ist eine relative Luftfeuchte von 74% normal im Altbau?

10 Antworten

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Hallo,

im Sommer ist es normal und unbedenklich, im Winter viel zu hoch. Der Teilnehmer "dietar" kommt somit der richtigen Antwort am nähesten.

Ausnahme: Erdberührte Räume, also nicht-unterkellerte oder Keller oder Hang. In diesem Fall ist es unabhängig von der Jahreszeit viel zu hoch.

Leider ist der Grenzwert nicht konstant, weshalb Meßgeräte und sogenannte, übliche "Schimmelwächter" mal hilfreich sind und dann wieder nicht. Deshalb gibt es spezielle Geräte zum Anzeigen und Regeln wie z.B. die enwilec Feuchte-Controller (im guten Fachhandel erhältlich).

Also: Wenn nicht erdberührt, dann ist es jetzt im Hochsommer unbedenklich.

Wenn diese Antwort hilfreich war, dann bitte entsprechend anklicken, danke.

Tschüß

Bei dauerhaften rel. Luftfeuchten über 70% an einer Oberfläche besteht die Gefahr der Schimmelbildung, da bereits bei solchen Werten sich in den Poren von Baustoffen flüssiges Wasser bilden kann, was zur Keimung einiger Schimmelsporenarten ausreicht. Späterstens bei dauerhaften 80% rel. Luftfeuchte an einer Oberfläche sind alle Schimmelsporenarten zum keimen bereit.

In der Natur strebt alles nach Ausgleich. Temperaturen gleichen sich durch Wärmeübertragung an, Luftdruckunterschiede gleichen sich durch Winde aus und auch Feuchtigkeiten streben nach Ausgleich. So wird die Wäsche auf der Leine trocken, da die Umgebungsluft trockener ist. Die Wäsche wird aber nie trockener, als die Umgebungsluft. So verhält es sich auch in der Wohnung. Die Raumluft steht im Feuchteausgleich mit den Wänden und Möbelstücken. Sind die Wände feucht, so ist auch die Raumluft feucht. In der Regel trocknet eine feuchte Wand nach beiden Seiten aus (wenn es dort trockener ist). Ist die Fassade so gestaltet, dass flüssiges Wasser aus der Wand nicht bis zur Fassadenoberfläche zum Verdunsten (kapillar) geleitet werden kann, wird die Feuchteabgabe nach aussen an die Umwelt stark behindert. Das ist die Regel bei Fassadendämmungen mittels Styropor&Co. und Mineralwollen, da hier die kapillare Leitfähigkeit fehlt.

Es wird immer von Diffusionsoffenheit (Wasserdampftransport) geredet, aber im Mauerwerk findet der Feuchtetransport zu 99,9% in der flüssigen Phase, also kapillar statt und nur zu 0,1% in der Dampfphase. Nach Fassadendämmungen wird zu Recht auf das verstärkte Lüften hingewiesen, weil die Wände dann nur noch über den Innenraum entfeuchtet werden können. Besteht eine unzureichende Lüftung, so reichert sich vorerst lange Zeit unbemerkt Feuchtigkeit im Mauerwek an. Der gute alte Vollziegelstein besitzt ein Porenvolumenraum von ca. 23%. D.h. 23% des Steins ist Luft in Form von mirkoskopisch kleinen Poren und Kapillaren. Hier lagert sich das Wasser ein. Ein Kubikmeter Vollziegelstein besitzt also ein Porenraum von ca. 230 Liter. Eine 40cm dicke und 2,5m hohe Wand besitzt pro laufendem Wandmeter ein Kubikmeter Baustoff. Man kann sich also leicht ausrechnen, wie viel Porenraum es bei den raumumfassenden Wänden gibt. Auch nur bei geringer Füllung der Porenräume kommen hier schnell mal mehrere huntert Liter Wasser zusammen, die sich im Wandbaustoff "verstecken". Was will man dagegen mit den Salzentfeuchtern ausrichten? Die Dinger dienen maximal der Deko. Wird die Raumluft etwas getrocknet, geben die Wände sofort wieder Wasser an die Raumluft ab. Auch die elektrischen Luftentfeuchter haben gut zu tun, wenn die Wände gut aufgefeuchtete sind. Hilfreich ist eine leichte permanente Raumbelüftung.

