Frage von Orgrim, 295

Ist es moralisch vertretbar, einen Menschen in Notwehr zu töten?

Für viele Menschen, egal ob gläubig oder nicht, ist es selbstverständlich, wenn sie von jemandem angegriffen werden, diesen Menschen im Notfall auch zu töten, um sich selbst oder jemand anderen zu retten.

Die Motive hinter solch einer Tat sind natürlich verständlich und unter Umständen sogar wirklich von Liebe motiviert. Aber in der Bibel steht ganz klar, dass man nicht töten darf und zwar ohne jegliche Ausnahmen.

Dies finde ich persönlich auch vollkommen richtig und sinnvoll. Das Leben ist unantastbar, auch das eines Verbrechers. Mein Leben ist nicht mehr Wert, als das eines anderen Menschen. Aber in dem Moment, in dem ich den anderen töte, habe ich entschieden, dass meines mehr wert ist.

Wie steht ihr dazu? Ist es moralisch in Ordnung einen Menschen in Notwehr zu töten?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von kdd1945, 57

Hallo Orgrim,

du argumentierst:

Aber in der Bibel steht ganz klar, dass man nicht töten darf und zwar ohne jegliche Ausnahmen.

Stimmt diese Aussage? Dazu einige nachdenkenswerte Texte:

Schon von Anfang an (Kain und Abel) gab Gott zu erkennen, dass er Mord und Totschlag nicht tolerieren würde. Nach der Flut in den Tagen Noahs, gab Gott die Anweisung:

1Mo9,5 (HFA) Niemand darf einen anderen Menschen ermorden! Wer dies tut - ob Mensch oder  Tier -, muss mit dem Tod dafür büßen. Ich selbst werde ihn zur Rechenschaft ziehen. 6 Wer einen Menschen tötet, darf selbst nicht am Leben bleiben; er soll hingerichtet werden.


Den Israeliten gebot Gott:

2Mo 20,13 (HFA) Du sollst nicht töten

Jedoch einige Verse weiter eine von vielen Ausnahmen:

2Mo 21,12 (HFA) Wer einen Menschen vorsätzlich so schwer verletzt, dass er stirbt, muss mit dem Tod bestraft werden. 13 Hat er ihn aber nicht mit Absicht getötet, sondern es geschah durch einen Zufall, den ich, der Herr, geschehen ließ, dann soll er an einen Ort fliehen, den ich bestimmen werde. 14 Doch wer einen Menschen vorsätzlich und heimtückisch umbringt, muss 1sterben. Selbst wenn er an meinem Altar Schutz sucht, sollt ihr ihn von dort wegholen und töten.

Man sollte heute auch Rö 13 berücksichtigen:

R13,4 (HFA) . 4 Denn die staatliche Macht steht im Dienst Gottes, um dich zum Tun des Guten anzuspornen. Wenn du aber Böses tust, musst du dich vor ihr fürchten. Ihre Vertreter tragen nicht umsonst das Schwert. Sie stehen im Dienst Gottes und vollstrecken sein Urteil an denen, die Böses tun.


Einige behaupten, Jesus lehre in Matthäus 5:39 und Lukas 6:29 völlige Gewaltlosigkeit

Mt 5,39 (ELB) Ich aber sage euch: Widersteht nicht dem Bösen, sondern wenn jemand dich auf deine rechte Backe schlagen wird, dem biete auch die andere dar;

Lk 6:28 (ELB). betet für die, die euch beleidigen! 29 Dem, der dich auf die Backe schlägt, biete auch die andere dar;



Ein Schlag mit der flachen Hand auf die Wange stellt auch heute - so wie damals - viel eher eine Beleidigung oder Kränkung dar, als einen tätlichen Angriff auf Leben und Gesundheit.

Gemäß Jesu Worten sollten wir auf solch eine Herausforderung nicht reagieren wie der stolze Lamech, ein Nachkomme Kains, der überheblich prahlte laut 1. Mose 4:23:

"Einen Mann habe ich getötet, weil er mich verwundete, ja,einen Jüngling weil er mir einen Hieb versetzte."

Das entspricht auch dem Rat des Apostels Paulus aus Römer 12:17-21:

"Vergeltet niemandem Böses mit Bösem...Wenn möglich haltet, soweit es von euch abhängt, mit allen Menschen Frieden....Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse stets mit dem Guten."

Es gilt dabei zu beachten, dass Jesus und Paulus hier keineswegs von Christen verlangen, sie müssten eine Vergewaltigung oder einen schweren gewalttätigen Angriff auf Leben und Gesundheit tatenlos geschehen lassen.


Was aber tun, wenn ein Angreifer jemandes Leben bedroht? Sehr aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang ein Gesetz, das Gott den Israeliten gab. Wurde ein Dieb tagsüber ertappt und erschlagen, musste sich der Täter wegen Mord verantworten. Zum einen stand ja auf Diebstahl nicht die Todesstrafe, zum anderen hätte der Dieb bei Tageslicht ohne Weiteres erkannt und seiner gerechten Strafe zugeführt werden können.

Anders bewertet wurde es, wenn ein Hausherr einen Eindringling nachts erschlug. Dann wirkte der Umstand entlastend, dass er nur schwer erkennen konnte, was der Eindringling tat und welche Absichten er verfolgte. Der Hausherr musste durchaus befürchten, dass Leib und Leben seiner Familie in Gefahr war, und durfte sich zur Wehr setzen (2. Mose 22:2, 3).

Wird jemand tätlich angegriffen, darf er somit laut der Bibel sich selbst oder seine Angehörigen verteidigen. Er darf Schläge abwehren, den Angreifer festhalten, ja ihm sogar einen Schlag versetzen, um ihn zu betäuben oder außer Gefecht zu setzen. Dies würde in der Absicht geschehen, den Angriff abzufangen oder zu stoppen. Wenn das zutrifft und der Angreifer dabei schwer verletzt oder gar getötet wird, wäre nicht von Vorsatz auszugehen, sondern von einem Unfall.


