5 Antworten

Das Problem an der Sache sind die Ausschreibungen. Dabei gehts natürlich darum das günstige Angebot an das Land zu geben.

Da jeder die Ausschreibungen gewinnen will, werden dumping Angebote gemacht. Privatbahnen unterbieten die DB Regio AG extrem.

Das Land denkt sich natürlich in dem Moment wie geil das sein muss, wir machen müssen weniger ausgeben für mehr Leistung.

Dieses denken geht aber schnell nach hinten los. Einfach weil die Gelder nicht ausreichen. Kein Personal gefunden wird, da auch dumpinglöhne gezahlt werden.

Aber wie sagt man so schön - man merkt es was einem fehlt, wenn es weg ist. Damit meine ich, dass die DB Regio AG deutlich besser agiert und weniger Probleme macht als Privatbahnen. Das heißt aber natürlich nicht, dass bei der Bahn selbst alles rosig ist, aber besser.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung
Kein Personal gefunden wird, da auch dumpinglöhne gezahlt werden.

Privatbahnen bezahlen zwar oft weniger als die DB. Aber wirklich Dumpinglöhne sind es nicht. Denn die Verhandlungsposition von Privatbahnen in den Tarifverhandlungen mit GDL & EVG ist wesentlich schwächer als die der DB. Denn bei Privatbahnen gibt es keine Beamten. Das heißt wenn dort gestreikt wird fällt alles aus und das hat hohe Strafzahlungen für den Betreiber zu Folge.

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@thelasse

Nunja es gibt viele Unternehmen die Dumpinglöhne zahlen. Ich nenne jetzt keine Namen, aber das unverschämteste angebot was ich je schriftlich und ernstgemeint gesehen habe, war 800€ weniger als bei der DB.

Das Private EVU/EIUs 100-200€ weniger zahlen ok. Aber es gibt auch das krasse gegenteil, wo EVUs das doppelte zahlen. Aber über die bedingungen dort brauchen wir denke ich nicht zu reden, zudem ist dies ausschließlich im güterverkehr der fall

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Meiner Meinung nach gibt es ein strukturelles Problem bei der Vergabe des Betriebs.
Natürlich haben sich die Privatbahnen teilweise verkalkuliert bzw. sehr optimistisch geplant. Aber der Grund hierfür liegt in den Ausschreitungen. Denn das Land bzw. die Verkehrsverbünde schauen hauptsächlich auf den Preis und erst an zweiter Stelle auf die Qualität des Angebotes. Das führt natürlich dazu, dass die Bahnunternehmen versuchen ein möglichst billiges Angebot abzugeben und besonders optimistisch kalkulieren. Davon abgesehen ist es natürlich aber auch so das man bei einer Laufzeit von 15 Jahren oder mehr nicht alles einplanen kann (z.B. den Fahrgastrückgang durch COVID).

Darüberhinaus sind die Bahnunternehmen in der Regel vertraglich zu einer gewissen Pünktlichkeit verpflichtet. Wird diese Pünktlichkeit nicht erreicht müssen Strafzahlungen bezahlt werden. Auch wenn das Unternehmen überhaupt nicht für die Verspätung/den Ausfall verantwortlich ist. Wenn die Deutsche Bahn beispielsweise auf einer Strecke baut und dadurch Züge der Eurobahn verspätet sind kann es passieren das die Eurobahn Strafzahlungen bezahlen muss. Das ist meiner Meinung nach auch ein strukturelles Problem. Denn hierdurch können Privatbahnen natürlich hohe Kosten entstehen.

Natürlich ist das ganze ein strukturelles Problem. Eines von mittlerweile vielen Beispielen, wo Privatisierung fast nur Nachteile gebracht hat. Ein anderes Beispiel, wo wir das auch recht schön sehen, ist die Post und die Telekommunikation. Aber die Bahn mit ihren Ausschreibungen und den Aussichten in die Zukunft, ist schon eine Hausnummer.

Eine Ausschreibung, die dem günstigsten Bewerber den Zuschlag gibt, klingt natürlich gut. Ist es aber nicht. Das hat, finde ich, mehrere Gründe.

