Leitfrage über das Thema Antisemitismus im Kaiserreich?

7 Antworten

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Wie User HohutiSorent schon bemerkte, emanzipierten sich die Juden im 19. Jahrhundert in Deutschland. Wurde früher die Berufsausübung der Juden auf Handel und Geldgeschäfte reglementiert, so fand im vorletzten Jahrhundert eine Liberalisierung der Berufe und Tätigkeiten statt.

Der Schlüssel zum Erfolg nicht weniger Juden im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich lag im hohen Bildungsniveau, selbst bei den eingewanderten armen Stetl-Juden aus den Ostgebieten. Die Kinder wurden mit Bildung gepiesackt, Talente gefördert und so konnten innerhalb nur zweier Generationen in Preussen und einigen anderen deutschen Ländern, später im Deutschen Reich Juden in höhere gesellschaftliche Kreise aufsteigen. Die Mendelssohns, Rahel Varnhagen, Karl Marx und Heinrich Heine bereicherten die deutsche Kultur.

Dieser nahezu beispiellose Aufstieg der jüdischen Empokömmlinge brachte natürlich Neider auf den Plan. Quer durch alle Gesellschaftsschichten, vom Kleinbürger über den verarmten Adel, dem Großbürgertum bis zum Hochadel erlebte der Antisemitismus eine Renaissance, in Österreich offensichtlich noch ein wenig mehr als im deutschen Reich, denn dort entstand als Reaktion auf den Antisemitismus von Theodor Herzl die Idee des Zionismus.

Es ist zu vermuten, dass die Juden im Deutschen Reich irgendwann komplett assimiliert worden wären, hätte es eine anfangs völlig unbedeutende Partei namens NSDAP nicht geschafft, die macht zu übernehmen, aber das ist reine Spekulation.

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Woher stammt der Antisemitismus des deutschen Kaiserreichs?

Antisemitismus ist beileibe keine Erfindung des deutschen Kaiserreichs. Antisemitismus, Judenhass bis hin zur motivierten Auslöschung, Vernichtung und Ausmerzung jüdischen Lebens hat in deutschen Regionen eine unglaublich lange und traditionsreiche Geschichte, die bis in die Anfänge des Mittelalters zurückreicht und sich schon dort in brutalen Pogromen gegenüber Juden äußert.

Insofern gehörten Antisemitismus und Judenhass bis hin zur Bereitschaft der Vernichtung jüdischen Lebens schlicht "zum guten Ton" des Bürgertums sowohl in der Kaiserzeit als auch in der Weimarer Republik.

Antisemitismus ist also weder eine Erfindung der Kaiserzeit noch der Nazis. Antisemitismus war vielmehr für die konservative Rechte in Deutschland absolut notwendig, um von ihrer politischen Klientel überhaupt ernst genommen zu werden. So gebührt denn auch der Conservativen Partei Bismarcks "das Verdienst", als erste das Bekenntnis zum Antisemitismus zum Gegenstand ihres Parteiprogramms zu machen. Und das tun sie, weil sie sich davon größere Attraktivität für ihre Wählerschichten versprechen.

Ich würde erst Informationen sammeln, dann zu einer Aussage kommen, und danach dann die Leitfrage formulieren.

z.B. fand im 19. Jahrhundert die Emanzipation der Juden in Deutschland statt. Du könntest also forschen nach "offizieller" Gleichberechtigung vs. "stiller" Diskriminierung (Heine: "Taufschein ist das Eintrittsbillet zur deutschen Kultur"), z.B. Taufzwang für Stellen im STaat, Militär, Kultur, etc...

vielleicht: gab es eine Kontinuität des Antisemitismus in Deutschland oder Anteil des Kaiserreiches an der Entstehung des dritten Reiches, Besonderheiten des deutschen Antisemitismus o.a.

Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich -der Nährboden für den Holocaust im sog. „Dritten Reich“?

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