Woher hatten Piraten ihr Piratenschiff?

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11 Antworten

Hallo! Die gesamte Bandbreite.Natürlich können auch Piraten oder deren Freunde seriös auftraten und ein Schiff kaufen bzw. eins bauen lassen. Aber es waren auch abgewrackte Schiffe dabei die aufgemöbelt wurden oder eben an Land gekaperte. Verbrechern fällt immer etwas ein um an das Geld anderer Leute zu kommen - war halt schon damals so. Bitter - die Piraterie hat viele Leben gekostet.

Ich wünsche Dir alles Gute.

Die Beschaffung ist so unterschiedlich, wie die Wege in die Piraterie:

Viele Piraten begannen ihre Laufbahn mit einem "Kaperbrief". Das war ein schriftlicher (seltener mündlicher) Auftrag von Königen oder Fürsten, den aktuellen Feind zu überfallen, wo immer man ihm begegnete.

Als Schiffe benutzten sie dabei ganz normale Schiffe, wie sie damals für Handel oder Krieg genutzt wurden. Oft wurden sie vom Aussteller des Kaperbriefs gestellt oder bezahlt bzw. gekauft. Nicht selten waren es aber auch Schiffe in Privatbesitz, die für solche - oft langjährigen - Aktionen "vermietet" wurden.

Meist blieben diese Söldner auch dann noch Piraten, wenn der Kaperbrief längst nicht mehr galt. ... Gelegentlich wussten sie nichts anderes mit sich anzufangen oder fanden das Leben gar nicht so schlecht. Es kam aber auch vor, dass sie mit dem Auslaufen des Kaperbriefs zur "persona non grata" wurden, also weder beim ehemaligen Feind, noch beim ehemaligen Auftraggeber auftauchen konnten.

Außerdem neigten Piraten dazu, sich "hochzuprügeln". Wenn sie ein passables Schiff gekapert hatten, behielten sie es einfach und nutzten es für ihre Zwecke.

Heute nutzen Piraten große Schiffe meist nur als "Mutterschiffe". Ihre Überfälle finden im Regelfall mit kleinen, wendigen und sehr schnellen Booten statt.


Der Weg in die Piraterie ist aber in allen Zeiten der Gleiche: Entweder suchen sie nach Abenteuer und Reichtum oder sie geraten auf diese Bahn, weil sie keinen anderen Weg finden, um ihr Überleben sicherzustellen.

Die meisten Piraten in Somalia sind beispielsweise ein Ergebnis der Demokratisierung und Befreiung des Landes durch die USA: Die sowieso schon jämmerliche Wirtschaft brach endgültig zusammen, die Leute hungern. Und sie haben nichts zu verlieren, aber im Angesicht der nur wenige Seemeilen vor ihrer Küste vorbeifahrenden Reichtümer eine Menge zu gewinnen.

Moin,

Meuterei auf ehemaligen Handels- oder Kriegsschiffen, "Diebstahl" im Hafen oder einfach Kauf etc.

Piraten waren auch während ihrer Blütezeit im Segelschiffszeitalter in der Regel schon einem mittleren Kriegsschiff nicht mehr gewachsen, da einfach kaum eine Piratenbesatzung geeignet gewesen wäre, diese zu bemannen und effektiv einzusetzen. Realistisch waren für die meisten Piraten eher kleine, schnelle Schiffe. Damit konnte man schnell segeln und relativ unauffällig Unterschlupf auch in flachen Gewässern suchen; ein Handelsschiff zu überwältigen war aufgrund deren kleiner Besatzung und fehlender Waffen dennoch gut möglich.

Die Piratenschlachten aus Pirates of the Caribbean etc. sind eher fantastische Wunschträume, als sie der Lage damals entsprachen. Oft hat sich da einfach eine ehemalige Fischerbootsbesatzung beruflich umorientiert.

mfg Nauticus

aptem 03.07.2013, 21:30

Die Piratenschlachten aus Pirates of the Caribbean etc. sind eher fantastische Wunschträume, als sie der Lage damals entsprachen

Das ist so nicht richtig. Es gab auch das was Du beschreibst, aber auch grössere Schlachten und Piraten bzw. Kaperflotten.

