Sind die heiligen Schriften, wie die Bibel oder der Koran von Gott oder von Personen die ihm nah waren und sein Wort verstanden haben?

30 Antworten

Ich gehe davon aus, dass die religiösen Bücher alle aus menschlicher- und nicht aus göttlicher Feder stammen. Bei der Bibel ist diese Ansicht auch schon verbreitet, gerade beim Koran findet man aber unter den Gläubigen überwiegend Menschen, die vom göttlichen Ursprung des Korans ("Wort für Wort") überzeugt sind.

Auffällig ist, dass besonders in den letzten Jahrzehnten immer wieder "Gelehrte" versuchen, in ihrem Koran Zahlenwunder, wissenschaftliche Aussagen oder Prophezeiungen zu finden. Dabei sind ihrer Phantasie natürlich keine Grenzen gesetzt und auf mich wirkt das manchmal schon sehr komisch.

So werden u. a. Aussagen über Pulsare (rotierende Neutronensterne), Urknall, Quantenphysik oder Expansion des Weltalls in ein Buch hinein-gelesen, indem an anderer Stelle steht, dass Allah mit Blitz und Donner trifft, wen er will, oder dass Allah die Regenwolken auftürmt und herbei treibt, oder Berge die Erde festigen.

Besonders auffallend dabei ist, dass bei den Gläubigen als Wissenschaft nur gilt, was sich irgendwie durch Interpretation mit den Aussagen ihres Buches deckt. Andere Erkenntnisse, wie etwa die, dass wir Menschen Trockennasenaffen sind werden i. d. R. abgelehnt.

Um ihren Behauptungen Nachdruck zu verleihen, wird dann von Muslimen auf die arabische Sprache verwiesen und behauptet, dass sich der Koran nur auf Arabisch wirklich erschließen lasse. Im übrigen sei sein Schreibstil unnachahmlich.

Natürlich bleiben derartige Behauptungen völlig subjektiv, und der arabische Dichter Al-Maari verfasste schon vor 1.000 Jahren ähnliche Texte. Sein "al-Fusul wal-ghayat" galt sogar als eine Konkurrenz für den Koran.

Also ich glaube nicht an einen göttlichen Ursprung der Schriften.

Sehe ich auch so, zumal es schon eine "göttliche Feder" nur dann geben kann, wenn MENSCHEN eine "Feder" als "göttlich" bezeichnen:) - Da geht der Ärger ja schon los!

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Die Schriften sind von vielen verschiedenen Personen verfasst worden, die ganz unterschiedliche Interessen hatten.

Ein sehr großer Personenkreis hatte erkannt, dass Religion ein hervorragendes Herrschaftsinstrument zur Absicherung der eigenen Macht ist.

Das fängt mit Moses an. Er wollte der unangefochtene Diktator über die Israeliten sein. Dazu hat er sich den Gott JHWH erschaffen und sich selber zu dessen Wortführer erklärt. Als sich ein großer Teil der Israeliten seinem Herrschaftsanspruch nicht unterwerfen wollte, ließ er tausende, die sich ihm widersetzten, einfach umbringen und gab dies als einen Befehl Gottes aus (2. Mose 32):
"So spricht der HERR, der Gott Israels: Gürte jeder sein Schwert an seine Lenden und gehet hin und her, von einem Tor zum andern im Lager, und erwürge ein jeder seinen Bruder, seinen Freund und seinen Nächsten! 28 Die Kinder Levis taten, wie ihnen Mose gesagt hatte, so daß an demselben Tage vom Volke bei dreitausend Männer fielen."

In der babylonischen Gefangenschaft (6. Jhdt. v.u.Z) gab es eine Gruppe fundamentalistischer Juden, die die Meinungsführerschaft erringen wollten und sie schrieben das, was wir heute als Altes Testament kennen. Dazu bearbeiteten sie die überwiegend mündlich überlieferten Geschichten so, dass es zu ihrer Absicht passte. Auch sie gaben sich als einzige legitime Vertreter von JHWH aus.

Die Bibel wurde im 4. Jahrhundert von den katholischen Bischöfen zusammengestellt, wobei sie die Auswahl der Texte so trafen, dass sie ihren Herrschaftsanspruch über die gesamte Christenheit damit legitimieren konnten, was dann ja auch jahrhundertlang geklappt hat. Sie selber konnten ihre Macht über das Volk ausüben, selber in Saus und Braus, in Prunk und Protz leben, während das einfache Volk in Hunger und Armut lebte. Wo die Texte nicht passten, wurden sie entsprechend angepasst. So wurde z.B. auch die angebliche Legitimation der katholischen Kirche als einzige von Christus selber gegründeten Kirche nachträglich eingefügt. Alle Schriften, die diesem Herrschaftsanspruch widersprachen, ließen die Katholiken vernichten und deren Anhänger verfolgen und ermorden.

Der Koran wurde von Kalif Uthman zu einer Zeit geschrieben, als es Machtkämpfe darum gab, wer der legitime Nachfolger Mohammeds und legitimer Herrscher über alle Moslem sei. Uthman ließ dazu den Koran in seinem Sinne schreiben und anpassen. Danach ließ er sämtliche Originalschriften aus der Zeit Mohammeds vernichten. Heute weiß man, dass die Originale sowie das, was Uthman schreiben ließ, nicht übereinstimmten.