Solch eine Attacke darf mit adäquaten Mitteln abgewehrt werden, wobei es aber niemals das Ziel sein darf, den Aggressor zu töten oder unnötig schwer zu verletzen. Ähnlich sieht es auch der Notwehrparagraph im deutschen Gesetz.StGB § 32.

Grüße, kdd

Kommentar von Orgrim ,

Wirklich gute Antwort.

Du hast an mehreren Stellen zitiert, dass ein Mörder aufgrund seiner Tat selbst das Leben verlieren soll. Aber es wurde nicht geschrieben wer dies tun soll. Auf jeden Fall kein anderer Mensch. Dies ist Gottes Aufgabe.

Selbstverständlich ist es moralisch in Ordnung sich zu verteidigen und den Angreifer versuchen auszuschalten, aber halt ohne ihn zu töten. Sollte dies jedoch aufgrund eines Unfalls passieren ist das natürlich auch ok. Aber man darf meiner Meinung nach keine direkt tödliche Maßnahme ergreifen wie z.B. Kopfschuss usw.

Kommentar von kdd1945 ,

Dies ist Gottes Aufgabe

Gott delegiert. Nicht an einen Lynchmob, sondern an die Verantwortlichen in der  jeweiligen staatlichen (gesellschaftlichen) Ordnung. Und das, obwohl Fehlurteile unvermeidbar waren.

http://wol.jw.org/de/wol/d/r10/lp-x/1200003157#h=1:0-3:1066

Gott toleriert zur Zeit der Unvollkommenheit manches (sieh Mt 19,3-9)

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 61

Ich bin Buddhist und leider selbst schon in Gewaltsituationen, in denen meine körperliche Integrität, oder die anderer Menschen durch Gewalt bedroht war.

Für mich ist es wichtig, wenn immer möglich die Situation friedlich beizulegen, deeskalierend zu wirken - und im Idealfall gar nicht erst in solch eine Situation zu geraten.

Für mich sieht eine derartige Situation so aus:

Es gibt eine friedliche Ausgangssituation und gesellschaftliche Ordnung. Dieser Frieden und diese Ordnung werden durch den Angreifenden gebrochen.

Sei es in klarer Absicht anderen zu schaden, oder im Rahmen eines Affekts, unter Drogeneinfluss, oder einer psychischen Erkrankung.

Wenn man diesen Menschen nicht mehr auf einer emotionalen Ebene erreichen kann und er Gewalt, möglicherweise sogar Tod mit sich bringt, dann sehe ich den Verteidiger in der Verantwortung.

Wenn es seine Fähigkeiten und Möglichkeiten erlauben, dann sollte er sich verpflichtet fühlen, die gestörte Ordnung und den Frieden wiederherzustellen - auch wenn er damit die Tötung des Angreifers in Kauf nimmt.

Eine Gewalttat ist meiner Meinung nach nämlich kein isoliertes Ereignis, sondern beruht auf einer fehlenden inneren Ordnung des Angreifers.

Jemand der traumatisiert, drogensüchtig, oder psychisch krank ist, wird es nicht alleine dabei belassen mich zu töten - er wird diese Gewaltspirale mit hoher Wahrscheinlichkeit weiterführen.

Nehmen wir an, man überrascht einen Einbrecher, wird attackiert, kann sich verteidigen und der Angreifer flieht.  Als Folge dieser Erfahrung wird er womöglich beim nächsten Einbruch die anwesenden Personen gleich töten, um Gegenwehr zu vermeiden.

Hätte man den Angreifer dagegen zumindest soweit wehrlos gemacht, dass sich die Polizei um ihn kümmern kann, wäre die Gewaltspirale unterbrochen worden. Im Gefängnis wäre er womöglich sozial betreut und resozialisiert worden, so dass er nie wieder solche Taten begehen wird

Es kann aber natürlich sein, dass man die Person im Rahmen der Notwehr unbeabsichtigt tötet, oder keine Alternative mehr besteht Dann ist dieser Tod sehr bedauerlich, aber die Ordnung in der Gesellschaft ist wiederhergestellt und die Gewaltspirale findet ein - wenn auch trauriges - Ende.

Deshalb ist Selbstverteidigung und Notwehr auch nicht unbedingt etwas egoistisches, bei dem nur das eigene Wohlergehen im Vordergrund steht, sondern sie kann auch der Gesellschaft als ganzes dienen, weil eine Gewaltspirale unterbrochen wird.

Kommentar von Orgrim ,

Ob es solch eine gesellschaftliche Ordnung wirklich gibt, sei mal dahingestellt.

Ich kann deine Argumentation verstehen und ist auch wirklich sinnvoll.

In deinem beschriebenen Fall, dass der Angreifer flieht und er beabsichtigt weitere Straftaten zu begehen, würde es meiner Meinung nach ausreichen, wenn man die Leute (Gesellschaft) vor diesem Individuum warnt und der Polizei behilflich ist diesen Täter zu überführen. Das Töten dieser Person ist meiner Meinung nach nicht zwingend erforderlich.

Kommentar von Enzylexikon ,

würde es meiner Meinung nach ausreichen[...]

Völlig richtig, meine Meinung. :-)

Das Töten dieser Person ist meiner Meinung nach nicht zwingend erforderlich.

Ebenfalls meine Meinung. :-)

Deshalb habe ich ja selbst geschrieben:

Es kann aber natürlich sein, dass man die Person im Rahmen der Notwehr unbeabsichtigt tötet, oder keine Alternative mehr besteht.

Ich sehe nämlich auch keinen Grund, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, oder das größere von zwei Übeln zu wählen, wenn es sich vermeiden lässt.

Da sind wir uns offenbar in wesentlichen Dingen einig. :-)

sei mal dahingestellt.

Ob die "zu schützende gesellschaftliche Ordnung" tatsächlich immer so toll und harmonisch ist, kann man in der Tat bezweifeln.

