Mein Leben verändern, gebildeter werden, mein eigenes Ding machen und wegkommen vom kollektiven Denken, nur wie!?

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5 Antworten

Hi Scarecrow,

in deinem Beitrag lese ich viele motivierte und gute Ideen, aber auch ein paar Sachen, die auf mich stutzig machen.

Gut finde ich, dass du diese Einsicht überhaupt hattest. Der Spruch, den du beschreibst, ist ja im Wesentlichen das Gleiche wie "im Hier und Jetzt leben". Wenn du ständig nur daran denkst "irgendwann wird es mal anders/besser", oder "früher war es noch gut, da hatte ich XY", dann zieht das Leben an dir vorüber und du bist nichts weiter als ein Beobachter. Stichwort: "Das Leben in die eigene Hand nehmen". Da ist schon was Wahres dran!

Deine Vorhaben klingen wirklich gut. Früh aufstehen und Sport treiben - du wirst merken, was das aus dir macht! Ich habe die glückliche Situation, dass ich in meinem Job beginnen kann, wann ich es will. Das heißt aber auch, dass ich mich manchmal auch dazu zwingen muss, früh anzufangen - aber dann immer wieder verblüfft feststelle, wie effektiv ich in dieser Zeit bin. Andere bleiben hingegen lieber bis 20 oder 21 Uhr und sagen, dass sie DANN am besten arbeiten können. Von daher: finde deinen eigenen Rhythmus.

Auf der anderen Seite fällt mir etwas an dir negativ auf: du möchtest so gern ein selbstbestimmtes Leben führen, orientierst dich dann aber plötzlich an Dingen, die "man eben macht". Davon abgesehen, dass du Goethe schlecht hören kannst (meintest du vielleicht eher Bach/Mozart?)...Kant lesen? Ernsthaft? Für mich klingt das, als wolltest du mit aller Macht ein Clichée erfüllen, um einer bestimmten Personengruppe anzugehören. Dabei haben 90% dieser Leute selbst Kant nur im Regal stehen - haben ihn entweder nicht gelesen, kaum verstanden, oder sich niemals dazu eine eigene Meinung gebildet. So möchtest du doch nicht sein, oder? Ein Möchtegern, ein Schaumschläger. Ein "Pseudo-Intellektueller".

Du möchtest wissen, welche Musik du hören solltest? Hör die Musik, die dir gefällt. Aber höre sie bewusst. Genieße sie und lass dir damit das Jetzt etwas versüßen. Du möchtest wissen, was du lesen sollst? Lies etwas, das dir gefällt! Mache dir deine Gedanken über die Geschichte und die Figuren. Wie hättest du gehandelt? Findest du es richtig?

Das oberste Stichwort ist hier, meiner Meinung nach, kritisches Denken. Sei skeptisch und überlege dir ganz neutral, wie du zu einer Sache steht. Ganz Deutschland sagt, die Briten spinnen, weil sie die EU verlassen. Was meinst du dazu? Trump ist ein gefährlicher Idiot. Was meinst du dazu? Alle schimpfen über die AfD. Lies dir ihr Wahlprogramm durch und überlege, was du davon hältst. Lass dir von niemandem vorsagen, was du zu denken hast, sondern überlege selbst. Betrachte mehrere Standpunkte - nicht nur deinen eigenen. Überlege dir stets, was andere antreibt so zu denken und zu handeln, wie sie es eben tun. Das ist für mich der Schlüssel zu einer eigenen Meinung. Diese Dinge werden es sein, die dir ein "Selbst" verleihen - eine eigene Identität.

Und zum Job: du kannst auch einen einfachen Job ausüben, mit dem du nettes Geld verdienst und dann in deiner Freizeit etwas tun, das etwas bewirkt. Ich bin Jugendtrainer und erlebe genau das, was du so dringend suchst. Andere engagieren sich in der Flüchtlingshilfe, oder bei der freiwilligen Feuerwehr. Es gibt so viele Ehrenämter, da ist sicher etwas für dich dabei.

Viel Erfolg dabei!

Also - tief Luft holen: Einen besseren Menschen machst Du nicht aus Dir, wenn Du Dich anderen Menschen unterwirst - d. h. so lebst, wie sie es empfehlen! Du musst selbst für Dich spüren, was Du im Leben willst. Ich denke, auf dem Gymnasium lernt man nix für das echte Leben. Das ist kein Vorwurf. Aber da wird einem nicht gesagt, was man alles machen kann. Finde ich. Ich an Deiner Stelle würde mir nicht den Wecker auf 5 Uhr stellen! Du hast auch einen Biorythmus - schlaf aus und beobachte, wann Dein Körper müde ist und wann er aufwacht! Das ist viel wichtiger! Und dann hol Dir einen Termin bei der Agentur für Arbeit zwecks Berufsberatung und wie die berufliche Zukunft für Dich aussehen kann. Jeder braucht Geld und es zu verdienen ist nun mal logisch. Aber noch wichtiger ist, was Du NACH der Arbeit machen kannst, also wie Du den Rest des Tages verbringst. Wenn Dir nach Goethe ist, dann bitteschön. Aber wenn nicht, dann langweil Dich damit nicht sondern such Dir andere Hobbys. Welche, das kannst nur Du für Dich entscheiden! Das können wir Dir nicht abnehmen. Was sagt Dein Herz? Was sagt Dein Bauch? Irgendwas müssen die Dir sagen, ansonsten bist Du - naja, nicht tot, aber so was ähnliches.

Mach ein freiwilliges Soziales Jahr in der Kultur. FSJ Kultur in einer kulturellen Einrichtung und du lernst eine Menge. Gratis dabei gibt es Kurse, Seminare und Workshops in denen du viel Selbsterkenntnis gewinnst, Leute kennen lernst und dadurch einen ganz neuen Blickwinkel auf "das Leben" bekommst. Viel Spaß beim entdecken!

Fast alles bildet einen, die Frage ist nur in welche Richtung du dich bilden möchtest. Goethe und Kant sind ziemliche Stereotype.

Du kannst auch Kochshows gucken oder EM, da lernt man auch was. Nur in anderen Bereichen. Du musst dir selbst überlegen was dich weiterbringt/ was deine Interessen sind.

Lesen, lesen, lesen..

Bevor du aber langweilige Sachen liesst und damit Zeit verschwendest, solltest du zuerst Biografien von bekannten Persönlichkeiten lesen. Komponisten, Schriftsteller, Forscher. Wenn eine Biografie dich dann neugierig macht, kannst du auch Werke der Person lesen bzw. hören.

Auch interessant sind historische Sachen. Aber nicht soweit in die Vergangenheit, sondern über die letzten 120 Jahre. Da siehst du dann, was alles so verkehrt gelaufen ist, besonders in punkto Umweltzerstörung oder wie Länder ihre Bewohner oder andere Länder ausgebeutet haben. Und wie sich diese Länder entwickelt haben.

Mit diesem Wissen, kannst du dich dann auch sozial engagieren. Idealerweise könntest du deine Berufswahl danach ausrichten. Vergess den Abi-Schnitt. Ein positiver Mensch hat mehr Möglichkeiten als du denkst.

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