Kann mein Dad über Fritzbox sehen, auf welchen Internetsites ich war?

7 Antworten

Ich beantworte die Frage nochmal nach einigen Jahren, da es hier viele Antworten gibt, die oft zum Teil richtig sind.

Theoretisch ist es möglich, praktisch aber enorm unwahrscheinlich. Mit der Firtz Box kann man den Netzwerkverkehr mitschneiden, wie 6INXS korrekt beschrieben hat. Die Logs sind allerdings keine Liste von besuchten Webseiten, sondern ein Mitschnitt des Datenverkehrs, der nur mit sehr komplexer Software wie Wireshark überhaupt gelesen werden kann. Ich halte es für nahezu ausgeschlossen, dass dein Dad, der nicht Programmierer oder Netzwerkadministrator ist, das Programm bedienen und daraus irgendwas herauslesen kann.

Wenn sich dein Paps allerdings sehr gut auskennt und bereit ist, Zeit zu investieren, kann er nahezu alles mitlesen. Allerdings ist es auch dann schwer, das Produkt zu finden, dass du gekauft hast. Aber wenn er es darauf anlegt, deinen Internetverkehr zu Loggen, könnte er z.B. deinen Datenverkehr über einen Proxy umleiten, der sehr übersichtlich Protokolliert. Oder er kopiert auf deinem Rechner per Script alle X Sekunden den Browserverlauf. Oder er nutzt einen Keylooger oder eine Software wie Refog Employee, Spector Pro, oder Activity Logger und überwacht gleich absolut alles, was du auf dem Rechner machst. Die Möglichkeiten sind grenzenlos. Im Endeffekt ist es dasselbe Spiel, dass Geheimdienste mit Menschen Spielen, die ihre Aktivitäten geheim halten möchten. Der Aufwand, den du betreiben kannst, um Annonym zu surfen, kann beliebig hoch sein (Privater Browsermodus, Anonymizer Proxy, Tor Browser), wie auch der Aufwand, die Anonymität aufzudecken.

Ich bin selbst Vater und IT Spezialist. Ich habe mit unserem Sohn sehr ausführlich darüber gesprochen, was er darf und was er nicht darf. Vertrauen ist unglaublich wichtig und kostbar. Es gibt im Leben Situationen, in denen ist es Gold wert, wenn dein Papa dir blind vertraut und du ihm. Setze das nicht aufs Spiel. Es muss nur einmal die Tür aufgehen und du bist abgelenkt, und dein Papa weiß alles. Ganz ohne Überwachung. Nun weiß ich bei meinem Kind, dass er sich aus Neugierde manchmal Dinge anschaut, die definitiv ab 18 sind. Es gibt für Kinder Dinge im Netz, die einem jungen Menschen wirklich schaden können. Ein Beispiel: Es gibt studien, die belegen, dass heutige Kinder aus P0rnos über Sexualität lernen und nachspielen, was sie da sehen. Das ist fatal, denn die meisten davon laufen nach Schema F ab und zeigen Männerfantasieen, bei denen Frauen gedemütigt und benutzt werden. Die Realität in einer Beziehung sollte hoffentlich ganz anders sein. Auch mit Ballerspielen oder Gewaltvideos wird man nicht zum Killer. Aber man bekommt als Kind oft eine falsche Wahrnehmung und Sicht auf manche Dinge. Die man besser einordnen kann, wenn man älter ist. Genau wie bei den Schmuddelvideos.

Als Vater muss ich mein Kind davor schützen. Und da mein Kind auch nicht auf den Kopf gefallen ist, kann hier ein Wettrüsten und eine Spirale des Misstrauens entstehen, was man unbedingt vermeiden sollte. Es zerstört das Vertrauen zwischen Vater und Kind und macht alles schlimmer. Ich habe meinem Kind gesagt, dass ich alle besuchten Seiten mitlesen kann. Ich mache tatsächlich manchmal Stichproben um zu sehen, was mein Kind im Netz treibt und entdecke öfter mal Adressen, die mein Kind nicht zu besuchen hat. Aber ich behalte dieses Wissen für mich. Ich lenke irgendwann unauffällig das Gespräch auf diese Themen und schaue, dass ich meinem Kind helfe, Dinge richtig einzuordnen. Beispielsweise spreche ich mit ihm darüber, dass Liebe in einer Beziehung etwas ganz anderes ist als in den Videos im Netz und was daran anders ist. Oder erinnere irgendwann nochmal an die Regeln, ohne dass es einen zeitlichen Bezug zu seinen Seitenbesuchen gibt. Mir ist wichtig, dass wir einander vertrauen, aber wichtiger noch, dass immer frei mit einander über alles reden können. Wichtig ist dabei, nicht zu bestrafen. Denn dann kommt mein Kind nicht mehr und erzählt mir alles.

