Wieso gibt es keinen Jugendstil mehr?

6 Antworten

Weil jede Zeit ihren Stil, ihre Mode hat.Es ist wie mit der Kleidung, den Möbeln, Autos usw. Der Jugendstil gehört in die Zeit um 1900/ 1910, in ganz Europa, sieht aber in fast jedem Land anders aus.

Wie lifefree schon schreibt, jede Zeit hat ihre Mode. Aber dennoch könnte man natürlich trotzdem im Jugendstil bauen, wenn man möchte.

Aber das wäre natürlich extrem teuer, wenn man z.B. allein an die Fenster mit den vielen Rundungen denkt. Zum anderen wäre das mit den heutigen Bauvorschriften z.T. technisch kaum möglich. Alles muss besser isoliert und sicherer sein. Meist heißt das einfach auch dicker und dann passt es nicht mehr zum filigranen Jugendstil.


Tanja83 
Beitragsersteller
 04.06.2013, 11:21

Ok das mit guter Isolierung und so seh ich ein. Aber war es denn früher nicht zu teuer? Oder hatte man da mehr Geld?

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samson13  04.06.2013, 20:09
@Tanja83

Der Unterschied zu etwas anderem war nicht so groß.

Also wenn wir mal beim Beispiel Fenster bleiben. Die wurden früher sowieso in Handarbeit hergestellt. Ob man dann ein gerades oder ein rundes Fenster macht, war nicht so ein extremer Unterschied. Heutzutage werden Fenster maschinell in der Fabrik gemacht, bei Rundungen geht das nicht. Das heißt hier muss auch heute noch mit Hand gearbeitet werden. Das kostet!

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bestimmte "moden" sind mit der zeit überholt und werden einfach nicht mehr fortgesetzt. neben dem jugendstil fallen mir die öffentlichen gebäude im wilhelminischen stil ein. ich bin noch 1960 in solch ein backsteinmonstrum eingeschult worden und fand das ziemlich bedrückend. in späteren jahren und durch eigene handwerkliche erfahrung habe ich mich immer gefragt, wie die damaligen handwerker geschraubte 90 grad rohrwinkel in die höchsten ecken der räume bekommen haben. heute hat sich diese frage durch lötverbindungen erledigt. nochmal zum jugendstil: müßte man heute nachmachen und ist dann "nur noch" (abwertend gemeint) historisierend, also keineswegs dem zeitgeist entsprechend, dafür aber richtig teuer, weil man manches der heutigen technik und heutigen bestimmungen entsprechend abwandeln müßte (auf putz verlegte zinkrohre für stromkabel PLUS keramikdrehschalter für licht, sowie keramik-steckdosen bekommst du gar nicht zugelassen. und besonders praktisch wäre das ja auch nicht.

Ganz einfach: Ideologie und Geldsparen. Man merkt schon an einigen Antworten hier, das auf Nebenschauplätze ausgewichen wird. Ein Antwortender meint, ein altes Haus hätte ihn bedrückt (Warum? Was für ein Haus war das? Ist Jugenstil auf dunkle Bauweise mit wenigen Fenstern angewiesen? Nein, damals waren großflächige Fenster einfach technisch schwierig zu realisieren. Ein anderer Überputzkabel seien problematisch usw. Jugendstil ist aber nicht durch bestimmte Kabelverlegungen gekennzeichnet, sondern eine offene Kunstrichtung, die auch mit Unterputzkabeln und "modernen" Schaltern und großen Fensterfronten klar kommt. Die Ideologie des Bauhausstils hat den Jugendstil verdrängt. Lesen Sie Adolf Loos "Ornament als Verbrechen", der dargestellt hat, das Ornamente den armen Bauarbeitern zu viel Arbeit machen und außerdem wie Tätowierungen Verbrecher kennzeichnen. Lesen Sie dann noch "Le Corbusiers Bauten – schlimmer als Bombenkrieg" von Theodore Dalrymple. Vergleichen Sie dann das Bundeskanzleramt mit einer Waschmaschine und einem Jugendstilhaus. Die Abwendung der Kunst von der Gegenständlichkeit spielt auch eine große Rolle, man will modern sein und das alte ist gegenständlich, geht also nicht. Ein Architekturstudent, der eine Jugendstilhaus entwirft, bekommt eine schlechte Note. Unterrichtet wird das schon gar nicht. D.h. Architekten können sowas nicht mehr, sondern nur Kaninchenställe für Menschen ohne jeden Zierrat. Und billiger ist es ohne Ornament natürlich auch.


JugendstilArt  13.09.2016, 11:04

Ganz einfach: Ideologie und Geldsparen. Man merkt schon an einigen Antworten hier, das auf Nebenschauplätze ausgewichen wird. Ein Antwortender meint, ein altes Haus hätte ihn bedrückt.  Warum? Was für ein Haus war das? Ist Jugenstil auf dunkle Bauweise mit wenigen Fenstern angewiesen? Nein, damals waren großflächige Fenster einfach technisch schwierig zu realisieren. Ein anderer: Überputzkabel seien problematisch usw. Jugendstil ist aber nicht durch bestimmte Kabelverlegungen gekennzeichnet, sondern eine offene Kunstrichtung, die auch mit Unterputzkabeln und "modernen" Schaltern und großen Fensterfronten klar kommt. Man kann auch KfW 100 Häuser im Jugendsstil bauen. Die Ideologie des Bauhausstils hat den Jugendstil verdrängt. Lesen Sie Adolf Loos "Ornament als Verbrechen", der dargestellt hat, das Ornamente den armen Bauarbeitern zu viel Arbeit machen und außerdem wie Tätowierungen Verbrecher kennzeichnen. Lesen Sie dann noch "Le Corbusiers Bauten – schlimmer als Bombenkrieg" von Theodore Dalrymple. Vergleichen Sie dann das Bundeskanzleramt mit einer Waschmaschine und einem Jugendstilhaus. Die Abwendung der Kunst von der Gegenständlichkeit spielt auch eine große Rolle, man will modern sein und das Alte ist gegenständlich, geht also nicht. "Form follows Funktion" bzw. Funktionalität, wurde ebenfalls von anderen als Argument gegen den Jugendstil angesprochen: Damit ist nicht die Funktion des Wohnens für Menschen gemeint, sondern die Funktion der Bauteile für einander, das ist ein quasi-religiöser Glaubenssatz: Das Tischbein wird auf seine Funktion, die Tischplatte zu halten, reduziert und darf darum nicht verziert sein. Mit Funktionalität im landläufigen Sinne hat das nichts zu tun. Ein Jugenstilhaus ist natürlich auch zum Wohnen geeignet. Aber: Ein Architekturstudent, der eine Jugendstilhaus entwirft, bekommt eine schlechte Note. Unterrichtet wird das schon gar nicht. D.h. Architekten können sowas nicht mehr, sondern nur Kaninchenställe für Menschen ohne jeden Zierrat. Und billiger ist es ohne Ornament natürlich auch. 

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