Gibt es den Exorzismus heute noch?

12 Antworten

Also mal ganz ernst und sachlich beantwortet:

Das Amt des Exorzisten gibt es noch, selbst (kleine) Exorzismen werden meistens unbemerkt durchgeführt. Den "großen" Exorzismus gibt es in wirklich ernst begründeten Fällen sicher auch noch.

"Exorzist" war früher eine der geringen Weihen d.h. unterhalb des Akolythen (Lichtträgers) d.h. also eines Ministranten angesiedelt. Dieser "Exorzist" allerdings diente z.B. bei der Taufe, beim Besprengen oder Segnen. Diese "kleinen" Exorzismen beziehen sich demnach auf das Austreiben unreiner Geister z.B. aus Weihwasser, Gegenständen, ja sogar Täuflingen und Katecheten. Es sind einfache Gebete und Riten, die an sich nichts Schlimmes sind und sich -wie gesagt- gegen die Macht des Bösen richten, damit ein Segen oder Weihe ungestört wirken kann.

Der "große" Exorzismus wird von speziell dafür ausgebildeten Priestern durchgeführt und auch nur, wenn wirklich zweifelsfrei nach Maßgabe eines Bischofes (und nach Kenntnis medizinischer Fakten) einer aufgrund sonderlicher Vorkommnisse und mit Genehmigung der Familie durchgeführt werden muß. Es sind wieder nur Gebete und Bespregungen, letztendlich also nichts sonderlich Unheimliches. Du siehst: Du bist umsonst gegangen, es wird da meistens durch Horrorfilme und Mystifizierung mehr hineingelegt, als da ist ;)... Exorzismen sind etwas heilbringendes.

Ja, also Exorzimus gibt es tatsächlich noch in der katholischen Kirche (und auch in zahlreichen anderen Religionen). Das gute ist, wie auch schon zahlreiche andere Antworter hier geschrieben haben, dass man nicht dazu gezwungen werden kann und du das Glück hast vermutlich auch nicht gesellschaftliche (also durch dein Umfeld und so) dazu genötigt wirst. Aber tatsache ist eben, dass es durchaus Menschen gibt deren Weltbild es eher entspricht bei einer psychologischen Erkrankung einen Exorzisten auf zu suchen, als eben einen Psychologen. Es gibt durchaus Erkrankungen (und mir sind zwei Personen direkt bekannt, die darunter leiden), bei denen man fest davon überzeugt ist, etwa den Teufel zu sehen (bzw. zu hören) und von ihm auch besessen zu sein. Es hat dann letztlich also etwas mit deinem Weltbild zu tun, welcher Behandlung man sich unterzieht. Ich würde von meinem Standtpunkt her eben behaupten, dass der psychologische Weg vermutlich der effektivere ist. Außerdem darf man natürlich auch nicht vergessen, dass Priester, die eine Exorzimus durchführen an sich nicht versuchen ihren Opfern zu schaden, sondern aus der Sicht ihres Glaubens versuchen zu helfen.

Bei Wikipedia findest du auch was zum Exorzismus und dann hab ich noch auf die schnelle das hier gefunden http://www.kathpedia.com/index.php/Exorzismus .

Fälle wie der von Anneliese Michel waren schon immer extrem selten. Die beiden daran beteiligten Priester waren alles andere als Exorzisten, schon gar keine geschulten. Sie waren schlichte Priestergemüter, die sich mit ganzer Inkompetenz auf den Wunsch einer erzkonservativen und bigotten Familie in einen medizinischen Fall eingemischt haben, der bei einem Psychiater besser aufgehoben gewesen wäre.

Anneliese Michel war - nach allem, was ich darüber weiß - mit hoher Wahrscheinlichkeit psychotisch und litt unter Angstzuständen und häufigen Schüben. Sie nahm über einige Jahre Medikamente gegen Epilepsie, ihre Schübe traten zu dieser Zeit nicht oder nur in abgeschwächter Form auf. Erst nach Absetzen der Medikamente und der expliziten Abwendung von der Medizin geriet der Stein ins Rollen.

