Wie schaffe ich es, bei Kritik nicht so schnell zu weinen?

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6 Antworten

Kritik ist in erster Linie immer hart aber gleichzeitig auch eine Chance.

Wenn jemand einen kritisiert, insbesondere etwas so intimes wie Persönlichkeitszüge, geht das an niemanden spurlos vorbei und es ist durchaus normal, wenn man diese nicht mit einem strahlen im Gesicht und voller Dankbarkeit entgegen nimmt. Um jedoch Kritik besser händeln zu können, muss man an seiner eigenen Haltung zu dieser arbeiten und auch zu der an sich selbst.

Konstruktive Kritik birgt immer die Chance, etwas besser machen zu können oder zumindest über sich selbst nachzudenken - eine gute Sache, denn nur so kann sich eine Persönlichkeit entwickeln und auch festigen. Man muss auch, als Reaktion auf eine Kritik, nicht zwangsläufig eine Änderung vornehmen aber man kann sich selbst hinterfragen - vielleicht gibt es auch gute Gründe, sich ebenso zu verhalten und das kann man sich und auch seinem Umfeld dann bewusst machen.

Es ist entsprechend eine Frage der Perspektive, mit der ich auf Kritik schaue. Als was sehe ich sie und sehe ich auch die Chance, die mir diese Kritik geben kann? Falls ja, dann verändert sich auch die Wirkung der Kritik. Sie kann immer noch empfindlich treffen, jedoch nimmt man sie nicht mehr als reines Negativ auf.

Dazu gehört auch eine Grundhaltung, zum Beispiel, dass man es anstrebt sich selbst weiterzuentwickeln und auch mit sich selbst kritisch ist - im einen Gleichgewicht mit Lob und Stolz. Das ist die Selbstreflexion. Sein eigenes Handeln beobachten und hinterfragen, um daraufhin Schlüsse für sich zu ziehen und fair mit sich selbst zu entscheiden, ob man das so machen kann oder nicht. Wer sich selbst ausgewogen kritisch und lobend gegenübersteht, verträgt auch Kritik von außen sehr viel besser, da man Kritik zum Teil seines Denkens macht.

Damit fiel auch das wichtigste an der Kritik - das Lob. Das eine funktioniert nicht ohne das andere. Mache dich auch selbst empfänglich für Lob und erlaube dir selbst, stolz auf etwas zu sein und auch Lob von anderen als gleichwertig zur Kritik anzusehen. Lob annehmen ist der Schlüssel, um mit Kritik umgehen zu können. 

Wenn ich dir jetzt also, wohlgemerkt ernst gemeint sage:

Ich finde es toll, dass du an deiner Kritikfähigkeit arbeiten möchtest.

Dann nehme dies an und damit meine ich nicht, dass du dich bedankst. Darum geht es nicht. Lerne diesen Satz zu lesen und lasse ihn wirklich an dich ran. So schaffst du das beschrieben Gleichgewicht.

Das ist alles sehr abstrakt, im Endeffekt soll dies aber alles nur eines heißen:

Werde selbst kritisch und lobend, denn in dieser Kombination lernst du die Chancen der persönlichen Entwicklung und der Befriedigung durch Lob zu schätzen - auch wenn sie von außen kommen.

Wenn du feststellst, wie schön es sein kann, wenn Kritik Früchte trägt und ein ehrliches Lob erfreuen kann, dann näherst du dich immer weiter an und lernst sich zu schätzen.

Ich wünsche dir viel Erfolg bei diesem Unterfangen. Nehme dir Zeit für dich selbst, eine ruhige Minute, und lasse dir dies alles durch den Kopf gehen. Am wichtigsten: Gebe dir auch selbst Zeit, von heut auf morgen verändert sich nicht alles aber du wirst, Schritt für Schritt, merken, dass es besser funktioniert, wenn du daran aktiv und bewusst arbeitest.

Liebe Grüße.

Danke für die liebe ausführliche Antwort, werde mir deinen Ratschlag zu Herzen nehmen!

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Ist es immer dieselbe Person die dich zum Weinen bringt? Dann kennt diese Person vielleicht deinen wunden Punkt, und dessen Kritik ist alles andere als Konstruktiv, es kann sogar sein, das diese Person dich genau so haben will (ist nur eine Schätzung).

Falls es nicht immer die gleiche Person ist, musst Du Zuhören was sie an dir auszusetzen haben, du denkst es sei Konstruktiv, aber Hilft es dir? Wenn Personen als an deinen Fehlern herummeckern ist das alles andere als Konstruktiv, wenn jemand den Fehler erkennt solle er kurz erläutert werden, vielleicht ein wenig kritisieren und dann Vorschläge wie du es besser machen kannst.

