Freundin gläubig geworden oder verrückt?

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Guten Morgen, BluBalu,

im Grunde hast Du Dir die Antwort schon selbst gegeben. Du beobachtest, daß es Deiner Freundin wesentlich besser geht als vorher, kannst die Erfahrung, die sie gemacht hat, auf der anderen Seite nicht nachvollziehen. 

Es gibt solche Bekehrungserlebnisse. Sie sind nicht gerade alltäglich, kommen aber vor. Die Bekehrung des Apostels Paulus, der, als er noch Christen verfolgte, Saulus hieß, ist geradezu sprichwörtlich geworden: 'Vom Saulus zum Paulus' sagt man, wenn jemand seine Ansichten und seine Lebensweise radikal geändert hat. 

Du wirst wahrscheinlich zwei Arten von Antworten auf Deine Frage erhalten. Viele werden sagen, es gibt keinen Gott und Deine Freundin ist einem religiösen Wahn verfallen, der behandlungsbedürftig ist. Was aber würde ihr nach einer solchen Behandlung bleiben? Der Absturz in eine totale Leere und Sinnlosigkeit.

Andere werden Dir raten, Dich ebenfalls zu bekehren und Jesus als Deinen Herrn und Heiland anzunehmen, wie es Deine Freundin bereits tat. Dies wäre ein Weg, um mit ihr zusammenbleiben zu können - nur ist es - fürchte ich - kaum möglich, selbst zu beschließen, ein gläubiger Mensch zu werden. Sobald Dein Motiv nicht die Liebe zu Gott, sondern der Versuch wäre, Deine Freundin zu behalten, wäre die Bekehrung wahrscheinlich keine echte.

Bei religiösen Erlebnissen ist es ausgesprochen schwierig, vielleicht gar unmöglich, zu entscheiden, was davon im Gehirn produziert wurde, und was wirklich objektives Erleben ist. Wahrscheinlich geht eins ins andere über. Gott kann schließlich auch über unsere Gedanken mit uns in Kontakt treten.

Was also soll ich Dir raten? Vielleicht, daß Du Dich auf den Gedanken einläßt, Deiner Freundin sei wirklich etwas Gutes widerfahren - immerhin geht es ihr wesentlich besser als vorher. Wenn Du Gott nicht völlig ablehnst, könntest Du mit ihr über ihre Erfahrungen reden. Auch wenn Dir manches sehr fremd erscheinen mag - nimm Deine Freundin in diesem Punkt ernst und höre ihr zu. Vielleicht lest Ihr gemeinsam in der Bibel und tauscht Euch über Eure Gedanken aus. Menschen, die gerade gläubig geworden sind, fallen gern auf Fanatiker herein, die sie mit frommen Sprüchen ködern und ihnen ihre eigene Sicht der Dinge überstülpen. Ich persönlich halte Gott für längst nicht so engstirnig wie viele, die in seinem Namen große Reden führen. Du könntest für Deine Freundin also die Stimme der Vernunft werden, die sie davor bewahren kann, alles Religiöse unkritisch aufzunehmen. Gott hat uns den Verstand nicht gegeben, damit wir ihn an der Kirchentür abgeben.

Du könntest sogar mit Deiner Freundin beten. So zeigst Du ihr, daß Du sie nicht verachtest oder für verrückt hältst und - wer weiß - vielleicht machst Du so auch eigene religiöse Erfahrungen, wenn auch nicht so spektakuläre.

Aus meiner Antwort kannst Du ersehen, daß ich nicht neutral bin. Bei aller Skepsis gegenüber einem wie auch immer gearteten organisierten Christentum bin ich doch ein Mensch, der an Gott glaubt. Deshalb mußt Du bei meiner Antwort beachten, daß ich in dieser Frage nicht unvoreingenommen bin. Jedenfalls denke ich, daß Ihr beide keinen einfachen Weg vor Euch habt, daß es aber ein Weg sein wird, der auf keinen Fall langweilig ist und Euch beiden reiche Erfahrungen und Begegnungen bringen kann.

