Gesellschaftlicher Druck, Leben, Ändern?

4 Antworten

Hallo nightthinker,

bevor man sich nähere Überlegungen zu einer solchen Frage macht, ist es häufig sinnvoll festzulegen, auf welcher Ebene, man seine bevorstehende Argumentation austragen möchte. Ich bevorzuge es bei dieser Frage zb. einen soziologischen Ansatz zu verwenden, und damit einen wissenschaftlichen Standpunkt zu vertreten. 

Weiterhin finde ich es wichtig, das zu untersuchende Objekt (in dem Fall die Gesellschaft), zunächst in die einzelnen Systemkomponenten zu zerlegen, die sich später einheitlich zum Gesellschaftsbegriff aufsummieren. Das funktioniert mit der soziologischen Definition des Begriffs ,,Gesellschaft": Eine Gesellschaft bezeichnet eine bestimmte Anzahl von Personen, die innerhalb eines politischen Raums, sozial miteinander interagieren und in Verbindung zueinander stehen.

Jetzt haben wir die allgemeine oberflächliche Definition der Gesellschaft schon in Bestandteile zerlegt, und können damit untersuchen, welche dieser Bestandteile die Antwort auf deine Frage qualitativ und quantitativ unterschiedlich stark gewichten bzw. beeinflussen. Du fragst: ,,Aber das hier ist das Internet und hier kann jeder frei sagen was er denkt und deswegen wollte ich einfach mal die Frage loswerden, was man in einer Gesellschaft auch anders machen könnte und wie sie anders funktionieren könnte?"

Los geht es mit der Feststellung, dass du selber ein Mensch und damit selber ein Teil dieser Gesellschaft bist! Selbst wenn du dich nicht mit ihren Vorgaben und Werten identifizieren kannst, bist du zumindest rein statistisch und physisch ein Teil von ihr. Du findest dich unumgänglich in der Definition des Begriffs wieder, da du selber eine Person innerhalb eines politischen Raumes bist, der durch Gesetze und Pflichten gewisse Grenzen gesetzt oder Freiheiten gegeben werden. Du bist selber, ein Stückchen Gesellschaft. Das sollte man sich unbedingt bewusst machen.

Starten mit einem Umbruch könnte es also auch immer von dir selbst ausgehend. Wenn du etwas verändern möchtest, stehen dir in der heutigen Zeit genug Möglichkeiten dazu offen. Das Internet ist nur eine von vielen. Die große Frage ist, ob die von dir an deine Mitmenschen versendeten Impulse tatsächlich auch flächendeckendes Umdenken bewirken können, das sich später in Form einer Gesellschaftsänderung manifestiert.

Das ist übrigens, eines der großen Anfangsprobleme der soziologischen Systemtheorie in den 1960er Jahren gewesen, da die Grenze der Identität und des Bestandes einer Gesellschaft unklar definiert waren. Welches Ausmaß an interner Strukturänderung ist eigentlich erforderlich, damit ein Beobachter von außen tatsächlich Änderungen im System erkennt?? Diese Frage stand lange offen, bis Talcott Parsons mittels seiner Kreuztabellen als erster eine Erklärung geben konnte.

Die Frage, ob die von nur einer Person ausgehenden Impulse die Umdenken anregen sollen tatsächlich auch im großräumigen Kontext von vielen Personen gesellschaftlich wahrgenommen und hinterfragt werden, ist aus soziologischer Sicht vermutlich überaus komplex. Hinter dieser zunächst einfachen Forderung (dem Umdenken) steckt nämlich in Wahrheit die öffentliche Konfrontation gegenüber äußerst komplex strukturierten gesellschaftlichen Norm- und Wertesystemen ausgehend von den eigenen, individuellen Vorstellungen des Zusammenlebens.

Änderungen in einer Gesellschaft, erfordern nicht nur die Änderung einer Systemkomponente, sondern stets die Änderungen mehrerer Systemkomponenten in bestimmter Komplementarität und Abhängigkeit. Je nach dem, ob sich grundlegende soziologische Verhältnisse ändern sollen, oder unterteilte Feinheiten in den für alle sichtbaren Strukturen der Politik, ist ein erheblicher Unterschied. Inwiefern sind andere Systemkomponenten, in dem Fall sind das deine Mitmenschen, anfällig für von dir angeleitete Veränderungen? Und wann setzen sich die von dir angeleiteten Veränderungsbefehle im soziologischen Grundmuster einer Gesellschaft flächendeckend fest?

Wie bereits erwähnt, mehrere Dinge kommen zusammen. Einerseits, ist sicher die Art der Signalausbreitung die von dir ausgeht, von erheblichem Einfluss (medial, öffentlich, privat, offensiv, defensiv usw.). Die andere Rolle kommt dem politischen Status des Landes zu, der schließlich in eine Relation zu deiner eigenen Vorstellung gesetzt wird. Schließlich gibt es noch ethisch/moralische Aspekte. Sind die eventuell umzuleiten? Mit die wichtigste Frage ist aber wahrscheinlich: Welchem kollektiven Entscheidungsmuster folgen die großräumigen Gesellschaftsstrukturen? 

