Themenspecial 11.11.2020
Missbrauchsprävention
Am Mittwoch, den 11. November 2020, beantwortete die Beratungs- und Informationsstelle N.I.N.A. auf gutefrage, wie Kinder und Jugendliche vor sexueller Gewalt geschützt werden können. Alles zum Themenspecial

Wie kann ich verhindern, dass Kinder von irgendwelchen Perverslingen missbraucht werden?

3 Antworten

Hallo lisehernande230,

vielen Dank für die Frage!

Wir sind unsicher, ob es ganz generell gemeint ist oder ob Sie die Frage als Elternteil an uns richten. Wir nehmen an, es ist ganz generell gemeint und antworten jetzt einfach mal dementsprechend.

Eine Gesellschaft, die sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen verhindern will, muss vor allem sehr aufmerksam sein für das Thema und dabei auch den Gedanken zulassen, dass Missbrauch überall passiert: in den Familien, in der Nachbarschaft, in der Kita, in der Schule, in Freizeiteinrichtungen, in kirchlichen Einrichtungen, und so weiter….Missbrauch passiert also nicht irgendwo ganz weit weg, sondern in unserem unmittelbaren Umfeld. Missbrauch ist auch kein Thema der sozialen Unterschicht, was viele Menschen fatalerweise annehmen. Und: Missbrauch sieht man weder den Betroffenen noch den Tätern und Täterinnen an. Auch davon gehen immer wieder sehr viele Menschen aus. Ohne sich dessen bewusst zu sein, kennt sehr wahrscheinlich jede und jeder von uns eine Person, die sexuellen Missbrauch erfahren hat oder aktuell unter sexualisierter Gewalt leidet. 

Wenn Sie Kinder schützen wollen, dann werden Sie aktiv in Ihrem unmittelbaren Umfeld. Sensibilisieren Sie zum Beispiel den Sportverein vor Ort (in dem Sie vielleicht Mitglied sind) für das Thema. Es ist sehr wichtig, dass alle Orte, an denen Kinder sich aufhalten, zu sicheren Orten werden. Hierfür können Institutionen und engagierte Einzelpersonen sehr viel tun. Hilfreiche Informationen finden Sie unter www.kein-raum-fuer-missbrauch.de.

Machen Sie die Öffentlichkeit aufmerksam, dass es das Thema gibt und auch dass es Hilfe gibt. Vielleicht gefällt Ihnen hier die Initiative “Jetzt kein Kind alleine lassen - Gemeinsam gegen Missbrauch” vom Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs.  Unter www.kein-kind-alleine-lassen.de finden Sie umfangreiche Informationen sowie Flyer zum Ausdrucken, Aushängen und Verteilen. Viele Menschen sind hier bereits aktiv, nutzen und verteilen die Materialien und tragen auf diese Weise zum Schutz von Kindern bei.  

Wenn Sie direkt mit Kindern zu tun haben, dann machen Sie diesen keine Angst vor “Perverslingen”, die ihnen auflauern könnten. Das schützt Kinder erfahrungsgemäß nicht oder nur wenig. Wichtig ist, Kinder zu stärken und Ihnen Mut zu machen, ganz sie selbst zu sein. Kinder müssen wissen, wo Sie Hilfe finden, wenn etwas nicht stimmt….und das Hilfe holen kein Petzen ist. Kinder brauchen Erwachsene, die ihre Grenzen achten und sie ernst nehmen. Sie müssen wissen, dass Geheimnisse, die sich nicht gut anfühlen, keine Geheimnisse bleiben sollten. Und sie müssen erfahren, dass sie selbst über ihren Körper bestimmen dürfen. Das heißt auch, von einem Kind keine Höflichkeits-Küsschen zu erwarten oder zu verlangen und sein Bedürfnis nach Intimsphäre zu respektieren. Um dafür ein Beispiel zu geben: Wenn ein Kind sich im Schwimmbad nicht in der Sammel-Umkleidekabine umziehen will, dann muss es das auch nicht. 

Besonders aufmerksam sollten Sie übrigens sein, wenn Kinder sich viel und unbeaufsichtigt im Internet bewegen. Das Internet ist ein idealer Ort für sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Die Täter gehen online genauso strategisch vor wie offline. Nur ist es noch schlimmer: Die Kontaktaufnahme ist schnell und vermeintlich unverbindlich. Dabei stehen die Täter oft schon mit beiden Beinen im Kinderzimmer…und niemand schaut hin. 

Und das Wichtigste zum Schluss: Wenn Sie einen Verdacht haben, dass ein Kind aus Ihrem Umkreis sexualisierte Gewalt erfährt, tun Sie das bitte nicht als Spinnerei ab. Trauen Sie Ihrem Gefühl, wenn Sie den Eindruck haben, dass etwas nicht stimmt. Schauen Sie genau  hin – nicht weg. Bleiben Sie aufmerksam. Suchen Sie sich Unterstützung. Zum Beispiel beim Hilfetelefon (www.hilfetelefon-missbrauch.de) oder eine spezialisierten Fachberatungsstelle vor Ort (www.hilfeportal-missbrauch.de). 

Alles Gute und viele Grüße vom N.I.N.A.-Team!

Danke das werde ich mal tun

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Gar nicht was passiert kan man meistens nicht verhindern das schlimme daran.

Verhindern? Ich denke das kann man nicht "direkt" verhindern. Es würde bedeuten das ich wie ein Helikopter permanent mein Kind im Auge halten muß. Wie soll das gehen?

Tja, genau, viel Glück dabei.

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Ja schon aber du kannst ja mal irgendwie irgendwas was tun!

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