Allerdings finde ich eine Gesellschaft ohne Gewalttäter definitiv harmonischer, als mit solchen. ;-)

Kommentar von Orgrim ,

Wen der Angreifer unbeabsichtigt stirbt, ist das natürlich ein ganz anderer Fall. Dies ist dann ein Unfall, der ok ist.

Klar ist eine Gesellschaft ohne Gewalttäter harmonischer und wünschenswert. Aus diesem Grund sollte man auch versuchen solche Gewalttäter zu überführen. :-)

Kommentar von Wilkinson ,

Faszinierend. Du bist Buddhist und führst in Deinem Profilbild die Flagge Israels in Herzform... Faszinierend...

Kommentar von Enzylexikon ,

Es gibt nun einmal nicht nur in Asien Buddhisten und nicht jeder macht  seinen Urlaub "uff Malle" ;-)

Antwort
von michi57319, 98

Ich kann diesen Gedanken durchaus folgen, aber habe große Zweifel, daß der Angreifer es ebenso kann.

Mir stellt sich dann also die Frage, ob ich für einen stumpfsinnigen Angreifer, der über diese Fragen nicht nachdenkt, wirklich mein Leben lassen muss.

Muss ich den Tod über mich ergehen lassen, weil mein Gegenüber ihn für mich nur zu gerne in Kauf nimmt und sich über Moral und Recht hinwegsetzt?

Der Todesfall, der aus der Notwehr resultiert, passiert nicht unbedingt willentlich. Das Opfer greift im Affekt zur maximal möglichen Kraft. Körperlich und was die Waffen hergeben.

In solchen Fällen ist das denkende Bewußtsein ausgeschaltet, weil es die geschützte Leistungsreserve des Körpers betrifft.

Wird diese Grenze überschritten, kennt der Mensch keine Moral mehr, weil es um das nackte Überleben geht.

Archaische Verhaltensmuster, die auch heute noch sinnvoll sind und das Überleben des Menschen jahrtausendelang gesichert haben.


Kommentar von Orgrim ,

Du hast Recht, dass man in solche einer Situation oft nicht überlegen kann und einfach instinktiv reagiert. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich schon im Vorfeld über solch schwerwiegende Dinge Gedanken zu machen, damit man dann weiß, wie man sich verhalten sollte. Ob man das dann auch so hinbekommt, ist noch mal etwas vollkommen anderes. :-)

Klar stellt sich der Angreifer solche Fragen nicht. Er hat bereits die Entscheidung getroffen, dass sein Leben mehr Wert ist als das meine. Aber muss ich deshalb dieselbe falsche Entscheidung treffen? Denn auch der Angreifer wird seine Gründe für seine Taten haben. Niemand wird böse geboren.

Kommentar von michi57319 ,

Wenn der Körper in die autonom geschützte Leistungsreserve kommt, stellen sich all diese Fragen nicht mehr. Auch die nicht, ob und wie man das vorweg theorethisch durchdacht hat.

Der Mensch ist.

Wenn er Glück hat, auch danach noch lebend.

Kommentar von Orgrim ,

Also ich sehe das anders. Der Mensch ist zwar ein biologisches Wesen, das darauf programmiert ist, zu überleben. Aber der Geist ist stärker als der Körper. Zumindest sollte er das sein, was bei vielen leider nicht der Fall ist.

Kommentar von michi57319 ,

Dann lies mal Erfahrungsberichte von Menschen, die die Grenze zwischen bewußtem Krafteinsatz und Überlebenskampf überschritten haben. Es gibt einen Punkt, den die wenigsten Menschen erreichen, bzw. diese Grenze überschreiten müssen.

Kommentar von Orgrim ,

Klar schaffen das viele Menschen nicht. Aber schau dir doch einfach mal all die Menschen an, die sich ganz bewusst zu Tode hungern, weil sie irgend ein Ziel durchsetzen wollen. Es gibt noch etliche andere Beispiele für Menschen, die ganz bewusst ihr Leben opfern, um etwas zu erreichen.

Kommentar von michi57319 ,

Und wenn ich erreichen möchte, daß ich im Leben noch viel erreichen möchte? Dann muss ich entsprechend handeln.

Es ist gut, daß es entsprechende Gesetze gibt. Wer jemals in der Situation war, aus Notwehr zu handeln und dabei jemanden getötet hat, wird lange damit zu tun haben. Das streift man nicht ab, wie schmutzige Wäsche.

Antwort
von AndreasGausHH, 16

Vorweg ist es wichtig zu wissen das Moral unabhängig von jeder Religion existiert. Die meisten Menschen wünschen sich sicher eine harmonische Welt, in der alle glücklich sind, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft selbstverständlich sind und sich jeder ausleben kann, solang er niemanden damit schadet. Schöne Welt - die leider nur in meinen Träumen existiert! Ich finde aber jeder von uns sollte versuchen die Welt dahin zu verändern. Und das sag ich als Atheist.  Nun zur Notwehr und Moral: 1. Egal was man sich für Gedanken vorher macht, in einer Notwehrsituation handelt man wie man konditioniert/trainiert ist. 2. Deeskalation sollte nach Möglichkeit versucht werden. 3. Wenn dies nicht möglich ist verteidigen bis der Angriff sicher und dauerhaft beendet ist. Dabei ist die eigene Sicherheit Präorität. Verhältnismäßigkeit spielt  (auch vor dem Gesetz) keine Rolle. 4. Wenn der Angreifer dabei sein Leben verliert ist es eben so. Finde ich zwar suboptimal aber moralisch absolut vertretbar. 5. Sich wieder den schönen Dingen des Lebens zuwenden und bei Bedarf psychologische Hilfe suchen. Das wäre meine Meinung zum Thema.

Antwort
von Azubine2017, 103

Guten Abend. 

Ein interessanter, philosophischer Ansatz den wir hier haben. Schon Buddha lehrte das das eigene Leben nicht mehr wert ist als das eines anderen. 