Befindet sich ein Individuum in einer stabilen, aussichtsreichen, innovativen, glücklichen Position in der Gesellschaft, wird die Wahrscheinlichkeit dafür, dass es Veränderungen herbei führen will entsprechend gering sein. Sind aber gewisse Grundmuster, Ideologien und Werte eines Individuums nicht flächendeckend mit denen der großen Gesellschaft vereinbar, ist zumindest ein Potenzial vorhanden, dass Strukturänderungen ermöglicht.

Die Frage ob Menschen gesellschaftliche Änderungen und Erneuerungen also zulassen, akzeptieren und sich mit ihnen identifizieren können, führt bei ihrer Antwort auf ein extrem eng verknüpftes Kausalmuster zurück, dass sich in der Gesellschaft als Ganzes wiederfindet. In welcher Position, sehen sich die beteiligten Individuen dabei? Wie stehen für sie, gewisse Komponenten des Systems (zb. Politik und Wirtschaft) in Abhängigkeit voneinander und inwiefern beeinflusst die von dir gewünschte Veränderung dieses Verhältnis? All das sind Fragen, die jede Person in der Gesellschaft individuell für sich selber löst, und erst das macht sie so komplex. Jede individuelle Teillösung mit der Teillösung eines anderen Individuums in Verbindung zu setzen und dann Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu finden, macht dabei den entscheidenden Punkt aus. Diese Form der aktiven Auseinandersetzung individueller Ideologien, führt zur Entstehung von neuen übergeordneten Grundmustern, die sich nach ihrer Ausbildung in bestimmter Form in der Gesellschaft wiederfinden.

Lg Nikolai

Richtig nett, dass du dir für die Antwort so viel Zeit und so viel Mühe gegeben hast. 
Aber ich hatte eher mit einer ganz persönlichen und subjektiven Meinung von anderen Individuen gehofft. 
Die Umstände klar zu machen und die Gesellschaft zu definieren ist bestimmt ein guter Schritt, aber auch ein bisschen lang und zu Wikipedia-mäßig, wenn du meinst was ich meine. 
Dann kann ich auch einfach nachlesen, aber mich interessiert was jeder Einzelne von der "Gesellschaft" denkt, was auch immer das für den jenigen sein mag.

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@nightthinker

Und wieso bringst du das in deiner Frage, dann nicht so zum Ausdruck?  Wo ist da die Rede davon, dass es dich interessiere, was jeder einzelne von der Gesellschaft denkt!? Du fragtest: ,,...deswegen wollte ich einfach mal die Frage loswerden, was man in einer Gesellschaft auch anders machen könnte und wie sie anders funktionieren könnte?"

Darauf hast du von mir eine Antwort erhalten, die sich auf soziologische Erkenntnisse stützt. Vielleicht liest du dir die Antwort nochmal aufmerksam durch und siehst, dass da weitaus mehr steht als nur eine Definition von Gesellschaft.

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Wer ist die Gesellschaft? - In eigenartige Weise wir - also ändern wir unsere Gesellschaft indem wir uns ändern. Wir geben den Druck nach - oder auch nicht. Wir machen selber Druck. Wir geben auf. Wir beginnen neu. Versuchen etwas anderes. Geben auf. Und leben dann neu.

Wenn wir tiefe Gespräche suchen, verstören wir vielleicht manche. Das stört uns. Es stört uns nicht. Wir sind stolz darauf - oder wir schämen uns dafür. Wir suchen Menschen, mit denen wir darüber reden können, im Internet, im Leben. Wir probieren aus mit völlig Unbekannten zu reden.

Wir tun etwas Verrücktes, etwas Unsinniges. Nichts passiert.

Wir können es wieder tun. Es ist nicht sinnvoll, aber niemand kann es uns verbieten.

Wir können andere die Schuld für unser nicht gelebtes Leben geben. Wir können auch selber gestalten. 

Wir tun einfach das, was die anderen wollen. 

Oder: Wir übergeben unser Leben Gott und leben selber unser Leben.

Wie meinst du das mit "Gott übergehen" ?
Wäre cool, wenn du das noch ein bisschen weiter ausführen würdest.

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@nightthinker

"übergeben" - nicht "übergehen".

;)

Das ist das Gegenteil. Weiß nicht so recht, wie das geht, ich laboriere noch daran. - Was willst du wissen?

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Ich begann vor fünfundzwanzig Jahren mit Chi Gong - nun lerne ich meine neun Sprachen, mache Bewegungen aus sieben Kampfsportarten, gehe wählen, bin in der Kirche aktiv, bei amnesty international, Schiedsrichterbetreuer, Platzorder, Platzkassierer, in sechs Sportvereinen, wurde zum Golfen eingeladen,reise lese einiges, spreche mit vielen Menschen.... und verändere die Welt.

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