Duales Studium vs. Studium?

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Bei dualen Studiengängen würde ich im Einzelnen sehr genau hinsehen. Ich denke die "Vorteile" brauche ich hier nicht zu wiederholen, die werden ja von jedem Anbieter zur genüge angeprisen. Daher zu den Contra Punkten:

  • Bei einem dualen Studium ist der Blick über den Tellerrand eingeschränkt. Ein Studium sollte Raum lassen eigene Schwerpunkte zu setzten und fachlich auch mal in Nachbardisziplinen rein zu schauen. Oft sind duale Studiengänge so eng auf das Unternehmen zugeschnitten, dass es eher einer Ausbildung ähnelt als einem Studium.
  • Es gibt keine Möglichkeit andere Unternehmen durch Praktika kennenzulernen. Dafür hat man schlicht weg keine Zeit. Zeit ist zwar auch in anderen Studiengängen Mangelwahre, aber bei diesem Modell fällt auch die Möglichkeit weg sich für ein Praktikum ein Urlaubssemester zu nehmen.
  • Man ist an ein Unternehmen gebunden und von diesem abhängig. Die Intereseen verschieben sich etwas, man würde den Schwerpunkt lieber anders legen... alles nicht möglich.
  • Die Doppelbelastung schränkt das typische Studentenleben ein und Semesterferien gibt es praktisch nicht, sondern nur rund 30 Urlaubstage. Semsterferien gibts eigentlich eh nicht sondern nur eine Vorlesungsfreie Zeit. Allerdings kann man sich als normaler Student zumindest noch aussuchen ob man die hälfte dieser Zeit Urlaub macht und danach die Nächte durchschreibt. ;)
  • Auslandsaufenthalte sind kaum möglich insofern sie nicht schon fester Bestandteil des dualen Studiums sind.

Wie sinnvoll ein duales studium ist hängt stark vom Fach, den persönlichen Interessen und der einzelnen ausgestaltung des Studiengangs ab. Wer einen sicheren Berufseinstieg sucht ist hier richtig. Wer im Studium jedoch die Gelegenheit zum gedanklichen Experiment und intellektuellen Austausch sucht und mit Studieren die Chance verbindet, sich auch mit Dingen zu befassen, die sich nicht unmittelbar anwendbar sind, der sollte sich was anderes suchen.

Ergänzung: Hier (http://www.wegweiser-duales-studium.de/erfahrungsberichte/) in den Erfahrungsberichten wird von den dualen Studenten schon berichtet, dass ein duales Studium super anstrengend ist. Aber es hat, soweit ich das richtig gelesen habe, sich auch noch keiner beschwert bzw. über einen Abbruch nachgedacht.

Du solltest dir auf jeden Fall die Vorteile und Nachteile genau angucken, dich mit dualen Studenten unterhalten und auch mit Studienberatern sprechen. Nur so kannst du die passende Entscheidung treffen. Viel Erfolg!

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@MichelB

Aber es hat, soweit ich das richtig gelesen habe, sich auch noch keiner beschwert bzw. über einen Abbruch nachgedacht.

Kein Wunder, bei nem Abbruch müsste man ja auch das ganze Geld was man bekommen hat zurückzahlen. Wer soll sich das leisten können?

Hier gibt es übrigens noch eine gute Studie zum dualen Studium: http://www.uni-due.de/de/presse/meldung.php?id=7508

Nicht nur lesen, auch verstehen. Erstens sind solche Mitteilungen von Institutionen die selber duale Studiengänge anbieten mit Vorsicht zu genießen (das gilt auch für den ersten link). Klar steht da vorwiegend positives, die wollen ja auch dass man das studiert. Zweitens sagen die Ergebnisse der "Studie" überhaupt nix über die Qualität des Studiums oder die späteren Berufschancen aus. Da geht es einzig und allein darum, welche Art Mensch ein duales Studium beginnt, und das seien laut Ergebnis hauptsächlich junge, deutsche, männliche Arbeiterkinder, was auch nicht verwunderlich ist da das Studium 1. bezahlt wird (Arbeiterkinder sind ja häufig aus finanziell schwachen Familien) und 2tens sich die meisten Angebote auf wirtschaftliche oder technische Branchen beziehen = Männerdomänen. Drittens beruht diese "Studie" nicht auf einer wissenschaftlichen Untersuchung, sondern auf einer persönlichen Befragung der dualen Studenten. Dass man dadurch nur ein sehr einseitiges Bild bekommt, weil die ja auch keine Vergleichsmöglichkeiten haben, sollte klar sein.

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@Mandava

Ob man Geld zurückzahlen muss, hängt von den Vertragskonditionen ab. An der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, die den überwiegenden Anteil von Dualen Studenten stellt, gibt es keine solchen bösen Klauseln in den Verträgen! Also bitte genau drauf achten wo Ihr studiert und was im zugehörigen Vertrag steht!

