Immanuel Kants Handlungstypen?

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Heyja, die gute alte GMS(Grundlegung zur Metaphysik der Sitten) (würde ich mir übrigens als ganzes Werk kaufen).

Ich werde jetzt nicht die ganze GMS Runterbetten, weil das langwierig wird.

Jedoch um auf deine Fragen einzugehen:

Einteilung:

Pflichtwidrig: Verstößt gegen die Pflicht. Beispiel: Mord

Pflichtgemäß (mittelbar/unmittelbar)

Mittelbar: Ich helfe dir, weil ich zusammen mit dir besser in dieser Welt überleben kann als alleine. Eigennutz

Unmittelbar: Ich helfe dir, weil ich dich mag.

Aus Pflicht: Ich helfe dir unabhängig von meinen Neigungen sondern aus Pflicht. Also um meiner Maxime zu folgen.

Bsp.: Sein Leben zu erhalten, obwohl man eigentlich keinen Sinn darin mehr sieht.

Der Krämer liebt/mag seine Kunden ja nicht und gibt ihnen deshalb einen guten Preis, sondern ist eigennützig. Er handelt daher aus mittelbarer Neigung. Jedoch pflichtgemäß.

Wie erkennen:

Es gibt drei "Handlungstypen" (wie du sie nennst) und einer davon ist zwei geteilt.

Quelle: Ich bin Student der Philosophie. Letztes Semester habe ich ein Kant Seminar (GMS) und habe auch eine Hausarbeit zu dem Thema geschrieben. Hab bestimmt aber auch nicht mehr alles parat :)

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Ich studiere beides.

Dankeschön genau das, was ich hören wollte. :D Mir ging es primär eigentlich nur um die Differenz zwischen mittelbarer und unmittelbarer Neigung.

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Beachte, wie im hier der Begriff der "Neigung" verwendet wird:

"„Wenn es also heißt: du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst, so heißt das nicht: du sollst unmittelbar (zuerst) lieben und vermittelst dieser Liebe (nachher) wohlthun, sondern: thue deinem Nebenmenschen wohl, und dieses Wohlthun wird Menschenliebe (als Fertigkeit der Neigung zum Wohlthun überhaupt) in dir bewirken“ (TL, AA 06: 402.16-21.)! Die aus der Anlage zur Liebe des Nächsten hervorgehende motivationale Struktur der Handlung besteht darin, dass das zur Liebe disponierte Subjekt einen Wunsch zum Wohlwollen hegt, der im Vollzugsfall in Wohltun resultiert. Tut der Mensch in mehreren einzelnen Fällen wohl, erwirbt er das Vermögen der allgemeinen Menschenliebe (die Fertigkeit zum Wohltun überhaupt). Am Ende der TL vertritt Kant die These, dass die Gefühle der Liebe und der Achtung grundsätzlich immer beide in einer Tugendpflicht vorkommen. Liebespflichten gegen andere sind Pflichten, die vor allem durch das Gefühl der Liebe, Achtungspflichten gegen andere sind Pflichten, die vor allem durch das Gefühl der Achtung geprägt werden27"

Quelle: file:///C:/Users/Administrator/Downloads/pr12014.6-29.pdf

Anm.: Hervorhebung durch Fettdruck von mir

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@Aurel8317648

ups, habe vergessen mein Zitat ist auf Seite 25 des o.g. Links zu finden

und bezieht sich v.a. auf die im Folgenden enthaltenen Begriffe : Neigung und Liebe

,,dass er aber überdem noch eine unmittelbare Neigung zu den Käufern haben sollte, um gleichsam aus Liebe keinem vor dem anderen im Preise den Vorzug zu geben, lässt sich hier nicht annehmen."

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Ich habe sicherlich nicht alles verstanden, was du beschrieben hast, aber hast du schon mal überlegt, ob der Krämer das nicht aus gutem Willen macht? Der gute Wille, dass jeder fair für das zahlt, Was er auch bekommt.