Früher gab es die durch die "undichte" Fensterfuge. Je nach dem, wie gut der Fensterbauer gearbeitet hat gabe es einen kompletten Raumluftaustausch innerhalb von 4-7 Stunden. Damit wurden natürlich auch Luftfeuchten dach draussen befördert. Und die Fensterbauer verstanden ihr Handwerk, denn jeder Fensterflügel wurde individuell an den Fensterrahmen angepasst und bekam dann unauffällig eine Nummer ins Holz geschlagen. Heute unterbinden Gummidichtungen in den Fenstern nahezu gänzlich den Luftaustausch, was in der Folge zu höheren durchschnittlichen Raumluftfeuchten führt. Stoßlüften senkt kurzzeitig die Raumluftfeuchte, die dann schnell wieder ansteigt durch die Feuchte aus dem Mauerwerk und den Holzmöbeln. Hilfreich ist eine leichte permanente Lüftung z.B. durch die Entnahme von etwas Dichtgummi oben aus dem Fensterflügel und der anschließenden Kontrolle auf Zugluft mittels Kerzenflamme. So wird im Laufe der Zeit der Feuchtepegel des Mauerwerks gesenkt, was letztendlich auch die Raumluft nicht mehr so sehr auffeuchten lässt.

Besser ist es aber auch noch, die Wände vor Befeuchtung aus der Raumluft zu schützen. Hier gilt es viel Wärmestrahlung durch die Heizanlage in den Raum zu bringen. Die Wärmestrahlung erwärmt nur Oberflächen und lässt die Raumluft kalt. Die Raumluft erwärmt sich dann zweitrangig an der wärmeren (Wand-) Oberfläche, wobei die Luft dadurch ein größeres Wasserdampfaufnahmevermögen bekommt - die rel. Luftfeuchte sinkt direkt an der Wandoberfläche. So wird die Oberfläche getrocknet und nicht mehr durch die Raumluft befeuchtet, wie es bei der Beheizung mit viel Warmluft der Fall ist. Warmluft steigt nach oben und kühlt sich an der Aussenwand ab. Sie sinkt vor der Wandoberfläche nach unten und kühlt durch Wärmeübertragung auf die Wandoberfläche weiter aus. In kühler werdener Luft steigt (!!!) die Luftfeuchte an, die Wandoberfläche übernimmt den Feuchtewert und feuchtet auf und leitet die Feuchte ins trockenere Wandinnere. Der Dämmwert sinkt erheblich, die Heizkosten steigen. Die Schimmelgefahr steigt.

Der übliche Heizkörper unter dem Fenster (Typ 22) liefert 25% Wärmestrahlung und 75% Warmluft. Er befeuchtet die Wand und lässt das Schimmelrisiko steigen. Der Heizkörper Typ 10 dagegen bietet ca. 55% Wärmstrahlung und sorgt für mehr Trockenheit.

Du schreibst:

"Bauliche Mängel liegen nicht vor"und erklärst uns gleichzeitig, daß Du "im Altbau mit neuen Isofenstern" wohnst und "die Heizung aufgedreht" hast.

Da hast Du wohl einen ordentlichen Baumangel angedeutet!

Wohnungen ohne Öfen brauchen eine andere Form der Entlüftung, um die Wohnfeuchte hinauszukriegen. Aller 2 Stunden müßte dafür die komplette Raumluft gewechselt werden. Das geht theoretisch nur mit einem ständig anwesenden Butler, der die Fenster auf und zumacht oder mit einer mechanischen Lüftung.

Such Dir am besten eine Methode aus.

Luftfeuchtigkeit ändert sich ohne Lüften; Problem Dämmung oder etwas anderes; Schimmel?

Wir wohnen in einem Altbau Bj. 78 Erdgeschoss. Erstmal paar Infos zur Wohnung: Im Winter kaum warm zu heizen, im Sommer zu warm, Ölheizung Radiatoren. Neue Kunststoff-Fenster.

Wir haben wahrscheinlich Probleme mit der Luftfeuchtigkeit hier. Im Speisezimmer ohne Heizung war bereits Schimmel (nach dem Winter), Vermieter hat erstmal das Lüftungsverhalten bemängelt, ist aber nicht möglich da wir nach seinem Plan gelüftet haben:

(min. 3-5 mal täglich in jedem Raum Fenster ganz auf, beim Kochen extra plus Dunstabzug, beim Duschen extra, Heizungen waren praktisch durchgehend auf 3-5, leider aber maximal 20° Raumtemperatur wenns draußen kalt ist möglich, fand ich komisch). Luftfeuchtigkeit ändert sich stark wetterabhängig trotz geschlossener Fenster.

Mir ist nun bei der Hitze etwas merkwürdiges aufgefallen. Im Moment lüfte ich das Schlafzimmer nur morgens und abends und mache tagsüber Rollo und Fenster zu, morgens/abends hatte ich trotz Lüften 57% L.f. doch nachmittags (Hitze) plötzlich 50%. ganz ohne zu Lüften,

-liegt das an den Mauern die sich durch die Sonne erwärmen? Hat das was zu sagen bzgl. der Dämmung?

Wir suchen nun eh was Neues da wir sehr oft krank waren innerhalb der kurzen Zeit hier, mich würde nur interessieren ob das Problem die Dämmung ist, uns ist z.B. auch Wasser in einer Zimmerecke nachts von der Decke getropft (vom Atmen) bei voll aufgedrehter Heizung.

Danke für eure Einschätzung.

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