Kann sich der Asperger-Syndrom mit der Zeit stärker/schlimmer werden?

12 Antworten

Also wenn du einen leichten Syndrom hast, könntest du dich evtl. verbessern, dass du später im Leben wahrscheinlich damit klarkommen wirst, aber wenn du mit Asperger Syndrom gar nicht leben kannst (es dir schwer fällt die Symptome zu überwinden), dann könnte es sein, dass es sich bei dir verschlimmert...

Nein, kann es nicht. Selbst wenn man es nicht bemerkt und daher auch nicht therapiert wird, wird es nicht schlimmer. Es verändern sich nur die Situationen. Ein Beispiel: der erste Schultag. Letztes Jahr hat man vielleicht was Schreckliches erlebt. Dieses Jahr will man es nicht noch einmal erleben. Man wird nervös oder etwas ähnliches. Und dann passiert wieder etwas, und man bekommt das Gefühl, dass es schlimmer wird. Oder man wird erwachsen. Als Kind war das Leben einfacher. Wenn man jetzt Probleme hat, sind sie scheinbar schwerer. Dann bekommt man auch so ein Gefühl.

Also kann es sich nicht verschlimmern. Ob man das Asperger-Syndrom jetzt bemerkt oder nicht, hängt von der Situation ab. Es ist genau wie "halbsowichtig" es beschreibt. Die Situation (und die Menschen) machen den Unterschied.

Wie sich deine Symptome entwickeln, hängt sehr stark davon ab, wie du lebst, was für Stress du hast, was von dir erwartet wird und so weiter.

Es ist durchaus typisch, dass Asperger beim Kind kaum auffällt, wenn die Eltern lässig sind und die Lehrer sich nicht aufregen wollen. Man wuselt sich so durch, schreibt gute Noten, lässt sich friedlich ausgrenzen und übersteht so die Schulzeit. Der Stresspegel ist gering, man hat immer etwas Interessantes zu tun. So reicht die Kraft, um ausreichend zu funktionieren.

Im Berufsleben muss man dann plötzlich viel kommunizieren, und zwar richtig vielschichtig, also nicht nur sich irgendwie verständlich machen. Man nimmt Arbeitsanweisungen zu wörtich, kritisiert den Chef zu direkt, vergisst den Kunden gegenüber die scheinbar inhaltslosen Höflichkeitsfloskeln. Es hagelt Personalgespräche, man wird auch fachlich unterschätzt und nie befördert. Täglich steigt der soziale Druck, man ist mir Kompensation ausgelastet und hat keine Ressourcen mehr, um reibungslos im Privatleben zu funktionieren.

In dieser Lage gehen viele erstmals zum Arzt. Dann kommt heraus, dass sie schon immer Asperger waren und sich alle Probleme des Lebens damit erklären lassen. Daraufhin können viele sich selbst helfen, es geht ihnen immer besser und die Asperger-Symptome nehmen äußerlich ab.

Über die Jahrzehnte betrachtet, wird Asperger immer harmloser. Denn man lernt die "Normalen" besser kennen, kommt immer besser mit ihnen aus und entwickelt für sich selbst ständig bessere Strategien. Irgendwann kommt man mehr oder weniger reibungslos in der Gesellschaft zurecht.

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