Nebenbei denke ich, dass Kant ein vielseitiger Mann und Philosoph war und es schwer ist, seine Gedankenhänge nachzuvollziehen, ohne Philosophie studiert zu haben/zu studieren. Manchmal muss man Dinge einfach hinnehmen, besonders, wenn es um Kant geht!

Das habe ich nicht überlegt, wei Kant in seinem Beispiel wie beschrieben, diese Option auschließt mit den Worten: "...man wir erhlich bedient. Allein das ist lange nicht genug zu glauben, der Kaufmann habe aus Pflicht und Grundsätzen der Erhlichkeit so verfahren; sein Vorteil erforderte es;"

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Schade, dass du nicht alles verstanden hast. Ich habe wirklich ernstahaft versucht alles so ausführlich und verständlich wie möglich zu schreiben :/

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Gott, Kant liest sich so sche1ße! Vielleicht hat Kant überrissen, dass es kein selbstloses Handeln gibt und war deshalb dem Krämer gegenüber gütig. Sorry, aber selbst wenn man sich für Philosophie interessiert, ist das da so eine christlich geprägte Zeitverschwendung.

also von christlicher Prägung lässt sich bei Kant definitiv nicht sprechen. Schließlich war er einer der wichtigsten Personen der Aufklärung und Verfechter der Vernunft. Mit Christus hatte er also sehr wenig am Hut. Darüberhinaus lebten viele der bedeutensten Philosophen einige Jahrhundert vor Christus und ein großer anderer Teil waren Atheisten.

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@Firekid43333

Auch Atheisten sind christlich geprägt und auch die Aufklärung war es. Kant war auch Antijudaist. Im Endeffekt kann jedes Lebewesen nur eigennützlich handeln. Vielleicht hat Kant das verstanden und deshalb Eigennutz nicht zu Neigungen gezählt. Auch wenn du jemanden etwas liebes tust, ist das eigennützig auch der kategorische Imperativ ist eigennützig.

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@Tack82

Kant hat dies in keinem Fall so verstanden, sonst gäbe es für ihn ja keine Handlung aus bloßem Pflichtbewusstsein. Kant fordert ja, dass Menschen stets nach dem kategorischen Imperativ handeln sollen. Dieser impliziert jedoch eben genau eine Handlung, die weder aus Neigung noch anderen Motiven, wie Eigennutz heraus geschieht, sondern lediglich aus einem inneren moralischen Bewusstsein, aus Achtung vor dem moralischen Gesetz. Eine Handlung ist für Kant ja nur dann moralisch wertvoll, wenn z.B. der Krämer ungeachtet seiner Geldnot, ungeachtet anderer Motive, sich trotzdem einfach aus Pflichbewusstsein dazu durchringt, die Menschen fair zu behandeln. In Kants Beispiel tut er das jedoch nicht und Kant rechnet mit ihm ab.

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@Firekid43333

Das ist ja der Blödsinn. Glaubst du, es gibt eine objektive Moral? Moral kann immer nur etwas subjektives sein. Ich glaube auch, dass Kant "einfach aus Pflichtbewusstsein" nicht gelten lassen würde. Denn das kommt ja auch von außen. Irgendwer muss dir ja erst mal sagen, was deine Pflicht ist und somit erfüllst du sie, um dich nicht schuldig, geächtet oder sonst was zu fühlen. Für Kant müsste der Krämer wahrscheinlich einfach aus seinem natürlichen "gut-sein" heraus frei von irgendwas handeln, damit nicht von einer Neigung gesprochen werden kann.