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@JoachimF

Die Hochschulen stellen solche Klauseln auch nicht, sondern die Unternehmen, die das Studium ja schließlich finanzieren.

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@Mandava

An der Dualen Hochschule in BW gibt es einen Standard-Vertrag in dem keine solchen Klauseln enthalten sind. Und dieser Vertrag darf in dieser Hinsicht auch nicht geändert werden!

Also gitl wirklich: Kein Rückzahlung bei Studienabbruch an der DHBW!

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@JoachimF

An der Dualen Hochschule in BW gibt es einen Standard-Vertrag in dem keine solchen Klauseln enthalten sind.

Ok, also nochmal: Es geht hier nicht um den Vertrag zwischen Hochschule und Student, sondern um den Vertrag zwischen Student und Firma. Und im vorgefertigten Vertrag von der DHBW für die Firmen (dort Ausbildungsstätte genannt) steht ganz deutlich drin, dass diese beim vorzeitigen Auststieg des Studenten Schadenersatz verlangen können.

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@susicute es ist sicherlich nicht falsch was du schreibst, aber seit der Bologna Reform ist es kein Alleinstellungsmerkmal dualer Studierender nicht über den Tellerrand gucken zu können. Jeder, der ein Bachelorstudium absolviert, wird festgestellt haben, dass es in den meist drei Jahren überhaupt nicht möglich ist, sich mit Inhalten zu beschäftigen, die nicht Teil des Lehrplans sind.

Allerdings doch falsch sind die Behauptungen über Praktika und Auslandsauffenthalte. Auslandssemester/ Auslandspraxisphasen sind relativ oft Bestandteil dualer Studiengänge. Wer unbedingt ins Ausland möchte, sollte sich halt vorher informieren ob das in dem jeweiligen Studiengang/Unternehmen möglich ist.

In einem praxisintegrierenden Studium kann man sehr wohl ganz viele verschiedene Unternehmen kennen lernen. Es ist nicht so, dass der Studierende jahrelang an das gleiche Praxisunternehmen gebunden ist.

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@theAnswer3

Jeder, der ein Bachelorstudium absolviert, wird festgestellt haben, dass es in den meist drei Jahren überhaupt nicht möglich ist, sich mit Inhalten zu beschäftigen, die nicht Teil des Lehrplans sind.

Das ist Quatsch. Die meisten Bachelor-Studiengänge sind doch gerade darauf ausgelegt, z.B., im Professionalisierungs- oder im Optionalbereich fachfremd zu studieren. Außerdem hat jede Uni ein Sprachzentrum und Praktika sind inzwischen auch oftmals vorgeschrieben und in die Regelstudienzeit integriert.

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@Mandava

@mandava: Nein, ist es nicht.

Mit über den Tellerrand blicken ist nicht gemeint, dass ich mal ein Praktikum machen darf (das NATÜRLICH inhaltlich direkt mit meinem Studium verknüpft ist). Wenn ich mich innerhalb meines Fachbereichs spezialisiere, hab ich auch noch nicht über den Tellerrand geblickt. Und wenn ich im Sprachzentrum chinesich lerne, ist das toll für CV und meinen späteren Arbeitgeber, der mich dann bei der Expansion im asiatischen Raum ganz gut gebrauchen kann. Aber für mich und meinen persönlichen Horizont?! Ich weiss ja nicht...

Bleibt also die Frage: Was bringt mir der Blick über den Tellerrand, wenn von außen diktiert wird, wann ich wie lange in welche Richtung gucken darf?!

Deshalb nochmal: Ein Bachelorstudium innerhalb von drei Jahren birgt nicht die Möglichkeit individuell über den Tellerrand schauen zu können. Diese drei Jahre sind so dermaßen voll, dass es nicht möglich ist, nach eigenem ermessen und Interesse den eigenen Horizont zu erweitern. Das sind meine Erfahrungen mit dem Bachelorstudium.

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@theAnswer3

"Die Doppelbelastung schränkt das typische Studentenleben ein und Semesterferien gibt es praktisch nicht, sondern nur rund 30 Urlaubstage. Semsterferien gibts eigentlich eh nicht sondern nur eine Vorlesungsfreie Zeit. Allerdings kann man sich als normaler Student zumindest noch aussuchen ob man die hälfte dieser Zeit Urlaub macht und danach die Nächte durchschreibt. ;)"

naja, sehe ich nicht als nachteil, bzw kommt es auf das unternehmen an. bei uns gab es freistellungen zur pfüfungsphase sowie eben die genannten 30 urlaubstage, die auch nur in den semesterferien genommen werden mussten, womit man also durchaus auskommt... wenn man bedenkt, dass man sonst wohl für das geld, das man bekommt auch jobben gehen müsste (und das dazu noch fachfremd), wäre der zeitraum ähnlich knapp bzw teilweise noch begrenzter, weil man weniger verdient bzw flexibler arbeiten muss (zb nächte in bars um die ohren hauen und das auch während des semesters, wo man im dualen studium, zumindest bei einigen, einfach normal weiter sein geld bekommt)

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@theAnswer3

Mit über den Tellerrand blicken ist nicht gemeint, dass ich mal ein Praktikum machen darf

Das habe ich auch nicht als hauptsächlichen Gegenbeweis angeführt, sondern die Tatsache, dass viele Hochschulen einen Professionalisierungs- oder Optionalbereich integriert haben. Informiere dich erst mal, was das genau ist - dann können wir gerne weiter diskutieren. Hier als Beispiel der OB der RUB: http://www.ruhr-uni-bochum.de/optionalbereich/sites/geb1/geb1_aktuelles.shtml Klick dich doch mal durch die einzelnen Gebiete.