Dann gäbe es da noch die prophetischen Schriften, zu denen auch die Offenbarung gehört. In ihnen wird der Wille und die Planung Gottes, also das "Wort Gottes" niedergeschrieben. Die alten Israeliten machten das genauso wie alle anderen Völker um sie herum zu ihrer Zeit. Sie gingen davon aus, dass der Lauf der Sterne von Gott direkt gesteuert wird und dieser damit seinen Willen kundtat. Demenstprechend war die Astrologie die "Wissenschaft", die den Willen der Götter ermittelte. Am deutlichsten wird da der Prophet Habakuk: " Auf meine Warte will ich treten und mich stellen auf den Turm, damit ich erspähe und sehe, was er mir sagen wird und was für eine Antwort ich auf meine Klage bekommen werde."

Die Bibel sagt dazu:

"Die ganze Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet" (2. Timotheus 3,16-17).

"Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet" (2. Petrus 1,21).

Einen interessanten Vergleich zwischen Bibel und Koran bietet die logisch aufgebaute Argumentation der folgenden Seite: http://www.islamseite.de

Menschen suchen sich einige Eigenschaften ihres eigenen Charakters und ihrer Denkweise heraus, idealisieren sie, denken sich einen Gott dazu, unterstellen diesem ihre idealisierten Eigenschaften, und einige ganz eifrige schreiben das so in ein Buch, als wenn dieser "Gott" eine exterene Person wäre. Zur Verfeinerung wird dann noch das eine oder andere zurechtgeglaubt, damit alles ein wenig besser zusammenpaßt.

Ursache von allem ist das Unverständnis der Funktionen und besonderen Eigenschaften des Bewußtseins, der Psyche und des Denkapparats und des Zusammenwirkens dieser Dinge, wobei solches Unverständnis ziemlich vollautomatisch auch zu Verkennungen, wilden Spekulationen und Aberglauben führt.

Eine etwas andere Form findet sich in der Weise, daß es auch immer wieder "Heilige aus eigenen Gnaden" gab und gibt, die solches Unverständnis anderer ausnutzen, um ihr eigenes Süppchen zu kochen.

Erkennbar wird so etwas daran, wenn ein Glauben nicht vernunftbasiert erhalten und verbreitet wird, sondern durch Indoktrination in einem möglichst frühen Lebensalter.

Wenn dem noch hinzkommt, daß auch Aussagen enthalten sind, die sich gegenseitig ausschließen, den Glauben also als Irrglauben entlarven, und es gleichzeitig ein Grundelement solchen Glaubens ist, fest zu glauben, verloren zu sein, wenn man den enthaltenen Unsinn nicht mehr glaubt, dann sind alle Zutaten für eine Weltreligion vorhanden.

Betrachtet man die sog. "Heiligen Bücher" kritisch, dann ist gut erkennbar, welcher "Gott" tatsächlich verehrt wird. Wo z. B. Kampf, Krieg und Bestrafung überbetont wird, da herrscht der Gott des Terrors, Wo sexuelle Dinge überbetont werden, da herrscht der Gott der Geilheit, wo ein Gott Land und Wohlstand verspricht, da herrscht der Gott der Macht- und Habgier, usw. usw.

Eine Sonderstellung nimmt die Figur Jesus ein. Bei ihm herrschte der Gott der EInsicht, der Fairness und der Liebe, wogegen bei seinen Nachfolgern aus eigenen Gnaden stetig mehr der Gott der spitzfindigen Wahrheitsverdrehung herrschte und immer noch herrscht.

Die Muslime befinden sich in einem richtigen Dilemma. Es gibt nämlich ettliche Stellen im Koran, welche sagen, dass die Christen die autoritativen Offenbarungen nach denen sie sich richten sollen haben. Die Bibeln von vor der Zeit Mohammeds sind heute noch vorhanden und es handelt sich dabei tatsächlich um zentausende Manuskripte, verteilt auf der ganzen Welt, niemand hätte sie nach der Zeit von Mohammed verändern können.

>>29.46 Und streitet mit den Leuten der Schrift nur in bester Weise, außer denjenigen von ihnen, die Unrecht tun. Und sagt: „Wir glauben an das, was (als Offenbarung) zu uns herabgesandt worden ist und zu euch herabgesandt worden ist; unser Gott und euer Gott ist Einer, und wir sind Ihm ergeben.“<<

Das steht tatsächlich im Koran:

>>5.68 Sag: O Leute der Schrift, ihr fußt auf nichts, bis ihr die Thora und das Evangelium und das befolgt, was zu euch (als Offenbarung) von eurem Herrn herabgesandt worden ist. Was zu dir (als Offenbarung) von deinem Herrn herabgesandt worden ist, wird ganz gewiß bei vielen von ihnen die Auflehnung und den Unglauben noch mehren. So sei nicht betrübt über das ungläubige Volk!<<

Das steht im Koran, ernsthaft:

>>10.94 Wenn du über das, was Wir zu dir (als Offenbarung) hinabgesandt haben, im Zweifel bist, dann frag diejenigen, die vor dir die Schrift lesen. Dir ist ja die Wahrheit von deinem Herrn zugekommen, so gehöre nun nicht zu den Zweiflern,<<

Und es wird noch krasser für den Islam:

>>6.115 Vollkommen ist das Wort deines Herrn in Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit. Es gibt niemanden, der Seine Worte abändern könnte. Und Er ist der Allhörende und Allwissende.<<

Also ganz gleich ob wir Christen nun das inspirierte Wort Gottes haben oder nicht, in jedem Fall wird der Koran als eine Phantasie von Mohammed überführt.

Den Koran zu lesen ist eine Sache richtig verstehen aber eine andere.

Um den Koran richtig zu verstehen benötigt man einen Koran Kommentar.

Eine ungefäre Übersetzung des Korans in die jeweiligen Landessprachen ist KEIN Koran Kommentar.

Daher sollte man solch ein Nachschlagewerk zur Hand haben, weil eine eigen Interpretation ohne ein Koran Kommentar zu nichts als Missverständnisse führen würde.

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