Ich betrachte das ganze jetzt mal ohne kirchlich/religiösen Aspekt sondern rein menschlich.

natürlich würde ich selbst mich schon aus reinem Egoismus so weit schützen, wie es mir ebend gegeben wäre. Die eigentliche Frage stellt sich heutzutage eher dabei ob es sich überhaupt noch lohnt in einem Rechtsstaat wie Deutschland sich zur wehr zu setzen da es sowieso im Nachhinein heißen würde das es falsche Notwehr war und das 'höhere Gut' welches man nutzen darf um sich zu verteidigen falsch gewählt war. Denn auch hier muss man ja sogar darüber nachdenken zu welcher Waffe man letztendlich im Todeskampf greift - zum Messer oder zu der Vase. Als Beispiel.

Antwort
von EleyaSolyn, 68

Hey,

also ich bin da wohl etwas anderer Meinung als du. Ich finde, wenn sein eigenes Leben in Gefahr ist darf man jemanden in Notwehr töten. Denn in deiner Argumentation gibt es, für mich, ein kleines Problem. Du sagst dein Leben wäre nicht mehr wert als ein das eines anderen Menschen. Aber jemanden in Notwehr zu töten bedeutet, dass er dich vorher angegriffen hat und dich ernsthaft verletzen -wenn nicht sogar töten- wollte. Also wäre dein Leben mit deinen moralischen Vorstellung irgendwie schon mehr wert.

Außerdem ist es doch so, dass, wenn man sich nicht wehrt OBWOHL man es könnte und es etwas bringen würde, man doch eigentlich so etwas wie Selbstmord begehen würde, da man sein eigenes Leben nicht verteidigt (es kann sein, dass ich das falsch sehe). Also würde man so oder so einen Menschen umbringen.

Hast du vielleicht mal von Bonhoeffer gehört? Ihn hat das auch damals beschäftigt, aber in einer etwas abgewandelten Form: Soll man einen Menschen töten wenn man dann viele Menschen retten kann, die man dann zwar nicht selbst getötet hätte, aber für deren Tod man mitverantwortlich wäre? Auch dieses Szenario ist in der Bibel nicht geklärt. Aber ich denke ich weiß, was ich machen würde.

Ich finde deine Meinung trotzdem verständlich, obwohl ich sie nicht komplett teile.

Liebe Grüße

Kommentar von Orgrim ,

Klar wäre mein Leben schon irgendwie mehr Wert, als das des Angreifers, aber es liegt nicht an mir darüber zu entscheiden. Denn auch der Angreifer wird seine Gründe für seine Taten haben. Niemand wird böse geboren.

Nur weil er eine falsche Entscheidung trifft und entscheidet, dass sein Leben mehr Wert ist, als das meinige, muss ich diese Entscheidung aber nicht auch so treffen. Denn dann wäre ich genau so wie er.

Selbstmord wäre das auf keinen Fall. Du hast die Situation ja schließlich nicht herbeigeführt.

Antwort
von Wilkinson, 18

Ja! Ich betrachte es als einen Urinstinkt des Menschen, den Gott uns - genau so wie unser Leben-  geschenkt hat. 

So hart es jetzt klingen mag: Ich befürworte darüber hinaus auch den sogenannten "Finalen Rettungsschuss"!!  Wenn ein oder mehrere Geiselnehmer drohen, eine oder unzählige Geiseln zu ermorden, dann ist dieser/sind diese - sofern die Möglichkeit besteht - zu liquidieren.

Was gescheiterte Verhandlungsgespräche im Nachhinein mit sich bringen können, sollten viele von uns Usern noch bezüglich der "Landshut-Entführung" nach Mogadischu im Gedächtnis haben.

Mir ist es sehr wichtig, an dieser Stelle keinen radikalen Eindruck hinterlassen zu wollen. Ich bin ein Mensch, der Gewalt verabscheut.

Aber genauso bin ich ein Verfechter des Lebens. Niemand hat ein Anrecht, es jemandem zu nehmen. Das mag sich jetzt bezüglich meiner Stellungnahme paradox lesen, aber die Frage bezog sich ja auf die Notwehr. Und zu dieser zähle ich auch den "Jedermannparagraphen"...

Das Recht, einem anderen Menschen, dessen Leben bedroht wird, helfen zu dürfen, auch wenn dies zur Folge haben kann, dass der BEDROHENDE sein Leben verliert.

Was ein "Stillehalten", ein "Warten wir noch mal ab" zur Folge haben kann, kennen die Meisten von uns ja sicherlich noch vom "Geiseldrama von Gladbeck"....

Auch in schwierigsten Situationen zuerst das Gespräch zu suchen, ist selbstverständlich ein Ehrenschild, aber letztendlich nicht pauschal und immer zu realisieren.

Üblicherweise folgen den Worten die Taten, manchmal aber fordert das Leben das Umgekehrte...

Kommentar von Orgrim ,

Du hast vollkommen Recht das das Töten in Notwehr ein Urinstinkt ist, den Gott uns mit auf den Weg gegeben hat. Jedoch sollte sich der Mensch entwickeln, sodass der Geist stärker als der Körper und irgendwelche Urinstinkte wird.

Klar kann ich jeden verstehen, der bereit ist in solchen Situationen zu töten. Ich selbst wähle aber lieber den friedlichen Weg.

Antwort
von ponyfliege, 9

du zäumst das pferd von hinten auf.

notwehr kennt keine motive, sondern ist eine instinkthandlung, die durch hormone - unter anderem cortisol und adrenalin - ausgelöst wird.

ein mensch ist in ECHTER notwehr nicht zurechnungsfähig, da er nicht mit seinem verstand agiert, sondern mit seinen "niederen" hirnfuntkionen, die nur ein ziel angeben: überleben.

von daher kann man notwehr in keiner form überhaupt unter moralischen aspekten interpretieren.

du scheinst öfter bewusst provokante fragen zu stellen - ohne zu wissen, wovon du eigentlich redest. du hörst oder liest etwas und stellst es in einer kurzfrage in den raum - und stellst vor allem dabei stets deinen eigenen standpunkt heraus. wenn du jedoch meinungsfragen stellst, die sich natürlich durchaus auch wissenschaftlich-sachlich beantworten lassen, gehört die eigene meinung des fragestellers nicht in die frage, weil sie manipulative auswirkungen hat.

