Haben heutige Flachbildfernseher einen Puffer?

3 Antworten

Richtig, bei analogem Fernsehen wurde das Bild Zeilenweise gezeichnet und der Sender oder der angeschlossene Computer hat die Helligkeit bzw. die Farbe des Strahls live gesteuert.

Damals konnte man das für den sogenannten Lichtgriffel ausnutzen. Zum Beispiel der C64 merkt sich die Koordinaten vom Pixel den er gerade zeichnet wenn man den Feuerknopf an Port 1 drückt. Schließt man statt einem Joystick einen Fototransistor an und baut den in ein Röhrchen oder leeren Kugelschreiber ein, wird "Feuer" immer dann ausgelöst wenn der Strahl auf dem Bildschirm vorbei kommt. Die Software kann dann leicht feststellen wo der Lichtgriffel auf dem Bildschirm ist.

Der Nintendo konnte das nicht, der wusste nicht was der Videochip gerade macht. Hier wurde der Bildschirm einfach schwarz geschaltet wenn man den Feuerknopf drückt und an der Stelle wo der Gegner ist ein weißes Quadrat eingeblendet. Sieht der Sensor das Weiß, ist das Spiel davon ausgegangen, dass man getroffen hat.

Bereits beim 100Hz Röhrenfernseher versagt der C64. Hier wird das Bild digital zwischengespeichert und zwei mal doppelt so schnell gezeichnet. Was der Videochip macht und was der Strahl macht ist völlig unabhängig. Aber das funktioniert immer noch beim Nintendo, denn dem ist es egal was der Strahl macht, Hauptsache der Sensor sieht rechtzeitig das weiße Quadrat. Dafür konnte man beim Nintendo leicht schummeln in dem man auf eine helle Lampe schießt oder eine Schlüsseltaschenlampe in den Lauf steckte.

Beim Flachbildschirm ist es noch schlimmer. Hier werden Teile oder das ganze Bild gleichzeitig angezeigt. Dazu muss der Bildschirm natürlich erst mal die komplette Information eines Bildes sammeln. Das Bild wird dann also mindestens einen Frame später angezeigt. Hier versagt dann auch der Nintendo da das Weiße Quadrat erst erscheint nachdem der Schuss ausgewertet wurde.

Und beim Digitalfernsehen kommt noch mal eine Verzögerung dazu. Die Bilddaten sind komprimiert und müssen erst mal dekomprimiert werden.

Im Einfachsten Fall hat man MPEG. Hier reicht die Datenmenge nicht um ein Bild vollständig zu übertragen. Das Video ist in sogenannte GOP aufgeteilt, das sind "Group of Pictures". Das erste Bild einer GOP ist einfach ein komplettes JPEG komprimiertes Bild. Die Übertragung dauert mehrere Frames. Nachdem das erste Bild komplett ist, werden nur noch die Änderungen im Bild übertragen und das dauert dann pro Bild weniger als ein Frame. So kann die komplette GOP rechtzeitig übertragen werden. Aber bevor eine GOp dargestellt werden kann, muss erst mal auf das erste Bild gewartet werden. Das dauert im ungünstigsten Fall bei TV und DVD 12 Frames. Dann dauert es etwa 4 weitere Frames bis das erste Bild komplett ist. Der Fernseher hinkt also etwa 16 Frames hinterher. Deswegen dauert es beim Umschalten des Senders knapp eine halb Sekunde bis ein Bild kommt.

Bei "stärkeren Codecs" wie dem HD TV Standard oder noch heftiger beim Streaming dauert es noch länger. Während es beim Fernsehen bis zu einer Sekunde dauert bis das Bild kommt, kann das bei Streaming mehrere Sekunden dauern.

Und dann braucht der Sender auch noch mal Zeit um das Signal möglichst sparsam aber mit hoher Qualität zu senden. Dazu muss der sich ganz viele GOP angucken um zu planen wie viel Bandbreite der jeder GOP geben kann. Dann bekommen GOP mit schnellen Bewegungen mehr Daten als GOP mit wenig oder gar keinen Bewegungen. Hier werden mindestens 10 Sekunden benötigt bis die Bilder den Sender verlassen.

