Leumundsprüfung Polizei Berlin?
Hallo,
ich wurde wegen zwei gleichgelagerte Warenbetrugsfällen, aus Oktober 2020 angezeigt. Bei der ersten kam es zur Einstellung gemäß § 45 Abs. 1 in Verbindung mit § 109 JGG. Bei der zweiten Anzeige kam es zur Hauptverhandlung vorm Jugendrichter, was gemäß § 47 JGG eingestellt wurde, gegen eine Geldbuße von 600€. Zum Zeitpunkt der Tat war ich 18 Jahre Alt, und nun bin ich 20 Jahre Alt. Der Schaden betrug insgesamt 85€ (beide Anzeigen zusammen gerechnet). Ich habe allerdings vor Gericht über die gesamte Verhandlung abgestritten, dass es ein Betrug war und nur ein riesen Missverständnis war. Der Schaden wurde an beide Geschädigte komplett zurück gezahlt, worauf auch die Strafanträge zurück gezogen wurden.
Nun meine Frage: Bei mir läuft eine Bewerbung für eine Polizeiausbildung bei der Berliner Polizei. Ich habe auch eine Direktzusage und alles bestanden. Sie möchten in der Leumundsprüfung den Fall bewerten und auch Akteneinsicht für beide Fälle beantragen. Ist meine Zukunft bei der Polizei nun gefährdet? Ich bin vor und nach diesen beiden Anzeigen noch nie negativ aufgefallen. Die Verfahren wurden beide eingestellt, der Schaden wurde wieder gut gemacht, die Strafanträge wurden zurückgezogen und es wurde sehr viel Reue gezeigt meinerseits. Ich habe bei der Polizei alle Tests bestanden, es fehlt nur noch die Leumundsprüfung. Bei der Berliner Polizei darf man keine Verurteilungen/Vorstrafen besitzen, allerdings wollen sie auch zu diesem Fall sich einen Bild davon machen. Eine Stellungnahme musste ich auch schon machen. Da habe ich auf sehr oft erwähnt, dass es kein Betrug sondern nur ein Missverständnis ist, und ich das alles sehr bereue und den Schaden wieder gut gemacht habe. Ich habe selbstständig den Kontakt zu den Geschädigten gesucht, was schwer war und alles beglichen. Es war wirklich nur ein Missverständnis. Beide Geschädigte zogen auch den Strafantrag zurück und erklärten gegenüber der Polizei/Staatsanwaltschaft , dass es ein Missverständnis war.
Wie stehen meine Chancen?
3 Antworten
Da die verfahren eingestellt wurden liegt keine verurteilung vor. Das absolute k.o. kriterium ist also schonmal nicht erfüllt.
Wie du schreibst, wollen sie sie geschichte genau prüfen und dann nach kenntnis der sachlage entscheiden. Das wirst du wohl abwarten müssen.
Persönlich bin ich der meinung, jeder hat eine chance verdient. Wer die vollen juristischen konsequenzen seines handelns akzeptiert hat sollte das recht haben bei null anzufangen.
Viel glück
Nun meine Frage: Bei mir läuft eine Bewerbung für eine Polizeiausbildung bei der Berliner Polizei. Ich habe auch eine Direktzusage und alles bestanden. Sie möchten in der Leumundsprüfung den Fall bewerten und auch Akteneinsicht für beide Fälle beantragen. Ist meine Zukunft bei der Polizei nun gefährdet?
😂😎 Sowas liebe ich bei/von Polizisten.
Andere wegen krimineller Handlung verfolgen, aber selbst "Berufserfahrung" im Bereich Diebstahl gesammelt zu haben.
Bist Du sicher, dass Du, wenn Du ausreichende Erfahrung bei der Polizei gesammelt hast, nicht wieder die Seiten wechseln willst ?
Im Ernst.
Dein Leumund scheint nicht blütenrein zu sein und ist sicher ein Risiko bei Deiner Berufswahl.
Da bleibt nur abzuwarten und bei einer Befragung / Vorstellung versuchen zu überzeugen.
Ich finde, wer schon mal vor Gericht stand und auch verurteilt wurde, der hat nichts bei der Polizei zu tun. Aber nach meiner Meinung fragt ja niemand.
Als vorbestraft gilt wer eine Strafe von 90TS und mehr hatte. Das trifft bei dir nicht zu.
Außerdem will niemand mehr zur Polizei. Die Bewerberzahlen sind extrem in den Keller gegangen. Also wirst du gute Chancen haben die Ausbildung machen zu können.
Als vorbestraft gilt wer eine Strafe von 90TS und mehr hatte
Das ist falsch. Vorbestraft ist man, sobald man verurteilt wurde. Die Polizei schaut ins Bundeszentralregister.
Das mit den 90 TS ist nur für normale Berufe wichtig, bei denen ein Führungszeugnis vorgelegt werden muss. Da darf man sich "nicht vorbestraft" nennen, wenn das Führungszeugnis leer ist. Beim BZR sieht das anders aus.
eine Strafe von 90TS und mehr hatte
Hier ist noch ein Fehler: Die Grenze ist nicht 90 und mehr, sondern über 90. 90 werden gerade noch nicht eingetragen.
Ich bin allerdings nie verurteilt worden. Hilft mir das nicht weiter für die Bewerbung?
Du musst alles, was strafrechtlich vorgefallen ist, angeben. Bei den Einstellungen kommt es auf die §§ an. Nicht jede Einstellung heißt "unschuldig"
Ja natürlich. Ich habe alles angegeben und auch die Paragraphe, wonach die Einstellung erfolgte
Willst du eine ehrliche Antwort?
Das Problem ist, dass nicht nach §170 STPO eingestellt wurde und das erst zwei Jahre her ist… deine Chancen schätze ich daher als schlecht ein.
Ich wünsche dir aber trotzdem viel Erfolg… vielleicht hast du ja Glück.
Ich wurde aber auch noch nie verurteilt. Vor diesen beiden Delikten, war ich auch noch nie aufgefallen.
Genau. Beide Verfahren wurden aber eingestellt
Das ist egal. Einstellung ist kein Freispruch. Und zusätzlich musstest du 600 € zahlen.
Das war ja kein vorsätzliches Handeln. Es war nie meine Absicht. Ich habe ja sofort, als ich die Anzeigen erhielt, Kontakt mit der Kriminalpolizei aufgenommen um die Nummer vom Geschädigten in Erfahrung zu bringen und anschließend dem Geschädigten erklärt, dass es nur ein Versehen war und mich entschuldigt. Das Geld erhielt er auch zurück.