Arbeit als Theoretischer Physiker?

5 Antworten

> ...wo man den ganzen Tag nur in einem Büro steht, nachdenkt und ab und zu etwas auf eine Tafel schreibt/rechnet...

ja, das ist weitgehend so.Theoretische Physiker arbeiten entweder mit Bleistift und Papier oder numerisch am Computer. Ich kenne z.B. theoretische Physiker die Bandstrukturrechnungen für komplizierte Materialien durchführen. Solche Berechnungen erfordern sehr tiefes Wissen über Festkörperphysik und die darin benötigten quantenfeldtheoretischen Methoden (Feynman Graphen, etc...).

Dieses Wissen eignet man sich über Jahre an, bis man so gut darin ist, in vorderster Reihe publizieren zu können.

Das heißt aber nicht, dass man immer an sensationellen Theorien arbeitet; meistens ist es nur ein ganz winziger Mosaikstein, den man ausgestaltet und publiziert. Wirklich große Treffer gelingen nur den wenigsten.

Es herrscht in der Wissenschaft extremer Publikationsdruck: wer nichts publiziert ist weg vom Fenster. Dadurch leidet die Qualität oft zu Lasten der Quantität. Das kann nach einiger Zeit zu Erschöpfungszuständen und Ausgebranntheit führen (bei mir war es so).

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Studium technische Physik, promoviert in Festkörperphysik

genau darüber habe ich eben auch noch nachgedacht hahahaha

versuchen eine theorie zu beweisen die nicht zu beweisen ist, forschungsgelder beantragen und es für eigene zwecke auszugeben haha

aber nein man steht nicht wie sheldon vor so einer tafel wie in big bang wo man ganzen tag seine gleichungen anstarrt, das macht nur sheldon so

"Je nachdem was genau du machen willst ist es weniger wahrscheinlich:

Während des Studiums:

  • Bachelorarbeit: Während der Bachelorarbeit wirst du an einem Institut (an einer speziellen Fragestellung) arbeiten. Auch in der theoretischen Physik gibt es hier einige Angebote. Gehalt gibts natürlich nicht und geht auch nur um die 3 Monate. Machen alle Physikstudenten (allerdings auch viele in Experimentalphysik)
  • Masterarbeit: Hier wirst du vermutlich schon länger in deinem jeweiligen Institut bleiben. Machen noch die meisten Studenten. Meistens kein Geld.
  • Doktorarbeit: Hier arbeitest du schon richtig mit. Meist bist du tatsächlich ein Angestellter im Institut (allerdings oft nur mit einer halben Stelle, also halbes Gehalt. Arbeiten darst trotzdem Vollzeit). Je nachdem wie gut es geht dauert die Arbeit 1 bis einige Jahre. Machen noch einige, die meisten gehen entweder davor oder danach von der Uni ab.
  • Postdoc: Das sind die "normalen" Forscher. Sie sind tatsächlich an der Uni angestellt und wollen das meist auch lange bleiben. Oft ist das Ziel Professor zu werden. Als Postdoc leitet man oft eine Gruppe von Forschern, die größtenteils aus Studenten besteht die ihre Bacherlor- Master- oder Doktorarbeit schreiben.
  • Professor: Das wäre die letzte Stufe. Professoren sind nicht nur in der Lehre beschäftigt sondern vor allem auch in der Forschung. Sie haben eine oder mehrere Arbeitsgruppen unter sich und koordinieren deren Arbeit. Sie sind auch diejenigen, die bei tatsächlichen Erkenntnissen ganz oben stehen (und natürlich meist selber auch einiges beitragen...).

Bis zum Master geht es noch gut, Wettbewerb gibts wenig, man kommt gut an die Arbeiten. Einfach ist das Studium natürlich nicht, aber man kanns machen.

Eine Doktorarbeit zu finden ist auch noch gut möglich. Sie zu schreiben braucht aber einiges an Ausdauer und Fähigkeit. Der Doktorgrad wird einem in der Physik (genauso wie in den meisten Studiengängen) nicht hinterhergeschmissen.

Ab dem Postdoc wirds dann haarig. Ich hab eine Zahl von 5-10% im Kopf an Studenten, die nach dem Studium an der Uni in der Forschung weiterarbeiten. Hier gibts Konkurrenz ohne Ende, man muss schauen wo die Forschungsmittel herkommen und wo man eine offene Stelle findet. Nur wer sich hier lange beweist und zeigt, was er draufhat, hat die Chance, Professor zu werden." -https://www.gutefrage.net/frage/beruf-theoretischer-physiker

Das beantwortet aber nicht die Frage was man macht wenn man schon studiert hat und man dann als Theoretischer Physiker bei einer Universität angestellt ist.

