Lebensgefühl der DDR Bürger

11 Antworten

Also, was ich noch mal anmerken wollte, das Thema scheint nur noch für ältere Semester aktuell zu sein, die heutige Jugend geht damit ganz entspannt um. Das ist jetzt alles meine Erfahrung. Ausserdem haben wir festgestellt, dass es ganz sture "Ostbürger"und ganz sture "Westbürger" gibt, die hartnäckig an den alten Ossi-Wessi-Vorurteilen festhalten. Und meist sind das die, die halt oft nur mal in den Urlaub zum Nachbarn gefahren sind. Nachdem wir in den Westen gezogen sind, sind wir im Osten teilweise als Verräter verunglimpft worden, nur weil man ein paar Meinungen nun nicht mehr geteilt hat. Wir haben dann schnell gemerkt, dass wir am allerbesten mit den Ossis klarkommen, die selbst in den Westen gegangen sind. Und die haben uns dies auch bestätigt. Es ist wohl alles eine Frage der Relation. Man muss "das Andere" kennenlernen, um sich eine Meinung zu bilden, sonst bleibt es ein Vorurteil. Hüben wie drüben.

LG

Ich bin in den 60ern in der DDR geboren. Meine Familie hatte überhaupt keine Kontakte zu Westbürgern. Das hört sich sicher ganz schrecklich an, aber das war es nicht, da man ja keine Relation zu etwas anderem hatte. Wir sind da aufgewachsen, ganz normal in die Schule gegangen und hatten ebenfalls unsere normalen Kindersorgen. Ich hatte eine schöne Kindheit und habe nichts vermisst. Dieser Pionier- Krempel, den musste man halt mitnehmen, aber als Kind habe ich mir keine grossen Gedanken drüber gemacht. Ich habe viel Sport in Vereinen getrieben, bin viel rodeln und eislaufen gegangen, hatte eine Tante, die Hunde gezüchtet hat, wo ich sehr gern war, und meine Familie. Als Jugendliche sind wir jedes Wochenende zur Disko gegangen. Und als junge Familie haben wir viele spontane Feten in unserem Wohnblock gemacht zusammen mit anderen Familien. Man ist sich eben sehr oft besuchen gegangen, da wir kein Telefon hatten. Auch spontan, ist zusammen in den Urlaub gefahren und hat gemeinsam die Kinder gehütet oder gegenseitig. Wir jungen Frauen waren ja alle 100 % arbeiten. Dieser Zusammenhalt ist glaube ich verlorengegangen, aber vielleicht war das auch nur so, weil wir jung waren. Gleich nach der Wende sind mein Mann und ich in den Westen, weil mein Mann keine Arbeit mehr hatte. Erst da haben wir bewusst wahrgenommen, wie unser Leben in der DDR war. Denn nun hatten wir eine Relation. Unser Bild vom Westen war ein ganz anderes. Wir haben also viel dazu gelernt und uns ziemlich schnell ein neues Leben aufgebaut, dann aber auch festgestellt, dass die Leute dort eigentlich auf eine andere Art genauso unfrei sind, sie sind abhängig von ihren Krediten, von ihrem Lebensstandard etc. Und viele sind deshalb sehr unflexibel. Und als wir allen Wohlstand hatten, den wir in der DDR nicht hatten, haben wir gemerkt, dass der uns auch nicht glücklich macht und sind weiter gezogen nach SA. Wir sind dem Westen sehr dankbar für die vielen Möglichkeiten, die er uns geboten hat, aber wir sind auch nicht unzufrieden, in der DDR aufgewachsen zu sein, da wir auch hier vieles gelernt haben. Leben ohne Kredite, Flexibilität, Spontanität. Letztendlich waren wir in den letzten Jahren in der DDR in einer Weise auch nicht mehr so zufrieden, man ist ja älter geworden und da hat man sich doch die Frage gestellt, warum kann man nicht nach Griechenland reisen, wo doch die Welt eigentlich allen gehört. Es gab also zum Schluss schon politisches Interesse von uns, auch Aktivitäten und schlussendlich sind wir froh, dass die Grenze dann offen war, denn wer weiß, wo das hingeführt hätte. Mein Mann hatte z.B. unter Repressalien während der Armeezeit zu leiden, er war dort im Knast, weil er seine Meinung gesagt hat und musste auch nachdienen. Vermissen tun wir nichts mehr heute, das Leben geht weiter, ändert sich, man muss selbst das Beste daraus machen.

