Kabale und Liebe: Ferdinand will Lady Milford nicht heiraten. Welche Ausrede?

1 Antwort

Du meinst II. Akt, Szene 3(nicht Szene 2), in der F. die Lady beleidigt.
Eine Ausrede ist das wohl wirklich keine!

F. beschuldigt sie, sich an den Herzog weggeworfen zu haben, sie sei schuld, dass das Land ausgebeutet wird, dass jetzt die jungen Männer seines Landes in die britischen Kolonien verkauft werden, der Herzog tue das, damit er ihr den Luxus ermöglicht.

Heiraten aber kann der Herzog sie nicht, das wäre ja völlig "unstandesgemäß" und weit unter seiner Würde. Damit er sie aber weiter als Geliebte benützen kann, soll sie einen seiner Offiziere, eben ihn, F., dem Schein nach heiraten. Damit ist aber dann auch seine ganze Ehre beim Teufel. Ein edle Engländerin könne sie nicht sein. Zwar haben sich schon andere junge Schönheiten einem Fürsten hingegeben, aber später wenigstens Gutes getan, nicht aber sie...

F. hat ja keine Ahnung, dass Lady M. ihn wirklich liebt und ihn ungeheuer gern heiraten möchte. F. wirft ihr nun eben vor, dass sie das Spiel des Herzogs mitmacht, damit sie weiter am Hof (und im Bett des Herzogs) bleiben kann, was ihn zum ehrlos und zum Gespött aller Welt machen wird. Er wäre aber dazu bereit, wenn Gutes daraus entstehen könnte, sodass "der Preis nicht schlimmer noch als das Opfer ist".

F: . Und soll Ihnen melden, dass wir uns heiraten – So weit der Auftrag meines Vaters. Lady (entfärbt sich und zittert). Nicht Ihres eigenen Herzens?
F: Minister und Kuppler pflegen das niemals zu fragen.
Lady (mit einer Beängstigung, daß ihr die Worte versagen). Und Sie selbst hätten sonst nichts beizusetzen?
F.: (mit einem Blick auf die Mamsell). Noch sehr viel, Milady!
[...]
Lady (mit immer steigender Angst). Aber für was muß ich diesen Vorbericht nehmen?
F.:(langsam und mit Nachdruck). Für den Einwurf der Ehre, wenn Sie Lust haben sollten, meine Hand zu erzwingen.
[...] F.: (hitzig). Kann der Herzog Gesetze der Menschheit verdrehen, oder Handlungen münzen wie seine Dreier? – Er selbst ist nicht über die Ehre erhaben, aber er kann ihren Mund mit seinem Golde verstopfen. ... . – Es ist nicht mehr die Rede von weggeworfenen Aussichten und Ahnen – oder von dieser Degenquaste – oder von der Meinung der Welt. Ich bin bereit, dies alles mit Füßen zu treten, sobald Sie mich nur überzeugt haben werden, dass der Preis nicht schlimmer noch als das Opfer ist.
Lady (schmerzhaft von ihm weggehend). Herr Major! das hab' ich nicht verdient.
F.: (ergreift ihre Hand). Vergeben Sie. Wir reden hier ohne Zeugen. Der Umstand, der Sie und mich – heute und nie mehr – zusammenführt, berechtigt mich, zwingt mich, Ihnen mein geheimstes Gefühl nicht zurück zu halten. – Es will mir nicht zu Kopfe, Milady, dass eine Dame von so viel Schönheit und Geist sich an einen Fürsten sollte wegwerfen können, der nur das Geschlecht an ihr zu bewundern gelernt hat, wenn diese Dame sich nicht schämte, vor einen Mann mit ihrem Herzen zu treten
[...]
F.: Sie nennen sich eine Britin. Erlauben Sie mir – ich kann es nicht glauben, dass Sie eine Britin sind. Die freigeborne Tochter des freiesten Volks unter dem Himmel ... kann sich nimmermehr an fremdes Laster verdingen. Es ist nicht möglich, dass Sie eine Britin sind, – oder das Herz dieser Britin muss um so viel kleiner sein, als größer und kühner Britanniens Adern schlagen.
Lady. Sind Sie zu Ende?
F.:. Man könnte antworten, es ist weibliche Eitelkeit – Leidenschaft – Temperament – Hang zum Vergnügen. Schon öfters überlebte Tugend die Ehre. Schon manche, die mit Schande in diese Schranke trat, hat nachher die Welt durch edle Handlungen mit sich ausgesöhnt und das hässliche Handwerk durch einen schönen Gebrauch geadelt – – Aber woher denn jetzt diese ungeheure Pressung des Landes, die vorher nie so gewesen? – Das war im Namen des Herzogtums.

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