Ist die Bibel einfach nur ein Roman?

26 Antworten

Ein Roman ist die Bibel sicher nicht. Ein Roman ist ein Buch, das eine fiktive Geschichte enthält, die bewusst vornehmlich der Unterhaltung dient.

Die Bibel enthält diverse Geschichten ganz unterschiedlicher Art. Einige kann man als eine Art Fabel, als lehrreiche Geschichte auffassen, andere beschreiben Erlebtes, Erinnertes oder bewusste Parabeln (Gleichnisse), die eine bestimmte Aussage haben sollen. Die Evangelien des Mattäus, Markus, Johannes und Lukas wurden teilweise weit nach Jesus Tod aufgezeichnet, enthalten also nicht wirklich präzise Erinnerungen an Gespräche (anders als die Texte es andeuten). Intention der Schreiber war aber wohl trotzdem, etwas Wichtiges, Lehrreiches, Tröstendes an die folgendenen Generationen weiterzugeben, also eher eine Art "Selbsthilfebuch" wenn man so will. Meines Wissens ist im Nachhinein nicht immer klar, welche Geschichten zum Zeitpunkt ihrer Aufzeichnung als Wahrheit galten (beim Verfasser!) und welche bewusst Übertreibungen oder Fantasien enthielten, mit dem Ziel, eine bestimmte Haltung oder bestimmte Vorgaben zu vermitteln.
Man muss sich bewusst machen, dass die Bibel erst weit nach der mündlichen Überlieferung der ersten Texte aufgeschrieben wurde und teilweise die Sprache (des Neuen Testaments) nicht die Sprache der Verfasser der Ursprungstexte war (griechisch geschrieben, aber von Aramäern ursprünglich verfasst. Da war also schon viel Spielraum für Missverständnisse, Fehler, eigene Interpretationen der Griechen usw.

Naja, so ein harmloser utopischer Roman war das nie. Die Schreiberlinge verfolgten schon ganz klare Absichten.

Dieser "Roman" war anfangs nicht für das breite Publikum vorgesehen. Die katholische Kirche hatte sogar lange Zeit verboten, sie zu lesen. Ganz zu schweigen davon, dass sie ursprünglich das gemeine Volk gar nicht lesen konnte (Fremdsprachen konnte man damals schon bloß bruchstückhaft) und auf die Auslegungen ihrer "Hirten" vertrauen musste.

Das war keinesfalls das erste Buch (schau z. B. unter "Bibliothek von Alexandria"), so wie nichts darin irgendwie nicht schon vorher mal in bedeutend älteren und entwickelteren Kulturen in der einen oder anderen Form vorkam und geschah!

Die Bibel hatte dann, nach Gründung der ersten Kirchen und Etablierung Roms als mächtiges Zentrum der Verbreitung der Jesus-Legenden eine gewaltige finanzkräftige und wirksame "PR"-Maschinerie.

Als dann noch Gutenberg mit seiner Erfindung die Verbreitung dieses "Wunderwerkes" vorantrieb und immer mehr Leute des Lesens kundig wurden, war der Verbreitung keine Grenzen mehr gesetzt.

Aber auch die Märchen der Gebr. Grimm werden inzwischen überall gelesen :-)

Gerade die Briefe aus dem NT waren dazu geschrieben worden, dass man sie einem breiten Publikum vorgetragen hat. Sie sollten sogar untereinander ausgetauscht werden.

Die (Kath) Kirche hat dagegen das Lesen verboten, sonst wären die Menschen schnell darauf gekommen, dass die Kirche gegen die Bibel arbeitet.

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@krivor

Das Original-NT konnten ursprünglich auch bloß gebildete Vertreter der Oberschicht und des Lesens kündige Klerikale lesen.

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@666Phoenix

Das Original-NT? Weite Teile davon wurden von ungebildeten Menschen geschrieben.

Und alles sollte in der Gemeindeversammlung vorgelesen werden, da kannst du sicher sein, dass sie den anderen erklärt haben, wenn sie was nicht verstanden.

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@krivor

Ja also! Was ich doch sage: keinesfalls selber lesen! Was die Pfaffen erklärten, konnte das gemeine Fußvolk damit nicht überprüfen!

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@666Phoenix

Ich bin völlig davon überzeugt, dass das original-NT von allen richtig verstanden wurde, so wie es gemeint war.

Pfaffen gab es erst später.

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@krivor

Mancher ist fūr bzw. wegen seiner Ūberzeugung auch schon gestorben:-)

"Völlig richtig verstanden"???

Dass ich nicht lache. Die meisten von den Jesus-Jüngern haben das bis heute nicht verstanden!

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@666Phoenix

Wenn es richtige Jesusjünger sind, dann haben sie den Heiligen Geist Gottes, der uns alles erklärt.

Zur Erinnerung: Wir reden hier nicht von der etablierten Kirche.

