Heißt es DIE Butter oder DER Butter? DAS Sofa oder DER Sofa?

4 Antworten

Butter kommt von lat. butyrum und ist also ursprünglich ein Neutrum. In den romanischen Sprachen wurden alle Neutra zu Maskulina. In Italien "il burro" oder in Frankreich "le beurre". Im romanisch geprägten deutschen Sprachraum (Südtirol, Schweiz, Österreich, Teile von Bayern, ...) kurz den ehemaligen römischen Provinzen Noricum und Raetia, ist Butter ebenfalls maskulin. Nördlich des Limes wurde das Wort erst später adaptiert und wandelte sich zum Femininum. Das Wort wird zwar mehrheitlich in der maskulinen Form verwendet, innerhalb Deutschlands überwiegt aber die feminine Form, weshalb der Duden diese als Standard definiert. In der Schriftsprache ist nur "die Butter" korrekt. In der gesprochenen Sprache finden beide Formen Verwendung.

Also bei mir daheim, Oberbayern sagt man der Butter. Das wird so aber selten realisiert. Keiner sagt: gib mir mal der Butter. Sondern: gib mir mal an (also den) butter. Man fragt: wo ist da (nicht der!) Butter?. Die ist an dieser Stelle artikulatorisch nicht zu realisieren: wo ist d' (also die) Butter.

Ich bin für Team der Butter und das Teller

So einfach ist das nicht. Geht man nach dem Duden heißt es DIE Butter. Geht man nach der tatsächlichen regionalen deutschen Sprache, heißt es im gesamten Süden DER Butter: Schwaben, Bayern und Österreich eingeschlossen. Leider ersetzt immer mehr das (mittel- und norddeutsch geprägte) Standarddeutsch die kulturellen Unterschiede und macht somit Traditionen zunichte.

Bei uns in Bayern heißt es auch DER Pfand, DER Radio, DER Teller und da gibt es noch viele mehr. So wie die Semmel woanders Brötchen, Schrippe oder Weggle heißt, ist es schön, dass es regionaltypische Unterschiede gibt. Im Süden heißt es auch Grüß Gott (und keinesfalls Guten Tag, das klingt hier sehr distanziert, kalt und unfreundlich) und im hohen Norden Moin Moin.

Und: China wird wie Kina gesprochen, so wie bei Christus. Und nicht Schina oder Schristus.

Im Schriftdeutsch haben wir einen gemeinsamen Standard, für Aussprache gibt es (Gott sei Dank!) keinen amtlichen Standard (obwohl es einige Bücher gibt, die eine standarddeutsche Aussprache vermitteln wollen und teils so tun, als sei dies offiziell: Hey, Aderhold, und ein Duden-Band). Und bei grammatikalischen und Wortunterschieden im gesprochenen deutsch ist Tradition und Kultur noch ein bisschen vorhanden und sollte mit Toleranz der Andersartigkeit auch weiter gefördert und gepflegt werden.

In Österreich heisst es übrigens Fisolen (Bohnen), Paradiser (Tomaten), Schlag (Sahne), Deka (100 Gramm), Sackerl (Tüte), Stiege (Treppe), Sessel (Stuhl), Polster (Kissen), Kasten (Schrank) usw. Auch das ist schön und erhaltenswert. Viel schlimmer ist, wenn sich Tschüß oder Guten Tag im Süden immer mehr durchsetzt.

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