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@Tack82

Pflichtbewusst handelt man nach Kant nicht aufgrund etwas äußerem es handelt sich bei Kant um ein inneres Pflichtbewusstsein. Und Kant geht es ja eben um eine objektive Moral, die er aufgrund seines kategorischen Imperativs erst ermöglicht. Objektiv ist sie, weil sie durch die Vernunft bestimmt ist, also vom logischen denken abhängt. Um zu wissen, dass ich nicht lügen darf, braucht es nach Kant eben kein individuell bedingtes Verständnis von Moral. Man verallgemeinert "einfach" ein Gesetz und prüft, ob sich widersprüche ergeben. Das ist objektiv, weil die Widersprüche bei jedem auftauschen würden unabhänhig von seinem Einschätzungsvermögen. Denn würde jeder Lügen, könnten lügen nicht funktionieren. Eine Lüge setzt eine sonst ehrliche Welt voraus. Das ist einfach ein logischer Widerspruch und damit für Kant also keine Handlung, die man tun sollte und das ist in jedem Fall objektiv. Abgesehen davon war das leider nicht meine Ausgangsfrage :D

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@Tack82

Dazu kommt, dass Kant ja bei dem Krämer eben nicht von einer Neigung spricht, obwohl er ihn gleichzeitig anklagt aus Eigennutz gehandelt zu haben, was ja auch Teil meiner Frage war-

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@Tack82

Man könnte aber sagen Ja, dank Kant ist eine objektive Moral möglich, da sie auf Logik basiert und somit nicht subjektiv sein kann.

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@Firekid43333

Kant war ein Kind seiner Zeit. Objektiv ist vom Objekt ausgehend Subjektiv vom Subjekt. Wie sollte denn das Subjekt eine objektive Wahrheit je erkennen? Es nimmt die Welt doch über seine Sinne wahr. Es gibt auch keine objektive Lüge.

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@Tack82

Logik ist aber nicht subjektiv! Logik folt ihren eigenen Gesetzen. 1+1 ist immer 2, egal wer es ausrechnet und auch unabhängig davon, ob er es ausrechnet. So funktioniert auch Kants Ethik. Es wird keine Einschätzung, Abwägung und sonstiges subjektives gefordert lediglich ein logisches prüfen auf Widersprüchlichkeit

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@Tack82

Man kann sich darüber streiten ob Kants Ethik gut oder schlecht ist, aber objektiv ist sie auf jedenfall im höchsten Maße. Denn jeder käme zum gleichen Schluss. Und wenn es nur ein Ergenis gibt unabhängig eines Indivisuums ähnlich wie in Mathe. Was ist es denn dann, wenn nicht objektiv?

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@Firekid43333

Es gibt dazu ja Tonnen an Büchern, z. B. Die Welt als Wille und Vorstellung.

Kant stammte aus einer christlich geprägten Gesellschaft und hat aus diesem Weltbild heraus argumentiert.

Sagen wir der Tisch vor dir ist blau - falls da einer steht - jetzt fragst du 1000 Leute und die sagen dir alle, der Tisch ist blau, der Hund sagt dir aber, er ist grau! Wie der Tisch objektiv aussieht werden wir nie wissen, da wir ihn ja über unsere Sinne wahrnehmen. Es kann auch eine objektive Moral geben, aber ich gehe nicht davon aus.

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@Tack82

Hast du vielleicht noch eine Antwort auf meine ursprüngliche Frage?

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@Tack82

Wieso außerdem sollte der Hund sagen, dass der Tisch grau ist? Hat er doch wahrscheinlich von Kind auf gelernt, dass der grau Ton, den er sieht als blau bezeichnet wird. Es ist also unwahrscheinlich, dass der Tisch für den Hund nicht blau ist. Können doch sogar Farbenblinde Farben unterscheiden, da sie die Namen der Farben ebenso gelernt haben wie wir. Darüber hinaus funktioniert Kants Ethik ja nicht über Sinne, ja nicht mal über das eigene Denkvermögen. Also ist das Beispiel als Argument eher unpassend gewählt

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@Firekid43333

Google halt das Thema Moralischer Relativismus. Das mit dem Hund sollte nur ein Deut in die Richtung "Objektiv-Subjektiv" sein. Ich lehne Moral nicht ab, glaub aber nicht, dass sie etwas Objektives sein kann.

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