In welchem Ausmaß ist logisches Denken erlernbar?

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7 Antworten

Logik ist die Fähigkeit aus gelernten Sachverhalten erklärbare Schlussfolgerungen zu ziehen. Alles ist erlernbar. dafür ist unser Gehirn gemacht. Es lernt ständig. Wenn wir uns viel mit logischen Zusammenhängen beschäftigen erlernt es die Regeln, die dahinterstehen ohne das man es merkt. Genauso wie wir Grammatik lernen. Du sprichst perfekt deutsch ohne die Grammatik benennen zu können weil dein Gehirn die Grammatikregeln gelernt hat ohne das sie dir je erklärt wurden. Genauso lernt man auch Logik wenn man sie oft genug benutzt. Der der die ersten Schlussregeln aufgestellt hat hat sie nicht aufgestellt sondern nur benannt. Das Aufstellen besorgte unser Gehirn von selber. Daher vielleicht auch der Vergleich mit Sprache. Hier nochn Link dazu:

  1. Alle Gesetze, Regeln u.ä. an Abstrakta, die unserem Denken Struktur geben, sind durch Abstraktion aus der uns umgebenden Realität entstanden, von höchster Abstraktion sind Mathematik und Philosophie und in beiden Wissenschaften ist die Logik angesiedelt ,und als diese beiden Wissenschaften noch eine Einheit bildeten (Altertum) sind auch die Grundlagen der Logik entstanden.
  2. Logik ist wie Mathematik eine Sprache insofern sie eine sehr strenge Syntax (Grammatik, Regelsystem) hat, mit der man "Worte", "Sätze", ... bilden kann, denen dann eine bestimmte Semantik (Bedeutung) zugeordnet wird.
  3. Die Syntax ist erlernbar wie Formeln der Mathematik, die Anwendung, das heißt die Zuordnung einer Semantik ist schwieriger, wie ja auch aus der Kenntnis von Formeln sich zwangsläufig nicht ihre Anwendung auf die Lösung von Aufgaben ergibt.
  4. Der Mensch unterscheidet sich vom Tier m.E. vor allem dadurch, dass er zu sehr hoher Abstraktion fähig ist. Auch Menschen unterscheiden sich untereinander u.a. durch den Grad ihrer Abstraktionsfähigkeit (s. intellektuelle Begabungen).

Aus unserem Logik-Kurs an der Uni:

Logik an sich ist nichts, was vom Menschen erschaffen wurde, sondern eine Gesetzmäßigkeit der Natur. Wenn man also beobachtet, dass es regnet, folgt daraus unweigerlich, dass der Boden nass wird. Das ist nichts, was sich der Mensch ausgedacht hat, sondern eine universell andwendbare Schlussfolgerung. Das Aufstellen von logischen Regeln basiert also ursprünglich nur auf gutem Beobachten - und wenn man einmal Regeln aufgestellt hat, kann man von diesen Regeln Neue ableiten usw. und es entsteht eine komplexe Denkweise, die wir 'logisches Denken' nennen.

Das zu erlernen stelle ich mir vor wie bei einem Musikinstrument, zum Teil ist es Veranlagung/Talent, doch zum Großteil ist es Übung. Ich hab auch an der Uni festgestellt, dass Logik etwas mehr ist, als zu irgendwelchen kniffligen Rätseln ne Lösung zu finden ;-) Es ist eine gesamte Denkweise, die man erlernt, man beginnt, sehr strukturiert zu denken, und das kann m.E. jeder lernen, wenn man sich nur intensiv genug damit beschäftig.

isbowhten 27.03.2012, 01:15

zu dieser schönen antwort möchte ich noch etwas hinzufügen.

das anliegen des fragenstellers war auch zu erfahren, warum es trotz der möglichkeit logisches denken (durch üben) zu erlernen, immernoch ungelöste probleme gibt?

das ist ganz einfach. du kannst aus regeln andere regeln herleiten. allerdings, wenn du eine bestimmte regel verifizieren möchtest, woher folgt diese regel dann?

es ist etwas anderes aus etwas bekanntem etwas unbekanntes zu folgern was du nur zufällig entdeckt hast, als etwas bekanntes (aber unbewiesenes) auf irgendwelche existierenden, aber dir unbekannten, regeln zurückzuführen.

mathematische probleme benötigen deshalb kreativität. es gitb so viele regeln. aus welcher regel folgt diejenige, die du beweisen willst? das ist nicht erlernbar. das ist glückssache bzw. kreativität oder auch erfahrung, womit wir wieder beim erlernbaren wären.

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Luxemburgerli 27.03.2012, 11:15
@isbowhten

Sehr schön ergänzt! Das Problem, das du da beschreibst, das Beweisen, besteht vor allem darin, dass es einfacher ist, die Wirkung aus der Ursache abzusehen, als eine Wirkung zu beobachten und die Ursache davon zu finden. Wenn man dann z.B. den nassen Boden sieht, ist es schwieriger zu sagen 'es hat geregnet' (denn es hätte ja auch was Anderes passiert sein können), als es regnen zu sehen und zu sagen 'der Boden wird nass'.

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vllt, weil es menschen leichter fällt, von geburt an bereits erlerntes der vorherigen generation(en) als normal anzunehmen und darauf aufzubauen... dieses wissen in einem leben soweit auszubauen, bis man den eigenen horizont erreicht, ist wohl sache des individuellen verständnisses eines jeden zu dem jeweiligen thema...

Logisches Denken stößt an Grenzen, wenn das Wissen fehlt. Man kann Logik nur im Bereich des Bekannten einsetzen. Da jedes Wissen die unangenehme Eigenschaft hat, neue Frage aufzutun, kommt man mit Logik logischerweise nicht ans Ende aller Fragen. Man kann statt logisch auch rational denken. Dann hat man die möglichen Irrtümer zumindest einkalkuliert. Immerhin ist Logik eine Art Denkmathematik. Wenn man ihre Regeln nicht befolgt, denkt man schnell falsch. Im Grunde geht es aber um richtiges Denken, also das Richtige denken.

Willst Du philosophieren oder suchst Du tatsächlich Rat?

clemensum 26.03.2012, 23:21

ich möchte Rat! :)

Ich bin mir sehr im Unklaren darüber, weil es (für mich) genauso viele Pro - wie Kontraargumente gibt^^

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Ich finde Logik kann man nicht erlernen aber auch nicht erben.. es ist eine Gabe :)

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