Ich wünsche Dir und Deiner Freundin alles Liebe und Gute,

Willy

"Gott hat uns den Verstand nicht gegeben, damit wir ihn an der Kirchentür ablegen" das ist süd :,D wenn alles in der Bibel stimmte, hätte er uns garkeinen Verstand gegeben. Aber ich glaube auch dass die Geschichte von Adam und Eva frei erfunden ist. Trotzdem bin ich Gläubig ;D. Du hast hier wahrscheinlich den einzigen sinnvollen Kommentar hinterlassen. Das ist hier mehr unparteiisch und passt deshalb besser.

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Danke für deinen langen tollen Kommentar! Ich werde noch ein wenig Zeit brauchen das alles zu verstehen und zu wissen wie ich weiter mit ihr ein gemeinsames glückliches Leben führen kann.

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im Grunde hast Du Dir die Antwort schon selbst gegeben.

Nein ganz sicher nicht.

Du beobachtest, daß es Deiner Freundin wesentlich besser geht als vorher

Eine beliebige Einschätzung. Eine Psychose ist auch eine Schutzreaktion und verbessert sozusagen die Situation. Ob Verdrängung oder eine derartige psychische Kompensation eine längerfristige Verbesserung darstellt, kann man bezweifeln, bzw. wird sich erst noch zeigen.

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Eine sehr schöne Antwort!

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DH besser gemeinsam nach Wahrheit suchen statt gegenseitig nach Krankheiten

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@Willy1729

Ich hab deine Antwort auch sehr gerne gelesen. Es kommt selten vor das jemand das Thema Religion so direkt mit der Wahrheitssuche verbindet. Du musst wohl ein spezieller Willy sein.

LG Yannik 

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@YDerKellerY

Deine Worte fand ich aber auch sehr schön und beherzigenswert. Vielen Dank. Willy

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Danke für den Stern. Herzliche Grüße, Willy

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Toller beitrag DH!

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Vielleicht hatte deine Freundin ein Erlebnis, welches sie zu dieser Überzeugung gebracht hat, es gibt ja, wo selbst Menschen, die bis dahin Atheisten waren, sagen das ist was übernatürliches im Spiel.

Oder bei ihr haben irgendwann mal diese Leute geklingelt, die gerne mit so solchen bestimmten Heftchen rumgehen (Glaube du weist , welche Heftchen ich meine!) und sie hat sich davon inspireiren lassen,ist also mehr oder weniger in diesem Bann geraten.  Denn Menschen die sich in einer Ausweglosen Situation glauben, sind manchmal sehr leichte Ziele für diese Gruppe.

Das mit den Träumen und dem anschließenden Nachschauen, das kann so ein, aber es kann auch sein, dass sie diese Stellen doch irgendwann schonmal gelesen oder gehört hat, oder vielleicht sogar beides. Und das diese Träume die Erinnerung daran wach rufen.

Das Ganze kann auch etwas sein, an das sie sich klammert, weil sie darin (durch was auch immer) trost gefunden hat.

Rede ruhig mal mit deiner Freundin, sage ihr, :"Du  findest es schön , das es ihr wieder besser geht, du aber das Gefühl hast, sie übertreibt in einigen Punkten.

Ich glaube auch, das es etwas höheres gibt , eine höhere Macht, aber ich sage nicht , sie heißt "Gott" oder sonst irgendwie.

Man brauch auch nicht jedes mal die Bibel zu lesen , um zu beweisen , dass man gläubig ist. Der Glaube ist nicht abhängig von einem Buch oder einem Gebäude. Der Glaube kommt von innen heraus.

Da sich deine Freundin in vielen Bereichen so positiv verändert und entwickelt hat, wäre es bestimmt sinnvoll, den Grund dafür zu untersuchen. Da die Bibel die Grundlage des christlichen Glaubens ist bzw. sein sollte, könnte es für euch interessant sein, gemeinsam dieses Buch zu studieren und nach Antworten zu suchen. Ihr könntet beispielsweise mit dem Johannes-Evangelium anfangen und danach den Römer-Brief lesen. Wenn ihr euch über das, was ihr lest, austauscht, könnte das für eure Beziehung sehr segensreich und positiv sein, da du deine Freundin und ihren Glauben vielleicht besser verstehen lernst. Mehr als etwas Zeit, die ihr mit einem Klassiker der Weltliteratur verbringen würdet, hättet ihr nicht zu verlieren. Nach meiner Meinung hättet ihr aber viel zu gewinnen.

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