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Auch ein duales Studium ist ein "richtiges Studium". Man macht neben dem Studium eine (verkürzte) Lehre hat also am Ende einen Lehr- und einen Studienabschluss. Es gibt Erleichterung im Hinblick auf die Präsenzzeiten im Betrieb und an der Hochschule (Betrieb und Hochschule stimmen sich dazu ab), das ist alles. Die Belastung ist bei einem solchen dualen Studium hoch allerdings stellen Arbeitgeber bevorzugt soche Absolventen ein.

allerdings stellen Arbeitgeber bevorzugt soche Absolventen

Das mag für die Firma gelten bei der manb das duale Studium gemacht hat. Weder in fachfremden Beriechen, noch in anderen Branchen, noch bei anderen Firmen hat man als dualer Student bessere Chancen als ein Uniabsolvent. Eher schlechtere.

Auch ein duales Studium ist ein "richtiges Studium"

Würde ich so auch nicht unterschreiben, wobei es natürlich darauf ankommt, wie man "Studium" definiert. Ich sehe das duale Studium eher als ne etwas bessere Ausbildung. Man bekommt nur halb so viel Theorie vermittelt wie in einem Präsenzstudium, und die beschränkt sich auch noch auf den jeweiligen Fachbereich. Außerdem fällt die Wahlfreiheit was Inhalte angeht komplett weg und das macht, so zumindest meine Meinung, ein Studium erst aus.

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Taugt das duale Studium was?

Ja, wenn man es bei einer großen, bekannten Firma im Bereich Wirtschaft macht. Dann, so die Statistik, verdient man nach dem Abschluss genausoviel, teilweise sogar etwas mehr als Uniabsolventen. Große, bekannte Firmen gibt es aber nicht sehr viele und die Auswahlbedingungen sind streng. Die meisten Interessenten kommen bei kleinen oder mittelständischen Unternehmen unter und da sind die Aussichten nicht ganz so rosig. Warum liegt auf der Hand: In einem dualen Studium lernt man eine bestimmte Firma und deren Arbeitsabläufe von A-Z kennen. Dabei bekommt man natürlich auch etwas vom großen Ganzen mit, insgesamt wird einem aber viel weniger Fachwissen vermittelt als auf der Uni. I.d.R. wird man nach dem dualen Studium vom Ausbildungsbetrieb übernommen. Wenn das Unternehmen aber nicht will, oder man selbst gemerkt hat dass die Branche doch nix für einen ist, wird es schwer, woanders unterzukommen. Im Studium hat man, z.B. mit BWL, eine große Bandbreite an möglichen Berufen. Man muss sich auch nicht sofort entscheiden sondern kann erst mal den Bachelor, ggf. später noch den Master machen (mit einem dualen Studium ist es übrigens auch nicht leicht nen Master zu finden, weil dafür bestimmte Kurse oder ein bestimmtes Fachwissen vorausgesetzt wird.). Nach dem Unistudium kann man sich Branche und Firma nach Geschmack und Studienprofil aussuchen, man hat also viel Spielraum bei den Gehaltsverhandlungen. Das ist bei einem dualen Studium nicht so. Entweder man bleibt da bei seiner Firma, wo man auch die Ausbildung gemacht hat, oder man sucht sich ne andere Firma, konkurriert dann aber mit Uniabsolventen.

Ein Vorteil ist der hohe Praxisbezug und das dir das Studium bezahlt wird. Auch hier gibt es jedoch Nachteile: Stellst du während des Studiums fest, dass es nix für dich ist, packst du den Stoff nicht oder musst aus sonstigen Gründen auffhören, dann musst du das Geld komplett zurückzahlen. Es ist auch nicht möglich, zwischendurch mal ins Ausland zu gehen, nen Spachkurs zu belegen oder sonstiges, wie das bei einem Unistudium der Fall ist. Auch beim Unistudium sollte/muss man übrigens mehrmonatige Praktika machen, so ganz ohne Praxiserfahrung geht man also nicht von der Uni. Bezahlt wird das ganze entweder mit Bafög oder durch die Unterhaltpflicht der Eltern.

Alles in allem würde ich dir zu einem Studium an der Uni raten. Das gilt umso mehr, je weniger du dir bez. deines späteren Berufes sicher bist.

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