In Amerika zum zensieren von Schimpfwörtern schon in der Analogzeit eingeführt, in Deutschland erst seit dem schweren Unfall während der Live Sendung "Wetten dass...?" ist eine künstliche Verzögerung von etwa einer halben Minute oder mehr. Passiert was schlimmes, kann Jemand auf einen Knopf hauen und die Sendung unterbrechen. Dann verlassen die Bilder des Ereignisses nicht den Sender. Man muss dem Menschen der die Sendung stoppt oder den Piepton auslöst ja ausreichend Zeit geben zu reagieren. Der erschrickt sich womöglich und braucht einige Sekunden.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Na klar, Ja, moderne Flachbildfernseher haben einen Puffer!

Im Gegensatz zu den alten Röhrenfernsehern, die das analoge Signal wirklich Zeile für Zeile direkt auf den Schirm gemalt haben, bekommen moderne Fernseher heute fast nur noch digitale Datenpakete (DVB-T2, -C, -S). Der Fernseher muss diese Datenpakete erstmal sammeln und entschlüsseln, weil die Infos oft komprimiert sind und sich auf mehrere Bilder beziehen. Er legt die Daten also kurz in einen Pufferspeicher und rechnet dann das vollständige Bild in seine finale Auflösung um, bevor er es im Ganzen und super schnell auf dem Display darstellt. Es wird also nicht mehr Zeile für Zeile verarbeitet, sondern digital vorgespeichert, umgerechnet und dann als fertiges Bild ausgegeben.


Epson121 
Beitragsersteller
 06.10.2025, 19:43

:-)

Wird das TV-Signal immer noch Zeile für Zeile ausgestrahlt ...

Nein.

Aber der Datenstream wird gepuffert.


Epson121 
Beitragsersteller
 07.10.2025, 17:55

Aha... Und wenn jemand noch einen alten Röhrenfernseher benutzt?

Basstom  07.10.2025, 18:08
@Epson121

Dann benutzt er eben noch einen alten Röhrenfernseher. Er wird einen Receiver, oder Whatever, verwenden müssen, der eine analoge Schnittstelle dafür zur Verfügung stellt.

Epson121 
Beitragsersteller
 08.10.2025, 01:51
@Basstom

Aber Moment mal, wenn das Bild nicht nach wie vor Zeile für Zeile gesendet wird, wieso wählt der Videotext dann noch durch, welcher ja die Bildpausen nutzte?

Basstom  08.10.2025, 07:59
@Epson121

Im Digitalzeitalter kann man diese Daten prima im Stream unterbringen. Zeile für Zeile war bei Analogtechnik.

Epson121 
Beitragsersteller
 08.10.2025, 15:27
@Basstom

Warum zählt er dann noch durch?

Zumal ja auch bei Digitalbildern die Daten nach und nach durchgegeben werden, die können ja nicht alle auf einmal kommen.

Epson121 
Beitragsersteller
 08.10.2025, 18:35
@Basstom

Dann ist es ja doch noch Zeile für Zeile, nur nicht mehr als elektrisches Steuersignal das direkt die Kathoden anregt, sondern in Form von Bits. (Welche ja auch mittels elektrischer Signale übertragen werden.)

Basstom  08.10.2025, 19:38
@Epson121

Digital wird das Bild komplett aus dem Puffer dargestellt, nicht mehr Zeile für Zeile. Der Stream liefert alles an Daten, der Empfänger dröselt das dann auf. Aber zeilenweise Darstellung ist Vergangenheit.

Epson121 
Beitragsersteller
 09.10.2025, 03:09
@Basstom

Ja, ja, schon klar, daß es komplett dargestellt wird. Aber die Datenübertragung beginnt doch auch mit dem linken, oberen Teil des Bildes und geht sinngemäß von links nach rechts und nach unten weg. Oder nicht? So müßte doch die Reihenfolge der Bildinformation sein.