Zählt verschweigen zu Lügen?

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So etwas geschieht sehr häufig. Das nennt man eine Halbwahrheit verbreiten oder nur die halbe Wahrheit sagen. Das ist eine sehr geschickte Form der Lüge, da sie mit nachprüfbaren Fakten daherkommt.

Das ändert aber nichts daran, dass die halbe Wahrheit eine ganze Lüge ist.

Ja. Denn es ist wird zu einer verfälschten Tatsache,Wahrheit, Meinung, Ansicht, Geschichte, Überlieferung, egal wie man es auch versucht Philosophisch durch aus und weglassen zu verkaufen.

Wenn ich bei Schwarz einen Farbton, der Farbskala, weglasse oder auslasse, wird es kein Schwarz (Realität, Tatsache, Fakt,) mehr werden.

Es kommt auf den Zusammenhang an und darauf, was Du mit Deiner Darstellung, in der Du etwas weglässt, bezweckst. Danach richtet sich, ob überhaupt von einer Lüge die Rede sein kann. Klar ist, man sagt fast nie Alles, was man für wahr hält. Das geht schon deshalb nicht, weil man dann unendliche Zeit bräuchte und keiner mehr zuhört (im Altenheim reden die Omas und Opas deswegen häufig mit sich selbst ...).

Von Lüge sollte man nur sprechen, wenn man es 1. absichtlich tut und 2. der "Empfänger" in seiner Bewertung u.ä. einer Tatsache beeinflusst werden soll. Hier kannst Du beliebig komplizierte Fälle konstruieren, in denen es nicht klar ist, ob von einer Lüge die Rede ist. "Frau Köhler hat mir mein handy geklaut."

  1. Frau K. ist bekannte Stadtstreicherin und packt Alles ein, was in ihre Nähe kommt.

1a) Der Sprecher glaubt, dass K. ihm wahrscheinlich das handy geklaut hat, als er am Schaufenster stand. Lügt er dann?

1ai) Der Sprecher hat gestern erzählt, dass K. gestern von den Stadtpolizisten fortgeschleppt wurde, lässt es aber in seiner Geschichte weg. Hat er das vergessen? Hat er es absichtlich weggelassen? Wo erzählt er die Geschichte? Hat er zuviel getrunken? War das nur eine Randbemerkung in einer langen Erzählung, die er und die Zuhörer gleich wieder vergessen? Möchte er Geld für ein neues handy? ... Wenn Du den Gedanken fortspinnst, findest Du sehr viele Fälle, in denen man genauer unterscheiden muss. Und wenn

  1. K. die Deutschlehrerin ist und Schüler sich gerade darüber unterhalten, wann handys in Klassenarbeiten konfisziert wurden, dann weiß jeder Gesprächsteilnehmer, was der Sprecher sagt.

Also: Mindestvoraussetzung ist, dass der Sprecher etwas sagt, von dessen Falschheit er weiß (Im Altenheim war Frau Schenker überzeugt, dass regelmäßig Wölfe unter ihrem Bett liegen. Hat sie gelogen, als der medizinische Dienst sie fragte, ob sie sich wohl fühle?), und wovon er möchte, dass der Hörer die falsche Tatsache für wahr hält. Das reicht aber nicht. Man kann sich viele Fälle denken, in denen es nicht auf den ersten Blick klar ist, ob gelogen wird. Ich mache jeden Tag sicher viele Äußerungen, die mehr oder weniger Tatsachen weglassen. Bin ich deswegen notorischer Lügner? Und selbst bei bewusstem Weglassen muss man nicht von Lüge reden. Schreibt z.B. einer eine Diss. in Biologie, in der er für einen biologischen Prozess eine mathematische Formel sucht (z.B, Wachstum von Ameisenhaufen in Abhängigkeit von Luftfeuchtigkeit, Nahrungsangebot, Außentemperatur ...). Um schneller fertig zu werden, lässt er an einer Stelle eine mathematische Fallunterscheidung weg (z.B. Wurzel negativer Zahle in R nicht definiert). Das ist nur eine Kleinigkeit, aber sonst würde er nicht fertig mit seiner Arbeit. Erst fünf Jahre später merkt man dieses kleine Problem auf einer von 250 Seiten. Sein Ergebnis ist falsch, er hat sich (juristisch gesprochen) vielleicht eines Betrugs schuldig gemacht -- hat er deswegen mit der großen Ameisenhaufenformel gelogen?

Du merkst: Philosophen differenzieren, bis die ursprüngliche Definition nicht mehr klappt.

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