Wie war es damals in der Grundchule/Schule?

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Damals (1950) hieß sie noch Volksschule und fand - für mich - in einem Provisorium von Gebäude, einer Baracke, statt - inmitten eines einzigartigen Trümmerfeldes meiner Heimatstadt - nach dem 2. WK.

Ohrfeigen gab es "nur" vom unmöööglichen Schulrektor; ansonsten wurden wir bis auf eine Ausnahme, einem weiteren Lehrer, just als Spätheimkehrer aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt, von Frauen unterrichtet, von den ich im Nachhinein bezweifeln musste, dass sie den Lehrberuf STUDIERT hatten.

Wir saßen, wie man es aus guten, alten Filmen kennt, auf Zweier-Bänken, teilten uns das Tintenfass in der Mitte des Tisches und lauschten mehr oder weniger desinteressiert den Monologen der Lehrer/innen, die - gleichgültig welches Fach - aus Kriegszeiten erzählten - und wie schön das Leben doch unter A.H. gewesen sei - - besonders, "da nun alles kaputt ist".

Es war die Langeweile der Volks=Grundschulzeit, die mich vieles aus jener "Ära" bald vergessen ließ, zumal die Freizeit danach viel spannender war: Wir krochen in Kriegschiffs- und U-Boot-Wracks herum, klauten wertvolle Gegenstände aus verrotteten Offiziersmessen - und vor allem Metall, Metall, Metall, um es beim nächsten Schrotthändler zu verhökern.

Völlig anders war die Zeit am Gymnasium, an dem nahezu jeder Leher eine pädagogische und menschliche Ausnahme-Persönlichkeit war. Meine Zeit dort war sooo gut (obwohl bestenfalls durchschnittlicher Schüler), dass ich lange vor dem Abi den Wunsch hegte, selbst Lehrer zu werden. Das wurde ich - vier Jahre über die Pensionsgrenze hinaus, also bis zum Alter von 69 Jahren. Zu vier meiner Lehrer hielt ich noch bis zu VIERZIG Jahren nach meinem Abi Kontakt. - Ebenso verhält es sich mit Ex-Schülern / innen mir gegenüber. Ich habe immer noch Kontakt zu solchen, die ca. 1980 ihr Abi machten, zu den Jahrgängen danach ohnehin...

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Ich wurde 1972 eingeschult und körperlich gezüchtigt durfte damals schon lange nicht mehr werden.

An was ich mich sehr gut erinnern kann, war die Mengenlehre. Die wird schon lange nicht mehr unterrichtet.

Zwar war es offiziell schon verboten, Schüler zu schlagen, als ich 1965 in die Volksschule kam. Aber wir hatten eine etwas ältere Lehrerin, die noch sehr gerne einem mit dem Rohrstock auf die Hände schlug. Das nannte man die Tatzen, die höllisch weh taten.

Unsere Eltern glaubten uns das oft gar nicht, oder waren der Meinung, dass die Lehrerin das nicht grundlos getan hätte und wir selbst schuld seien. So Obrigkeitshörig, wie sie waren, hatte ein Lehrer immer recht. Diese Elterngeneration nenne ich gern die "Prä-68er",beivdenen wohl manche noch geistig in der NS-Zeit stecken geblieben waren.

Da es einen Lehrermangel gab, wir aber die geburtenstarken Jahrgänge waren, gab es bei uns sehr große Klassen. Soweit ich mich erinnere, waren wir in der ersten Klasse 58 Schüler und Schülerinnen. Und es gab vier oder sogar fünf erste Klassen. Es kann daher auch sein, dass manche Lehrer einfach mit so großen Klassen überfordert waren, und denen daher schneller mal die Hand ausrutschte.

In der 5. hatten wir zwar einen netten Lehrer, der aber auch hin und wieder besonders schlimmen Jungs die Ohren langzog. Damals wechselte man in Bayern erst nach der 6. Hauptschule auf eine Realschule. Dort kann ich mich echt nicht daran erinnern, dass die Lehrer noch handgreiflich wurden. Aber da ich dort nur immer in reinen Mädchenklassen war, und wir relativ brav waren, kann ich nicht sagen, ob es in Jungsklassen nicht doch zu so etwas kam.

Jedenfalls ist dann die eine Lehrerin doch recht schnell suspendiert worden, durch so 68er.

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