Antwort
von JoJoPiMa, 46

Das Töten in Notwehr entsteht aus dem Überlebensinstinkt. Bestandteil der Natur von Lebewesen - noch bevor sich ein Verständnis für Richtig/Falsch einstellt.

Faktor Moral tauchte erst danach auf. Gründe und Zwecke sind andere Themen. Es geht um das Morden (ratsach).

Das Töten in Notwehr ist keine Handlung die vorsätzlich geschieht.

Kommentar von Orgrim ,

Wenn man in solch eine Situation gerät, handelt man oft instinktiv und ohne Vorsatz. Deshalb sollte man sich über solche schwerwiegenden Dinge schon im Vorfeld Gedanken machen, um in solch einer Situation richtig zu handeln.

Klar ist der Mensch auf das Überleben programmiert. Aber der Verstand sollte stärker als der Körper sein.

Kommentar von JoJoPiMa ,

Kann mir nicht Moralaspekte dermaßen dominierend vorstellen, dass Mensch in Not, wider die eigene Natur handeln würde, um Moral zu entsprechen.

Da Mechanismus Gehirn eine Abarbeitung nach Prioritäten veranlasst, und Überlebenswille/Lebenserhaltung oberste Priorität hat - wie alle Lebewesen täglich belegen -, würde eine Situation von Leben oder Tod erst recht die entsprechende Abarbeitung veranlassen.

Die Fälle von Gewaltlosigkeit als Form von Widerstand haben auch nur belegt, dass Menschen Schutz suchten als ihnen eine Bedrohung für das eigene Leben bewusst wurde. Viele kamen dabei um, weil sie weder Möglichkeit noch Mittel hatten, sich zu schützen/verteidigen.

Aber, nichts soll unmöglich sein.

Dein Leben ist nicht mehr Wert, als das eines anderen Menschen. Stimmt, aber doch nur solange bis jemand entscheidet, dein Leben zu nehmen.

Eine Situation, für die es Moralaspekte gibt, die zwischen Täter/Opfer unterscheiden und auch zum Mittel der Notwehr beigetragen haben.

War die Erkenntnis über die Schutzbedürftigkeit nicht eine der größten Errungenschaften der Moral? Resultierte die Anerkennung Notwehr nicht auch daraus? 

Wenn Moral dazu dienen soll, Täter gewähren zu lassen, müsste dann nicht Moral komplett neu definiert werden?

Wahrscheinlich bezieht sich die angedeutete Bibelstelle deshalb auf vorsätzliche Tötung.

Antwort
von Octuline, 48

Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral, du darfst töten, wenn dein eigenes Leben bedroht ist, um es zu schützen. Ich würde das selbst in dem Fall auch nicht als Mord ansehen.

Antwort
von joergbauer, 28

In der Bibel steht eigentlich übersetzungstechnisch du sollst nicht "morden". Das ist etwas anderes als "töten", denn man kann ja auch jemanden aus Versehen und unabsichtlich töten, so daß es dann eben kein Mord ist, der ja eine Tötungsabsicht beinhaltet und voraussetzt. So etwas wäre dann eine "fahrlässige Tötung". Moralisch gesehen ist beides, vom Ergebnis her, sicherlich nicht zu akzeptieren, und gegebenenfalls auch gesetzlich strafwürdig. Das kommt eben auf die Umstände an. Jemanden zu töten, der einem selbst eindeutig (unmittelbar) nach dem Leben trachtet, ist vielleicht dann Notwehr, die nicht strafbar ist. Und wie sich das verhält, wenn man selbst nicht unmittelbar bedroht ist, aber ein Anderer, den man retten könnte, muss man eben von Fall zu Fall sehen und bewerten. Das liegt auch immer an der Beweislage. Also ob das eindeutig ist und ob es glaubwürdige  Zeugen gibt etc.

Antwort
von Giustolisi, 37

Christen sollen ja vor Allem die andere Wange hin halten. Es würde mich nicht wundern, wenn das nur wenige im Angesicht des Todes auch tun würden.

Ich finde dass man jedes recht hat jemanden mit allen verfügbaren Mitteln daran zu hindern einen selbst oder jemand Anderen zu töten. Wenn das für den Angreifer den Tod bedeutet, ist er selbst schuld.

Kommentar von quopiam ,

Christen können (nicht: müssen!) für sich selbst entscheiden, das Martyrium zu wählen, so wie Du das Gleichnis mit der "anderen Wange" deutest. Sie können es aber nicht für andere entscheiden. Deshalb: Notwehr kann auch bedeuten, daß Du töten mußt, um jemanden zu retten - einen oder viele. Das wurde beim Thema "Tyrannenmord" in der Geschichte schon häufig diskutiert. Gruß, q.

Antwort
von Raubkatze45, 20


Das 5. Gebot gilt nicht absolut!

Die Tötung eines Menschen ist vor allem dann gefordert, wenn wir in die Situation der Nothilfe geraten. Dieser juristische Begriff meint, dass wir einem im Leben  bedrohten Menschen (zum Beispiel einer Frau in der Situation einer
Vergewaltigung) auch dann zur Hilfe kommen müssen, wenn diese Hilfe nur durch die Tötung des ungerechten Angreifers geschehen kann.

Ähnliches gilt auch für die Notwehr: Wenn ich selbst in der
Situation bin, von einem ungerechten Angreifer mit dem Tode bedroht zu werden, darf ich mich auch dann zur Wehr setzen, wenn das den Tod des Angreifers bedeutet. Natürlich dürfen wir in der Notwehr auch darauf verzichten, uns auf eine Weise zu wehren, die den Angreifer tötet, selbst wenn es den eigenen Tod bedeutet. In der Nothilfe dagegen dürfen wir nicht zögern, das wäre dann keine Selbstlosigkeit, sondern Feigheit. Das ist ein bedeutsamer Unterschied zwischen Notwehr und Nothilfe.


