Kann man eine Sprache so gut beherrschen, dass man besser als ein Muttersprachler ist?

5 Antworten

Tja, man muss doch zuerst definieren, was "gut" bedeutet...Als Fremdsprachenlerner ist man imstande, die Grammatik besser bzw. systematischer zu kennen und gar über ein größeres Vokabular zu verfügen als viele Muttersprachler, falls man sich Mühe geben will. Dennoch kommt man mit dem alltäglichen Sprachgebrauch nicht so gut zurecht wie die meisten Muttersprachler, glaube ich:)

Dazu müsste man erst festlegen, wie hier "Muttersprachler" gemeint ist, wohl durch die Beherrschung der Sprachnorm.

Klar ist, dass es Fremdsprachler gibt, die die Norm besser beherrschen als die meisten Einheimischen. Auch dass selbst sehr gute Muttersprachler hin und wieder gegen die Sprachnorm verstoßen.

Nimmt man also die (Fast-)Beherrschung der Sprachnorm als Maßstab für "Muttersprachler", gibt es logischerweise keine Fremdsprachler, die noch besser sind.

Man erkennt auch gute Fremdsprachler übrigens an der Art ihrer Fehler, nicht so sehr an der Häufigkeit. Typisch sind Verstöße gegen die vorgeschriebene Ausdrucksweise, gegen die Wortstellung im Satz und vor allem gegen die genaue Aussprache. Allgemein nimmt man an, dass ein Mensch jenseits der Pubertät keine Fremdsprache mehr akzentfrei lernen kann. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Laut Wiktionary ist ein "Muttersprachler": "jemand, der eine bestimmte Sprache erlernt hat und spricht."

Das halte ich für eine brauchbare Definition. Sie hängt nicht vom Grad der Beherrschung der Muttersprache ab.

Geschätzte 90% der User bei GF haben Deutsch als Muttersprache. Sie machen, wie man leicht sehen kann, Fehler.

Damit ist klar, daß es logischerweise "Fremdsprachler" gibt, die "noch besser" sind.

P.S.: Ich habe Dutzende von deutschen Englischsprechern kennengelernt, die fast nie Fehler bei der Wortstellung machen (das wären für "Fast-Native-Speaker" auch sehr ungewöhnliche Schnitzer) und die auch bei der Aussprache nur äußerst selten danebenliegen.

So richtig "gute Fremdsprachler" werden von einem native speaker eher daran erkannt, daß dieser merkt: "Irgendwas stimmt hier nicht. Aber was?"

So könnte beispielsweise ein fast perfekter deutscher Fremdsprachler von einem Briten für einen U.S.-Amerikaner gehalten werden oder von einem U.S.-Amerikaner für einen Briten.

Und dieser "Level" ist durchaus auch noch nach der Pubertät erreichbar. Der Level der Perfektion auch? Da stimme ich dir zu: eher nein. Ich habe jedenfalls noch niemanden getroffen, der ein solches Niveau "post-pubertär" erreicht hätte.

Gruß, earnest

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Hallo,

das dürfte nur ziemlich selten der Fall sein. Außerdem ist das von verschiedenen Faktoren, z.B.

  • Vorkenntnisse
  • Sprachtalent, -gefühl, -gehör
  • Intensität des Lernens
  • ein langjähriger Aufenthalt im jeweiligen Land
  • Verwandtschaftsgrad der Muttersprache mit der Fremdsprache
  • Umfeld des Lernenden (sprechen die Familie, Freunde usw. die Fremdsprache oder nur bzw. überwiegend die Muttersprache)
  • Alter

usw.

abhängig, die dann auch noch optimal zusammenspielen müssen.

Oft beherrschen Nicht-Muttersprachler die Grammatik einer Fremdsprache besser als die Muttersprachler.

Schwieriger wird es da schon beim Vokabular und beim Akzent.

Eine gute Freundin von mir z.B. hat 5 Jahre am Stück in Manchester gelebt. Wenn sie Englisch spricht, hört man keinerlei deutschen Akzent.

Meine Tante z.B. wurde selbst nach mehr als 50 Jahren in England hin und wieder immer noch als Deutsche bzw. Nicht-Muttersprachlerin 'enttarnt'!

AstridDerPu

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