Planungen wo man sich gut inspirieren lassen kann ;)

Hoffe das hilft jemanden weiter :)

Ich habe eine ähnliche Ausbidlung absolviert. An deiner Stelle würde ich es etwas umformulieren. Also erstens ist beim ZIel nicht vom "Ist-Zustand" zu sprechen. Ich würde es daher anders formulieren. Wie z. B. "Die Kinder sollen für die Gefühle ihrer Mitmenschen sensibilisiert werden" oder "Die Wahrnehmung der Kinder soll vertieft werden".

Sowohl Ist- als auch Soll-Ziele sind zulässig. In der jüngeren pädagogischen Literatur wird vorrangig mit Ist-Zielen gearbeitet.

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