Japanisch oder Chinesisch einfacher?

Das Ergebnis basiert auf 13 Abstimmungen

Japanisch 85%
Chinesisch (Mandarin) 15%

10 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich schreib einfach mal die "Eigenheiten" auf, die mir einfallen. Ich habe selbst nur chin. gelernt, aber vielleicht hilft es dir.

Beide Sprachen stammen aus unterschiedlichen Sprachfamilien, mit unterschiedlichen Wortbildungs- und Grammatikstrukturen.

Zur Japanisch:

  • die Grammatik ist deutlich komplexer, die Flexion viel anstrengender (Chinesisch hat fast gar keine)
  • des System der Anrede und Formeln der Höflichkeit (im realen Leben) sind deutlich komplexer und gerade für uns schwer zu durchschauen.
  • allein die Tatsache, dass das Japanische über MEHRERE Schriftsysteme verfügt, die man theoretisch lernen muss, um die Sprache RICHTIG zu beherrschen, spricht gegen das Japanische. Was hilft es, dass du Wörter quasi per "Umschrift" schreiben und lesen kannst, wenn sie in den komplexen Chinesisch-Ablegern dargestellt ist.

aber:

  • Japanisch ist grammatisch gesehen für uns leichter nachzuvollziehen
  • Japanisch verfügt nicht über ein komplexes Tonsystem und ist damit für "unmusikalische" Schüler leichter zu sprechen und zu verstehen

zu Chinesisch:

  • Die Grammatik ist so einfach, dass sie vernachlässigenswert ist. Weil sie über so gut wie keine Flektion und eine sehr feste Wortstellung verfügt, kann man ohne viel Wissen einfach selbst Sätze konstruieren.
  • Die chinesischen Zeichen sind, obwohl unglaublich zahlreich und deswegen anstrengend zu lernen, an sich meist logisch aufgebaut, sodass sich Sinn und/oder Aussprache aus den Bestandteilen der Zeichen ableiten können. Außerdem kann man sich im Zweifelsfalle auch dann noch schriftlich verständigen, wenn man unterschiedliche Dialekte spricht (auch wenn das nichts über Schwierigkeit aussagt)

aber

  • Das tonale System macht die Sprache deutlich schwerer zu lernen, durch die vielen gleich klingenden Wörter ist auch die Differenzierung der Wörter viel schwieriger
  • Egal wie praktisch die chinesischen Zeichen sind, sie sind so zahlreich, dass es für Lernende einfach unmöglich ist, alle zu lernen (das kann auch kein Chinese). Aber selbst eine "notwendige" Anzahl von Zeichen (3.000+) ist schwer zu lernen. Dazu musst du beachten, dass man bei den Zeichen (kein Alphabet!) immer Zeichen, Aussprache UND Bedeutung lernen muss. Das macht das ganze noch einmal zeitintensiver.
  • Durch die vielen Dialekte ist es schwer, überhaupt "richtiges" Chinesisch zu lernen. Das gibt es nämlich in dem Sinne gar nicht.

Gute Antwort, aber in zwei Punkten muss ich nochmal nachhaken:

Ich denke schon, dass meherere Schriftsysteme von großem Vorteil sind. Zumindest, wenn darunter zwei Silbenschriften sind. Wer nie japanisch gelernt hat, kann das nicht wissen. Für Anfänger ist es schonmal hilfreich, wenn man einmal ein neues Alphabet lernt, und dann schon einen guten Teil japanisch lesen kann. Später macht es dann kaum Unterschied ob man jetzt chinesische oder Japanische Zeichen lernt.

Dass Japanisch grammatisch gesehen leichter nachzuvollziehen ist, hab ich ja noch nie gehört. Vielmehr ist der Satzbau des chinesischen mit uns zu vergleichen?

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@PingAn

Wie gesagt habe ich selbst nie Japanisch gelernt.

Zu den Schriftsystemen: Ich gebe dir vollkommen Recht, es ist VIEL einfacher, eine Buchstabenschrift zu lernen. Und ja, schon mit einem einzigen Schriftsystem kannst du du Japanisch lesen und schreiben. Ich gehe aber beim "Sprachen lernen" davon aus, dass du die Sprache auch beherrschen willst. Damit das der Fall ist, ist es meiner Meinung nach nötig, ALLE gängigen Schriftsysteme zu zu beherrschen, womit der Aufwand für die Sprache deutlich steigert. Das Problem ist ja, dass du dir in der Realität nicht aussuchen kannst, in welcher Schrift dein Gegenüber schreibt, oder in welcher Schrift Beschilderungen sind (obwohl ich annehme, dass die meisten inzwischen mit mehren Schriften versehen sind).