Dabei ist selbstverständlich zu beachten, dass die Gegenwehr gerechtfertigt sein muss:.Die Bedrohung muss also real sein und schwerwiegend , es muss also das Leben und die Würde (z.B. durch eine Vergewaltigung) des Menschen bedroht sein. Außerdem muss  die Tötung des Angreifers das einzige mögliche Mittel sein. Allerdings sind das alles theoretische Forderungen. In der realen Situation ist es oft nicht möglich, noch Bedingungen zu überprüfen. Gewissensmäßig wird nicht verlangt, dass man in Extremsituationen mit klarem Kopf richtig entscheidet. Die Schuld liegt immer im Vorsatz, der bei Notwehr und Nothilfe nicht gegeben ist.



Kommentar von Orgrim ,

Bezüglich der Nothilfe liegst du falsch.

Niemand ist dazu verpflichtet weder gesetzlich noch moralisch, sein eigenes Leben zu riskieren, um einen anderen Menschen zu schützen. Moralisch wäre es zwar gut, es zu tun, du bist dazu aber nicht verpflichtet und gesetzlich schon erst gar nicht.

Außerdem legt das Gesetz nicht fest, auf welche Weise wir dem Opfer helfen müssen. Jeder muss und darf für sich selbst entscheiden, was er als angemessen ansieht. Und ich selbst sehe die Tötung eines Menschen nie für gerechtfertigt.

Aber das ist meine Meinung. Selbstverständlich kann ich es vollkommen nachvollziehen, wenn jemand den Angreifer tötet.

Antwort
von FloTheBrain, 12

Dein Gedankengang geht an der Realität deutlich vorbei. Du verstehst offenbar total falsch was der Gesetzgeber mit Notwehr gemeint hat.

Man entscheidet nicht welches Leben mehr Wert ist.

Es geht darum einen gegenwärtigen und rechtswidrigen Angriff abzuwehren. Dabei darf die Tötung niemals das Ziel der Abwehrhandlung sein! Das hast du nicht begriffen.

Stirbt der Angreifer jedoch an den Folgen einer legitimen Notwehrhandlung, dann bleibt das Opfer straffrei.

Das ist auch schon alles.

Kommentar von Orgrim ,

Du schreibst, dass die Tötung niemals das Ziel der Abwehrhandlung sein darf. Und was sagst du zu Scharfschützen, die das Leben eines Menschen ganz bewusst auslöschen, um das eines anderen zu retten? Die Tötung ist also gesetzlich erlaubt.

Ersteinmal spreche ich hier von Moral und nicht von irgendwelchen Gesetzen. Und moralisch finde ich persönlich das Töten aus egal welchen Gründen für immer sehr fragwürdig.

Unfälle sind natürlich eine Ausnahme, wenn z.B. der Angreifer an nicht direkt  tödlichen Notwehrhandlungen stirbt.

Kommentar von FloTheBrain ,

Offenbar warst du noch nie in einer lebensbedrohlichen Situation. Selbstverständlich würdest du anders denken, wenn du mir der Realität diesbezüglich bereits vertraut wärst.

Ein Schuss aus einem Präzisionsgewehr muss nicht zwanglsäufig tödlich sein. Die Trefferzonen Kopf und Torso sollen lediglich die sofortige Kampfunfähigkeit bewirklen. Es gibt Fälle bei denen Kopfschüsse überlebt wurden. Selbst wenn große Teile des Gehirns, bis zu 50 % der Hirnmasse zerstört wurden.

Es geht nicht ums Töten, es geht darum Gefahr für Leib und Leben abzuwenden. Wenn der Angreifer stirbt, wird das bei anerkannter Notwehr in Kauf genommen. Das ist alles.

Aber falls du mal kurz davor bist erstochen oder erschossen zu werden, teile dem SEK über Telefon mit, dass du keine Hilfe möchtest. Denn Nothilfe ist tatsächlich nur zulässig, wenn das Opfer damit einverstanden ist. Das wird allg. vorausgesetzt.

Aber du kannst dich gern töten lassen wenn dir das gefällt.

Das ist ein freies Land.

Antwort
von ES1956, 41

Selbst wenn ich der Einstellung zustimme dass mein Leben nicht mehr "Wert" hat als das des Angreifers so gilt auch dass seines nicht mehr Wert hat als meines.

Und da er ! eine Situation geschaffen hat wo es nur 1 Überlebenden gibt ist mir mein Leben natürlich wichtiger als seines.

Antwort
von versus00, 63

Für mich ist es im äußersten Notfall moralisch vertretbar. Klar ist natürlich, dass sich kein friedliebender Mensch eine solche Situation wünscht.

Radikal gesprochen ließe sich behaupten: Selbstverständlich ist mir mein Leben im Zweifelsfall wichtiger, außer vielleicht wenn ich das eines geliebten Menschen retten könnte.

Man muss dazu sagen, dass ich mein Moralverständnis nicht direkt aus der Bibel herleite.

Antwort
von Whitekliffs, 36

Ich würde es als meine Pflicht sehen um einzugreifen, wenn das Leben von Menschen unmittelbar in Gefahr ist. 

Es geht um Schutz und nicht um Mord. 

Ob ich allerdings den Mut hätte, ist eine andere Frage.

Antwort
von HantelbankXL, 45

Meiner Meinung nach kommt es ganz darauf an.

Die erste Option sollte immer die Flucht sein, weil wenn diese erfolgreich ist, dann kommt es natürlich gar nicht erst zur Notwehr.

Ist eine Flucht nicht möglich, dann geht es darum, sich angemessen zu wehren. Wenn der Angreifer unbewaffnet ist, dann ist es völlig falsch, sich so heftig zu wehren, dass der Angreifer stirbt. Es würde absolut ausreichen, ihn vorübergehend außer Gefecht zu setzen, bzw. ihn in die Flucht zu schlagen.