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@ClerkMaxwell77

die forschen, je nach schwerpunkt halt.

In der regel, mit dem ziel, professor zu werden

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Was macht man als Theoretischer Physiker den ganzen Tag?

dasselbe was ein experimentalphysiker den ganzen tag macht: er/sie sitzt am Computer.

man schreibt projektanträge damit man das jahr darauf nicht arbeitslos ist, erstellt schöne graphiken für die nächste Publikation, sitzt in Seminaren rum, ärgert sich mit den Referees rum und überarbeitet teile der Publikation wieder, ärgert sich mit anderen Referees rum und überarbeitet teile des projektantrags wieder, bastelt an slides für vorträge, hält dies vorträge dann, erstellt Vorlesungen und übungseinheiten für studierende (außer man ist an einer außeruniversitären forschungseinrichtung angestellt) und hält diese einheiten dann, sitzt in Seminaren rum, überfliegt die neuesten Publikationen der letzten tage und ärgert sich warum man nicht zitiert wird obwohl die eigene arbeit doch klar erwähnenswert wäre, und dann sitzt man noch ein bisschen in Seminaren rum.

und manchmal, wenn gerade ein bisschen zeit frei ist, forscht man vielleicht auch ein bisschen ;-)

deine frage bezieht sich wahrscheinlich mehr auf die konkrete forschungsarbeit (wobei das oben aufgezählte auch alles zum job dazugehört, das darf man nicht unterschätzen)

ich denke dass viele menschen hier eine komplett falsche Vorstellung haben. niemand sitzt im Büro rum und wartet auf die große Eingebung die die Erkenntnis bringt. das ist normalerweise "harte arbeit", soll heißen es gibt hunderte sachen die man ausrechnen muss, überprüfen muss, herleiten muss, am besten zur Sicherheit nochmal mit einer anderen Methode rechnen, cross-checks mit bekannten Ergebnissen machen, Computerprogramme schreiben für numerische Analysen, Computerprogramme debuggen weil sie natürlich nicht funktionieren, fehler in der Rechnung suchen wenn sich irgendwo ein cross-check nicht ausgeht, usw..

hier etwas weiterzubringen ist oftmals einfach eine frage davon wie viel zeit man zur verfügung hat, d.h. es ist in 90% der fälle schon so dass wer doppelt so viel zeit reinsteckt auch doppelt soviel weiter bringt. nur mit rumsitzen und nachdenken wird nicht viel passieren ….

außerdem sollte man sich darüber bewusst sein dass nur ein sehr kleiner teil der theoretischen Physiker über revolutionäre modelle zur Beschreibung des Universums nachdenkt (die sowieso zu 99% alle falsch sein müssen - schon alleine deshalb weil sie ja nicht alle gleichzeitig richtig sein können). ich denke hier gibt es eine ziemlich verzerrte mediale Wahrnehmung. das meiste sind halt irgendwelche hochspezialisierten Berechnung für irgendwelche sehr konkreten, limitierten Problemstellungen um vielleicht irgendwo die Präzision eines theoretischen modells um ein paar prozent zu erhöhen. nur damit wird halt niemand berühmt.

Witzigerweise kann das tatsächlich so ähnlich sein, wie du oben schreibst.

Man denkt nach, probiert viel aus...auf einem Blatt Papier mit einem Stift, aber auch meinetwegen an Tafeln. Heutzutage ist auch die Rolle des Computers potentiell sehr groß dabei (programmieren, Simulationen durchführen). In der Regel redet man mit anderen Leuten darüber was man tut, besucht Meetings, wo man Fortschritte bespricht. Gibt Seminare, hält Vorträge. Arbeitet häufig auch eng mit Experimentatoren zusammen. Wenn etwas fertig ist, schreibt man eine Veröffentlichung in einem wissenschaftlichen Journal über seine Arbeiten. Wenn man Professor ist, lehrt man in Vorlesungen. Man hat andere administrative Aufgaben unter Umständen und als Professor schreibt man Anträge für Forschungsgelder.

Es gibt aber tatsächlich theoretische Physiker an Universitäten, die tatsächlich einen großen Teil ihrer Zeit damit verbringen, einfach da zu sitzen und mit einem Blatt Papier und einem Stift neue Ideen zur Beschreibung des Universums zu entwickeln.

Das ist eigentlich der einzige ernstzunehmende Teil von Big Bang Theory.

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