perqu(e) hiemes aestusqu(e) et inaequalis autumnos METRIK?

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Hi!

Die Metrik lautet:

_ v v ' _ _ ' _ _ ' _ _ ' _ v v ' _ x

Erklärung:

Zunächst suchst du alle Elisionen, Aphaeresen und Synaloephen aus dem Vers heraus. Diese hast du ja schon durch die Einklammerung gekennzeichnet, was soweit auch richtig ist. Sie kommen wie folgt zustande: Bei der ersten Elision ist zu bedenken, dass h kein Konsonant ist. Deshalb folgt auch hier Vokal auf Vokal und wir elidieren das auslautende e.

Nun kümmern wir uns um die Natur- und Positionslängen.

Naturlang sind Diphthonge, d.h. Doppelvokale, also ae und oe. Andere tauchen im Lateinischen so gut wie gar nicht auf, sonst gilt bei zwei Vokalen im Wort vocalis ante vocalem corripitur, also Vokal vor Vokal ist kurz. Ein Beispiel ist deus, das spricht man ja nicht dois aus (es gibt Ausnahmen wie deinde, seu und neu, die der Synizese unterliegen), sondern de-us. Die Silbe de- ist hier durch die eben genannte Regel automatisch kurz.

Weiterhin naturlang sind die Endungen (bspw)

  • des Nom. und Akk. Pl. der dritten Deklination
  • des Ablativs Singular
  • die Endungen des Akkusativ Plurals der a- und o-Deklination (mask.)

Positionslängen sind solche Längen, bei denen auf einen Vokal zwei oder mehr Konsonanten kommen. Diese Regel gilt auch wortübergreifend! Das ist wichtig, damit man keine Fehler macht. Wenn man die Natur- und Positionslängen eingetragen hat, schaut man, wo die Längen im Vers liegen. Da müsste dann etwas rauskommen, wo die Längen und Kürzen gut verteilt werden können. Wir müssen auf sechs Versfüße der Form _ _ (Spondeus) oder _ v v (Daktylus) kommen. Es gilt zudem: Es darf nur eine ungerade Anzahl an Längen hintereinander stehen und immer nur zwei Kürzen auf einmal.

Wenden wir das Wissen einmal auf unseren Vers an:

perqu(e) hiemes aestusqu(e) et inaequalis autumnos

  • Die Silbe per ist positionslang, da auf einen Vokal, nämlich e, zwei Konsonanten folgen.
  • -mes ist naturlang.
  • aest ist positionslang, da auf das e zwei Konsonanten folgen. Auch die darauffolgende Silbe ist positionslang.
  • das ae von inaequalis ist naturlang wegen des Diphthongs.
  • das tumn ist positionslang.

Im Allgemeinen ist zu empfehlen, sich die letzten fünf Silben abzutrennen und daraus einen Daktylus sowie _ x als die letzten Silben zu machen. Das stimmt in 95% der Fälle. Jetzt musst du schauen. Zwischen die ersten zwei Längen passen super zwei Kürzen, weil vocalis ante vocalem corripitur (den Fall haben wir bei ie von hiemes). Aus den nächsten zwei Längen können wir direkt den zweiten Versfuß machen. Die letzten zwei Versfüße haben wir ja auch schon abgetrennt. Aus den verbleibenden vier Silben müssen wir zwei Versfüße machen, von denen einer mit einer Länge anfängt und der andere mit einer Länge aufhört. Logische Konsequenz: Wir brauchen zwei Längen und der Versfuß ist komplett.

Ich hoffe, ich konnte dir etwas helfen

LG

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Studium Chemie + Latein Lehramt

Vielen herzlichen Dank für diese ausführliche Antwort! Es hat mir echt geholfen. Als ich den Vers selbst skandiert habe, bin ich jedoch auf dieses Ergebnis gekommen:

Perqu(e) hiemes aestusqu(e) et inaequalis autumnos

_ v v ' _ _ ' _ v v ' _ _ ' _ _ ' _ x

Das ,,au'' in ,,autumnos'' ist doch ein Diphthong und müsste demnach kurz gemessen werden. Kann es nicht doch sein, dass dies einer dieser 5% Fälle ist, in dem der vorletzte Versfuß ein Spondeus ist?

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@yesthatsmelol

Oh, da bringst du mich aber gerade in Verlegenheit...au ist natürlich ein Diphthong! Ich hab gestern Abend wohl etwas geschlafen bei der Antwort und du hast Recht! Hier tritt tatsächlich mal einer der 5% Fälle ein. Vielen Dank für die Berichtigung und super, dass es dir aufgefallen ist!

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@DieChemikerin

Das ist doch kein Problem, errare humanum est! Ich danke Ihnen trotzdem für die ganzen imposanten Erklärungen :)

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@yesthatsmelol

nein, dein Versuch ist falsch! Das kannst du bereits daran erkennen, dass du das Wort "inaequalis" immer auf der ersten Silbe und auf "qua" betonst, wenn du es isoliert sprichst. Schau im Stowasser nach. Dagegen wird bei "autumnos" die 1. Silbe unbetont gesprochen. Daher ergeben die letzten 5 Silben das klassische Bild des Hexameters!!!

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@rhenusanser

Also doch ganz normal wie ich es sagte? Hätte nicht gedacht, dass man mich so schnell zur Verwirrung bringen kann, obwohl ich eigentlich Metrik gut kann ^^

Danke für deinen Kommentar!

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@DieChemikerin

Deswegen normal, weil hier die Naturlängen berücksichtigt werden müssen und nicht jeder Diphthong unbedingt eine Länge fordert. Es kommt auf die sogenannte "Mundöffnung" an. Und da hier das "au" eher mit "kleiner Öffnung" gesprochen wird (nicht wie ein langes aaaaauuuuu), ist es eine kurz gesprochene Silbe.

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