Adorno: Entkunstung der Kunst?

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N´Abend. Adorno hat (fast verzweifelt) versucht, aufzuzeigen, daß die Errungenschaften der Aufklärung durch eine falsche Adaption des Bedürfnisses, den Sinn und Wert der eigenen Existenz (Cogito Ergo Sum / Descartes) nicht mehr aus feudal-religiösen Weltordnungsvorstellungen blind gehorsam abzuleiten nicht zu der angestrebten Befreiung und Souveränität des einzelnen Subjekts geführt hat sondern nur zu einem Austausch eines Unterwerfungssystems durch ein anderes. Er selbst spricht von einem bloßen Austausch der angebeteten Götzen (Adorno: "Dialektik der Aufklärung" ebd.).

Was er meint ist, dass der Austausch der ehemals "gottgewollten" Ordung durch die falsche Rationalität eines ökonomischen Totalitarismus den Menschen eben nicht befreit hat. - Mußte ehemals ein Individuum seine Existenberechtigung durch "gottgewolltes" Handeln als Teil dieser Ordnung nachweisen, so muß es nun diesen Nachweis durch "ökonomische Rationalität" als Selbstbrgründung seiner Existenz führen. Neudeutsch könnte man sagen: durch betriebswirtschaftlich effiziente Selbstvermarktung.

Dabei geht die spirituell-ästhetische Dimension menschlicher Existenz vollständig verloren. Sie ist eben nicht ökonomisch.

Die Kunst ist aus seiner Sicht deshalb davon besonders betroffen. Sie verkörpert alles das, was an einer Börse nicht gefragt, in einem Betrieb nicht gewollt und in der Gesellschaftspolitik, außer als Möglichkeit, sozialen Status zu demonstrieren ohne Bedeutung ist - außer - sie läßt sich selber zum Teil einer "Wertschöpfungskette" machen.

Damit wird der spirituell-ästhetische Teil einer ganzheitlichen menschlichen Existenz im Alltag einer Gesellschaft, deren Funktionsparadigma die Totalisierung des ökonomischen Denkens ist, zum Artefakt, den es aus dem öffentlichen Leben herauszuhalten gilt - weil ökonomisch (bis auf gen. Ausnahme) nicht verwertbar.

Aus Sicht Adornos gehen dem Menschen damit aber wesentliche Eigenschaften des Mensch-Seins verloren - er entwickelt sich zu einem "Funktionsroboter" nach den Kriterien ökonomischer Nützlichkeit / Verwertbarkeit.

Und, was soll ich sagen: Adorno war ein aufmerksamer, analytisch begabter Zeitgenosse. Genau in einer solchen Welt leben wir mitlerweile.

Kunst ist zu einem Nebenaspekt der Ökonomie geworden, Spielwiese für Bildungsbürger und Statusjäger oder Spekulanten auf Wertsteigerungen. - Keinesfalls ist sie Bestandteil eines öffentlichen Bewußtseins. Heute vielleicht sogar weniger als in den 1960-iger bis 80-iger Jahren. Und der Trend geht weiter.

Entkunstung der Kunst ist ihre Transformation in einen Teil gesellschaftlicher Verwertungsprozesse nach den Spielregeln der Nützlichkeit (Utillität).

Fazit: wir brauchen eine Wiederbelebung der Auflärung, vielleicht eine 2. oder 3. etc. Das Projekt ist noch lange nicht zuende. Adorno hatte Recht.

Gruß

Wenn Kunst sich durch Industrie oder Politik vereinnahmen lässt, dann wird von Entkunstung gesprochen.

Siehe auch hier....

In diesem Sinne erscheint Mouffes Verständnis von kritischer Kunst nun dem zu entsprechen, was Theodor W. Adorno einst als entkunstete Kunst bezeichnete. Für Adorno hat Kunst „inmitten herrschender Utilität zunächst wirklich etwas von Utopie als das Andere, vom Getriebe des Produktions- und Reproduktionsprozesses der Gesellschaft Ausgenommene, dem Realitätsprinzip Unterworfene“.[2] Von Entkunstung spricht er sodann, wenn Kunst an dem Punkt angelangt ist, an dem sie ihre Autonomie, gemeint als ästhetische Reinheit und Abspaltung von anderen Sphären der Gesellschaft, aufgegeben hat. Obzwar Adorno den Begriff im Hinblick auf die Vereinnahmung der Kunst durch die Kulturindustrie entwickelt hat, so scheint doch dieses Konzept ebenso eine Vereinnahmung der Kunst durch die Politik zu beleuchten. An dem Punkt nämlich, an dem sich Kunst als reine Kunst selbst verneint und sich stattdessen etwa wie in die Arena der Tagespolitik begibt um sich mit derselben zu vermischen, setzt die Entkunstung an. Je entkunsteter die Kunst, desto kritischer - so scheint die Formel nach Chantal Mouffe zu lauten. https://entkunstung.com/entkunstung-als-formel-kritischer-kunst

Wie am besten Philosophie studieren? [Autodidaktisch]

Hallo,

ich habe eine Frage an alle, die bereits Philosophie studieren (und am besten in höheren Semester sind) und die Wissen, wie ein solches Studium abläuft und aufgebaut ist.

Da ich schon drei Fächer studiere, mich aber sehr für Philosophie interessiere, muss ich das wohl aus zeitlichen Gründen ins Private legen.

Meine Frage: Wie sieht ein Philosophiestudium aus? Wie geht man am besten an ein Studium der Philosophie heran, wenn man es nicht an der Uni, sondern privat macht?

Was ich bereits weiß, ist, dass ein Philosohiestudium aus der theoretischen Philosophie, der praktischen Philosophie, Geschichte der Philosophie und natürlich dem Lesen von Primärtexten besteht. Wie sind hier die Schwerpunkte?

Ich habe mal vor 5 Jahren "Denker des Abendlandes. Eine Geschichte der Philosophie" von Bertrand Russell gelesen, aber nicht alles verstanden, eher das wenigste. Jetzt habe ich mir die fünf Reclam Bände "Grundkurs Philosophie" von Wolfgang Detel gekauft: 1. Logik, 2. Metaphysik und Naturphilosophie, 3. Philosophie des Geistes und der Sprache, 4. Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, 5. Philosophie des Sozialen.

Und danach? Sollte ich mich dann einfach auf Werke von Philosophen stürtzen und versuchen sie zu lesen? Ich weiß, dass ich natürlich niemals so viel lernen werden kann wie ein Philosophiestudent, ich versuche nur einen Weg zu finden, so an die Sache heranzugehen, dass ich nicht im Sumpf der Möglichkeiten und Kompliziertheiten versinke. An der Uni kriegt man den Weg (wenigstens am Anfang) gewiesen, aber außerhalb der Uni steht man ahnunglos da...

Was meint ihr? Ist das ein guter Weg und wie soll ich ihn fortsetzen...?

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