Woran erkenne ich einen guten Tieftöner?

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4 Antworten

Hallo masterminese,

Das Thema Lautsprecher scheint dich sehr zu beschäftigen, denn ich erinnere mich noch an deine Frage bzgl. der Dämmung von Lautsprechergehäusen.

Woran erkenne ich einen guten Tieftöner?

Ich versuchs mal wieder mit einem Vergleich. Wenn du dich mit Freunden vielleicht über Autos unterhältst, dann benutzt ihr bestimmte Begriffe, die allgemein üblich sind und (fast) jeder versteht, auch wenn die physikalisch korrekte Herleitung die meisten überfordern würde.

Das wären dann so Begriffe wie Beschleunigung, Höchstgeschwindigkeit, Stärke des Motors in PS oder kW, welches Drehmoment bei welcher Umdrehungszahl des Motors, Bremsweg, bewegte Masse, also "wie schwer ist das Auto?", Verbrauch usw. Anhand dieser Werte würdest du dann beurteilen, was ein Auto kann und ob es eher ein Sportwagen, ein Transporter oder ein LKW ist.

Bei Lautsprechern gibt es ebenfalls technische Werte und Bewertungskriterien, die speziell für Lautsprecher entwickelt wurden bzw. in der Physik allgemein gebräuchlich sind und auf den Sonderfall "Lautsprecher" angewendet werden.

Deine Frage haben sich im letzten Jahrhundert unter anderem die Herren Thiele und Small gestellt und umfangreiche Studien durchgeführt. Das Ergebnis ihrer Untersuchungen wurde nach ihnen benannt( Thiele-Small-Parameter oder kurz TSP) und ist heute Grundlage zur Beurteilung von Lautsprechern und ihrer Eignung. Ein Lautsprecherchassis benötigt zur richtigen Funktion immer ein Gehäuse, welches genau auf das Chassis abgestimmt sein muss. Manche Lautsprecher benötigen unbedingt ein geschlossenen Gehäuse mit einem bestimmten Volumen und würde in einem Bassreflexgehäuse nicht richtig funktionieren, ein anderer funktioniert am besten in einem Bassreflex Gehäuse oder in einer Transmissionline.

Andere arbeiten optimal im unteren Bassbereich und werden als Sub-Woofer-Chassis bezeichnet, können aber bereits im Mitteltonbereich nicht mehr gut arbeiten, andere können im Bass und im Mitteltonbereich sehr gut funktionieren, und erkennen kannst du es nur an einem kompletten Datenblatt inklusive Frequenzgangkurve.

Dann gibt es noch die Gruppe von Tieftönern, die super aussehen, auch schön billig sind, aber in keiner Gehäuseform gut funktionieren, also hervorragend als Briefbeschwerer oder als Aschenbecher verwendet werden können. Diese Gruppe wird immer ohne vollständiges Datenblatt angeboten, und die TSP fehlen immer...denn sonst könnte ja der "Wissende" innerhalb von ein paar Minuten Rechnerei mit den TSP erkennen, dass es eigentlich nur Lautsprecher-Schrott ist.

Hier ein Aufstellung der Parameter, die vorhanden sein müssen, damit du am Schreibtisch eine Selektion anhand der Daten vornehmen kannst und nicht den teuren Weg gehen musst - Einkaufen, austesten, messen, laut fluchen und wegschmeißen - Einkaufen, testen, Müllhaufen usw.... bis du irgendwann endlich das gewünschte Chassis gefunden hast:

  • Resonanzfrequenz Fms
  • Elektrische Güte Qes
  • Mechanische Güte Qms
  • Gesamtgüte Qts
  • Bewegte Masse Mms 
  • Membranfläche Sd
  • Nachgiebigkeit der Aufhängung Cms
  • Gleichstromwiderstand Re
  • Induktivität der Schwingspule Le
  • Verschiebevolumen Vd
  • Äquivalentvolumen Vas
  • maximale Auslenkung Xmax
  • Kraftfaktor B × l
  • mechanischer Verlustwiderstand Rms

Es müssen nicht alle Werte bekannt sein, einige lassen sich aus den anderen berechnen, aber insgesamt ist das eine Große Anzahl von im Allgemeinen unbekannten Begriffen, über die du erst einiges erfahren musst.

Die eigentliche Berechnung macht dann ein kostenloses Programm, von denen es einige gute gibt.

Für die Beantwortung deiner Frage benötigst du als erstes die Resonanzfrequenz Fms des Chassis, die für einen Subwoofer-Chassis so tief wie möglich sein sollte. Eine Fms von 20 Hz wäre sehr gut, 50 Hz hingegen sagen dir sofort, dass es kein Chassis ist, um Tiefbass abzustrahlen.

Ein anderer wichtiger Wert sagt dir sofort, ob das Chassis Tiefbass mit großem Pegel abstrahlen kann, nämlich die

maximale Auslenkung Xmax

Wenn du 2 Chassis miteinander vergleichst, und das eine hat einen Xmax von 20mm, das andere nur von 8mm, dann wäre das erste für Subbass geeignet, das zweite eher nicht.

