Ist Schach anhand mathematischer Gesetzmäßigkeiten zu "berechnen"?

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5 Antworten

Schach kann man mathematisch berechnen. Die Computer müssen dafür nur ausreichend Zeit bekommen. Das ist zum einen „nur“ Theorie, aber auch unpraktisch, weil die entstehenden Stellungen nach den ersten Zügen sehr komplex werden. In vielen Stellungen sind aber auch Züge möglich, die offenbar wichtige Figuren verlieren. „Sehen“ kann diese Züge jeder. Weder ein Meisterspieler noch ein Vereins-Routinier käme auf die Idee auch nur einen Gedanken an derlei Züge zu verschwenden; Computerprogramme müssen diese Züge aber „mathematisch“ in ihren Variantenbäumen berechnen …

Im Gegensatz zum Computer, denken und spielen Schachmeister wie „normale“ Vereinsspieler anders. Im Laufe ihrer „Schachkarriere“ eignen sich die Schachspieler mehr oder weniger Stellungstypen und Musterstellungen an, die sie sehr gut spielen können. Andere Stellungen behandeln sie nicht so „perfekt“ …

In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts behauptete der damalige Schachweltmeister Capablanca, Schach werde immer langweiliger, weil „alles“ schon dagewesen sei. Sein Nachfolger Aljechin und die Meistergenerationen nach ihm zeigten durch ihre Spielpraxis, daß Schach nach wie vor immer wieder zu phantastischen Partien führt.

Im Gegenteil, es gibt jedes Jahr immer mehr hochrangige Turniere, an denen die Spitzenspieler teilnehmen und trotzdem noch immer Mittel und Wege finden, Partien zu entscheiden … Natürlich wird es immer schwieriger, auf „gleichem“ Niveau den Sieg zu erzwingen, weil auch die Verteidiger immer besser und hartnäckiger nach Gegenspiel suchen. Aber es ist noch immer möglich …

Danke für die HA!

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Es gibt ja starke Schachcomputer, aber diese berechnen gar nicht so mathematisch, wie man denken mag. Stell Dir eine Stellung in einem frühen Endspiel vor, in dem die eine Seite einen geringen Vorteil besitzt. Diese Partie kann noch 60 Züge dauern und jeder Zug kann die Entscheidung der Partie maßgeblich beeinträchtigen. Der Computer hat keine Möglichkeit, mathematisch alle möglichen Ausgänge dieser Partie zu bestimmen. Er macht folgendes: Er verwentet von Menschen eingespeicherte Kriterien. D.h., er überprüft einfach diverse Gesichtspunkte, z.B. Raum, Material, Aktivität der Figuren, Stellung des Königs, Bauernschwächen, usw. Diese Kriterien kann er aber nicht einfach so errechnen, sie müssen ihm eingespeichert werden. Dann kann er eine Stellungsbewertung vornehmen. Er denkt also gar nicht so verschieden wie der Mensch; ein Schachspieler versucht ja auch nicht, jeden erdenklichen Ausgang der Partie zu finden, sondern er analysiert diese nach verschiedenen Gesichtspunkten und versucht in strategischen und komplexen Stellungen einen Zug allein aus seinem Gefühl und seiner Intuition zu finden.

Wenn man mathematisch einfach alle Züge berechnen wollte, so gäbe es eine enorme Anzahl an Möglichkeiten und auch der beste Computer würde wahrscheinlich so ca. 10^20 Jahre benötigen (einfach mal wild geschätzt, aber die Zahl ist schon enorm gewaltig), sämtliche mögliche Ausgänge aller Möglichen Partien zu berechnen.

Einen Schachcomputer auf rein mathematischer Ebene zu konstruieren ist also unter'm Schnitt ziemlich ineffizient ;)

mfg,

phi243

ja, es ist mathematisch zu berechnen. Das Problem dabei, die Möglichkeiten der Züge steigen überproportional, so dass selbst der schnellste Computer ins Schwitzen kommt, weil er natürlich alle Möglichkeiten ausrechnen muss, während der Mensch eine Selektion vornimmt und somit nur wenige vielversprechende Züge ausrechnet. Das kann ein Computer (noch) nicht. Der schnellste aktuelle Schachcomputer, der Hydra, bringt allerdings 99% von geübten Schachspieler zum Verzweifeln.

Schachprogramme bringen schon lange keine Computer mehr ins Schwitzen. Alle Zugmöglichkeiten sind endlich, und Aufgrund der Zugmöglichkeiten der Figuren sogar relativ stark eingegrenzt. Der eigentlich knackpunkt ist der: Welcher Zug nehmen? Also wie feststellen, welcher Zug toll ist? Die aktuellen Schachprogramme sind alle besser als die Schachgroßmeister, weil sie alle wesentlich mehr Züge vorrausberechnen können.

Mittlerweile greifen die Programme (vorallem bei der Eröffung und dem Endspiel) auf Datenbanken zurück. Das geht fixer, als Züge zu berechnen.

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Berechenbar ist nur exact, was fehlerfrei ist.

Ein Computer "denkt": Von A nach B gehen.

Ein Mensch nimmt Erfahrungswerte, es spielen Ängste mit, die Tagesqualität spielt eine Rolle, Mut, Ablenkungen, usw.

Erst mal ein klares NEIN!

Jede gegenteilige Behauptung ist schlichtweg falsch.

Und Du bist mit Deinem indirekten Gegenbeweis völlig auf der richtigen Spur!

Ich kann nur Dinge berechnen, die ich analytisch beschreiben kann: das Volumen einer Pyramide, den Schnittpunkt zweier Kurven, sogar den Erwartungswert einer zufälligen Verteilung.

Schach ist kein solches "Ding" - es ist der Kampf zweier Strategien, die sich jeder analytischen Beschreibung entziehen. Dagegen spricht auch nicht, daß ich Material, Stellungen oder Züge "bewerten" kann. Eine solche Bewertung ist immer subjektiv und damit Teil der Strategie des betr. Spielers bzw. Computers.

Und was sollte denn das Ergebnis einer "Berechnung von Schach" sein? Meinst Du damit, man könnte den Ausgang einer Partie berechnen, die ja noch gar nicht gespielt wurde? Oder man könnte alle möglichen Züge und Gegenzüge der Kontrahenten erfassen und vielleicht sogar bewerten, um dann das Ergebnis vorab zu schätzen? All das wird nie möglich sein, da stimme ich mit phi243 völlig überein.

Falls Du selbst Schach spielst, solltest Du Dich darüber freuen. Denn wie langweilig wäre es, immer die gleiche Supervariante spielen zu müssen, deren Ausgang doch schon vorher feststeht!?

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