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@krivor

Nein, ich weiß, daß die etablierten Kirchen ihr "Gotteswort" auch nicht ernst nehmen. Man schaue in die heutigen Zeitungen!

Aber wer nimmt das schon ernst?

Die damaligen Vorleser haben nur das vorgelesen, was sie als vorlesenswert erachten!

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@666Phoenix
Nein, ich weiß, daß die etablierten Kirchen ihr "Gotteswort" auch nicht ernst nehmen. Man schaue in die heutigen Zeitungen!

Wie wahr.

Aber wer nimmt das schon ernst?

Ich kenne geüngend Menschen, die das tun.

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"Heilige Schrift" ist meines Wissens keine Selbstbezeichnung der Bibel. Sprich: Innerhalb der Bibel wird keiner ihrer Texte als heilig bezeichnet. Es handelt sich um eine nachträgliche Ausschmückung, eine typisch christliche Romantisierung, wie die meisten vermeintlichen "biblischen" Gewissheiten, die so in den Köpfen der Allgemeinheit herumspuken.
Die Bezeichnung Bibel hingegen könnte selbige kaum treffender charakterisieren. Entgegen der populären Auffassung bedeutet Bibel nicht einfach Buch, sondern abrollen, abwickeln, entwickeln. Ursprünglich bezieht sich das auf Schriftrollen, die zum Lesen ent-wickelt werden mussten. Es spiegelt aber auch hervorragend die inhaltliche Quintessenz wieder, nämlich fortlaufende Entwicklung (und Abstammung). Überwiegend ethnischer und kultureller Natur, der Leser erlebt live mit, wie sich Völker bilden und sich deren Zivilisationen entwickeln. Dazu gesellen sich die biblischen Stammbäume, die mit den besagten Entwicklungen Hand in Hand gehen. Bezeichnenderweise ist die Bedeutung des lateinischen evolvere, Evolution nahezu identisch mit dem griechischen Bibel. Es bedeutet ebenso entwickeln, Entwicklung und funktioniert in gewissen Zusammenhängen nur in Verbindung mit Stammbäumen.

"wer sind die leute eigentlich die die bibel geschrieben haben"

Da empfehle ich dir die "Entstehung der Genesis" von P. Wiseman. Der Autor stellt darin seine "tablet theory" zur Entstehung der Bibel vor. Aus dieser Reihe gibt es noch weitere Bücher des Autors und seines Sohnes Donald Wiseman, der die Theorien seines Vaters noch weiter ausformuliert hat. Das bringt frischen Wind in den historisch-kritischen Einheitsbrei. Einfach in der Bücherei oder Buchhandlung nachfragen.

"die sind doch nichts anderes als autoren"


Was immer das jetzt aussagen mag...
"ich meine die bibel sieht man ja nicht einfach als ein roman sondern als ein reales buch"

Das kann man so pauschal nicht sagen. Es gab immer Anhänger und Gegner. Bibelkritik ist mindestens so alt wie das erste geschriebene Bibelwort. "Sollte Gott wirklich gesagt haben...?", die Masche hat längst einen Bart. Wirklich etablieren konnte sie sich aber erst im 18. Jahrhundert, womit sie jedoch keineswegs besser geworden ist. Zu jener Zeit wurde es in Europa en vogue, alte Überlieferungen zu mythologisieren (Mythentheorie). Nichtmal die Existenz Homers kam ungeschoren davon. Das war natürlich das perfekte Fahrwasser, Zweifel an der verhassten Bibel zu festigen. Auch dazu äußern sich die Wisemans. 

Die Bibel ist eine Sammlung von Geschichten, ein Roman also per definition nicht. Fiktiv könnten diese Geschichten oder Erzählungen aber trotzdem sein, da kommt es ganz auf den persönlichen Glauben an.

Soweit ich weiß ist die Bibel auch von Anfang an als religiöse Schrift gedacht gewesen und nicht als Bettlektüre. Daher denke ich auch nicht, dass irgendwer sie irgendwann zur Heiligen Schrift ernannt hat. Sie war dies schon immer.

Und das erste Buch war die Bibel mit Sicherheit nicht.

Und wie gesagt: ob du die Autoren der Bibel als Autoren oder Propheten oder als sonst was siehst, hängt stark von deinem Glauben ab.

Es ist doch klar, dass die Bibel nicht einfach nur ein Roman ist. Die Bibel ist entstanden in einem Kulturraum, der unter den harten Bedingungen der Steppe und der Wüste, ein ringendes und kämpfendes Verhältnis des Menschen zur Natur vor Augen hatte. Wir dürfen nicht vergessen, dass es für ein friedliches Zusammenleben von Menschen Regeln erfordert. Somit waren die ersten Schriften verbindliche Gesetzesbücher. Wer gegen die Gesetze verstoßen hat, konnte bestraft werden.

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