Außerdem habe ich gesehen, dass es durchaus für 12-30 Euro ordentliche tieftöner gibt

Kannst du mir bitte sagen, wo du sie gesehen hast? Hatten diese Tieftöner ein komplettes Datenblatt oder gehörten sie eventuell doch eher in die Gruppe der schön aussehenden und ...na, du weißt schon, Briefbeschwerer oder Aschenbecher..;-)

Ich kenne einige wenige Chassis mit TSP, die extrem billig sind, und eventuell ein tolles Schnäppchen sein könnten. Ich habe dann eine genaue Recherche gemacht, und plötzlich fand ich unter der gleichen Typenbezeichnung mehrere TSP-Sätze, und alle unterschieden sich deutlich.

Ich habe jeweils ein Exemplar gekauft und miteinander verglichen.

Ergebnis:

  1. Alle kamen exakt vom selben Hersteller
  2. Alle hatten im üblichen Toleranzbereich identische Werte
  3. Keiner der TSP-Sätze passte zu dem Chassis, zu dem es hätte passen sollen!! Alle Angaben waren geschönt oder besser gesagt, es wurde gelogen, dass sich die Balken biegen!!
  4. Ich konnte für die 3 Chassis fast identische TSP ausmessen, die so fürchterlich schlecht waren, dass sie für eine gute Lautsprecherkonstruktion vollkommen ungeeignet waren.

Noch ein paar Links zum Thema:

http://www.micka.de/org/einfuehrung.php

http://www.hifi-forum.de/viewthread-42-53.html

Lass dir Zeit, lese etwas über die TSP, wenn etwas unklar ist, kannst du mich gerne fragen. Wenn du bereits bestimmte Chassis ausgesucht hast, kannst du deine Wahl posten und du bekommst dann eine Bewertung über die Qualität und Eignung der Lautsprecher.

Grüße, Dalko


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wie du selber schon sagtest der Körper des Lautsprechers macht schon viel aus.Aber in erster linie ist er ein lautsprecher,dabei spielt für ihn erstmal die frequenz keine rolle,er wird versuchen selbst hohe töne abzuspielen,und das hört sich dann dementsprechend grauenvoll an.also heißt das dass du um ein frequenzweiche nicht herum kommen wirst,die ihn dann auch nur die tiefentöne zuspielt.

Es gibt aktive und passive Frequenzweichen:

Eine aktive Frequenzweiche ist, wie der Name ja schon sagt, eine aktive elektronische Einheit, d.h. sie verfügt über eine Stromversorgung und ist dadurch in der Lage nicht nur dämpfenden, sondern auch verstärkenden Einfluß auf das Signal auszuüben. Im Gegensatz zur passiven Frequenzweiche, welche nur Signal(teile) dämpfen kann, kann die aktive Frequenzweiche bspw. zur Entzerrung von Basssignalen eingesetzt werden, beim Einsatz von passiven Frequenzweichen muß für solche Aufgaben ein entsprechendes Gerät eingeschleift (zb über eine equalizer) werden. 
Da aktive Frequenzweichen vor der Endstufe zum Einsatz kommen, benötigt man natürlich pro Signalweg einen Endstufenkanal, d.h. bei zwei 2-Wege-Boxen bräuchte man insgesammt vier Endstufenkanäle. 

so teuer sind die aber nicht,lohnt sich wenn du richtigen sound hören willst,dieser muss nicht laut sein,sondern klingen.

und da du selber einen bauen willst bau ne weiche mit ein.klingt einfach besser.


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Das wichtigste an jedem Subwoofer ist das Gehäuse, welches sich von den Thiele-Small-Parametern ableitet. Die Güte des Chassis bestimmt, ob Bassreflex oder geschlossen, je nach dem, was man für einen Bass genau will. Eher pegelstark und nicht so tief, oder tiefer, dafür nicht so pegelstark.

Ich habe in meinen Standlautsprechern je ein 6-Euro-Chassis (17 cm) verbaut. Nur durch die geschickte Bauweise des Gehäuses mit einer TQWT-Transmissionline mit perfekten Winkeln, Längen und Bassreflexöffnung sowie einer aufwendigen und umfangreichen Bedämpfung spielt sie bis um die 30 Hz tief, dabei kontrolliert und nicht etwa verwaschen.

Daher kann man Chassis kaufen für 3.000 Euro oder 15 Euro, das Gehäuse macht erst das Ergebnis aus.

Preiswerte Chassis hat z. B. Speakertrade (Mivoc). Aber ich würde doch wenigstens 50 Euro ansetzen, dazu noch ein Verstärkermodul wie das bewährte AM80 von Mivoc für ca. 90 Euro.

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Was ich dir raten würde, ist, einen mit einer Gummisicke zu holen, die sind am langlebigsten.

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