  1. Die Unternehmen unterbieten sich, arbeiten dauerhaft am finanziellen Limit. Das schlägt sich aber auf die Qualität der erbrachten Dienstleistung. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für Ausfälle, teils sogar länger. Ergo: Nachteile für den Fahrgast und auch den Steuerzahler allgemein.
  2. Die Unternehmen konkurrieren um Personal. Und das bei knappem Budget, das heißt mit knapper Bezahlung. Zusammen mit nicht gerade himmlischen Arbeitsbedingungen kann das bei etwas höherem Krankenstand schnell dazu führen, dass der Betrieb steht. Hat man in den vergangenen Jahren oft gesehen, sowohl bei kleinen Unternehmen als auch bei der DB. Auch wirken sich Streiks und dergleichen anders aus, hierbei ist aber eher die DB im Nachteil.
  3. Jedes Unternehmen setzt in der Regel auf eine oder zwei Fahrzeugbaureihen, die nach einer Ausschreibung meistens neu bestellt werden (müssen). Ganz oft sind Neufahrzeuge Teil der Bedingungen in der Ausschreibung. In der Folge häufen sich die Vorfälle, wo die Leistungen aufgrund von jahrelangen Liefer- und Zulassungsverzögerungen nicht erbracht werden können. In Baden-Württemberg und NRW konnte man das in den letzten Jahren schön sehen: Da fuhren Privatdienstleister oder die DB Gebrauchtzug mit den Baureihen 110 und 111 und Silberlingen (n-Wagen). Ist das der Nahverkehr, den wir wollen? Ich mag diese Fahrzeugkombi, aber nicht, wenn neue ETs versprochen wären. Dazu kommt: Fällt diese eine Baureihe mal eben aus, steht der Betrieb komplett, denn im Vergleich zu einem großen Konzern wie der DB hat man keinen riesigen Bestand an Loks und Waggons in der Abstellung stehen, die man schnell reaktivieren kann. Die Folgen solcher Vorfälle kann man immer wieder erahnen, z.B. als das gesamte ehemalige NOB-Wagenmaterial wegen Kupplungsproblemen aus dem Verkehr gezogen wurde.
  4. Damit einher geht die Wartung dieser Fahrzeuge. Jedes Unternehmen hat in der Regel eine eigene Werkstatt, die nach gewonnener Ausschreibung neu aufgebaut wird. Auch das zerrt wieder am Budget jedes Unternehmens.
  5. Die konkurrierenden Unternehmen haben auch Schwierigkeiten, auf der Strecke gut zusammenzuarbeiten. Man hört des Öfteren, dass beispielsweise Fahrdienstleiter der DB Züge anderer Unternehmen benachteiligt haben etc.

Vergleicht man das mit der alten Bundesbahn, ist das... schlimm.

Die Bundesbahn hatte einen riesigen Wagen- und Lokbestand, auf den jederzeit zurückgegriffen werden konnte. Beim Personal gab es so gut wie keine Konkurrenz, zumal die alle verbeamtet waren. Kein Streik, dafür aber beispielsweise ein sicherer Job - lebenslang. Die DB arbeitete mit Fahrzeugentwicklern zusammen, da wurde auch an normalen Fahrzeugen getestet. Die damals konstruierten Fahrzeuge fahren oft bis heute zuverlässig und müssen moderne Fahrzeuge ersetzen, wenn die ausfallen. Für die Wartung bedurfte es nicht für jede einzelne Linie ein eigenes Werk, da gab und gibt es bis heute Werke, die sich eben auf bestimmte Fahrzeuge spezialisiert hatten.

Man hat schon in der Bundesbahn den Fehler gemacht, den man mit der Privatisierung weitergeführt hat: Man will sparen. Man nimmt nur das Billigste. Bereits zu Bundesbahnzeiten hat man so an der Wartung gespart, dass Lokomotiven etwa in kürzester Zeit schrottreif wurden. Das ist reines Politikversagen... und man hält an diesem Sparkurs fest, auch wenn man seit 20 Jahren etwas anders erzählt. Und so wandert unser Steuergeld für unsere DB zuweilen auch mal in das Ausland, wo ihre Tochterfirmen dann Regionalverkehr, Busverkehr oder Güterdienstleistungen erbringt.

Würde man endlich erkennen, dass man am Öffentlichen Personenverkehr nichts verdienen kann, sondern eben Geld investieren muss, könnte man das reibungsloser gestalten. Die Privatisierung kann man leider nicht rückgängig machen... aber man sollte bei Ausschreibungen zumindest nicht nur auf den Preis achten, sondern was das Unternehmen bietet und ob es das auch garantieren kann. Freier Wettbewerb auf der Schiene macht im Personenverkehr überhaupt keinen Sinn.

Mein Favorit wäre eine neue Bundesbahn. Finanziert rein durch Steuergelder statt durch Tickets, aber sinnvoll. Nicht kaputtgespart, wie wir das seit 40 Jahren tun, gleichzeitig aber auch nicht so verschwenderisch, dass wir funktionierendes, nicht einmal altes Rollmaterial aufs Abstellgleis stellen und neues kaufen, nur weil das alte z.B. kein WLAN hat, das man easy nachrüsten könnte. Regionale Personal- und Fahrzeugdefizite könnten schnell kurzzeitig ausgeglichen werden. Bei der Entwicklung ist die Bahn wieder beteiligt, sodass neues Rollmaterial auch wirklich funktioniert und nicht bei Erhalt der Zulassung bereits veraltet und immer noch nicht funktionsfähig ist. Image und Gewinn werden der Qualität der Beförderung untergeordnet.

Das wäre, um mal kurz von der Frage wegzukommen, auch um ein Vielfaches umweltfreundlicher und nachhaltiger. Auch nicht gerade unbedeutender in der heutigen Zeit. Rechnet man dazu, wie viele Leute Bahn fahren würden, könnte man sich auf sie verlassen und müsste man nichts bezahlen, wäre das Ergebnis sogar hervorragend.

Die ganzen Zahlen die einer Kalkulation zu Grunde liegen sind ja nur Schätzungen. Niemand kann genau voraus sagen wie sich die Zahlen entwickeln.

Und bei der Bewerbung um eine neue Strecke kommt es letztendlich nur darauf an wer das bessere Angebot ab gibt. Da bleibt wenig Spiel für Rücklagen.

Das Problem bei Privatbahnen ist, dass sie privat sind. Und gewinnorientiert arbeiten müssen. Das heißt, minimaler Aufwand - maximaler Profit. Das geht zu Lasten von Material und Fahrgast. Schon Bismarck wusste, dass das falsch ist. Und Bismarck war alles, aber sicher kein Kommunist.

 - (Deutsche Bahn, DB, Eisenbahn)

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