Wir sind dem Westen sehr dankbar für die vielen Möglichkeiten, die er uns geboten hat, ...

Ich habe keine Veranlassung dem Westen dankbar zu sein. Er kann eher dankbar sein, dass er mich bekommen hat.

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@exFlottiLotti

@exFlottiLotti

Ich habe keine Veranlassung dem Westen dankbar zu sein. Er kann eher dankbar sein, dass er mich bekommen hat.

DH!

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@Lazarius

Nun ja, wenn man seine Möglichkeiten nicht nutzen will, wir wären ohne ihn nicht dahin gekommen, wo wir jetzt sind und das macht uns schon dankbar.

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@2012infrage

Weißt du, deine Antwort ist ja ansich gar nicht schlecht. Nur stört mich ungemein die devote Attitüde dieser "Dankbarkeit". Als ob uns "Wohltaten" ohne Gegenleistung erwiesen wurden und als ob wir dafür nicht einen hohen Preis gezahlt hätten. Und vor allem impliziert dieses "dankbar-sein", dass wir selbst nichts eingebracht hätten.

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@exFlottiLotti

Hola exFlottiLotti, ich bin nicht dankbar für Wohltaten, die brauche ich nicht, ich bin nur dankbar für die Möglichkeiten, die mir dadurch geboten wurden. Wir haben nie etwas genommen, wir haben immer für uns selbst gesorgt (das ist jetzt keinesfalls persönlich gemeint), wir sind losgegangen, haben uns umgeguckt, festgestellt, dass das im Westen sehr wohl auch seine Tücken und Macken hat und sind weitergezogen. Dieses Weiterziehen wäre ohne die Öffnung nicht möglich gewesen. Unser Blickwinkel hat sich so ungemein verändert. Ich kann nicht sehen, dass etwas gegeben wurde und etwas gezahlt wurde, das ist nicht mein Weltbild. Selber gucken was möglich ist und los... und damals war plötzlich so viel möglich. Ich bin ja auch dem Osten dankbar, weil ich auch da sehr viel fürs Leben gelernt habe, was mir heute noch zugutekommt.

Liebe Grüße

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Ich war 17 als die Mauer fiel. Also habe ich meine gesamte Kindheit in der DDR verbracht. Großartig beklagen kann ich mich nicht. Ich hatte viele Freunde, habe viel erlebt. Mir fehlt heute definitiv die Hilfsbereitschaft untereinander. In der Schule z.B. wurde der Schwache neben dem Starken gesetzt, der Laute neben dem Leisen. Das war Integration. Wenn ich heute meine eigenen Kinder in der Schule erlebe. Hilfe! Heute sucht man bei den Kindern immer irgendwelche Ursachen für ihr Verhalten etc. und spielt sie damit kaputt. Früher wurde es einfach so hingenommen. Etwas angesäuert war ich, dass ich meinen Berufswunsch nicht ausführen durfte. Ich wolllte Pädagogik studieren. Das wurde mir aber versagt, da mein Onkel in den Siebzigern in den Westen geflüchtet war. Habe mich damit aber arrangiert und einen anderen schönen Beruf erlernt. Ich bin übrigens mit einem "Wessi" verheiratet. Und noch nach über 20 Jahren Mauerfall merke ich manchmal starke Differenzen bei uns, besonders was Freunde und soziale Kontakte betrifft.

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