Ich habe die Protokollbänder gehört - die waren noch bis vor 20 Jahren in Universitätsbibliotheken öffentlich zugänglich - und konnte hören, wie die beiden Priester die Ideen der Besessenheit und die "Persönlichkeiten" ihrer verschiedenen "Teufel" buchstäblich in sie hineinredeten. Michel erfüllte unbewußt die in sie gesetzten Erwartungen, in dem sie das produzierte, was sie für "Hitler", "Judas" und andere Teufel und Dämonen hielt. Damit ist der Fall für mich klar, es handelt sich mindestens um fahrlässige Tötung bzw. unterlassene Hilfeleistung aller daran beteiligten Menschen, einschließlich der Familie.

Um Michel gibt es bis heute einen enormen Kampf, der zwischen den Anhängern der angeblichen "Sühnebesessenheit" und den Freunden des medizinischen Blickwinkels tobt. Deshalb gibt es einige Publikationen, die Du - wenn Du selbst nachforschen willst - mit äußerster Vorsicht genießen solltest. Aber es ist immer noch möglich, sich sachlich und umfassend zu informieren.

Noch einmal: So spektakuläre Ereignisse sind absolute Ausnahmen. Das ist nicht der Alltag eines Exorzisten noch kommt es häufig vor. Exorzisten wie Gabriele Amorth (kannst Du ja mal googeln) "praktizieren" zwar spektakulär, aber nicht so spektakulär. Und sie stehen auch von Seiten des Vatikan unter eindringlicher Kritik.

Die letzten beiden Päpste haben die Vorschriften für den "großen" Exorzismus neu geregelt. Wenn ich recht auf dem Laufenden bin, muß ein Fall, bei dem eine Besessenheit vermutet werden kann (nicht wird, sondern werden kann!), zunächst von Ärzten und mindestens einem Psychiater genau untersucht werden. Erst wenn die Medizin keine Therapie vorschlägt, kann mit der Erlaubnis des behandelnden Arztes UND des Ortsbischofs ein Exorzismus versucht werden. Der Exorzist muß jemand sein, der katholischer Priester UND für diese Art des Ritus ausgebildet ist. Der "Große Exorzismus" ist keine "Behandlung" und spielt sich auch nicht mit Fesselungen und ähnlichen Maßnahmen ab. Er besteht aus bestimmten Gebeten, Handlungen wie Salbung und Besprengung mit Weihwasser, Fürbitten etc. Du kannst Dir den Text in Deutsch in der Buchhandlung kaufen und selbst nachlesen, was ich Dir hier erzähle. Ich habe ihn selbst in meinen Dokumenten.

Du brauchst also keinen Nervenzusammenbruch zu bekommen und an Deiner Kirche zu verzweifeln. ;-) Auch die Mitarbeiter der Kirche(n) sind manchmal inkompetent, schwach, geltungssüchtig oder sogar unbarmherzig und grausam. Und wenn solche Menschen an einer wichtigen Schaltstelle Gewalt ausüben, kommt es zu Skandalen wie zu dem um den Fall Michel. Verwechsel das aber bitte nicht mit der allgemeinen Praxis der Kirche(n). Selbst als evangelischer Christ muß ich da Deine Kirche in Schutz nehmen. Gruß, q.

Exorzismus wird auch heute noch betrieben. Selbst in Deutschland. In der katholischen Kirche. Unser toller Papst Ratzinger (Benedikt) ist sehr interessiert,was Exorzismus angeht und hat ihn auch vorangetrieben als Chef der Glaubenskongregation. Die Exorzisten werden auch in der katholischen Kirche ausgebildet. Papst Johannes Paul II. hat,als er noch kein Papst war,selber Exorzismus betrieben. Aber Sorgen musst du dir keine machen,dass dir auch sowas passieren könnte.

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