Kann man Verschlüsselte Texte unbekannter Sprachen wirklich entschlüsseln?

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4 Antworten

Ja, man kann das, falls man die verwendeten Begriffe und Wörter mindestens ansatzweise kennt. Bei einer Grammatik jenseits des menschlichen Verstandes sehe ich eher keine Erfolgschancen.

Durch Querverweise zu Texten in anderen Sprachen, die vielleicht das selbe Thema behandeln, oder durch Funde, die die Texte belegen, kann man zumindest relativ sicher gehen, dass man auf dem richtigen Weg ist. Auch ist es ein gutes Indiz, wenn der Text anfängt, Sinn zu enthalten.

Das kommt auf den Fall an. Es gibt z.B. ein Buch aus dem Mittelalter, das bis heute nicht entschlüsselt ist.

Aber wenn die Verschlüsselung nur auf einer Rotation basiert, dann ist es sehr einfach.

Mann prüft einfach verschiedene Sprachen durch. Wenn man mit Deutsch anfängt, dann weiß man, dass der Buchstabe "E" der häufigste ist.

Man sucht sich also das Zeichen heraus, das am häufigsten vorkommt und unterstellt ihm ein "E" zu sein. Dann macht man mit dem zweithäufigsten weiter. "i" ist auch sehr oft vorhanden. So hat man schnell die Wörter "ein" "eine" usw. herausbekommen, wenn es wirklich Deutsch war.

Dazu muss der Text aber lang genug- und die Verschlüsselung einfach genug sein.

Wenn man Teile des Inhaltes kennt, kann man u.U. auf den Schlüssel schließen.

Nehmen wir mal an eine Wetterstation würde regelmäßig ihre Wetterberichte verschlüsselt senden, dann hat man schon einen Anhaltspunkt, denn die Wetterdaten in der Nachricht kann man ja in Erfahrung bringen?

Der zweite Punkt sind die Wortlängen von diesen kann man auf bestimmte Worte schließen.

Zumindest bei einfachen Verschlüsselungen kann man so den Schlüssel rekonstruieren.

Eine noch unbekannte Schrift (wie z.B. die Hieroglyphen vor ihrer Entzifferung) ist etwas anderes als eine kryptographische Verschlüsselung. Nur letztere ist ja intendiert "geheim", während dies für die Hieroglyphen ja nicht zutraf, zu ihrer Zeit waren diese Zeichen ja klar lesbar und keineswegs tatsächlich "verschlüsselt".

Lediglich das Wissen um die Hieroglyphen ging im Laufe der Zeit verloren, und so musste man sie erst wieder verstehen lernen. Dies gelang über den Stein von Rosette, dort war der gleiche Text, aber in drei Schriftblöcken (Hieroglyphen, Demotisch, Altgriechisch) verewigt.

Durch das bekannte Altgriechisch wusste man nun, was dort in Hieroglyphen stand. Das war der Beginn der Entzifferung.
https://de.wikipedia.org/wiki/Stein_von_Rosette

Ähnlich bei der Behistun-Trilingue. Darüber konnte man assyrische und elamische Keilschrift entziffern. Altpersisch war schon zuvor bekannt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Behistun-Inschrift

Natürlich ging dies nicht immer. Manche "alleinstehenden" Schriften (ohne Vergleichsmöglichkeit!) kann man bis heute nicht entziffern. Der Diskos von Phaistos (von Kreta) hat eine deutliche Inschrift, aber niemand kann genau sagen, was dort drauf steht. Das Stück ist einzigartig.
https://de.wikipedia.org/wiki/Diskos_von_Phaistos

Auch in Mexiko wurde ein Fundstück mit einer Schrift gefunden, die nicht entzifferbar ist. (keine Maya-Zeichen, die sind gut bekannt)

Darüber hinaus gibt es die bekannten Futhark-Inschriften aus Skandinavien ("Runensteine"), die größtenteils gut lesbar und übersetzbar sind. Bei ihnen gibt es eine Besonderheit, es gibt Stellen (das ist aber nur ein kleiner Teil), die nicht entzifferbar sind.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kylverstein

Die vielen Funde des jüngeren Futhark sind zumeist problemlos zu transkribieren und zu übersetzen (bei intakten Steinen ohne Beschädigungen). Oft sind es Grabsteine. In Uppsala (ein Stück weg von Stockholm) kann man einige sehen, aber auch dort in der Umgebung.

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