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Nauticus 03.07.2013, 21:54
@aptem

Gab es wohl, wenn man vor allem an "Freistaaten" wie die Bukanier denkt. Das "Pratentum" dieser Zeit erfüllte aber weniger unsere Vorstellung von den hunderten berüchtigten Kapitänen mit ihren Schiffen, die der Marine Schnippchen schlagen. Hauptproblem war eher, in den Kolonien wie z.B. der Karibik erst einmal kampfkräftige Marineschiffe bereit zu stellen und Piraten zwischen in der weiten See zwischen allen möglichen Verstecken aufzuspüren.

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aptem 03.07.2013, 22:04
@Nauticus

Naja, da ist "Pirates of the Carribean" recht realistisch. Ein bis zwei echte Kriegsschiffe sind für Piraten schon eine Bedrohung. Und wehe wenn die richtige Flotte kommt, da bleibt den Piraten nur die Flucht. Was unrealistisch an der Darstellung sind eher die taktischen Details der Schlachten.

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Nauticus 03.07.2013, 22:08
@aptem

Mir schwebt im Kopf da eher der dritte Teil, indem die Piraten aller Weltmeere die Ostindische Kompanie besiegen ;) Obwohl die ja egtl. eher auf stark bewaffnete Handelsschiffe gesetzt hat, aber Schluss nu.

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Die Schiffe der karibischen Piraten wurden auch durch Werften in der Karibik gebaut. Manche Piraten wurden durch echte Aktiengesellschaften finanziert. Insgesamt war das Piratengeschäft nicht anders als andere Geschäfte. Dabei bauten auch die anderen Seefahrer ihre Schiffe nicht selbst, sondern benutzten Schiffe von Werften oder gebrauchte.

Piraten waren damals - wie heute - oft einfache Seeleute: Fischer, Händler usw. die die Gelegenheit nutzen und auf See Handelsschiffe überfielen. Somit war das Schiff schon vorhanden. Mitunter wurden auch gekaperte Schiffe genutzt. Auch das gibt es heute noch. Es werden gekaperte Frachtschiffe als Mutterschiffe genutzt, von denen aus die kleinen, schnellen Skiffs aus, auch weit von der Küste entfernt Angriffe durchführen können.

Unterschiedlich, erbeutet, durch Meuterei an sich gebracht aber hauptsächlich doch auf legalem Wege bekommen. Bereits als Kapitäne mit Unterstützung der entsprechenden Könige feindliche Händler angegriffen mit oder ohne Kaperbrief.

PatrickLassan 04.07.2013, 13:56

mit Unterstützung der entsprechenden Könige

Dann ist der Begriff 'Pirat' aber nicht zutreffend.

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aptem 05.07.2013, 08:28
@PatrickLassan

Doch. Es geht ja darum wie sie an das Schiff kamen und nicht was sie damit später gemacht haben. Erstens war der Übergang zwischen Piraten und Kaperern recht fliessend, da wurden Seiten gewechselt wie Unterhosen und hatte man heute noch einen Kaperbrief, war man morgen ohne unterwegs. Und zweitens konnte einer, der erstmal von der Krone ein Schiff bekommen hat einfach Pirat werden mit dem Schiff freiwillig oder unfreiwillig.

Der Meuterer ist ja auch im Moment vor seiner Meuterei ein Offizier gewesen und kein Pirat.

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Die schiffe haben sie meist von den regierungen gestellt bekommen für die sie gearbeitet haben und durch beutezüge erobert.

PatrickLassan 04.07.2013, 13:59

Die Schiffe wurden nicht gestellt, es waren Schiffe von Privatleuten, die einen Kaperbrief hatten. Dafür ist dann aber die Bezeichnung 'Freibeuter' eher zutreffend.

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piraten waren seeräuber, zu 90 % waren ihre schiffe gekaperte und damit geraubte schiffe .

In der Tat, die Frage hört sich ein bißchen komisch an.

Überleg mal selbst. Piraten waren Berufsverbrecher. Wie wahrscheinlich ist es wohl, daß sie einen Kredit aufgenommen haben, um sich ein Schiff zu kaufen und den dann vielleicht noch brav zurückgezahlt haben?

aptem 03.07.2013, 21:34

Piraten waren Berufsverbrecher

einige Piraten waren Visonäre und die fortschrittlichsten Demokraten ihrere Zeit. Und die Verbrecher waren die, die sie jagten.