Tatsächlich gibt es Inhalte, die ein No-Go sind. Es gibt sehr viel wirklich Schlimmes im Netz. Beispielsweise Videos von Gewalt oder Missbrauch. Oder Seiten, auf denen man Waffen oder Drogen kaufen kann. Mehr als man wissen möchte. Hier reicht mir Vertrauen. Denn allein, eine Liste der bekannten Seiten zusammen zu stellen um sie der Blacklist der Fitzbox zu füttern, würde in die Nähe einer Straftat gehen.

Wenn du mehr über Netzwerksicherheit und Annonymität erfahren möchtest, können folgende Themen für dich interessant sein.

Privater Modus, Cookies, Browserverlauf, Tor Browser, Anonymizer Proxy, SSL, Reverse Proxy, FritzBox Blacklist, Proxy logging, VPN, Wireshark*, Keylogger, Activity Logger*, SpyBot.

  • Das absichtliche Abhören oder Protokollieren von fremden Funkverbindungen ist verboten, sofern es vom Netzbetreiber nicht explizit erlaubt wurde.

Alter, wie fies du bist. Jedes normale Kind hat eine Entwicklung durchgemacht ohne das sein Netzverkehr überwacht wurde. Das ist doch für ein Kind psychisch die Hölle wenn es mitgeteilt bekommt das der Vater das Kind auf seine sexuellen Neigungen hinweißt... Alter ich hoffe das dein Sohn sich rüstet :D

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@Luc4cash

Ich denke, Du (und auch TheBigGuy) hast den Text und die Gedanken dazu nicht wirklich verstanden.

Wahrscheinlich bist Du auch noch kein Vater - dann würdest Du vermutlich anders denken.

Schade, denn hier hat jemand klug und verantwortungsbewußt beschrieben, wie man seinen Kindern helfen kann, nicht in der Medienflut unterzugehen. Eltern müssen hinschauen, was am PC passiert - das ist oft eine Gratwanderung, dabei das Vertrauen nicht zu verspielen.

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Von Vertrauen predigen und dann trotzdem alles kontrollieren, wenn auch nur ab und zu Stichproben. Gefährliche Doppelmoral... 

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Ich persönlich wünsche jedem Kind einen so verantwortungsbewussten Vater (soweit ich das anhand dieses Textes beurteilen kann). Gut geschriebene, umfangreiche Antwort. DH

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Sehr guter Kommentar, aber die Frage war eigentlich nicht, wie man seine Kinder am besten erziehen sollte :D Vielleicht solltest du sowas mal in einen Blog o. ä. verfassen, du hast nämlich sehr gute Anschten, die, meiner Meinung nach, mit einigen geteilt werden sollten. (Daumen hoch Emoji)

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Ja er kann es DEFINITIV sehen, wenn er ein bisschen Ahnung hat.

Über die URL: fritz.box/html/capture.html gibt es eine undokumentierte Funktion zum Mitschneiden des Traffic. Damit kann man den gesamten Verlauf der Daten über die Fritz!Box mitschneiden. Beispielsweise: Downloads, Besuchte URLs, eingegebene Daten etc. Also: Wenn er Ahnung hat, lieber über den Uni / Schul - PC bestellen ;-)

Damit kann man den gesamten Verlauf der Daten über die Fritz!Box mitschneiden.

Ich bezweifle, dass normale Computernutzer in der Lage sind, den Paketen in Wireshark irgentetwas zu entnehmen...

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Über die Fritz!Box kann er nicht sehen wo du gesurft hast, aber über den Verlauf am PC oder ggf. über die Autofill funktion lösche daher am besten den Verlauf vom Browser und alle anderen relevanten gespeicherten Daten die in diesem Zusammenhang vorgeschlagen werden.

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