Augustinus Zitat Erläuterung/Interpretation?

3 Antworten

Du stellst die entscheidende Frage, was hat Augustinus unter Gerechtigkeit verstanden im Sinne einer staatlichen Legitimation.

Er bezog sich dabei auf die Definition von "Gerechtigkeit" wie sie auch heute noch im Katechismus des Vatikans nachzulesen ist (Nummer 271):

"Die göttliche Allmacht ist keineswegs Willkür: ,,In Gott ist Macht und Wesenheit und Wille und Verstand und Weisheit und Gerechtigkeit dasselbe. Daher kann nichts in Gottes Macht stehen, was nicht auch in seinem gerechten Willen und in seinem weisen Verstande sein kann""

Gerechtigkeit meint also nicht das, was wir heutzutage darunter verstehen im Sinne von menschlicher Fairness oder Rechtsstaatlichkeit im Sinne des Humanismus.

Gerechtigkeit in dem Sinne meint, dass ein Staat nur dann gerecht (und legitim) ist, wenn dort die göttliche Allmacht herrscht, die durch den Papst bzw. die katholische Kirche vertreten wird. Ein Staat, in dem die katholische Kirche keine Macht hat, kann daher auch nicht gerecht sein.

Ich würde das Zitierte nicht als Definition für den Begriff der Gerechtigkeit verstehen, sondern als Erklärung dafür, was göttliche Allmacht meint und, vor allem, was sie nicht meint.

Die Interpretation sehe ich unabhängig davon nicht aus dem Zitat hervorgehen. Augustinus' Gerechtigkeitsbegriff dürfte mit unserem (so man denn pauschal von „unserem Gerechtigkeitsbegriff“ sprechen kann) nicht deckungsgleich sein, aber auch nicht disjunkt.

0

„Aufgabe der Gerechtigkeit ist es, jedem das Seinige zuzuteilen, wodurch im Menschen eine gewisse Ordnung der Natur aufgerichtet wird, so dass die Seele Gott und das Fleisch der Seele unterworfen wird. Gegenüber der göttlichen Gerechtigkeit ist die menschliche Gerechtigkeit allerdings durch den Sündenfall immer unvollkommen" (Augustinus, De civitate). Dennoch sind die Tugenden, und hier insbesondere die Kardinaltugenden für das irdische Leben wichtig, da es erst hierdurch eine natürliche Ordnung erhält (s. hierzu Augustinus in De civitate Dei, XIX 27 und Wikipedia). Augustinus sieht die Gerechtigkeit dabei auch als Anforderung an die weltliche Herrschaft, welche ohne Gerechtigkeit lediglich eine große Freibeuterei sei.

Da der Staat diesen hohen Gerechtigkeitsanspruch, der auf die göttliche Gerechtigkeit bezogen ist, nicht erfüllen kann, sind so gut wie alle Staaten nach Augustinus Meinung Räuberbanden.

Der Gerechtigkeitsanspruch des Augustinus taugt deshalb nicht als Maßstab für die Staaten auf dieser Erde. Realistischer ist da der Gerechtigkeitsbegriff des Aristoteles.

Das ist wohl die Frage nach Demokratie.

Diktatur, oder demokratische Beteiligung der Bevölkerung an volksentscheidenen, wievelen grundlegenden Richtungsweisungen?

Mit Demokratie hat das nichts zu tun. Augustins Wirken fällt in eine Zeit, in der die Römischen Reiche (es gab spätestens ab 395 zwei davon) Dominate waren (der Kaiser ließ sich als „Herr“ anreden und mit Niederwerfung begrüßen), und auch die wandernden germanischen Stämme hatten Könige, wobei deren Macht wohl begrenzter war.

Es geht Augustin im Grunde um nichts anderes als die wichtigste Aufgabe von Staat überhaupt - unabhängig von der Staatsform: Seine Bürger/Einwohner vor Gewalt und Verbrechen zu schützen. Staat, der das nicht leisten kann oder will, hat nach Augustins Verständnis keine Legitimität.

0

Was möchtest Du wissen?