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Bauingenieur 03.07.2013, 22:17
@aptem

Man kann auch als Visionär und Demokrat Gesetze brechen, Andere ausrauben und ihnen den Schädel einschlagen. Das ist kein Widerspruch. Das Wort "Verbrechen" geht auf das althochdeutsche Verb für ‚das Recht brechen‘ zurück. Und das haben Piraten zweifellos getan. Raub und Mord galten und gelten auch heute noch als schweres Verbrechen. Ob jemand Verbrecher ist, bestimmt nicht romantisch verklärtes Gerechtigekeitsempfinden sondern definiert sich über anerkanntes Recht. Ob uns das paßt, ist eine andere Sache.

Einige RAF-Mitglieder waren übrigens zweifellos auch Visionäre.

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aptem 05.07.2013, 09:02
@Bauingenieur

Kommt drauf an wie man es definiert. Es ist absolut unsinnig Deine legale, positivistische Definition als einzig richtige zu übernehmen. Aus mehreren Gründen:

1.Moral ist die Grundlage und der Ursprung der Gesetze. Sie komplett zu entkoppeln ist somit Nonsens. http://de.wikipedia.org/wiki/Gute_Sitten

2.Das Rechtsverständnis hat sich sehr gewandelt im Laufe der Geschichte. Auch die Vorstellungen von Raub und Mord. In der Zeit von der hier die Rede ist war vieles was für uns heute Raub und Mord ist eben nicht das. Da wurden viele Probleme mit Waffengewalt geregelt und wer gewann bekam die Beute. Ob das hinterher die Geschädigte Seite als Raub und Mord ansah und auch in ihrem Rechtsfeld als solches definierte ist eine subjektive Geschichte. Überhaupt ist Recht subjektiv.

3.Greift man Deine Position auf so waren die Gefolterten und die Umgebrachten durch die Inquisition z.B. Verbrecher. Und so war es auch aus der legalen Sicht damals. Doch würden wir sie heute kaum so bezeichnen. Warum? Weil die Moral gebietet die Situation ganz anders zu bewerten. Stattdessen würden wir heute eher die Inquisition als Verbrecher sehen. Nochmals. Gesetze sind keine hohlen Normen, die sie wären wenn sie nicht auf gesellschaftlicher Moral(die auch sehr subjektiv ist aber das ist eine andere Diskussion) aufgebaut wären.

4.Der sprachliche Gebrauch. Das Wort "Verbrecher" ist eindeutig negativ belegt. Man kommt nicht umhin auch die sprachlichen Traditionen zu beachten. Man sieht es sogar direkt in der Antwort, die wir hier kommentieren. Es wird dem "Berufsverbrecher" gleich fehlende Zahlungsmoral unterstellt und und und... Es ist eben üblich die "Bösen" als Verbrecher zu bezeichnen.

P.S. Unter RAF-Mitgliedern waren nicht nur Visionäre. Das war der letzte Aufschrei der politisch wirklich aktiven Bürger in Deutschland. Und unter Opfern waren auch sehr fragwürdige Personen. Das Ganze ist eh ein gesellschaftliches Phänomen. Die Heuchelei in der deutschen Politik hat RAF erst möglich gemacht. Legal waren RAFler - Verbrechen, keine Frage, aber sie haben diese Grenze nicht einfach aus schlechter Laune überschritten und etwas bewegt. Man kann natürlich gemässigter sein und den verlogenen "Joschka" machen...

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Rheinflip 04.07.2013, 12:01

Ja, Piraten wurdden wie andere Seefahrer auch über Kredite finanziert.

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Bauingenieur 04.07.2013, 12:54
@Rheinflip

Piraten oder Freibeuter/ Kaperfahrer? Das ist ein Unterschied, und ich habe den Eindruck, das wird in dieser Diskussion ganz gerne mal verwechselt.

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Rheinflip 04.07.2013, 17:32
@Bauingenieur

Die Begriffe Pirat, Kaperfahrer, Freibeute, Filibuster, Bukanier sidn weitgehend austauschbar, je nach Standpunkt und Nation.

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Bauingenieur 04.07.2013, 21:27
@Rheinflip

Ich gehe mal davon aus, daß wir uns im Deutschland des Jahres 2013 befinden. Eine Diskussion über die Definition der Begriffe Pirat und Freibeuter sollte damit eigentlich hinfällig sein.

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Als echte Piraten hatten sie ihre Schiffe natürlich geklaut!

die haben ein anderes Schiff gekapert und sich dieses einfach genommen .....

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