Zur Grammatik: Dass die Grammatik einfacher als Chinesisch ist, würde ich auf keinen Fall sagen. Was ich aber damit sagen will, dass Japanisch einfacher nachzuvollziehen ist, ist das: Japanisch ist soweit ich weiß eine flektierende Sprache, das heißt eine Sprache, in der Laute an die Stammsilbe angehängt werden, um sie grammatisch zu verändern. Dadurch ist die Satzstellung grundsätzlich variabel (man kann also ein Verb oder ein Nomen an unterschiedlichen Stellen im Satz platzieren wie im deutschen). Das bedeutet auch, dass das Japanische ein Kasussystem hat. Bei Chinesisch ist das nicht der Fall, was die Sprache an sich einfacher zu lernen macht, aber für uns als Deutsche, die das Kasussystem kennen, weniger einfach nachzuvollziehen ist.

Chinesisch ist eine isolierende Sprache, bei der nicht die Flektion, sondern Satzbau und die Kombination mit Partikeln und Komplementen die grammatischen Funktionen eines Wort definieren. Die Wörter sind deutlich freier benutzbar als im Deutschen und lassen sich nur schwer in "westliche" Grammatik-Konstruktionen einordnen. Selbst die Worte "Verben" und "Nomen" sind im Chinesischen deutlich schwerer und nur mit Einschränkung anwendbar.

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@GuanYinping

danke für die langen Ausführungen und deine Mühe :)

Klar, ich glaube letztlich ist für den Erfolg des Erlernens einer Sprache auch verantwortlich, ob man sprachbegabt ist, es für einigermaßen nützlich findet und es Spaß macht. Aber du hast die Frage echt treffend und richtig beantwortet :D

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@GuanYinping

"Und ja, schon mit einem einzigen Schriftsystem kannst du du Japanisch lesen und schreiben. Ich gehe aber beim "Sprachen lernen" davon aus, dass du die Sprache auch beherrschen willst."

Ich bin mir nicht ganz sicher, was du ausdrücken möchtest, aber um Japanisch zu lernen brauchst du drei "Schriftsysteme" von denen zwei praktisch geschenkt sind, da sie nur die Laute des japanischen wiedergeben. Dabei sind neben den Kanji (aus dem Chinesischen importiert) die Laute der beiden Silbenalphabete gleich, nur dass das eine hauptsächlich für ausländische Begriffe verwendet wird. (Hiragana & Katakana falls du nachschlagen möchtest) Die Umschrift, von denen es auch mehrere gibt - aber alle nicht schwer zu erlenen sind, dient lediglich dazu in nicht-japanischen Texten über japanische Begriffe diese für jeden Leser "lesbar" zu machen. Eine Kommunikation mit Japanern über die Umschrift ist fast unmöglich, wenn es mal ein wenig über Standardfloskeln hinausgeht.

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Japanisch

Schrifttechnisch finde ich Chinesisch schwieriger, da es aus meiner Sicht einfach deutlich komplexer ist und man nicht auf einfache Silbenschriften ausweichen kann.

Sprachlich finde ich Chinesisch ebenfalls schwieriger, da - ich kann hier vermutlich nur vom Hochchinesisch sprechen - die Tonhöhe auch bedeutungsgebend ist und es sonst zu Sinnentstellungen kommen kann.

Ich habe mich mal aufgrund einer ehemaligen chinesischen Bekannten (wir besuchten den selben Tempel) am Chinesischen versucht - mehr als "Hallo" "Ich heisse" und bis sechs zu zählen, ist nicht übrig geblieben.

Wenn du auf Japanisch rumbrummelst, dann bist du für den Japaner vielleicht schwer verständlich - erzählst ihm aber nicht versehentlich, dass seine Mutter eine Kuh ist. ;-)

Japanisch

Möchte es jetzt auch anfangen zu lernen:)

Chinesisch (Mandarin)

Bei Chinesisch ist die Grammatik sehr einfach. Schon rein aus wirtschaftlichen Gründen sollte man lieber chinesisch lernen.

Einfacher oder nicht einfacher, diese Frage stellt sich doch gar nicht. Die Japaner haben als Wirtschaftssprache Englisch. Die Chinesen werden in 20 Jahren laut Wirtschaftsforschung eine wesentlich gößere Rolle in der Weltwirtschaft spielen. Also ist doch die Frage: Was ist sinnvoller? Und das wäre damit ganz eindeutig Chinesisch.

Ja, natürlich ist das so. Das weiß weiß ich auch.

Deswegen war das ja auch gar nicht meine Frage. Das ist leider eine typische Antwort auf eine nie gestellte Frage :)

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