Erst wenn der Angreifer bewaffnet (Pistole/Messer/ etc.) und eine Flucht ausgeschlossen ist, muss man im Sinne des eigenen Leben unter Umständen damit rechnen, selbst töten zu müssen. Natürlich darf man es nicht mit voller Absicht machen, aber wenn es geschieht, dann ist es in diesen Fällen meiner Meinung nach moralisch vertretbar.

Aber in dem Moment, in dem ich den anderen töte, habe ich entschieden, dass meines mehr Wert ist.

Jein. In so einem Moment würdest du nicht diese Entscheidung treffen, sondern "nur" instinktgesteuert handeln bzw. besser gesagt reagieren.

Nebenbei:

Aber in der Bibel steht ganz klar, dass man nicht töten darf und zwar ohne jegliche Ausnahmen.

Bist du dir da ganz sicher? Was ist mit dem Krieg für Gott und Vaterland und gewisse Strafen für diverse Vergehen?

Antwort
von quopiam, 28

In der Bibel steht ganz klar "Du sollst nicht MORDEN". Das ist etwas anderes als "töten". Mord ist durch klare Kriterien von anderen Tötungshandlungen abgegrenzt. Das weißt sogar unser Strafrecht und stellt folgerichtig "Notwehr" straffrei.

Selbstverständlich ist es moralisch vertretbar - auch als Christ - jemanden zu töten, der das eigene Leben bedroht. Es ist - moralisch gesehen - keine direkte Tötung aus Absicht zu töten, sondern die Abwehr einer Gefahr unter Inkaufnahme des Todes eines (oder mehrerer) Menschen. Gruß, q.

Antwort
von Richard30, 2

Du darfst auch Lt. Bibel aus Notwehr töten, sogar sowas wie eine erweiterte Notwehr, also jemanden anderen Töten der unmittelbar z.B jemanden töten will, wäre erlaubt. Es darf aber nur das allerletze Mittel sein und zählt halt noch zur Verteidigung.

Würdest du aber z.B wissen, jemand will dich töten, dann dürftest du ihn NICHT Präventiv töten.

Und Moralisch: Sobald jemand dich unmittelbar versucht zu töten, da hat er für diesen Momment sein Recht auf Unversehrtheit verloren. Würde er aufgeben, dann hätte er es wieder.

Antwort
von Matschpfirsich, 67

Genauso entscheidest du dich dafür, dass das Leben des Verbrechers mehr wert ist als deins, wenn du dich nicht wehrst.

Und weil der Mensch als Lebewesen so angelegt ist, dass man nach leben strebt bzw einen überlebensdrang hat, wird sich immer ein Großteil der Menschen für das eigene Leben entscheiden.

Außerdem musst du - jetzt mal nicht mehr deontologisch sondern utilitaristisch gesehen - abwägen, welches Leben mehr bringen könnte: bleibt der Verbrecher am Leben, könnte er noch vielen weiteren Menschen Schäden zufügen. Bleibst du am Leben, könntest du der Menschheit eine Hilfe sein - sei es durch Arbeit, Forschung oder Erfindungen.

Kommentar von Orgrim ,

Da unterliegst du einem Irrtum.
Der Angreifer hat entschieden, dass sein Leben mehr Wert ist als das meinige, da er mich schließlich töten möchte.

Wenn ich ihn dann töte, habe auch ich diese falsche Entscheidung getroffen und bin nicht besser oder schlechter als der Angreifer. Denn auch der Angreifer wird Gründe habe, warum er so handelt. Niemand wird böse geboren.

Wenn ich mich nicht verteidige, habe ich mich dazu entschieden, dass beide Leben gleich viel Wert sind.

Sollte jedoch z.B. das Leben des Angreifers in Gefahr geraten und ich entscheide mich dafür seines zu retten und dafür mein eigenes riskieren oder sogar geben, dann hätte ich entschieden, dass seines mehr Wert ist, als das meinige.

Kommentar von Ryuuk ,

Denn auch der Angreifer wird Gründe habe, warum er so handelt.

Heißt nicht das es gute Gründe sein werden.

Niemand wird böse geboren.

Man kann aber böse werden.

Wenn ich mich nicht verteidige, habe ich mich dazu entschieden, dass beide Leben gleich viel Wert sind.

Wenn du dich nicht verteidigst, hast du dich dazu entschieden das dein Leben es nichtmal wert ist, dafür zu kämpfen. Das der Wille des anderen dich zu töten, bereits mehr wert ist, als dein Leben.

Es ist eine Sache den Angreifer nicht töten zu wollen. Aber nichtmal bereit zu sein, sein eigenes Leben zu verteidigen, ist eine Beleidigung seiner selbst.

Kommentar von spaeschel85 ,

Ich sehe den Irrtum bei dir.

Der Angreifer mag persönliche Gründe haben, allerdings sind das seine Probleme. Er hat keineswegs das Recht, dich dafür verantwortlich zu machen.

Außerdem weiß er, dass er in dem Moment seines Handelns mit den Konsequenzen seiner Entscheidung rechnen muss.

Dazu gehört eine Geldstrafe ebenso wie ein  Aufenthalt im Gefängnis oder der eigene Tod.

Er ist eben nicht der Meinung, dass sein Leben mehr wert ist als deins. Er weiß ganz genau, dass Leben gleich viel wert sind und hofft bloß, dass auf sein Handeln keine Konsequenzen kommen.

Ist es moralisch vertretbar ihn vorher zu töten? Naja es bleibt Mord.

Gesellschaftlich und religiös aber durchaus akzeptabel.

Ansonsten möchte ich dazu nur sagen: Nicht nur die übermäßig gewaltbereiten sortieren sich evolutionär aus, sondern auch die übermäßig friedvollen.

Antwort
von Mioodrag, 74

Ich hätte absolut kein Problem damit, wenn er/sie es drauf ankommen lässt muss man eben handeln.... Klar hat man nen Schock.... aber ich könnte mir das schnell wieder gut reden.

Antwort
von spaeschel85, 48

Hallo Orgrim.