Wenn nur Kritisiert wird, wird dies nur dein Selbstvertrauen schwächen, das wird viele Selbstzweifel in dir aufkeimen lassen und das ende ist dir sicher bewusst. 

Du musst dein Selbstvertrauen stärken, frag ein paar Freunde ob sie dir dabei Helfen können, glaube an dich, Du schaffst das!

Danke für das nette und hilfreiche Kommentar!

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Emotional getroffen werden wir vor allem von Kritikpunkten, für die wir uns selbst verachten.

Geh mit dir selbst um, wie mit einer guten Freundin. Schreibe alle (Selbst-)Anklagen auf und stelle ihre Bedeutung für dich in Frage. Ist es so schlimm, so wichtig?

Stelle möglichst wenig Vergleiche mit anderen an. Du bist Du! Und du bist viel wert!

Vorm Spiegel üben kann auch helfen. Und bei Tiefs zwischendurch: Sogar anlachen des Spiegelbildes kann die Laune verbessern - irgendwann wird aus dem Kunstlachen echtes Lachen.

Und mit einigem Abstand kann man manchen Kritikpunkt als Verbesserungsvorschlag ansehen.

(Soweit theoretisch ... Ich habe da auch das eine oder andere Problem. Aber nicht mehr so dolle wie früher mal :-) )

Hi,

hast du denn eine Ahnung warum das so ist oder wo das herkommt? Wie schaut allgemein bei dir mit dem Selbstwertgefühl aus? 

Kann das die Kritik bei dir einen Kopf drück und dann ein automatisches emotionales Programm abläuft. Falls das so ist, wäre Ursachenforschung angesagt. Du kannst das loswerden, wenn du weißt wo das herkommt und dich dann damit emotional auseinander setzt.

Liebe Grüße

Danke für die Antwort, ich hatte als Kind eine sehr stressige Zeit aufgrund der Trennung meiner Eltern, was man mir auch in meinem sozialverhalten angemerkt hat. Dadurch saß ich schon früh immer und immer wieder bei jeglichen Personen, die mir gesagt haben wie ich mich zu verhalten habe, ich denke es kommt daher. Habe mich sehr verändert in meinem Leben und bin soweit zufrieden mit meinem Charakter aber ich habe halt so wie jeder andere auch meine schlechten Seiten. Aber wenn die bei mir angesprochen werden kann ich mir das weinen einfach nicht verkneifen und ich hasse es

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@schnorina

Ok,

das sicherste wäre, mMn, das du dir einem kompetenten, ausgebildeten Gesprächspartner sucht, der dir dabei hilft. 

Oder du wartest bis es von alleine besser wird, wobei ich die erste Option bevorzugen würde, weil das der effizienteste Weg wäre, das los zu werden. Das ist auch echt ziemlich nervig, wenn du immer weinen musst, auch wenn du das gar nicht willst. Das deutet schon darauf hin, das du eine emotionales Erlebnisse hattest, was nicht verarbeitet wurde. Das ist jetzt noch da und arbeitet im Hintergrund. Und wenns einer anpiekt, dann kommt das Wasser :) 

Bei solchen Emotionalen Sachen weißt du nie, wie groß die Treibmine (das Thema) unter der Oberfläche letztlich ist. Und ab einer gewissen Größe brauchst du halt einen Profi der das Ding entschärft. Daher würde ich dir raten das professionell einmal kurz und schmerzlos beheben zu lassen. 

Liebe Grüße

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Sag dir, dass es nur gut gemeint ist und dass ehrliche Kritik um einiges besser ist, als wenn sie dir ins Gesicht lügen und sagen würden, dass du irgendetwas gut gemacht hast obwohl es nicht gut war und dann hast du auch keine Chance, dich zu verbessern. Sieh eine nett formulierte Kritik als Chance und konzentriere dich darauf, sachlich die Argumente des anderen anzuhören und dich noch während dessen damit abzulenken, diese zu verarbeiten und zu überlegen, wie du die Kritik positiv für dich nutzen kannst. Wenn du dein Gehirn damit ablenkst hat es gar keine Gelegenheit dazu, deswegen emotional zu werden.

Danke hört sich logisch an, werde es versuchen!

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Ging mir genau so. Und zwar immer dann, wenn es eben KEINE konstruktive Kritik war, sondern A-lochgelaber. Immer Hau drauf. Immer auf die kleinen. Die können wir ja fertig machen. Bei guter Kritik kann man richtig etwas lernen! Da muss man dann auch nicht weinen, sondern ist froh, Tipps bekommen zu haben und dann kann man gut loslegen. Auf A-löcher kann ich verzichten.

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