Kurz gesagt: Nein.

Juristisch ist es vertretbar. Aber nie moralisch.


Laut der Bibel kann es als vertretbar verstanden werden. So zitiert die Vereinigung Christlicher Kampfsportler aus der Bibel zu den gesellschaftlichen Gesetzen:

Römer 13 „Sie trägt das Schwert nicht umsonst“ (die Obrigkeit) sondern zur Bestrafung der Bösen und zur Belohnung der Guten."
und Paulus ,Es ist Pflicht des Christen, den Staat in dieser Funktion zu unterstützen.’

Mehr auf http://www.vck-web.org/christ-und-gewalt#bibelaussagen


Der Begriff der "Notwehr" ist ein gesellschaftlicher Begriff, durch den sich ein Mord gesellschaftlich und auch juristisch rechtfertigen lässt.

Sachlich gesehen bleibt Mord = Mord. Ein Leben ist nicht zu beenden. Und wenn ich es beende, beweise ich in diesem Moment, dass ich dieser Regel nicht nachgekommen bin.

Die Logik hinter der gesellschaftlich akzeptierten und juristischen "Notwehr" lautet ja: Jemand der andere Menschen aus einer bloßen Laune heraus tötet, dessen Leben muss weniger bewahrt werden, als das Leben von dem, der sich nur verteidigt. = Notwehr.

Jedes Leben besitzt grundsätzlich einen Wert. Auch ein Vergewaltiger oder Mörder besitzt ein Bewusstsein, Gefühle und Gründe für sein Handeln- auch wenn wir diese Gründe nicht kennen. In dem Moment, indem ich aus Notwehr ein anderes Leben beende, werde ich -rein sachlich- zu einem Mörder.

Die Sache ist, dass man sein eigenes Leben und das Leben Anderer beschützen muss. Gesellschaftlich betrachtet ist ein Mensch, der Anlagen zum Morden hat, für die Gesellschaft gefährlicher, als jemand der nicht mordet. Auch laut der Bibel.

Am Ende ist die gewaltbereite Person auch für die Folgen ihres eigenen Handelns selber verantwortlich.

Der Wert eines Gewalttäters sinkt für uns alle, sobald er anderen Menschen Schaden zufügt. Er ist sogar eine Bedrohung für uns alle. Somit ist es nicht nur juristisch sondern auch sozial vertretbar, eine Person aus dem Spiel zu nehmen, bevor man selbst oder andere Menschen getötet werden.

Um die Gesellschaft zu schützen und als Selbstschutz. Die deutsche Rechtsprechung schließt sich dem an, sobald unmittelbare Gefahr für mein eigenes Leben besteht.

  • Ist es moralisch vertretbar? Nein.
  • Ist es gesellschaftlich vertretbar? Ja, um andere zu schützen.
  • Ist es persönlich vertretbar? Ja klar, wenn meine Person angegriffen wird.
  • Ist es religiös vertretbar? Nach meinem Glauben - Ja.
Kommentar von ThomasJNewton ,

Der Wert eines ...

Den zu berechnen ist dann wohl wahrhaft christlich?

Kommentar von spaeschel85 ,

So ist die Welt. Religion ist Wunschträumerei.

Antwort
von AnglerAut, 70

In Selbstverteidigung um mein Leben oder das eines anderen gegen einen Angreifer zu schützen, betrachte ich es als absolut vertretbar.

Antwort
von xDanny92x, 46

wenn mir jemand nach dem Leben trachtet und die einzige chance, meins zu behalten, darin besteht, ihm seins zu nehmen, dann ja.

ich sehe da nichts verwerfliches.

Antwort
von Omnivore10, 21

Von der Bibel halte ich NICHTS. Ich richte mein Leben nicht nach Märchenbücher aus, sondern nach meiner eigenen Moralvorstellung und nach Gesetze. Und es ist rechtlich nicht nur erlaubt in einer Notwehrsituation jemanden zu töten (wenn es nicht anders geht), sondern auch moralisch.

Hier gehts nicht um "besser oder schlechter". Mein eigenes Leben hat absolute Priorität, vor allem anderen. Und um mein Leben zu schützen ist es völlig vertretbar in der Notwehrsituation einen angreifer auch zu töten. Wenn ich nur so mein Leben schützen kann, dann habe ich nun mal keine andere Wahl.

Antwort
von Akecheta, 54

In solch einem Moment hast du keine Zeit darüber nachzudenken, daher stellt sich die Frage nicht.

Ist ein Angreifer kampfunfähig und du tötest ihn dann, dann ist das schwierig - auch aus strafrechtlicher Sicht.

Alles andere steuert da dein Unterbewußtsein und deine Instinkte.


Kommentar von Orgrim ,

Genau aus diesen Grund sollte man über solche schwerwiegenden Probleme schon im Vorfeld nachdenken, damit man dann weiß, wie man sich verhalten sollte.

Antwort
von Lilith2003, 5

Das finde ich nicht.

Wenn du überhaupt schon so denkst, dann hat dein Angreifer entschieden, dass sein Leben mehr wertvoll ist als deins und du verteidigst nur dein Leben und wenn er dabei stirbt, ist es sein Pech, es sei denn du hättest dich bewusst entschieden, ihn zu töten, obwohl du dich auch anders hättest verteidigen können.

Antwort
von fricktorel, 12

Was verstehst du unter "moralisch"?

Gesetzlich gesehen könnte es straffrei sein, unser ewige Schöpfer denkt da aber anders (Mt.15,26).

Kommentar von Lilith2003 ,

Woher weißt du das?

Glaubst du etwa, der ,,Schöpfer" verlangt von dir, dass du dich töten lassen musst?

Antwort
von he1lan2, 46

Ist zwar Altes Testament, aber entspricht meiner Einstellung: Wer Gewalt säht, wird durch Gewalt umkommen"

Jemand, der dich oder einen Anderen so angreift, daß du ihn in Notwehr töten mußt, stellt sich außerhalb aller Moral und daher hätte ich da keine Hemmungen...

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